Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

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Hans
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Hans »

Uncoolman hat geschrieben: 12.10.2025, 15:32 Es gibt Grafiken und Statistiken, die zeigen, wieviel Platz man z.B. bräuchte, um die komplette Welt mit Solarstrom zu versorgen. Es ist nicht so viel wie man glaubt.
Ich würde mir das ja auch wünschen, aber selbst wenn es technisch möglich wäre: Wie löst man das Problem der (politischen) Abhängigkeiten? Ich würde aktuell kein Europa wollen, das ernergietechnisch vom sonnenreichen aber politisch weniger stabilen Afrika abhängig ist. Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber ich sehe keine Lösung für dieses Problem. Wenn ich mir anschaue, wie sich überall auf der Welt die Leute die Köpfe einschlagen (wenn nicht physisch, dann zumindest verbal), fällt es mir schwer, an globale Lösungen zu glauben.
Uncoolman hat geschrieben: 12.10.2025, 15:32Es geht nicht um Wirtschaft an sich, sondern um die Ziele von Wirtschaft. So lange es das höchste Ziel ist, so reich wie möglich zu werden, weil man dann "mehr Wohlstand" hat, ändert sich nichts und die Menschheit fährt gegen die Wand.
Naja, immerhin hat uns dieses Modell ziemlich viel Wohlstand auf allen Ebenen verschafft - denn auch "Reiche" bleiben nicht reich, wenn es den "weniger Reichen" zu schlecht geht. Das sorgt für ein gewisses Gleichgewicht (und ich behaupte nicht, dass die Balance überall ausreichend gut ist).
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Simon
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Simon »

Uncoolman hat geschrieben: 12.10.2025, 15:03 Das Denkmuster ist einfach. Ich habe ein paar "Gegner von allem" in meinem Umfeld. Sie werfen der Regierung, insbesondere den Grünen, vor, dass sie Deutschland abhängen, weil sie es wettbewerbsunfähig machen. Es stimmt. Strom ist teuer, Internet ist teuer, usw..
Das kann man so sehen. Aber dann wäre China wirklich unser Vorbild, das heißt, wir müssten Atomkraft und Kohleverbrennung wieder forcieren. Nur: wer sollte dann anfangen, umzudenken? Klar, wir können uns in die Liga der Verschmutzer wieder einreihen. Der Kapitalismus, unser aller Todesurteil, würde das verlangen. Wie man sieht, passen Wirtschaft und Weltschutz nicht zusammen, denn beide sind diametrale Pole. Wir müssen uns entscheiden: mit oder ohne gutem Gewissen.
In China tut sich aktuell viel. Sie sind Vorreiter bei Photovoltaik, Batteriespeicher und E-Mobilität. China macht das sicherlich nicht aus Nächstenliebe und es geht vermutlich auch nicht primär um eine bessere Umwelt (die Produktion dürfte sicherlich noch ziemlich "schmutzig" sein), aber während die USA als globale Macht Rückschritte macht, macht China Fortschritte. Und gleichzeitig bedeutet es auch, dass sich mit Umweltschutz auch Geld machen lässt.

Würdest du dir heute lieber ein Auto kaufen, das 20 Liter Benzin auf 100 km verbraucht oder eins, das mit 5 Litern auskommt? Würdest du heute dein Wohnzimmer lieber mit einem 300 Watt Deckenstrahler beleuchten, oder mit 30 Watt LED-Leuchten? Hättest du lieber einen Laptop, der dir die Knie verbrennt, laut röhrt und den Akku nach 30 Minuten leer hat, oder ein lautlos gekühlten Laptop, dessen Akku zehn Stunden durchhält?

