
Wir sind zurück vom ersten Messe-Tag und haben für euch zusammengestellt, welche Adventures wir uns am Mittwoch angeschaut haben.
Die ARD hat uns verraten, dass sie als Ergänzung ihres Fernsehprogramms mehr narrative Spiele produzieren möchte. In diesem Sinne zeigt sie auf der gamescom A Night at Moka Efti: A Babylon Berlin Story, das im Universum der erfolgreichen ARD-Serie Babylon Berlin spielt und von Paintbucket Games gemacht wird, die als Entwickler der Darkest-Files-Titel bereits relevante Erfahrung haben.
In dem Spiel schlüpfen wir in die Rolle der Journalistin Gabriele Miersch, die ihr Gedächtnis verloren hat und dieses in einer Hypnosesitzung wiederfinden will. Szenenweise erinnern wir uns dabei an unsere Investigation in einem Berliner Nachtclub, einen Mordfall und sensible Enthüllungen aus dieser Nacht. Wem können wir uns anvertrauen? Und wer wird uns an die Nazis verkaufen? Und welche Erinnerung wollen wir als nächstes ergründen?
Spielerisch erinnert A Night at Moka Efti an narrativ fokussierte Titel wie Disco Elysium: Anstatt Rätsel zu lösen entscheiden wir, welchen Charakteren wir vertrauen, welchen Spuren wir nachgehen, und wie unsere Erinnerungen zu interpretieren sind. Die Grafik fängt gelungen ein, wie manche Erinnerungen verschwommen sind, vielleicht sogar falsch, während andere Details klar sind. Die Atmosphäre war bereits in der Messedemo sehr dicht.
Als erstes Adventure am Stand der griechischen Delegation haben wir The Purple Peacock von Twin Creative Studio angespielt. Dabei handelt es sich um ein äußerst klassisches Point-and-Click-Adventure im 2D-Stil, das von Vorbildern wie Baphomets Fluch inspiriert ist.
Als Antiquitätenhändler Virgil Russ werden wir zu Beginn beauftragt, die sagenumwobene Briefmarke “The Purple Peacock” zu finden - ein Auftrag, der uns in das beschauliche Städtchen Eugene Grove führt. Dort befragen wir die Einheimischen nach der Briefmarke und hören bald von weiteren Mysterien wie das um das verlassene Internat der Stadt.
Spielerisch lösen wir klassische Inventarrätsel, um neue Locations auf der Stadtkarte freizuschalten und die Geheimnisse von Eugene Grove zu lüften. Wenn im Oktober wie geplant die Demo erscheint, will der Entwickler über Discord und andere Kanäle das Feedback der Community umsetzen. Erscheinen soll das Spiel erst Ende 2027.
Das zweite Adventure am griechischen Stand war Mechanis Obscura, das als First-Person-3D-Adventure einen starken Kontrast zum klassischen Purple Peacock lieferte. Im Intro sehen wir unser alter Ego in FMV-Szenen, wie er potentiell subversive Websiten kreiert, von mysteriösen Geräuschen gestoert, und schließlich von Maskierten Einbrechern entführt wird.
Danach wachen wir in einem 3D-Escape-Room voller Codes und Rätsel auf - ohne eine Idee, wo wir sind oder was wir hier machen. Der Solo-Entwickler baut bewusst Elemente ins Spiel ein, die eher auf der Metaebene liegen und sogar aus dem Spiel herausführen. Bereits jetzt streut er im realen Internet Informationen, auf die das Spiel später Bezug nehmen wird. Eine Demo ist bereits online, erscheinen soll Mechanis Obscura im 2. Quartal 2027.
