
Das war’s! Basti, Maria und Jan sind fertig mit der Messe - aber noch nicht mit unserer Berichterstattung! Ein paar weitere spannende Vorschauberichte liefern wir euch in diesem Artikel...
An George Orwells 1984 erinnert das handgezeichnete und atmosphärisch animierte Name of the Will. Darin sind wir eines von tausenden Mitgliedern der Sekte HOPE, tragen eine konforme braune Uniform und, wie jedes andere Mitglied auch, einen Helm, das individuelle Gesichter verbirgt und stattdessen eine immergleiche, krampfhaft lachende Fratze zeigt.
Zu Beginn finden wir uns in einer Art Schulklasse wieder, in der wir den Willen des Sektenführers eingebläut bekommen. Wenn wir noch nicht richtig verstanden haben, dass Schmerz das ist, was er von uns möchte, werden wir erst erschrocken von allen Mitschülern angeschaut, mehrfaches Unwissen fuehrt vermutlich zu ernsthaften Konsequenzen. Der Unterricht wird aber bald abgebrochen, als ein fratzentragender HOPEler am Fenster vorbeisegelt. Er hat wohl den ultimativen Schmerz spüren und den Guru glücklich machen wollen…
Wenig überraschend tauchen bald Risse in der Fassade auf, doch gegen HOPE anzugehen ist gefährlich, und wir haben keine Ahnung, wem wir vertrauen können. Name of the Will ist verstörend - sowohl im Thema als auch in der grob gezeichneten Optik und erzeugt eine dichte Atmosphäre, die einen das Gesehene so schnell nicht vergessen lassen.
Gewinner des ungewöhnlichsten Genres dieses Jahr isgt The Midnight Barber, das die Entwickler als “narratives ASMR-Adventure rund um einen uebernatuerlichen Friseursalon in Barcelona der späten 70er-Jahre” beschreiben. Darin übernehmen wie die Rolle der Friseurin Clara, die Stammkunden sowie neuen Gesichtern die Haare schneiden muss. Mechanisch passiert das als Rhythmus-Spiel, in dem man im richtigen Moment die richtige Aktion drücken muss, ein wenig wie in Titeln wie Guitar Hero: Schnippschnipp--sprüh, schnippschnipp-sprüh…
Das ganze ist aber sehr narrativ angelegt und auf die Story fokussiert: Alle zwei Aktionen wird ein weiterer Dialog-Satz abgespielt, regelmäßig müssen wir strategisch die richtigen Gesprächsthemen auswählen und clevere Antworten geben. Gleichzeitig hilft die chillige Musik, zunehmend tiefenentspannt das Haareschneiden zu meistern. Schon im ersten Kapitel mussten wir uns dabei entscheiden, ob witr unserer Stammkundin vertrauen, die erzählt, dass bei ihrem letzten Auftrags-Diebstahl etwas schiefgelaufen ist, oder dem bärtigen Typ (ein Werwolf?), der plötzlich auftaucht?
Dazu gibt es eine Stadtkarte, in der wir neue Gesprächsthemen finden können, und regelmässige Zeitungsausgaben, die denselben Zweck erfüllen. Der Produktionswert scheint sehr hoch, die schicke Grafik hilft, sich in den uebernatuerlichen Friseursalon zu versetzen. Erscheinen soll das Spiel am 27. April.
Falling Apart is das neue Puzzle-Adventure von den Machern von Follow the meaning, das wieder in Kooperation mit Rusty Lake veröffentlicht wird. Das passt sehr gut, denn der Vergleich mit Rusty-Lake-Spielen wie Cube Escape drängt sich auf: Anstatt von Story und Dialogen steht hier nämlich die verstörende Atmosphäre und Knobeleien im Vordergrund.
Wir konnten in Köln ein Level spielen, in dem wir verschiedenen Besuchern einer Bar helfen, indem wir Gegenstände und Codes finden sowie kleinere Logikrätsel lösen. Man findet aber auch mal einen abgetrennten Kopf in einem Kühlschrank und zieht einem abwesend erscheinenden Herren einen Wurm aus der Nase. Erscheinen soll Falling Apart in der ersten Jahreshälfte 2027. In der Rahmenhandlung spielen wir übrigens einen Mann, der mittels Hypnose seine eigene fragmentierte Gedankenwelt erkundet - ein Trend-Thema auf der diesjährigen gamescom.