Sicher ist das umweltfreundlichere Produkt nicht immer das beste und billigste. Kurzfristig gesehen ist vermutlich fast immer das weniger umweltfreundliche Produkt das ertragreichere. Und sicher muss auch oft nachgeholfen werden, bevor sich das umweltfreundlichere Produkt durchsetzt, aber ich sehe nicht, dass sich wirtschaftlicher Erfolg und Umweltschutz unausweichlich ausschließen.
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DavidMcNamara
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von DavidMcNamara »

Hans hat geschrieben: 12.10.2025, 20:37
Uncoolman hat geschrieben: 12.10.2025, 15:32Es geht nicht um Wirtschaft an sich, sondern um die Ziele von Wirtschaft. So lange es das höchste Ziel ist, so reich wie möglich zu werden, weil man dann "mehr Wohlstand" hat, ändert sich nichts und die Menschheit fährt gegen die Wand.
Naja, immerhin hat uns dieses Modell ziemlich viel Wohlstand auf allen Ebenen verschafft - denn auch "Reiche" bleiben nicht reicht, wenn es den "weniger reichen" zu schlecht geht. Das sorgt für ein gewisses Gleichgewicht (und ich behaupte nicht, dass die Balance überall ausreichend gut ist).
Ich würde zwischen (1) marktbasierten Wirtschaftsformen (z.B. soziale Marktwirtschaft), (2) Kapitalismus (wie ihn z.B. Adam Smith versteht) und (3) neoliberalem Kapitalismus unterscheiden. Ich denke, dass (1) und mit Einschränkungen auch (2) unterm Schnitt wohlstandsfördernd sind. Bei (3) sehe ich hingegen eine Umverteilung von unten nach oben. Das Resultat: In Deutschland besitzen laut der Vermögensbefragung 2023 zehn Prozent der vermögendsten Haushalte 54 Prozent des gesamten Nettovermögens, die vermögensärmere Hälfte der deutschen Haushalte besitzt dagegen gerade einmal drei Prozent des Nettovermögens (Ansprüche an die gesetzlichen Rentensysteme nicht eingerechnet): https://publikationen.bundesbank.de/pub ... 23--954598 Da geht gerade etwas schief.
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Uncoolman
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Uncoolman »

In einer Welt von Wölfen kann man nicht das einzige Schaf sein. Es ist eine Frage der Ethik, also keine Frage von Wirtschaft. Es gibt Kulturen, die mehr auf die Gemeinschaft setzen als andere. Dieselbe Marktwirtschaft würde unterschiedlich gehandhabt werden. Da der Trend zum Egoismus geht, ist es nicht möglich, sich dagegen zu stemmen, weil man der einzige Verlierer wird. Ich befürchte, dass die große Einsicht erst nach dem totalen Zusammenbruch kommen wird. Auch "Freitags für Zukunft" ist auf die hinteren Plätze gerutscht, obwohl es einst so aussah, als retteten sie unsere Welt. Kurzfristiger Egoismus befriedigt schneller als langfristige Zukunftsplanung. Da das äußerst menschlich ist, wird die überwiegende Mehrheit nicht umdenken. Selbst nach einer Zombieapokalypse wird es weiterhin um den eigenen Vorteil gehen. Bei CoVid haben wir zwar mehr Solidarität gezeigt, andererseits behinderten Eigeninteressen einen globalen Zusammenschluss. Insbesondere die Mächtigen hatten kein Einsehen. Es war ein guter Testlauf für unsere Ethikvorstellungen.
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Simon
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Simon »

Die aktuelle Lage macht es mal wieder nötig, dieses Thema hochzuschieben.

Kann mir mal bitte irgendjemand widersprechen? Sehe ich irgendwas nicht? Aktuell macht unsere Regierung doch alles, um den Klimawandel anzuheizen, den Verbrauch der fossilen Energieträger auch auf lange Sicht möglichst nicht stark zu reduzieren und dabei keinen positiven ökonomischen Effekt in der Breite zu schaffen.

1. Der Netzausbau wird gebremst

Dieser wird meines Wissens benötigt, um den gerade in Norddeutschland existierenden Stromüberschuss in den Süden zu transportieren. Ohne diesen Ausbau können entweder im Süden keine Energieintensiven Betriebe (u.a. Rechenzentren) angesiedelt werden, oder es müssen zusätzliche Gas- oder Kernkraftwerke gebaut werden.

