Über den Tellerrand: The Mooseman

Features

Über den Tellerrand: The Mooseman
Vom: 28.08.2018

Entwickler: Morteshka (Vladimir Beletsky, Mikhail Shvachko)

Publisher: Vladimir Beletsky

Sprache: Deutsch

Gespielt auf: Playstation 4

Das Indie-Spiel des russischen Entwicklerteams Morteshka aus Perm erschien bereits im Februar 2017 für PC. Im April diesen Jahres erfolgte der Release auf iOS und Android und im Juli schaffte The Mooseman (deutsch: Der Elchmensch) den Sprung auf Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch. Grund genug, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und uns den ungewöhnlichen Titel, welcher von Mythen der finnisch-ugrischen Kultur erzählt, auf der Playstation 4 anzusehen.

Von der Unter- in die Oberwelt

Vor langer Zeit schuf ein Gott namens Yen die Welt, welche sich in drei Ebenen unterteilt. Die Unterwelt befindet sich in den Tiefen des Ozeans, für die Menschen wurde die mittlere Welt geschaffen und in der Oberwelt wohnen alte Götter. Die Geister siedelten sich dagegen in allen Schichten an, wo sie ihre Geheimnisse bewachen. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Mooseman, einer der sieben Menschen, welche die Wege der Geister sowie die Schatten der Toten sehen können. Ist der Stamm in Not, wird der Elchmensch helfen. Dafür müssen mithilfe der Fähigkeiten alle drei Welten durchquert werden. Nebenher gibt es allerlei Hintergrundwissen über die Mythen und den Glauben der finnisch-ugrischen Stämme zu erfahren.

Die Story ist dünn, das Spiel lebt von den freischaltbaren Hintergrundinfos

Mix aus Adventure, Plattformer und Walking Simulator

Nur bedingt lässt sich The Mooseman als Adventure einordnen. Eher ist das Spiel eine Mischung aus verschiedenen Genres. Der Protagonist läuft zumeist gemütlich durch die Welten, ein Doppelklick der Richtungstasten sorgt sogar dafür, dass sich die Spielfigur alleine vorwärts bewegt. Das ist nicht unpraktisch, denn den Entwicklern scheinen die künstlerischen Aspekte wichtig gewesen zu sein. Dadurch sind oft lange Laufwege vorhanden, in denen es tatsächlich nur etwas zu sehen, aber aus spielerischer Sicht nichts zu tun gibt.

Springen kann der Elchmensch nicht, dafür lernt er mit der Zeit einige Fähigkeiten. Mithilfe einer Maske können verborgene, zumeist geheimnisvolle Dinge gesehen werden, welche für das Weiterkommen unerlässlich sind. Außerdem schützt das Licht an einem Schamanenstab vor Kreaturen, die dem Protagonisten schaden wollen. Sterben ist nämlich ebenfalls möglich, doch dank der zahlreichen Checkpoints kein Problem. An den letzten wird der Spieler automatisch teleportiert, falls es doch einmal zu einem Absturz kommen sollte oder eine der wenigen Verfolgungsjagden tödlich endet. Der Schwierigkeitsgrad bleibt dabei auf einem durchweg niedrigen Niveau.

An einigen Stellen kann der Protagonist auch sterben

Adventuretypische Rätsel gibt es kaum zu lösen. Ein Inventar ist gar nicht erst vorhanden, so dass sich auch das Anwenden von Gegenständen erübrigt. Ziel des Spiels ist es, von der Unterwelt in die Oberwelt zu gelangen. Dafür müssen einige Abgründe überwunden, Feinde ausgetrickst und Objekte manipuliert werden. Ausprobieren hilft zumeist, außerdem sollte sich der Spieler die Umgebung genau ansehen. Leichte mechanische sowie Tonrätsel sind ebenfalls zu lösen. Hier gibt es aber optische Unterstützung, somit muss kein musikalisches Talent vorhanden sein. Für Abwechslung sorgt der Umgang mit Pfeil und Bogen und ein Abschnitt, in dem sich fliegend fortbewegt wird.

