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Test

von  Michael Stein
28.12.2015
Stasis
Getestet auf Windows, Sprache
  • Deutsch
  • Englisch

Unter dem Namen The Brotherhood entwickelten zwei Brüder aus Südafrika über fast ein Jahrzehnt hinweg ein Science-Fiction-Horror-Adventure. Den entscheidenden Schub gab Ende 2013 eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne, die einen sechsstelligen Betrag für die Fertigstellung in die Kasse spülte. Seit Ende August 2015 ist das Spiel online verfügbar, eine Box-Version brachte Daedalic Entertainment Mitte Oktober in die Läden. Das Ergebnis haben wir uns angesehen.

Das ist nicht mein Schiff!

John Maracheck ist verwirrt. Nicht nur, weil er gerade aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht ist, sondern weil er sich nicht auf dem Schiff befindet, auf dem seine Frau, seine Tochter und er eingeschlafen sind. Weit beunruhigender ist jedoch der Umstand, dass er völlig allein zu sein scheint, alles irgendwie durcheinander und kaputt ist und permanente Lautsprecherdurchsagen einen beunruhigenden Zustand des Schiffes melden. So ganz gesund ist auch er selbst nicht. Also muss als erste Aufgabe ein Medibot aktiviert werden, mit dessen Hilfe John seinen Gesundheitszustand diagnostizieren und sich entsprechende Medikamente geben lassen kann. Danach begibt er sich auf die Suche nach seiner Familie. Bereits nach kurzer Zeit bekommt John Funkkontakt zu einer Frau namens Te'ah, die ihm Hinweise gibt und von der Ferne kleinere Aufgaben wie das Scannen von DNA-Proben zukommen lässt.

Eine Bahnfahrt, die ist lustig

Nicht für Kinder

In Deutschland hat Stasis von der USK eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten. Zu Recht, denn das Spiel ist nicht nur sehr gewaltlastig, sondern ein echtes Splatter-Werk, bei dem mit Blut und Ekel nicht gespart wurde. Selbst unser Spielcharakter muss sich an einer Stelle übergeben. Hier werden menschliche Gedärme als Objekte in Rätseln eingesetzt, Gliedmaßen abgetrennt und man schwimmt durch ein Becken mit Nährlösung zwischen Leichen herum. Zart besaitete Gemüter sollten also einen Bogen um das Spiel machen.

Grafisch nicht auf dem neuesten Stand

Die Hintergrundgrafiken in Stasis liegen in einer Auflösung von 1280x720 vor und werden bei höheren Desktopauflösungen hochskaliert. Dadurch wirkt das Spiel auf großen Monitoren leicht verwaschen. Dieser Umstand dürfte auf die lange Produktionszeit zurückzuführen sein, denn erste Screenshots waren im Visionaire-Forum bereits 2010 aufgetaucht. Insgesamt geht die Entwicklung aber noch weiter zurück. Abgesehen davon machen die Hintergründe aber eine tolle Figur. Es wurden unglaublich viele Details eingearbeitet und später noch mit vielen kleinen Animationen und Effekten aufgewertet. Ob Feuer, Rauch, Funken, tropfendes und fließendes Wasser, man hat sich viel Mühe gegeben, die Umgebung möglichst zu beleben. Unterstützt wird dies durch einen dichten Klangteppich aus tollen Soundeffekten, ständig wechselnder Hintergrundmusik und einer gelungenen englischen Sprachausgabe. Die deutschen Untertitel enthalten den einen oder anderen Fehler, sind aber insgesamt durchaus brauchbar.

Die Hintergründe sind allesamt düster...