2. Es wird wieder deutlich attraktiver, eine Gas- oder Ölheizung zu verbauen

Durch die letzte Regierung war alles - Handwerksbetriebe, Hersteller und auch Verbraucher - so ausgerichtet, dass die Menschen ihre Heizung durch Wärmepumpen ersetzen. Diese wären selbst dann noch effizienter, wenn sie mit Strom aus Gaskraftwerken betrieben würden. Durch das neue Gesetz werden Verbraucher verunsichert und Mietshausbesitzer bekommen einen kurzfristigen finanziellen Vorteil, wenn sie eine fossile Heizung verbauen. Für die Hersteller, die in den Aufbau von Wärmepumpen-Produktion investiert haben, wird diese Investition teilweise hinfällig. Wenn ich jetzt eine Gasheizung verbaue, investiere ich viel Geld in eine Technologie, die mich langfristig an fossile Energieträger bindet. Hier bin ich immer umweltschädlicher unterwegs und abhängig von Krisenregionen.
Gleichzeitig wird für alle das Heizen mit fossilen Energieträgern in Zukunft für alle teurer, da nicht vorhandenes Biogas zu festen Quoten genutzt werden muss.

3. Private Solaranlagen sollen deutlich unattraktiver werden

Es wurde zuletzt sehr viel Photovoltaik installiert. Trotzdem gibt es immer noch jede Menge Häuser ohne Photovoltaik auf dem Dach. Also ist das Ganze doch noch nicht so attraktiv, dass es ein Selbstläufer ist. Jetzt sollen die 7-8 Cent feste Einspeisevergütung pro kWh auch noch fallen, stattdessen müssen Besitzer kleiner Solaranlagen selbst Verträge mit Abnehmern abschließen samt technische Vorraussetzungen hierfür schaffen. Bürokratie und zus. Kosten, die die Sinnhaftigkeit der Einspeisung weiter senken.
In einem Bericht hat ein Experte begründet, dass der Betrieb großer Solarparks deutlich effizienter sei, und man auf diese Erzeugung von Solarstrom setzen möchte. Daran verdienen dann also wieder Konzerne. Gleichzeitig wird hier dann wieder um Fläche konkurriert, die auch für den Anbau für "Energiepflanzen" für das Biogas benötigt würden.
All das konkurriert dann mit der Nahrungsmittelerzeugung.


All diese Punkte sind Puzzleteile, die für mich ganz klar darauf ausgerichtet sind, der fossilen Industrie noch ein paar Jahr Gewinne zu sichern. Ich sehe nichts, was der Allgemeinheit irgendeinen Nutzen bringt. Tatsächlich sind die Risiken hoch, dass die Energiewende deutlich an Fahrt verliert und wir somit die EU-Ziele nicht erreichen können.

Das wäre doch nahe an Korruption und kann doch nicht sein. Also was übersehe ich?
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DavidMcNamara
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von DavidMcNamara »

Simon hat geschrieben: 06.03.2026, 07:41 All diese Punkte sind Puzzleteile, die für mich ganz klar darauf ausgerichtet sind, der fossilen Industrie noch ein paar Jahr Gewinne zu sichern. Ich sehe nichts, was der Allgemeinheit irgendeinen Nutzen bringt. Tatsächlich sind die Risiken hoch, dass die Energiewende deutlich an Fahrt verliert und wir somit die EU-Ziele nicht erreichen können.
Sehe ich exakt genauso! Das ist primär Klientelpolitik für die fossile Industrie. Katharina Reiches vorherige Tätigkeit für Westenergie bietet ebenfalls nicht viel Grund für Vertrauen.
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Uncoolman
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Uncoolman »

Alles auf Lobbyismus schieben, ist zu einfach. Fakt ist, dass die Weltlage und die Wirtschaft so kritisch sind, dass man auf die Welt keine Rücksicht nehmen kann. Man kann sich ein solches Öko-Bewusstsein nicht leisten. Zuerst kommen die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen, und auf Platz 100 der Tagesordnung kommen Regenwald, Auerhahn, Feldgrille und Orang-Uran. Das schrieb ich schon mehrmals: der Mensch denkt zuerst an sich, so wie ein Hund an Hunde und ein Maulwurf an Maulwürfe "denkt". Das ist kein Egoismus sondern Evolution.
Soll heißen: erst kommt die Heizung, dann kommt das Klima. Klima und Artenschutz dringen erst zurück ins Bewusstsein, wenn es uns gut geht, und der Welt gehts gerade schlecht. Und die menschgemachten Kriege verlangen Luftabwehrraketen, keine Vogelhäuschen.
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DavidMcNamara
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von DavidMcNamara »

