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Mozart

Test

von  Benjamin "Grappa11" Braun
22.06.2011
Mozart
Getestet auf Windows, Sprache Deutsch

Vor knapp zwei Jahren erschien mit Still Life 2 bereits das zweite Adventure des französischen Entwicklers GameConsulting in Deutschland. Mozart – Das letzte Geheimnis, das Erstlingswerk der auch als GameCo Studios bekannten Spieleschmiede, ließ hingegen etwas länger auf sich warten. 2008 erstmals in einer französischen Version erschienen, steht das Point-and-Click-Abenteuer um den berühmten Komponisten nun dank des Berliner Anbieters Just A Game auch im deutschen Handel. Wir verraten Euch, ob sich das Warten gelohnt hat.

Verschwörung in Prag

Mozart schwant nichts Gutes, als er an jenem Morgen im Jahr 1788 in Prag erwacht. Trotz des Erfolges seiner Oper Don Giovanni ist der geniale Komponist abgebrannt und verfügt nicht mal mehr über genügend Geld, um seine Unterkunft in der böhmischen Hauptstadt zu bezahlen. Er muss sogar seine wertvolle Taschenuhr verpfänden, um den mürrischen Hauswirt zufriedenzustellen. Viel mehr als das bewegt Mozart jedoch ein wiederkehrender Traum, in dem er den Sturz seines Kaisers und Freundes Joseph II. sieht. Eine Gruppe von Verschwörern scheint sich in den Katakomben unter der Stadt zu versammeln, um den Staatsstreich vorzubereiten. Was anfangs nur wie eine düstere Vision wirkt, erweist sich schnell als reale Bedrohung. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Gelingt es Mozart nicht, die Hintermänner aufzudecken, ist das Schicksal des Monarchen besiegelt. Doch je näher er dem Geheimnis kommt, umso mehr gerät Mozart selbst in die Schusslinie der Verschwörer...

Das Intro-Video verspricht noch eine spannende Geschichte.

Lineare Strukturen

Um die subversiven Kräfte in Prag zu entlarven, muss Mozart im Laufe der auf 18 Kapitel aufgeteilten Handlung Rätsel lösen, Dialoge führen und verschiedene Minispiele absolvieren. Bei den Rätseln handelt es sich vorwiegend um klassische Inventar- und Kombinationsrätsel, für die wir zunächst Objekte aus der Umgebung einsammeln müssen. Eine Besonderheit besteht darin, dass Inventarobjekte nicht nur für die Verwendung miteinander kombiniert, sondern sie in einigen Fällen zuvor aufgetrennt werden müssen. Den Bogen einer Geige müssen wir also zunächst vom Instrument trennen, bevor wir ihn als künstliche Verlängerung unserer Hand benutzen können.

Die Reihenfolge unserer Handlungen ist sehr eng vorgegeben, was sich häufiger darin äußert, dass Hotspots erst nach bestimmten Aktionen freigeschaltet werden. Ein Sofakissen in der Oper kann Mozart zwar bereits zuvor untersuchen, den Fächer, der darunter liegt, findet er aber erst, sobald an anderer Stelle ein zusammenhangloser Dialog geführt wurde.

Mit Kommentaren zu Umgebungs- und Inventarobjekten, nicht relevanten Dialogen und anderen optionalen Inhalten gehen die Entwickler zudem sehr sparsam um. An ein paar wenigen Stellen muss der Spieler sich allerdings zwischen zwei Optionen entscheiden, zum Beispiel, ob er der Aufnahme eines neuen Mitglieds im Freimaurerbund zustimmen will oder nicht. Einen wesentlich Einfluss auf die Handlung haben diese Entscheidungen aber nicht. Wer das Ende des Spiels erreicht, kann sich also sicher sein, dass er das Allermeiste gesehen hat.

Neben eher simplen Inventar- und Kombinationsrätsel<br /><br />biete Mozart zahlreiche Aufgaben im Minispiel-Format an.<br /><br />Das korrekte Anordnen von Noten ist dabei vor allem<br /><br />eines: zeitaufwändig.

Die Minispiele

Die zahlreichen Minispiele fordern nicht nur Köpfchen, sondern genauso oft Geschicklichkeit. Neben mehreren Maschinenrätseln, die teilweise nur durch Ausprobieren zu lösen sind, muss Mozart nämlich regelmäßig den Taktstock schwingen und mit der Maus einem kreisförmigen Symbol folgen. Dieser Kreis wird mit der Zeit kleiner und erlangt nur bei einem Fehler seine ursprüngliche Größe zurück. Dem Spiel mit dem Taktstock schließt sich meist ein tabellenartiges Texträtsel an, bei dem ein paar überzählige Buchstaben herausgestrichen werden müssen. Je weniger Fehler der Spieler mit dem Taktstock macht, umso weniger Buchstaben muss er später aus der Tabelle löschen.