Der Inszenator Dodger wird von einem dubiosen Regisseur engagiert, das verfluchte Stück The Tragedy of King Faulk aufzuführen. In einem lange ungenutzten Theater beginnen die Vorbereitungen. Doch schon bald geschehen merkwürdige Ereignisse und Unfälle, und es stellt sich heraus: Jeder Fehler des Spielers wird vom Fluch des Stücks sofort bestraft. Nun gilt es, die Aufführung so perfekt wie möglich “über die Bühne” zu bringen, um den Fluch zu brechen.
Gespielt wird aus der Ich-Perspektive. Man untersucht das Theater, spricht mit der Besetzung (die wohl auch das eine oder andere Geheimnis birgt) und bedient verschiedene Theatermaschinen, um alles richtig einzustellen. Das Spiel von Kaigan Games verbreitet eine schaurige Atmosphäre. Freunde von Horror-Adventures an unheimlichen Orten, die trotzdem mit Charakteren, Zwischensequenzen und hübschen Animationen belebt werden, können sich Deadly Rehearsal durchaus mal vormerken. Ein Release ist 2027 vorgesehen..
Zu guter Letzt haben wir noch kurz den Stand von Shueisha Games überflogen. Den japanischen Publisher, der zunehmend auch auf den englischsprachigen Markt drängt, haben wir 2026 in der Business Area entdeckt und uns dort die beiden ungewöhnlichen Titel Urban Myth Dissolution Center und OPUS: Prism Peak zeigen lassen. Diesmal sind Spiele aus dem umfangreichen Katalog auch in der Indie Arena anspielbar.
Angeschaut haben wir uns UN:Me, in dem man als Therapeut eine junge Frau mit vier unterschiedlichen Persönlichkeiten behandelt. Die Grafik ist sehr aufwändig, und man muss - ihr ahnt es schon - in jede der vier Gedankenwelten eintauchen, um herauszufinden, welche der Persönlichkeiten bleiben und welche weichen muss. Entsprechend nennt Shueisha das Genre des Spiels auch „Soul Triage Adventure“. Inhaltlich ist UN:Me, das noch 2026 für alle gängigen Konsolen erscheinen soll, kein klassisches Adventure-Game, aber wer auf surrealen, psychologischen Horror steht, kann sich das manchmal etwas durchgeknallt wirkende Spiel durchaus einmal näher ansehen.
Außerdem beworben wurde der Titel Season of Books and Keys, der ebenfalls noch dieses Jahr für Steam und Nintendo Switch erscheinen soll. Beim Spiel handelt es sich um eine klassische Drama-Visual-Novel nach der gleichnamigen Buchreihe, die in Japan große Erfolge feiert. Als eines Tages an der Schule eine mysteriöse Safe-Box auftaucht, gilt es für die Mitglieder des Bücherei-Clubs, deren Geheimnis zu lösen. Doch schon bald wird aus dem kleinen Geheimnis ein ganz großes: Sachen verschwinden, ein Schüler nimmt sich das Leben. Das Spiel ist ausführlich mit hübschen Illustrationen und einer vollständigen Sprachausgabe versehen. Gameplaytechnisch sind primär Entscheidungen zu treffen, wie man es aus anderen Visual Novels kennt. Wer das Buch bereits gelesen hat, darf sich über ein Spezialkapitel freuen, das es so nur im Spiel geben wird.
Wer sich für Adventures aus dem asiatischen Markt interessiert, kann sich das ausführliche Angebot von Shueisha Games auf deren englischsprachiger Webseite ansehen.
Mit Servant of the Lake verschlägt es uns ins Jahr 1924 auf das Anwesen der aus Rusty Lake: Roots bekannten Familie Vanderboom. Als neu eingestellter Bediensteter gilt es, ein Wochenende lang die Wünsche der Familienmitglieder zu erfüllen – und wer die Reihe kennt, dürfte bereits ahnen, dass damit nicht das Servieren von Kaffee und Kuchen gemeint ist.
Jeder Tag bringt neue Aufgaben mit sich, deren Skurrilität auf gewohnt charmant-morbide Weise die Handschrift der Serie trägt. Wir erkunden das Anwesen, sammeln Gegenstände, kombinieren diese und lösen die gewohnt eigenwilligen Rätsel, während wir nebenbei immer tiefer in die Geheimnisse der Vanderbooms geraten. Neu mit dabei sind eine Sprachausgabe sowie eine Art Mini-Questlog, das dabei hilft, zwischen all den sonderbaren Arbeitsaufträgen nicht den Überblick zu verlieren.
Spielerisch bleibt Servant of the Lake damit angenehm nah an der bekannten Rusty-Lake-Formel: klassisches Point-and-Click, schräge Figuren, makabrer Humor und dieses permanente Gefühl, dass mit der Familie ganz gewaltig etwas nicht stimmt. Und als Bonus gibt es eine rote Katze. Damit wären die wirklich wichtigen Features ebenfalls geklärt.