@Uncoolman: Hm, so ganz verstehe ich Deine Aussage noch nicht.
Ist es
(1) Menschen sind evolutionär so gepolt, dass sie zunächst einmal an sich (= ihre Bedürfnisse und Sorgen) denken.
Oder
(2) Die Weltlage ist derzeit so, dass Klimaschutz erst einmal zurückstehen sollte.
Oder beides?

Ich würde beides bezweifeln, konzentriere mich aber mal auf (2). Zunächst einmal kann ich es vollständig verstehen, wenn Arbeitnehmer*innen und kleine bzw. mittelständische Unternehmen derzeit ganz andere Sorgen haben. Die würde ich auch nicht in die Verantwortung nehmen, sondern die Regierung. Diese könnte zumindest Bürger*innen teilweise entlasten, indem sie (endlich mal) ein Klimageld auszahlt. Oder für diejenigen mit Immobilienbesitz (leider nicht mich), PV-Anlagen subventioniert (z.B. durch Einspeisevergütung). Und sie könnte Unternehmen entlasten, indem sie Handlungssicherheit schafft, und nicht - wie beim Gebäudeenergiegesetz - einen Zickzack-Kurs fährt, der z.B. Unternehmen im Wärmepumpen-Bereich in Schwierigkeiten bringt, weil die Nachfrage schwankt.

Ansonsten führt ein ignorierter Klimawandel mittel- und langfristig zu hohen Kosten, Ernährungsunsicherheit, Migrationsdruck. Insofern ist vorausschauendes Handeln gefragt, gerade auch um die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse und eine stabile Wirtschaft zu gewährleisten.

Klar, der Schutz gefährdeter Arten steht da nicht ganz oben auf der Liste. Bei der Bekämpfung des Klimawandels geht es ja primär um die Reduktion von Emissionen durch u.a. Energie-, Mobilitäts-, und Wärmewende. Aber auch beim Biodiversitätsschutz gibt es ökonomische Kriterien, so z.B. die Bestäuberleistungen von Wildbienen. Wenn diese sinken bzw. wegfallen, wird es ebenfalls teuer.

Menschengemachte Kriege enden in der Regel mit der Niederlage einer der Kriegsparteien oder am Verhandlungstisch. Klar braucht es bis dahin auch eine Wehrhaftigkeit und Luftabwehrraketen. Aber zusätzliche Rüstungsausgaben bedeuten ja nicht, dass es komplett an Geld für anderes fehlt.
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Uncoolman »

Beides.

Mit 1. ist gemeint, dass die Bedürfnisse der Menschheit, seien sie elementar oder komfortabel, immer an erster Stelle stehen. Wenn jeder satt ist und ein Dach über dem Kopf hat, kann an andere Dinge gedacht werden. Dass der Klimaschutz nun überhaupt nicht mehr in der Agenda auftaucht, ist dem Fakt geschuldet, dass andere Sorgen im Vordergrund stehen. Deswegen gehört 2. zu 1. (ist quasi dasselbe). Eben WEIL die Weltlage so mies ist, merken die Menschen es in ihrem Geldbeutel und in ihren Freiheiten.

