Jetzt mal zu einem anderen Projekt, das mich sozusagen auf eigenem Terrain tangiert: Illustrationen zu einem Märchen. Es soll zeigen, wie Arbeiten mit KI in einem konkreten generativen Projekt funktionieren könnte.
Ich habe das Perrault-Märchen „Blaubart“ mit 20 KI-Bildern illustriert. Dass Hauptproblem dabei ist immer, wie bei allen andern KIs: die Beibehaltung gleicher Attribute. Das gelingt nur mäßig. Im Grunde sind die Figuren nur ähnlich, aber nicht identisch. Fällt nicht sofort auf, würde aber einem menschlichen Illustrator nicht passieren.
Es ist wichtig, dass auch der Grafikstil einigermaßen gleich bleibt, was nicht selbstverständlich ist. Die KI hat da schon eine gewisse Abweichungstendenz.
Erstellt in TensorArt mit einem „Flux kreativ schnell“-Modell und Heun-Karras-Sampler.
Für 20 ausgewählte Bilder habe ich ungefähr 682 Bilder rendern müssen. Das heißt, in jedem Bild war irgendwas anderes falsch oder unschön. Dazu gehörten auch viele Tests von Modell oder Sampler, bis ich die passende Kombi gefunden habe. Jedes Rendering ging erstaunlich schnell, man konnte maximal mit einer Minute rechnen, wenn man Renderzeiten auswählte, in denen wenig los war, das war bei mir meist nachts. Eigentlich merkwürdig, da die Hauptnutzungszeit dann in den USA liegen sollte? Na, egal.
Für die reine Rechnerzeit setze ich nun ungefähr eine Woche an, weil man ja nicht durchgehend an der KI sitzt. Sagen wir drei Stunden täglich, macht 21 Stunden. Davon entfielen auf die reine KI-Rechenzeit also ca. 12 Stunden (siehe oben).
Das Modell war kostenlos bei wenig Renderschritten (4), aber mehr waren meist nicht erforderlich. Für bessere Qualität konnte man bis auf 20 gehen, das hat aber kaum merklich bessere Bilder gebracht. Das heißt, MEINE reinen Kosten betrugen nur wenige Euro mit dem Pro-Account und Stromverbrauch.
Vorher müssen natürlich die Prompts formuliert und korrigiert werden, das heißt hinzu kommt die DeepL-Übersetzung ins Englische. Das ist zeitlich vielleicht vernachlässigbar, summiert sich aber dann doch.
Das Bearbeiten und Farbkorrigieren der Schmuckrahmen und einiger Bilder setze ich mal mit 8 Stunden insgesamt an. Ich habe die meisten KI-Bilder so belassen, obwohl man durchaus reichlich hätte retuschieren können.
Die meiste Zeit verschlang das Ausschießen der Bögen auf A6 für den späteren Druck, wo mir ChatGPT leider nur wenig helfen konnte. Wir versuchten es in einem 1-stündigen Chat über Python, was aber nichts brachte. Also habe ich manuell die Bögen im Layout-Programm ausgeschossen, was tatsächlich länger dauerte als angenommen: hier muss ich nochmal 4-6 Stunden ansetzen.
Die KI-Bilder (auch die Schmuckrahmen sind KI):
Da das Photopapier nur eine beschichte Seite hat, gehören alle Photos auf EINE Seite:
Und die Texte auf die „normale“ Seite:
Der Job hat durch den Einsatz von KI-Bildern deshalb Zeit gespart, weil der Stil sehr aufwendig ist. Aquarelle oder gar nur Strichzeichnungen hätte ich vermutlich schneller hinbekommen. Ich habe leider kein Zeichentablett, aber was Profis gerade bei Konzeptbildern hinbekommen, ist atemberaubend. Das Netz ist voll von „Fantasy-Art“, auch wenn vermutlich auch dort KI zum Einsatz kommt, selbst wenn man es nicht zugibt... Ich empfehle die Konzeptbilder für „The last of us“. Vermutlich ohne KI, weil die damals noch nicht so weit entwickelt war. Einfach nur krass - gilt aber für fast alle dieser „Artworks“.
Jetzt gilt es, eine sinnvolle Bilanz zu ziehen. 11 bis 12 Stunden KI-Zeit für 20 Bilder ist nicht SOOO prall gut. Vielleicht liegt's auch an meinem Anspruch. Aber die Art der Bilder sind in derselben Zeit manuell schwer zu schaffen, da hat die KI schon einen Vorsprung. Wie gesagt: bei skizzenhafter grafischer Umsetzung ist ein geübter Künstler vermutlich schneller und KORREKTER.
Außerdem kann ich die ganzen Node-basierten KI-Tools nicht, wo man (angeblich) gezielter arbeiten kann. Kann schon sein, dass es dann weniger Ausschuss gibt. Kann ich nicht beurteilen - ich habe es noch nie gemacht (nennts sich bei TensorArt „Comfy“).





