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Test

von  Michael Stein
31.10.2009
Last Half of Darkness: Beyond the Spirit's Eye
Getestet auf Windows, Sprache Englisch

Horror-Adventures aus der Ego-Perspektive gab es in den letzten Jahren einige zu sehen. Neben Scratches und den Titeln von Jonathan Boakes gab es viele Entwickler, die sich an diesem Genre mehr oder weniger erfolgreich versucht haben. Hierzulande eher unbeachtet sind die WRF Studios aus San Diego mit der Reihe 'Last Half of Darkness'. Wir haben uns den zweiten Teil der Serie, Beyond the Spirit's Eye, näher für euch angesehen.

Nette Gimmicks

Schon beim Öffnen der Packung springt der atmosphärische Funke über. Die DVD-Hülle in doppelter Dicke enthält neben den beiden Spiel-CDs einen Brief auf vergilbtem Papier mit einer aufgeklebten Münze sowie ein Heft, welches den Titel 'Journal - Property of Dr. Benzor' trägt. Das Handbuch enthält die Aufzeichnungen des fiktiven Wissenschaftlers Dr. Benzor. Es gibt einige Details über die Story preis und dient gleichzeitig auch als Kopierschutz. An einer Stelle im Spiel muss ein Wert aus einer Tabelle abgelesen werden, die auf der vorletzten Seite des Heftes abgedruckt ist. Die Geschichte selbst wird nach Installation der 1,6 GB Daten und dem Start des Spiels näher erklärt.

Der Pirat Acareon belegte einst seinen Schatz mit einem Fluch. Sollte ein Fremder diesen Schatz an sich reißen, so würde er fortan von Vampiren verfolgt werden. Als viele Jahre später der Entdecker und Abenteurer Marcos das wertvollste Stück des Schatzes, das Auge des Acareon, fand und mit nach Hause nahm, brachte er damit eben diesen Fluch über sein Dorf Shadowcrest. Der Fluch breitete sich aus und bald war Shadowcrest ein Geisterdorf, in dem sich nur noch finstere Gestalten in dunklen Ecken herumtrieben. Der Wissenschaftler Dr. Benzor, der seinerzeit Marcos bei seiner Expedition begleitete, versuchte noch fieberhaft, ein Gegenmittel zu entwicklen, doch offenbar war er dazu nicht mehr in der Lage. An diesem Punkt greift der Spieler ins Geschehen ein, der beauftragt wird, in Shadowcrest nach dem Rechten zu sehen und nach Möglichkeit den Fluch aufzuheben. Die Geschichte ist relativ komplex weshalb man im Spiel leicht den Faden verlieren kann. Wir empfehlen daher, vor dem Spielen den Packungsinhalt genau durchzusehen, beim Spielen gut aufzupassen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Nichts für schwache Nerven

Zarte Gemüter seien gewarnt, Beyond the Spirits Eye ist kein Spiel für Kinder. Es verzichtet zwar vollkommen auf Blut, verwendet aber klassische Spielfilm-Elemente zur Erzeugung von Schockeffekten. Von der ersten bis zur letzten Minute versprüht das Spiel eine sehr unheimliche Stimmung, geschickt in Szene gesetzt durch die Kombination von Sound, Hintergrundgeräuschen und düsteren Bildern. Zusätzlich werden immer wieder vorgerenderte Zwischensequenzen ins Spiel eingeflochten, die so zielgerichtet aufgenommen und geschnitten sind, dass sie dem Spieler des Öfteren einen Schauer über den Rücken laufen lassen oder plötzlich aus dem Nichts zu Tode erschrecken können. All das läuft in einer Vollbild-Auflösung von 800x600, was allerdings durch die kräftigen Farben und die düstere Stimmung nicht unbedingt schlecht aussieht.

Kleine Zwischensequenzen sorgen immer wieder <br /><br />für das richtige Grusel-Feeling

Ungewöhnungsbedürftig

Technisch gibt es bei Beyond the Spirit's Eye nichts Neues zu entdecken. Das Spiel besteht aus starren Hintergrundbildern, die gelegentlich beim Wechseln des Ortes durch Videosequenzen miteinander verbunden werden. Manche dieser Sequenzen sieht man nur einmal, manche immer wieder. Sowohl die Hintergründe als auch die Videos können sich sehen lassen. Sie passen vom Stil her sehr gut zusammen, gehen teilweise sogar nahtlos ineinander über. Überhaupt ist der Grafikstil über das ganze Spiel hinweg sehr einheitlich und die vorgerenderten Bilder vermitteln einen ganz eigenen, gruseligen Charme. Gesteuert wird über Hotspots, die meist mit einer Richtung wie 'Forward', 'Back' 'Turn Left' oder mit einer direkten Ortsangabe wie 'Back to the Street' bezeichnet sind. Da die Grafiken teilweise aus sehr schrägen Winkeln dargestellt werden, gibt es keine Standardpositionen für Schaltflächen. Die sind deshalb bei jedem Bild anders. Dazu kommt, dass viele der Räume nur aus einer Perspektive dargestellt werden. Stellenweise läuft man ein ganzes Stück in Räume hinein, muss aber am Ende feststellen, dass man nur rückwärts wieder rausgehen kann. Das führt zu Verwirrung. Während die ersten Spielszenen noch recht linear sind, stehen dem Spieler ab der Ankunft in Shadowcrest sämtliche Richtungen, bis auf einige wenige verschlossene Türen, offen. Es empfiehlt sich daher, zuerst die Gegend auszukundschaften und herauszufinden, wie man sich über die Hotspots am besten bewegt. Hat man die Wege einmal gelernt, erspart man sich später Frust durch permanentes Verirren.