Fast wie früher

Eine markante Eigenheit von Stasis ist die isometrische Perspektive, welche man hauptsächlich aus Strategiespielen wie Warcraft oder Action-Rollenspielen wie Diablo kennt. Auch im Adventure-Bereich fand diese schon des öfteren Verwendung, zum Beispiel im Horror-Adventure Sanitarium oder bei Keepsake. In den letzten Jahren ist dieser Stil stark aus der Mode gekommen, sodass Stasis schon allein durch die Darstellung ein gewisses Retro-Gefühl erzeugt. Auch die Laufanimationen der Spielfiguren, die tatsächlich nur in genau vier Richtungen laufen und deshalb manchmal etwas ulkig abbiegen, sind nicht mehr wirklich zeitgemäß. Dennoch lässt sich das Spiel sehr einfach mit der Maus steuern. Bis auf kleinere Wegfindungsprobleme, bei denen man als Spieler eben nicht wild in die Gegend klicken kann, sondern die Route durch mehrere Zwischenschritte genauer vorgeben muss, geht die Navigation leicht von der Hand. Das Spiel setzt auf verschiedene Arten von Rätseln, die allesamt gut in die Spielwelt integriert sind. Gegenstände im Inventar können miteinander oder mit der Umgebung kombiniert werden, kleinere Maschinenrätsel und ein einzelnes Minispiel sind eine willkommene Abwechslung. Insgesamt geht es aber hauptsächlich darum, in der relativ umfangreichen Spielwelt weiter zu kommen und neue spielbare Abschnitte zu erreichen. Der Storyhintergrund wird dabei hauptsächlich durch Nachrichten auf zahlreichen PDAs aufgeklärt. Wer alle diese Hinweise gründlich durchliest, wird dadurch die Spielzeit stark strecken.

Einmal das große Paket bitte

Storytechnisch bedient sich Stasis praktisch überall, wo Science Fiction und Horror in Film und Spiel aufeinandertreffen. Das Grundszenario erinnert ein wenig an Space-Schocker wie Alien, aber auch jüngere Vertreter wie Event Horizon haben ihre Spuren hinterlassen. Nichts erscheint irgendwie neu erfunden, eher auf unterhaltsame Weise neu zusammengestellt. Die Geschichte fesselt von Anfang an, lässt aber leider ab etwa der Mitte ein wenig nach und bedient danach zu viele Klischees. Gleichzeitig nimmt der Splatter-Faktor in der zweiten Hälfte des Spiels ständig zu und nutzt sich damit gleichzeitig auch ein wenig ab. Zuletzt gibt es noch einen etwas zu vorhersehbaren Showdown. Hier wäre noch viel Luft gewesen, um das Spiel zu einem richtig guten Science-Fiction-Titel werden zu lassen.

... und blutig

Fazit

Stasis ist ein Spiel, das gut unterhält. Mit einer Spielzeit von etwa acht Stunden erreicht es eine ordentliche Länge, füllt diese Zeit aber nur teilweise mit einer interessanten Geschichte. Dennoch ist der Titel für Science-Fiction- und Horrorfans eine Empfehlung wert.

Kommentar des Verfassers

detail

Es hätte so schön sein können. Atmosphärisch 1A-Soundkulisse mit einem gruseligen Score, einer (bis auf einige übertriebene Stellen) guten Sprachausausgabe und tollen Soundeffekten. Die sehr detaillierte Hintergrundgrafik und professionellen Zwischensequenzen deuten ebenfalls auf ein überzeugendes Dead Space für Adventure-Spieler hin. Leider bleiben Charaktere und Geschichte einfallslos und verkommen zu nichts weiter als Kopien von Genre-Filmen wie Aliens und Event Horizon. Die Parallelen zu Dead Space sind teilweise auch recht dreist abgekupfert. Das Lesen von ellenlangen PDA-Einträgen wird zur Routine und wenn man diese weglässt, bleibt die gesamte Hintergrundgeschichte auf der Strecke. Sie vermag die in den Grundzügen interessante Hauptgeschichte nicht so recht in Fahrt bringen, während diverse Schockeffekte und öfters auch unnötig übertriebene Gewaltdarstellungen auf die Dauer doch recht monoton werden. Die Rätsel betreten bis auf einige Ausnahmen ebenfalls kein Neuland, während das vermehrte Ableben der Hauptfigur ebenso nervig ist wie die seltsam gesetzten automatischen Speicherpunkte. Unterm Strich bleibt es bei einem schön anzusehenden und anzuhörenden Spiel, das leider sehr viel Potenzial in Charakterzeichnung und Storytelling verschenkt.Sascha nufafitc Pongratz

Stasis hat mich von Anfang an gut ins Spielgeschehen gezogen. Leider ließ das anfängliche Interesse im späteren Verlauf nach, da die Geschichte die anfänglichen Erwartungen nicht erfüllte. Trotzdem ist es für mich einer der interessantesten Science-Fiction-Titel der letzten Jahre.

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Leser- Wertung

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Pro
Contra
  • Unheimliche Soundkulisse
  • Gute Rätselintegration
  • Schön umgesetzte Grafik...
  • ... die leider auf großen Monitoren unscharf wirkt
  • Schwächen bei der Story
  • Vorhersehbares Ende