Dieter Nuhr, den man nicht mögen muss, spielt den Anwalt des Teufels, wenn er sich darüber lustig macht, dass ein Bauprojekt oder eine Innovation jahrelang nicht realisiert wird, weil eine „Kröte auf dem Grundstück gewohnt hat“ und dass das ein typisch deutsches Mimimi-Problem sei. Andere Länder haben in zwei Jahren zwei Flughäfen und drei Bahnhöfe fertig. Er spricht insgeheim das aus, was die Menschen denken: „was geht mich diese blöde Kröte an, wenn deswegen 100 neue Wohnungen NICHT gebaut werden?“, eben weil die Wohnungsnot gravierend ist. Aber der Fortschritt anderer Länder, den man nun so bewundert, geht auf Kosten solcher Kröten. Wir waren in Deutschland an einem Punkt angelangt, wo man es sich leisten konnte, auf Kröten und Fledermäuse zu achten, eben weil es uns insgesamt gut ging. Diese Mentalität wird jetzt durch die Tagessorgen und Tagespolitik verdrängt. Nun, da wir in Deutschland so stolz darauf waren, nicht militarisiert sein zu dürfen, führt man demnächst wieder Wehrpflicht ein und schraubt die Ausgaben dafür auf 2 oder 5% hoch, weil irgendwelche Idioten Krieg spielen müssen. Und wenn Lebensmittel teurer werden, ist vielen die artgerechte Tierhaltung auch egal, weil sie faire Produkte gar nicht kaufen können.

Mit dem Ende der inzwischen drei oder fünf oder zehn Kriege (keine Ahnung... zählt jemand mit?) sind die Sorgen ja nicht vorbei. Danach steht ein Neuaufbau an, und der kostet Millionen von Tonnen Beton. Und Stahl. Und Plastik... Man schaue sich mal an, was da alles kaputt ist (abgesehen von den Kriegstraumata über Generationen (!)). Da wird keine Rücksicht auf Kröten genommen. Und weil wir keinen Überblick haben, was Artensterben bedeutet, ist es auch nicht im Bewusstsein. Die Menschen können nicht global denken, weil das nie erforderlich war. In der Stammeshierarchie musste man nur seine drei nächsten Nachbarsippen kennen.
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Simon
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Simon »

Disclaimer:
Ich hatte den Beitrag schon getippt, bevor ich Uncoolmans Antwort gelesen habe, denke aber, dass die Antwort im Großen immer noch passt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass unsere Themen ein wenig aneinander vorbeigehen. Ich spreche über Politik ganz konkret und du (Uncoolman) sprichst eher von der Gesellschaft allgemein.


Ich bin mir auch nicht sicher, dass ich die Aussage von Uncoolman richtig verstehe. Ich deute es so: Wenn es nicht gut läuft (und das Gefühl haben viele im Moment), denkt man zuerst an sich.
Bezogen auf den Kontext sehe ich es dann so: Ich nutze lieber eine Technologie, der ich vertraue und die mir günstiger vorkommt (fossile Energien) als eine Technologie, der ich nicht vertraue und die mir teurer vorkommt (E-Auto, Wärmepumpe).

Schwierig finde ich den Schwenk auf die Politik, Lobbyismus und Wirtschaft. Die Politik hätte ja gerade die Aufgabe, den Menschen Sicherheit zu geben, ihnen zu helfen, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen, und die Wirtschaft generell zu stärken.

Aber tun die von mir angesprochenen Gesetzesvorhaben das?

Hier ein paar Videos, nach denen ich meine Einordnung vorgenommen habe:
https://www.youtube.com/watch?v=QGGa5F2QwR0
Hier wird über die Pläne zur Änderung des EEG berichtet. U.a., dass die Einspeisevergütung wegfallen soll.

Und hier das Video, in dem der Experte sagt, dass es ja sinnvoller sei, die großen Anlagen auf den Felder anstelle der kleinen auf den Dächern zu fördern:
https://www.youtube.com/watch?v=v5j2oWbMZ7g

Einige Aussagen dieses Experten finde zweifelhaft. Die Gründe habe ich schon genannt: Bei der Anlage auf dem Haus kann jeder Eigenheimbesitzer an der Energiewende partizipieren und ist nicht auf große Konzerne angewiesen. Außerdem unterstützt er im Bestfall den lokalen Handwerksbetrieb, der im Gegenzug Arbeitsplätze schafft, sodass die Förderung indirekt eine Förderung des Mittelstandes ist und wieder an den Staat zurückfließt. Immerhin sagt der Experte klar, dass er durch die Änderungen erwartet, dass der Markt für private PV-Anlagen einen deutlichen Dämpfer bekommt, was also besagte Handwerksbetriebe vor große Probleme stellen wird. Insofern sehe ich nicht, dass hier irgendeine Sicherheit geschaffen wird.