Angsteinflößender Ohrenschmaus

Akustisch passt sich das Spiel der düsteren Stimmung der Bilder an. Fast an jeder Stelle des Spiels gibt es unheimliche Geräusche zu hören. Die Grafiken und Videosequenzen sind geschickt mit Sounduntermalung gespickt, was der beklemmenden Gesamtatmosphäre des Gesehenen eine zusätzliche Note mitgibt. Auch die englische Sprachausgabe versucht, diesen Effekt zu unterstützen. In gewisser Weise kann sie das auch, wenn man sie ebenfalls nur als Stilmittel ansieht. Insgesamt gibt es wenig Sprachausgabe, wenn sie aber zu hören ist, passen die Stimmen recht gut zu den Figuren. Da diese immer mit Hall- oder Kratzeffekten verfremdet wurde, kann es an manchen Stellen zu Verständnisproblemen kommen. Glücklicherweise wird an den wirklich wichtigen Stellen zusätzlich der - ebenfalls ausschließlich englische - Text eingeblendet.

Sehr wichtig: Untertitel an leider nicht allen, <br /><br />aber wenigstens den wichtigen Stellen.

Mehr Angst, weniger Knobelei

Was die Rätselkost in Beyond the Spirit's Eye angeht, kann der Titel nicht so sehr überzeugen. Es gibt einige wenige Rätsel, bei denen Gegenstände im Inventar miteinander kombiniert werden müssen. Größtenteils sind die Rätsel aber Mechanismen, die zumeist dem Öffnen von Türen oder dem Erhalten von Gegenständen dienen. Ein Minispiel (ohne Zeitdruck) ist ebenfalls integriert. Sollte man einmal nicht weiterkommen, kann es helfen, das mitgelieferte Journal genauer zu studieren. Es enthält zu einigen Rätseln weitere Hinweise. Geht es überhaupt nicht mehr vorwärts, bietet WRF Studios auf der offiziellen Webseite eine Komplettlösung an. Eine Hotspotanzeige oder ähnliche Komfort-Funktionen sucht man vergeblich.

Fazit

Knarrende Bretter, quietschende Türen, Gemurmel und leidgeplagtes Geschrei. Krähen, die aus dem Nichts auf den Spieler zuschießen, unheimliche Gestalten, gruselige Bilder und schockierende Videosequenzen. Atmosphärisch macht The Last Half of Darkness - Beyond the Spritit's Eye so ziemlich alles richtig. Kritikpunkte sind die leicht verwirrende Steuerung und die etwas unlogisch eingeflochtenen Rätsel. Insgesamt ist dies durchaus ein lohnender Titel für Fans von Gruselabenteuern. Die Spielzeit wird nicht künstlich gestreckt, dürfte aber trotzdem bei mindestens 10 Stunden liegen. Eine deutsche Version ist leider bisher nicht erschienen, die englische Version kann direkt beim Hersteller online bezogen werden.

Kommentar des Verfassers

Kommentare

detail

Bis auf gelegentliche Orientierungslosigkeit hat mir Beyond the Spirits Eye recht gut gefallen. Zwar ist die Geschichte sehr verworren, die Wegfindung nicht immer einfach und die Grafik nicht auf dem aktuellen Stand, das Spiel kann aber mit seinen positiven Werten gut gegenhalten. Atmosphärisch ist der Titel sehr gut gelungen, er ist in der Lage, beim Spieler ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen und ihn immer wieder mit unerwarteten und gezielten Aktionen zu überraschen. Wer auf gruselige Adventures steht, die man am besten in abgedunkelten Räumen spielt, dem sei dieses Werk wärmstens empfohlen.

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Pro
Contra
  • Gruselige Atmosphäre
  • Gute, wenn auch verwirrende Story
  • Tolle Soundeffekte
  • Geschickt eingesetzte Videosequenzen
  • Hakelige Steuerung
  • Rätsel wirken leicht aufgesetzt
  • Teils unverständliche Sprachausgabe