Regelmäßig trifft der Spieler außerdem auf eine Minispiel-Variante, bei der einige Noten auf einem Notenblatt korrekt angeordnet werden müssen. Die auf bis zu acht Zeilen verteilten Noten können beliebig verschoben werden. Sobald sich eine davon in der richtigen Zeile befindet, wird sie zudem farblich hervorgehoben. Da die Menge an Variablen mit jedem Notenrätsel steigt und nur eine begrenzte Anzahl von Fehlern erlaubt ist, ist das ohne spezielle Kenntnisse von Mozarts Werken aber bloß eine kleine Hilfe. Nur wer ein sehr gutes Kurzzeitgedächtnis hat oder bereit ist, umfangreiche Notizen anzufertigen, kann die späteren Notenrätsel nach mehreren Anläufen schaffen.

Und noch ein Minispiel: Frei nach dem Motto<br /><br />'Schwing Dein Ding', muss der Spieler mit dem<br /><br />Taktstock Geschicklichkeit beweisen.

Hässliches Prag

Die Stadt Prag bildet nicht das erste Mal den Schauplatz eines Adventures. Die „Goldene Stadt“ diente unter anderem Gus McPherson bei seinen Mordermittlungen in Still Life als Kulisse. Auch in Mozart besucht der Spieler einige der Sehenswürdigkeiten der geschichtsträchtigen Stadt an der Moldau. Das Rathaus mit seiner berühmten Aposteluhr oder die Karlsbrücke entfalten aufgrund diverser technischer Schwächen des Spiels allerdings nicht die atmosphärische Qualität wie das Prag der 1920er-Jahre in Still Life.

Die grobkörnigen Szenen liegen lediglich in einer festen Auflösung von 1024x768 Bildpunkten vor, was selbst auf unserem 5:4-TFT-Monitor in einer verstärkten Unschärfe des Bildes mündete. Den meist sehr hellen Innenräumen mangelt es häufig an Details, den meist in der Dämmerung besuchten Außenbereichen hingegen fehlt es vor allem an Hintergrundanimationen. Egal ob am Tag oder in der Nacht; die Wolken am Himmel bewegen sich keinen Millimeter. Ebenfalls verzichten muss der geneigte Spieler auf Wettereffekte, die hier und dort für einen Stimmungsbonus gesorgt hätten.

Der Entwickler ist sichtlich um Authentizität bemüht, was sich nicht zuletzt bei den zeitgenössischen Kostümen der Spielfiguren bemerkbar macht. Aber auch sie müssen aufgrund der groben Texturen und der überwiegend schwachen Gestik und Mimik der Spielfiguren Federn lassen.

Einzelne Spielszenen zeigen im Gegensatz zum restlichen Spiel aufwändigere Spezialanimationen oder detailliertere Hintergründe. Sie sprechen zumindest dafür, dass es weniger am Unvermögen der Entwickler als viel mehr an mangelnder Entwicklungszeit gelegen hat, dass die GameCo Studios optisch nicht mehr herausholen konnten. Am mäßigen Gesamtergebnis ändert das indes aber nichts.

Mozart führt den Spieler auch zu den Wahrzeichen Prags.<br /><br />Von der dichten Atmosphäre des Prags aus Still Life ist<br /><br />Mozart allerdings weit entfernt.

Zwischen Genie und Muppet Show

Anzeichen dafür, dass am Ende einfach die Zeit fürs Polishing fehlte, finden sich auch beim Sound. Die oft abrupt ein- und aussetzende Musik und der inkonsequente Einsatz von Soundeffekten hinterlassen den Eindruck eines noch nicht ganz fertigen Spiels, an dem sich seit dem Frankreich-Release 2007 technisch nichts mehr getan hat. GameCos Spiel will es deshalb einfach nicht gelingen, wenigstens akustisch vom genialen Werk Mozarts zu profitieren, das immer wieder die Szenerie untermalt.

