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Features

Über den Tellerrand: Joe's Diner
Vom: 26.06.2015

 

Entwickler: VIS

 

Mit <url=http: style="font: 13px/17px Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif; text-align: justify; color: rgb(0, 0, 0); text-transform: none; text-indent: 0px; letter-spacing: normal; word-spacing: 0px; white-space: normal; widows: 1; -webkit-text-stroke-width: 0px;" teller_pineviewdrive.php="" features="" artikel="" www.adventure-treff.de="">Pineview Drive wollte der Entwickler VIS ein gruseliges Adventure schaffen - und produzierte einen Titel mit guten Ansätzen, der letztlich aber eine plakative Geisterbahnfahrt ohne größere Hintergrundgeschichte mit einer sich stumpf wiederholenden Schlüsselsuche war. Ob es das neue Spiel Joe's Diner besser macht?

Nacht 1

"Jo, das sieht schon mal besser aus als Pineview Drive". Das ist das Erste, was mir nach dem eigentlichen Spielstart von Joe's Diner durch den Kopf geht, nachdem ich die wieder langen und nicht überspringbaren Entwickler- und Publisher-Logos über mich habe ergehen lassen. Ich bin die Vertretung der Nachtschicht in einem abgelegenen Diner in der Wüste. Natürlich wurde das Gebäude – wie sollte es auch anders sein – auf einem ehemaligen Indianerfriedhof errichtet. Und zwei dieser Ureinwohner, "Grimmige Feder" und "Lustiger Vogel", können sich über den Tod hinaus nicht leiden. Deswegen macht "Lustiger Vogel" jeden Abend Krach. Und wenn er zu viel Krach macht, dann kommt "Grimmige Feder" und rächt sich auch an mir. Aus Gründen, wahrscheinlich. All das erzählt ein Sprecher in einem recht stimmungsvollen Intro, während die Kamera in Schwarz-Weiß-Ruckelfilm-Optik an dem Diner vorbeifährt. Über den Tippfehler in den Untertiteln sehe ich großzügig hinweg und schon stehe ich im Diner. Die Aufgabe: Bis 6 Uhr alle Tische abräumen. Laufen per WASD, interagieren mit E. Klingt machbar, aber leider habe ich offensichtlich nur einen Arm. Denn ich kann stets nur ein Objekt (Teller, Plastikbecher, Eisschale...) aufnehmen und zum erstaunlich geräumigen Mülleimer in die Küche bringen. Eine Anzeige am unteren Bildschirmrand macht sichtbar, wie laut ich dabei bin. Die Anzeige geht nach oben. Etwas gluckert. Die Kaffeemaschine. Ich laufe hin und schalte sie per E-Taste wieder aus. "Lustige Feder" hat noch mehr auf Lager, schaltet eine Jukebox und einen Fernseher an. Ich schalte im Vorbeigehen beides wieder aus. 
Schließlich habe ich alles eingesammelt und "Die Nachtschicht überstanden". Hätte ich nicht alles abgeräumt, wäre ich gefeuert worden, klar. Und wäre es zu laut geworden, hätte mich "Grimmige Feder" geholt. Auch klar.


Willkommen in Joe's Diner!
Spannung bitte an der Kasse abgeben

Nacht 2

Die Grafik bei Joe's Diner ist ganz ansehnlich und der Schauplatz nett eingerichtet. Auch die Umgebung draußen ist detailliert gestaltet. Aber warum haben sich die Entwickler auf das Abräumen der Tische beschränkt? Ich komme mir jetzt schon vor wie beim "Einarmigen Abräum Simulator 2016". Hin und wieder muss ich irgendetwas ausschalten, was "Achsolustiger Vogel" angeschaltet hat. Staubsauger, Telefon, Fernseher. Gruselig ist das nicht, nur nervig. Ich befürchte ein schlimmes Pineview Drive Déjà-vu. Aber immerhin musste ich bislang keine Schlüssel finden und etwas aufschließen. Noch nicht mal das Büro des Chefs. Der ist da offenbar ziemlich entspannt. Aber ich kann eh keine Schubladen aufmachen, von daher ist der Raum optimal geschützt. 

Nacht 3

Sag mal, hat dieses Spiel auch wieder 30 Tage? Mal nachschauen. Ja, hat es. Puh.


Eigentlich ist die Musik ganz gut.
Aber hören darf ich sie nicht

Nacht 4

Haha, "Voll Lustiger Vogel" hat den spritzigen Humor eines 13-Jährigen. Er ruft über Lautsprecher am Telefon im Büro des Chefs eine Sexhotline an. Hihi. Ach ja, und er kann auch die Bratfläche anzünden, mein Handy Störgeräusche machen lassen sowie Eismaschine und Kühlschrank anwerfen (sollten die nicht durchlaufen...?). Ich sammle wie ein Besessener Müll von den Tischen und trete ihn in die Tonne. Und das Spiel wahrscheinlich auch bald. Das ist nicht der Einarmige Abräum Simulator 2016, das geht auch als Langeweile Simulator 2016 durch. Bereits nach vier Tagen ist das Spiel echt eintönig. Und das ist sehr schade, denn das Potential ist da! Die Umgebung ist an sich unheimlich und die Grafik trägt. Ich schaue aus dem Fenster des Diners. Wenn da ein paar gruselige Sachen passieren würden und man müsste im Diner ausharren oder so, das wäre doch was. Aber leider geht es weiter nur ums Tisch abräumen. 