Eine echte Weltpremiere hat uns Ralf Adam mitgebracht, der Adventure-Fans als Verantwortlicher für die deutschen Übersetzungen und Vertonungen von Simon the Sorcerer I & II bekannt sein kann, der aber auch in vielen anderen Rollen an vielen anderen Spielen - inklusive Adventures - mitgewirkt hat. Als großer Fan von Venedig hat er, mehr als Hobby-Projekt, in den letzten Jahren solo an seinem eigenen Adventure gearbeitet: The House that Kills
Das titelgebende Haus ist der reale Palazzo Dario, das alten venezianischen Legenden zufolge verflucht ist - regelmäßig sollen hier Menschen unglücklich ums Leben gekommen sein. Im Spiel ist es niemand Geringeres als Sherlock Holmes und seine Kollegin Watson, die auf den Fall aufmerksam werden und nach Venedig reisen. Vorlage ist keine existierende Arthur-Conan-Doyle-Geschichte, Sherlock-Experte und Games-Industrie-Anwalt Oliver Naujoks hilft aber dabei, den richtigen Ton zu treffen. Andere Inspirationsquellen sind das Buch Ghost Stories of Venice, die Serien Mit Schirm, Charme und Melone und Akte X (für die Sherlock-Watson-Dynamik), das Adventure To the Moon und insbesondere die Stadt Venedig selbst, die Ralf Adam regelmäßig besucht.
Visuell wirkt die Tile-basierte Technik auf den ersten Blick wie ein detailliert gepixeltes JRPG, tatsächlich ist The House that Kills aber ein waschechtes Point-and-Click-Adventure: Mit Maussteuerung bereisen wir zahlreiche Locations in Venedig, sammeln Gegenstände ein, reden mit den Bewohnern der Stadt, und lösen Rätsel. Die sind manchmal klassische Inventarrätsel, in Sherlocks “Mind Palace” gilt es aber auch, die korrekten Informationen miteinander zu verknüpfen, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Wer nicht weiter weiß, darf Watson um Rat bitten. Ein paar Minigames konnten wir auch schon sehen, die werden aber automatisch einfacher, wenn Spielerinnen und Spieler an den Geschicklichkeitspassagen scheitern.
Als druckfreies Solo-Projekt gibt es aktuell noch keine konkreten Infos zum Release, das Spiel ist aber bereits sehr weit fortgeschritten, hat deutsche und englische Texte und ist, wie es scheint, sehr umfangreich. Dementsprechend will Ralf Adam es auch in die Hände von Spielern bringen.
Ein Spiel eher im Stil klassischer Abenteuerbücher ist Omen Exitio: Hunger: Zur Zeit der Prohibition schlüpft man in die Rolle des investigativen Journalisten Richard Pickmann, der bei einem tragischen Ereignis Frau und Kind verloren hat und nun in New York verschiedene Fälle recherchiert. Kinder verschwinden, einige werden scheinbar getötet, und hin und wieder sichtet Richard ein Wesen mit einer grässlichen Fratze am Tatort. Je weiter man im Spiel voranschreitet, desto surrealer werden die Sequenzen. Irgendwann erscheinen dem Journalisten sogar am helllichten Tag die eigentlich toten Kinder im Park.
Der düstere Film-Noir-Stil erinnert ein wenig an Sin City und wird durch viel - wirklich sehr viel - Text transportiert. Im Prinzip spielt sich Omen Exitio eher wie ein Buch, das jedoch durchgehend durch zahlreiche neue Grafiken und die ein oder andere Animation illustriert wird. Ein Großteil der Interaktion beschränkt sich auf das Auswählen unterschiedlicher Multiple-Choice-Optionen. Diese scheinen das Spiel jedoch durchaus in verschiedene Richtungen zu lenken, sodass es wohl eine recht große Anzahl an unterschiedlichen narrativen Strängen zu erleben gibt. Navigiert wird zudem über eine Karte, und je nach gewählten Optionen sind unterschiedliche Orte in New York besuchbar. Wer trotzdem ein wenig knobeln möchte, kann dies in einfachen Recherche-Sequenzen tun, in denen ein Tatort klassisch per Point-and-Click durchsucht wird und immerhin der ein oder andere Gegenstand entdeckt werden kann. Als Trigger-Warnung sei angemerkt, dass das Spiel Gewalt und Missbrauch an Kindern ziemlich offensiv thematisiert.