Mit Tuned In liefert Vercors Games ein ungewöhnliches Horror-Adventure, bei dem ein verfluchter Röhrenfernseher zur Schnittstelle zwischen Spieler und Spielwelt wird. Gefangen im Programm einer finsteren Entität wechseln wir zwischen verschiedenen Kanälen, suchen nach Hinweisen und lösen Rätsel, während Realität und Fernsehübertragung zunehmend miteinander verschmelzen. Unsere Entscheidungen beeinflussen dabei nicht nur den Verlauf der Geschichte, sondern auch das Schicksal anderer Überlebender und führen zu unterschiedlichen Enden.
Besonders spannend ist die Idee, dass jeder Sender wie ein eigenes kleines Horrorszenario funktioniert und dabei sogar zwischen unterschiedlichen Subgenres und Spielmechaniken wechselt. Gesteuert wird das Geschehen über die Knöpfe und Regler des virtuellen Fernsehers, deren Funktionen sich ebenfalls verändern können. Optisch setzt Tuned In auf einen handgezeichneten Graphic-Novel-Stil, der je nach Programm von düsterem Slasher bis zu körnigem Folk-Horror reicht.
Auf der gamescom konnten wir den Prolog sogar an einer physischen Nachbildung des Fernsehers ausprobieren. Die echten Knöpfe und Regler zu bedienen, deren Funktion sich passend zum Geschehen immer wieder änderte, machte das ohnehin ungewöhnliche Konzept erstaunlich immersiv. Bleibt allerdings die Frage, wie viel davon zu Hause übrig bleibt – wir können uns gut vorstellen, dass das Erlebnis mit einem gewöhnlichen Gamepad etwas abflacht. Ein Erscheinungstermin steht bislang noch nicht fest, der Prolog kann aber bereits kostenlos ausprobiert werden.
Und nun noch ein kleiner Blick über den Tellerrand: Endlich wieder Silent Hill in der Ego-Perspektive! Bereits die First-Person-Abschnitte in Silent Hill 4: The Room konnte damals ausgesprochen gut gefallen und nach dem tragischen Ende von Silent Hills samt seiner legendären P.T.-Demo sah es lange so aus, als müssten wir auf ein komplettes Silent Hill aus dieser Perspektive verzichten. Townfall holt das nun nach – und nach rund anderthalb Stunden mit der gamescom-Demo sind wir darüber ziemlich froh. Gerade als alter Horrorfreund ist die unmittelbare Perspektive doch wesentlich immersiver.
Wir spielen Simon, der zu Beginn an der Küste einer nebelverhangenen Stadt angeschwemmt wird. Warum steckt eine Infusion in seiner Hand? Wie ist er hier gelandet? Und was genau ist an diesem Ort passiert? Bei der Erkundung wird schnell deutlich, dass Simon die Stadt kennt und hier gemeinsam mit seiner Frau Zoe gelebt hat. Über einen kleinen tragbaren Monitor meldet sie sich immer wieder bei ihm und fordert ihn auf, sie zu finden. Viel mehr möchte man an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht wissen – schließlich gehört das langsame Zusammensetzen der Ereignisse zu den interessantesten Aspekten der Demo.
Natürlich wäre es kein Silent Hill ohne dichten Nebel, verlassene Gebäude und Kreaturen, denen man lieber nicht nachts auf dem Heimweg begegnen möchte. Trotzdem entwickelt Townfall eine etwas eigene Stimmung: Während der Demo-Spielzeit auf der gamescom mussten wir mehrfach an Krieg der Welten und Stephen Kings Der Nebel denken. Besonders schön ist, dass sich das Spiel bislang überraschend stark auf Erkundung, Geschichte und Rätsel konzentriert. Kämpfe spielten in den gezeigten Abschnitten eine deutlich kleinere Rolle als in manch anderem Serienteil – ob das im fertigen Spiel so bleibt oder später doch noch ordentlich die Monsterkeule geschwungen wird, muss sich zeigen.
Zusätzlich stehen verschiedene Spielmodi zur Auswahl, darunter ein Story-Modus. Wer sich also vor allem für Atmosphäre und Handlung interessiert, soll offenbar ebenfalls auf seine Kosten kommen. Unser erster Ausflug nach Townfall macht jedenfalls Lust auf mehr: Die Ego-Perspektive steht dem psychologischen Horror der Reihe verdammt gut und nach anderthalb Stunden wollten wir vor allem eines – wissen, was zur Hölle hier eigentlich passiert ist.

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