Nacht 10

"Megalustiger Vogel" hat sich etwas Neues ausgedacht: Er legt mir jetzt Chipstüten in den Weg, die laut krachen und sich dann auflösen, wenn ich darauf trete. Oder aber ich nehme sie mit "E" auf. Dann wächst mir kurz und spontan ein zweiter Arm, denn eine Chipstüte kann ich im Gegensatz zu allem anderen zusätzlich zum getragenen Müll aufnehmen. Und zum Teil esse ich die Chips auch, wie durch ein Kaugeräusch klar wird. Ein lautes Rauschen ertönt. Das ist der Handtrockner auf der Toilette. Ich gehe hin und mache ihn aus. Der Wasserhahn in den gegenüber liegenden Toiletten läuft. "Lustiger Vollpfosten" lacht leise und legt neue Chipstüten aus. Ein Spaß dieses Spiel.


Lustig wie Fußpilz:
Chipstpüten im Weg

Nacht 11

Was passiert eigentlich, wenn "Grimmige Feder" so richtig angepisst ist? Ich drehe die Jukebox auf, mache die Kaffeemaschine an, latsche durch Chipstüten und trockne meine Hände. BUM! Ein weißer Blitz und die schwarz-weiße Zeichnung eines Indianerhäuptlings, der zur Seite schaut. Er guckt mich noch nicht mal an! Das soll der gruselige "Grimmige Feder" sein, der sich an mir rächt? Womit denn? Seinem Profil, weil das so furchteinflößend ist? Ich glaube ja mal nicht, das Motiv gibts auf jedem drittklassigen Bazar auf T-Shirts (good quality!). Ne, gruselig ist das Spiel nicht, nur extrem nervig. 

Nacht 18

Heeeey, hoooo, heeey, hooo! Es gibt jetzt nicht nur Chipstüten, auch Quietscheenten und Mausefallen liegen jetzt im Weg. Die Quietscheente macht übrigens auch ein lautes Geräusch, wenn man sie aufnimmt. Aber das stört "Ich kann nicht schlafen Feder" nicht. Nur wenn man drauflatscht. Und die Umrandung der Mausefallen ist so klein gehalten, dass man sie kaum aufnehmen kann, weil man mit fast schon chirurgischer Präzision die Maus darauf richten muss. Ich schlappe einfach rein, wird schon nicht zu laut werden.


Omnomnom!

Nacht 19

Das Spiel macht mich philosophisch. "Was mache ich eigentlich mit meinem Leben?" habe ich mich gerade gefragt. Und dann weiter Müll eingesammelt. In dem Diner würde ich übrigens nicht essen. Die Küche ist eklig und es liegt schimmeliges Brot rum. 

Nacht 20

Ich kann noch nicht mal wie bei Pineview Drive meine Lieblingsserie nebenbei schauen. Dann höre ich die Geräusche nicht, die "Arschlustiger Vogel" auslöst. Zum Beispiel schafft er es, einen Drucker wie ein Fax klingen zu lassen. Magie!


Wenn ich die nicht einsammle, wird das 
wahrscheinlich die Nummer 17 süß-sauer

Nacht 22

Als kleinen Bonus weht jetzt draußen vor dem Diner ein scheißen-lauter Wind. Damit man keine Chance mehr hat, zu erkennen, ob jetzt Kühlschrank oder Eismaschine laufen. Oder beide. Kassiere zwei Game Over. Rage Quit. 

Nacht 26

Mein Freund, dem ich auch schon Pineview Drive gezeigt habe, modifiziert unser Trinkspiel. Bislang unterhaltsamste Spielsession.


Das haben wir gerne: Tot sein,
aber weiter allen auf die Nerven gehen

Nacht 30

Also, so richtig ernst können die Entwickler das doch nicht gemeint haben, oder? Auch in Nacht 30 ändert sich nichts. Einsammeln, leise sein, alles ausschalten. Warum kann "Strunzdoofe Feder" seinem Kollegen "Pubertärer Vogel" im Jenseits nicht einfach eine zementieren und gut ist? Und warum mache ich Nacht für Nacht einen langweiligen Job, bei dem ich gefeuert werde, wenn am Ende noch eine Flasche auf dem Tisch steht, ich aber nie putzen oder staubsaugen muss und der Staubsauger einfach immer im Weg neben einem Tisch stehen bleibt? Egal. Ich hab's geschafft. Es ist vorbei. Und es hat mich tatsächlich nur drei Stunden gekostet. Yeah. 

Fazit

Tja, wie auch bei Pineview Drive stehen sich die Entwickler selbst im Weg. Diesmal ist die "Story" zwar besser ausgearbeitet, dafür ist der Spielinhalt noch repetitiver als in Pineview Drive und nervt enorm schnell. Gruselig ist das ganze auch nicht, obwohl dafür in der Umgebung viel Potential gewesen wäre. Nach wie vor hoffe ich inständig, dass von VIS Games noch ein echtes, gut gemachtes Horrorspiel kommt, denn die Basis ist vorhanden. Aber durch die ersten beiden Spiele musste ich mich wirklich durchkämpfen. Und dass ich mich in beiden Fällen dazu gezwungen habe, bis zum Schluss zu spielen ist gruseliger als Joe's Diner. 

Adventure-Treff-Wertung: 39%

Links:
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