Außerdem konkurrieren eben diese Freiflächen-Solaranlagen mit der Fläche, für den Anbau von Nahrung oder Energiepflanzen. Letztere benötigt jedoch dringend das neue "Gebäudemodernisierungsgesetz".
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Joey »

Ich stimme hier Uncoolman größtenteils zu. Vor allem auch, weil seine Aussagen mir scheinen wie Beobachtungen, nicht wie Urteile oder eine Meinung, die er durchsetzen möchte.
Eigentlich poste ich zu solchen Themen gar nichts mehr. Als ich mal geschrieben hatte (weiß gar nicht mehr wo. Twitter vielleicht? Oder irgendwo anders.), in Bezug auf die Sozialabgaben, Rentenkasse, Krankenkassen etc., daß nach meiner Erfahrung die meisten Menschen sehr sozial sind und gerne jedem, der in Not ist, helfen wollen, aber daß das irgendwann umschlägt ins Gegenteil, wenn sich die, die viel einzahlen, überfordert oder ungerecht behandelt fühlen, da wurde ich da komplett plattgemacht. Was für ein Nazi ich doch sei und so. Dabei habe ich nie geschrieben, ob ich das gut oder schlecht finde. Nur, daß ich es so beobachtet habe. Daher finde ich es gut, wenn jemand (so schien es mir zumindest) neutral Dinge schildert, wie sie sind, nicht wie er/sie es sich wünscht.
Das ist doch die Grundlage, oder? Erst einmal muß man wissen, wie alle ticken. Erst dann kann man entscheiden, was man überhaupt als realistisches Endergebnis haben möchte und was man dafür machen muß. Und was davon man realistischerweise auch machen kann.
Und gerade das machen die Politiker selten. Sie sehen nur ihre kleine Welt und denken nur aus dieser heraus. Das wäre OK für jeden "normalen" Menschen. Wie Uncoolman sagte, schon aus der Evolution heraus ist jeder sich selbst der nächste. Von Politikern aber erwartet man eben mehr. Nämlich daß sie alle!!! (nicht nur die lauten!) Seiten sehen und insbesondere auch verstehen. Und dann anhand aller dieser für alle gerechte Entscheidungen treffen. Ja, das mag schwer sein. Aber daher werden Politiker ja auch so großzügig aus dem stets zu knappen Steuertöpfchen bezahlt. O_o
Urks, irgendwie bin ich wieder mal abgeschwiffen von dem, was ich ursprünglich sagen wollte. Ich werde das später ergänzen, falls ich die Zeit finde. Bin aber gerade in einem Online-Spiel eingeloggt und kann daher jetzt nicht weiter ausschwiffen... schwuffen... :lol: Ich schweife später vielleicht weiter, wenn ich ausgeloggt habe. :wink:
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Uncoolman »

Hinzufügung: Nicht zu sich selbst der Nächste ist gemeint, sondern zur Art (Spezies). Empathie und Hilfsbereitschaft ist ja da. Wie Joey richtig bemerkt, ist der Mensch eigentlich sehr sozial. Das kann sich durchaus auch auf Tiere ausweiten. Ins Gegenteil schlägt es dann um, wenn sich der Mensch 1. verarscht vorkommt und 2. wenn er genug damit zu tun hat, sich selbst über Wasser zu halten. Das ist fließend und hängt sicher von Erziehung, Erfahrung und Alter ab. Je dreckiger es einem geht und je mehr leib und Leben bedroht sind, desto mehr reduziert sich das Wohlwollen auf sich selbst, wird sozusagen zum reinen Egoismus. Aber noch lange vorher ist er zu Altruismus fähig, was Katastrophen weltweit bezeugen.

