Life is Strange: Before the Storm

Vorschau

von  Antonio Moss
14.09.2017
Life is Strange: Before the Storm

Für das Prequel des Überraschungserfolges Life Is Strange zeichnen nicht die Franzosen von Dontnod Entertainment verantwortlich, sondern die Amerikaner von Deck Nine. In diesem Dreiteiler, welcher sich als Vorgänger passenderweise Before the Storm nennt, dreht sich alles um die aus dem Hauptspiel bekannten Figuren Chloe Price und Rachel Amber

Die Blackwell Academy ist natürlich wieder einer der Schauplätze

Freundschaft und Liebe

Eines vorweg: Die in diesem Titel erzählte Story wird in gewohnt guter Qualität präsentiert und lässt den Spieler tief in die Welt eintauchen und daran teilhaben. Doch worum geht es überhaupt? Nachdem Max aus Arcadia Bay fortzog und Chloes Vater bei einem Unfall ums Leben kam, verschloss sich die Halbwaise immer mehr und hatte kaum noch Freude am Leben. Das ändert sich alles, als sie von Zuhause ausbüchst, um ein geheimes Konzert ihrer Lieblingsband zu besuchen und dabei auf Rachel trifft. Ab hier beginnt eine Geschichte über Freundschaft und etwas, das darüber hinausgeht. Die von jedem an der Schule angehimmelte „Prinzessin“ macht gemeinsame Sache mit der Außenseiterin Chloe. Was zunächst als äußerst unpassend erscheint, soll schon bald eine tiefe Verbindung zur Folge haben, nachdem sie durch Kennenlernspiele und gemeinsames Schulschwänzen das Eis brechen und sich gegenseitig Geheimnisse anvertrauen. Auch wenn Spieler des „Sequels“ bereits wissen, wie es um die beiden stehen wird, bleibt es trotzdem spannend und interessant, was und wie genau alles vorgefallen ist. 

Auch hier wollen wieder Entscheidungen getroffen werden!

So, jetzt diskutieren wir weiter!

War es im Hauptspiel noch das Umkehren der Zeit, so ist das neue Kernelement bei Before the Storm Chloes Schlagfertigkeit, die sie in Diskussionen zum Einsatz bringt. Genannt wird das dann „Widerworte-Herausforderung“ . Ziel ist es, dem Gesprächspartner gut zuzuhören und auf Schlagwörter zu achten, um hinterher eine passende Antwort auszuwählen. Mit jeder treffenden Erwiderung erhält Chloe einen Punkt, der sie weiter in die Mitte des Diskussionsmeters und somit zum Sieg im Wortgefecht bringt. Um das Ganze allerdings nicht zu einfach zu gestalten, steht der Spieler unter Zeitdruck. Außerdem kann es auch vorkommen, dass der Gegner viel weniger Punkte braucht, um das Duell für sich zu entscheiden. Eine weitere, eher unbeabsichtigte Hürde ist die weiße Schriftfarbe, die den Text vor manchen Hintergründen schwer lesbar macht. Dazu kommt noch eine mögliche Sprachbarriere: Die Charaktere unterhalten sich alle auf Englisch mit wahlweise deutschen Untertiteln. Allerdings kann eben genau das dazu führen, dass die Schlagworte im deutschen Text nicht ganz zum Gesprochenen passen. Deshalb ist fleißiges Mitlesen empfohlen, da der Ausgang dieser Wortgefechte spätere Situationen und Dialoge positiv beziehungsweise negativ beeinflussen kann. Der Rest ist vom Gameplay her nahezu deckungsgleich mit dem des Hauptspiels. Rätsel sind eher rar gesät und beschränken sich bisher auf „Hol- und Bring-Aufgaben“. Der Fokus liegt eindeutig auf den Diskussionen und vielen Entscheidungen, die den weiteren Verlauf der Story mitbestimmen. Die Collectables, die es mit Max noch in Form von Fotografien gab, werden hier durch Graffitis von Chloe ausgetauscht. In der ersten Episode sind insgesamt zehn Plätze zu finden, die einer „Überarbeitung“ bedürfen. 

Manchmal ist Reden doch nicht nur Silber

Wie es um die Technik steht

Grafisch scheint sich erst einmal nicht viel getan zu haben. Der Titel macht zwar irgendwie einen besseren Eindruck, die Gesichtsanimationen zum Beispiel sind allerdings immer noch recht minimalistisch. Auch im comicartigen Cell-Shading-Look, welcher durchaus einen gewissen Charme hat, müssen diese Probleme nicht sein. Außerdem fühlt sich die Bewegung der Kamera seltsam schwammig an. Hoffentlich wird für die Fortsetzung der Hauptreihe an diesen leicht vermeidbaren Schwachstellen gearbeitet. Davon abgesehen läuft Life is Strange: Before the Storm aber angenehm flüssig und bisher ohne Ruckler oder Abstürze (PS4-Version). 

Packt eure W20-Würfel aus!

Wie gehabt

Auch wenn dieser Titel zeitlich vor dem Hauptspiel angesiedelt ist, werden ihn die meisten erst hinterher spielen. Trotzdem sollte das nahezu identische Menü erwähnt werden, in welchem sich Chloes Tagebuch und Handy befinden. Die jeweiligen Einträge begleiten das aktuelle Geschehen in der Geschichte und geben zusätzlichen Input. Außerdem lassen sich Infos über alle bisher getroffenen Personen nachschlagen. Eine Übersicht über alle (noch ausstehenden) Graffitis lässt sich hier ebenfalls einsehen. Gespeichert wird wie gewohnt automatisch an vorgegebenen Punkten. Wer also Entscheidungen doch anders treffen will, hat sich darauf einzustellen, längere Passagen wiederholen zu müssen. 

Galerie
Fazit:
Ich bin froh, dass es dieses Spiel gibt und es einen solchen Erfolg genießt. Die Geschichten, die darin erzählt werden, sind wirklich mitreißend und fesseln vor den Bildschirm. Die kleinen technischen Schwächen sind locker zu verzeihen, das neue Kernfeature ergibt Sinn, macht Spaß und ist oft auch ziemlich witzig. Ich bin gespannt, wie es mit den beiden jungen Frauen weitergeht und finde es fast schon schade, dass es „nur“ drei Episoden geben wird. Mehr davon!
Sieht gut aus