Der 3D-Animator und Comic-Artist Joveguille veröffentlicht seit über 10 Jahren einen regelmäßigen Comicstrip Jordi & Oslo in einer katalanischen Zeitung. Schon seit einigen Jahren arbeitet er an Jordi & Oslo - The Lost Tail, einen handanimierten Point-and-Click-Adventure mit den Charakteren aus seinem Strip.
Das Spiel fällt zunächst durch die wunderschön handgemalten Hintergründe und die üppig animierten Charaktere auf. Humor und Gameplay richten sich an die ganze Familie - wer gerne Adventures mit seinen Kindern spielt, sollte sich den Titel auf jeden Fall anschauen. Wir mussten aber auch ohne das Beisein von Kindern schmunzeln, als Jordi im ersten Rätsel Kakteen rasieren muss, um diese für eine Brieftaube aus dem Weg räumen zu können. Jordi ist ein kleiner Junge, der im Spiel feststellt,, dass der befreundete sprechende Drache Oslo verschwunden ist. Nach langer Entwicklungszeit wird das Spiel bald fertig, im kommenden Jahr soll es erscheinen.
In einer postapokalyptischen Welt untersucht man im 2D-Pixelart-Look mehrere mysteriöse Kriminalfälle. Statt klassischer Inventarrätsel stehen genaue Beobachtung und Deduktion im Vordergrund: Man sammelt weniger Gegenstände als vielmehr Gedanken und Wörter, fügt sie in Lückentexte ein, beantwortet damit nach und nach alle relevanten Fragen, verknüpft sie zu neuen Schlüssen und eröffnet damit zunehmend neue Fälle, bis man dem Geheimnis auf die Spur kommt..
Das Team aus Saarbrücken, das bereits mit Lacuna und Beyond Horizons gezeigt hat, wie atmosphärisch dicht dieser Stil sein kann, beweist auch bei From Ruins sein Gespür für Stimmung. Spannungsgeladene Musik, hübsche Animationen und eine gespenstisch anmutende Welt ziehen schnell in ihren Bann. Dazu kommen clevere Minigames, die auf den ersten Blick verwirrend oder komplex wirken, sich aber mit etwas logischem Nachdenken völlig nachvollziehbar lösen lassen - etwa das Verbinden von Energieströmen oder das Drehen von Ventilen in die richtige Richtung. Niemals aber ohne das kleine Quäntchen „um die Ecke denken“.
Für Fans düsterer Pixelart-Adventures, die offen für eine etwas andere Spielmechanik sind und gerne grübeln und knobeln, könnte From Ruins genau das Richtige sein. Das Spiel soll 2027 erscheinen.
Cages: Hidden Worlds von Big Loop Studios ist ein Rätselspiel ganz in der Tradition von Genre-Klassikern wie The Room oder den Big-Loop-Titeln Doors und Boxes. In First-Person-3D laufen wir nicht aktiv in der Szenerie herum, sondern schauen uns lediglich um und zoomen an Details der Maschinen und - in diesem Fall - Käfige heran. Dann drehen, schieben, drücken und ziehen wir an den richtigen Maschinenteilen in der richtigen Reihenfolge, um das nächste Element freizulegen. Hin und wieder entdecken wir dabei komplexere Logikrätsel, die es zu knacken gilt.
Die Atmosphäre in dem verlassenen Cyberpunk-Zirkus, in dem Cages spielt, ist recht düster: in der Regel finden wir kleine Automaten-Kinder in den Käfigen, die sich die Augen ausschlagen oder anderweitig unfroh erscheinen. Visuell ist das Spiel aber sehr detailliert. Eine Demo könnt ihr bereits bei Steam spielen, das komplette Spiel erscheint erst Anfang 2027.

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