Das Problem liegt darin, dass wir als Hordenwesen keinen Überblick über eine größere Anzahl Menschen (und andere Lebewesen) haben. Unser persönliches soziales Gefüge umfasst im allgemeinen ca. maximal 100 Menschen, und das ist schon gut geschätzt. Militärexperten erkennen dies in der Aufteilung im Militärwesen. Gruppen von 30 lassen sich gut führen, bei 100 hat man schon die Grenze erreicht, die man persönlich betreuen kann. Alle Systeme sind so hierarchisch gegliedert, weil ein „Anführer, Abteilungsleiter, Offizier“ nur diese begrenzte Anzahl im Blick hat. Diese Gruppen sind wiederum nach oben gestaffelt (das heißt, man hat 30 oder 100 solcher Kohorten unter sich), so dass das Dilemma entsteht, dass es kaum jemanden gibt, der das „Große und Ganze“ im Blick und gleichzeitig Einblick in die einzelne Gruppe hat. Er schwurbelt und daddelt in seiner „Blase“, und da kann er es gut oder schlecht machen. Für außenstehende Gruppen hat er dann auch keine Verantwortung. Weshalb beim Kabelverlegen dreimal dieselbe Straße aufgerissen wird, weil drei Firmen jeweils nur ihre eigenen Anforderungen und Verträge erfüllen, aber nicht darüber nachdenken, dass einmal aufreißen sinnvoller wäre...
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von DavidMcNamara »

Uncoolman hat geschrieben: 07.03.2026, 00:09 Hinzufügung: Nicht zu sich selbst der Nächste ist gemeint, sondern zur Art (Spezies). Empathie und Hilfsbereitschaft ist ja da. Wie Joey richtig bemerkt, ist der Mensch eigentlich sehr sozial. Das kann sich durchaus auch auf Tiere ausweiten. Ins Gegenteil schlägt es dann um, wenn sich der Mensch 1. verarscht vorkommt und 2. wenn er genug damit zu tun hat, sich selbst über Wasser zu halten. Das ist fließend und hängt sicher von Erziehung, Erfahrung und Alter ab. Je dreckiger es einem geht und je mehr leib und Leben bedroht sind, desto mehr reduziert sich das Wohlwollen auf sich selbst, wird sozusagen zum reinen Egoismus. Aber noch lange vorher ist er zu Altruismus fähig, was Katastrophen weltweit bezeugen.
Dem kann ich weitgehend zustimmen. Evolution ist nicht notwendigerweise ein Pfad zum Egoismus, vgl. z.B. "Im Grunde gut" von Rutger Bregman. Aber sicher gibt es einen Speziezismus. Und in Zeiten von Angst und Unzufriedenheit schrumpft im Allgemeinen die Bereitschaft, anderen zu helfen.

Ich finde es allerdings wichtig, zwischen Klimaschutz und Artenschutz zu unterscheiden - und Nuhrs Stimmungsmache gegen Umweltschutzverbände entspricht auch nicht unbedingt der Realität auf deutschen Großbaustellen. Der Bau von Elbphilharmonie und Stuttgart 21 dauert(e) schließlich nicht so lange, weil Kröten umgesiedelt werden mussten. Hier sind andere Faktoren weitaus problematischer (u.a. Bürokratie).

Im Unterschied zum Artenschutz ist Klimaschutz allerdings letztlich reiner Speziezismus (d.h. zielt auf die Selbsterhaltung des Menschen) und lohnt sich überdies wirtschaftlich, was seit dem Stern-Report (2006) bekannt ist.
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Re: Und die Ölindustrie macht dann zum Schluss das Licht aus.

Beitrag von Uncoolman »

Natürlich sterben auch Arten aus, die mit der Wärme nicht klarkommen. Bestes Beispiel: Korallenriffe. Also sowohl das eine als auch das andere ist Mist und sollte nicht gegeneinander aufgerechnet werden... Ich behaupte mal, dass die meisten Arten jedoch aussterben, weil der Mensch ihnen die Lebensgrundlage wegnimmt.

Immerhin: die Elbphilharmonie scheint ja ein Erfolg zu sein (ich war noch nie drin). Es muss also nichts Schlechtes dabei rauskommen. Bei Stuttgart21 sehe ich das zwiespältiger: offenbar braucht man den Bahnhof nicht mehr, wenn er fertig ist. Und da gab es noch diesen Flughafen, der zwar fertig, aber bereits zu klein ist für seine Anforderungen.
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