Leider hat Just A Game es außerdem versäumt, das Spiel mit einer hochwertigen Sprachausgabe aufzuwerten. Wir haben schon schlimmere deutsche Voiceovers gehört, aber die Bezeichnung 'durchschnittlich' wäre für Mozart bereits schmeichelhaft. Überzeugend ist keiner der Sprecher, während einige Nebenrollen schlichtweg stümperhaft besetzt sind. Immer wieder fallen außerdem unterschiedlich ausgesprochene Namen oder falsch betonte Sätze auf. Mozart selbst wird von Fabian Goedecke gesprochen, der schon Charakter Tully im fast zeitgleich erscheinenden Adventure Alpha Polaris seine Stimme geliehen hat. Eine markante, interessante Stimme, aber eben eine, die in der Muppet Show besser aufgehoben wäre.

Zu leiden hat die deutsche Version darüber hinaus unter starken Lautstärkeschwankungen und den quasi nicht vorhandenen Effekten, die die Stimmen an die jeweilige Umgebung anpassen.

Die Grafik des Spiels ist leider hoffnungslos veraltet.<br /><br />Hintergrunddetails und Animationen sind in<br /><br />Mozart Mangelware.

Fazit

Mozart – Das letzte Geheimnis ist kein Adventure, das man gespielt haben muss. Die Story verspricht Spannung, dümpelt aber letztlich vom Anfang bis zum Ende vor sich hin. Die Rätsel sind entweder anspruchslos (Inventar- und Kombinationsrätsel), übertrieben zeitraubend (Notenblätter) oder belohnen die Geschicklichkeit des Spielers. Oder sagen wir besser, sie bestrafen weniger geschickte Spieler (Taktstock-Tabellen-Minispiel). Verstanden haben wir außerdem nicht, weshalb wir auf diese Weise an die zwingend erforderliche Lösung kommen müssen. Am schlimmsten sind aber die Aufgaben, die nur durch Ausprobieren zu lösen sind, da es innerhalb des Spiels oft schlichtweg keine richtigen Hinweise gibt. Die extrem hohe Linearität ist nicht vollkommen untypisch für ein Adventure, aufgrund der kaum vorhandenen optionalen Inhalte lässt Mozart sie allerdings oft in seiner störendsten Form durchblicken.

Störend ist auch ein allgegenwärtiges Problem der Point-and-Click-Steuerung: Immer wieder können Hotspots nicht korrekt aktiviert werden oder der Wechsel von einer Raumperspektive in die nächste ist nicht ohne Weiteres möglich. Zur Abhilfe muss Mozart zunächst in die andere Richtung gehen, um es dann nochmal zu probieren – nicht immer mit Erfolg. Hin und wieder verheddert sich Mozart zudem in Dauerschleifen, bei denen er unentwegt den Kommentar zu einem Hotspot von sich gibt. Fast immer konnten wir diese Dauerschleife unterbrechen, an zwei Stellen allerdings kamen wir um einen Neustart des Spiels nicht herum.

Würde das Spiel wenigstens gut aussehen oder mit dem Werk Mozarts und guten Sprechern eine ansprechende Atmosphäre des ausgehenden 18. Jahrhunderts schaffen, könnten versöhnlichere Schlussworte gefunden werden. Doch leider versäumt das Spiel mit schwachbrüstiger Technik und mäßigen deutschen Sprechern selbst diese Chance.

Kommentare des Verfassers

detail

Ich habe nicht ernsthaft damit gerechnet, dass sich noch groß etwas zur Preview-Version verändern würde, besonders nicht, da die Arbeiten am Spiel bereits vor drei Jahren abgeschlossen wurden. Aber wir sind schließlich in der Vergangenheit schon positiv überrascht worden. Bei Mozart ist das leider nicht der Fall, denn die Mängel des Spiels wurden 1:1 in die deutsche Version übertragen, inklusive der fehlerhaften Steuerung und diverser kosmetischer Schwächen. Mit einer guten Lokalisation hätte Just A Game das Spiel zumindest ein bisschen aufwerten können. Vielleicht sind wir Adventure-Spieler in den letzten Jahren zu sehr mit guten Synchros verwöhnt worden, aber eine solche lieblose Vertonung macht einfach keinen Spaß. Da hilft es wenig, dass die reine Textübersetzung solide ist.
Am meisten bedauere ich aber, dass der Entwickler zu wenig aus dem Material gemacht haben, das ihnen zur Verfügung stand. Mit Mozarts Musik und einer Stadt wie Prag als Kulisse wäre optisch und vor allem atmosphärisch weit mehr drin gewesen.

 

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Leser- Wertung

0 ( 0 )
Pro
Contra
  • Musik von Mozart
  • Vergleichsweise hohe Spielzeit (ca. 10-15 Stunden)
  • Notenrätsel arten in Arbeit aus
  • Schwache deutsche Sprecher
  • Kaum Kommentare
  • Langweilige Story
  • Veraltete Technik