Grundsätzlich dürfte die Spielzeit maximal zwei Stunden betragen, sofern nicht der Anspruch geweckt wird, sämtliche Kunstgegenstände zu sammeln, welche überall im Spiel versteckt sind. Jene Objekte finden sich tatsächlich in Museen in Perm wieder. Alle zu entdecken dürfte die größte Herausforderung sein und die Spieldauer um ein bis zwei Stunden verlängern. Hier muss der Spieler nämlich ganz genau auf die Umgebung achten. Schnell ist ein Gegenstand übersehen, zumal einige Hinweise schwer zu deuten sind. Glücklicherweise können im Menü jederzeit sämtliche bereits besuchten Checkpoints ausgewählt werden. Der Spieler kann daher einzelne Abschnitte frei wiederholen und die fehlenden Objekte einsammeln. Zur Belohnung gibt es außerdem Hintergrundinformationen zu jedem Gegenstand sowie auch nach dem Erreichen eines neuen Checkpoints, welche im Menü einsehbar sind.

Kunstgegenstände aus Perm sind überall im Spiel versteckt

Sidescroller in düsteren Farben

Der Stil von The Mooseman wirkt auf den ersten Blick sehr minimalistisch und ist in 2D sowie in der typischen Optik eines Sidescrollers gehalten. Bei genauerer Betrachtung und vor allen Dingen durch die Zuhilfenahme der Maske werden aber überall liebevolle Details aufgedeckt. Ein Baumstamm wird so zum Beispiel zu einer Raupe, die eintönigen Felswände sind mit Zeichnungen versehen und aus den düsteren Tiefen beobachten den Spieler hunderte Augen. Die Farbtöne beschränken sich zunächst auf düstere Grau- und Blautöne, allerdings ändert sich das im Laufe des Spiels. Dadurch sind die einzelnen Welten abwechslungsreich gestaltet, was sehr zur Atmosphäre beiträgt.

Die Maske offenbart dem Spieler die wahre Umgebung

Russische Klänge und deutsche Texte

In The Mooseman müssen keine Gespräche geführt werden. Zwar trifft der Spieler unterwegs immer wieder auf Götter und andere Gestalten, doch nur die wenigsten haben etwas zu erzählen. Sollten sie doch sprechen wollen, tun sie dies in Form eines Monologs, welcher in Texten dargestellt wird. Der Protagonist redet dagegen nie. Deutsche Untertitel sind im Menü auswählbar und nicht fehlerfrei, allerdings ist die Übersetzung zumindest so gut, dass der Spieler der dünnen und äußerst mythischen Geschichte folgen kann. An den Kapitelübergängen gibt es sogar Sprachausgabe, welche aber komplett in Russisch gehalten ist. Die wenigsten dürften die Sprecherin verstehen, so dass parallel trotzdem Untertitel eingeblendet werden. Dennoch trägt die russische Sprache sehr zu der geheimnisvollen Atmosphäre bei. Ein weiterer Pluspunkt ist die Musik. Hier kommt ein Chor aus Perm zum Einsatz, welcher immer wieder sanfte Melodien summt oder die Stimmung mit Gesang unterstützt.

Der Elchmensch begegnet im Laufe der Zeit vielen Gestalten

Fazit

Die russischen Entwickler haben mit The Mooseman ein ungewöhnliches Debüt geschaffen. Durch den Mix verschiedener Genres, der besonderen Optik und des nicht ganz einfachen Themas wird schnell klar, dass das Spiel nicht für die Masse bestimmt ist. Dadurch hebt es sich von vielen Indie-Games ab und ist im Einheitsbrei eine durchaus willkommene Abwechslung. Spielerisch bietet Der Elchmensch allerdings kaum Herausforderungen. Außerdem ist die eigentliche Geschichte nur bedingt spannend und in wenigen Sätzen zusammengefasst. Hier wäre mehr drin gewesen. Aufgrund der geringen Spielzeit fällt dies aber nicht ganz so stark auf, zumal die einzelnen Gebiete abwechslungsreich gehalten sind und der Spieler immer wieder auf neue Gestalten trifft. Fans von mythischen Geschichten erfahren somit zumindest interessante Informationen zur finnisch-ugrischen Kultur, welche in einer stimmungsvollen Atmosphäre präsentiert werden.

Kommentar

Obwohl ich mit der dünnen Geschichte von The Mooseman nicht ganz warm geworden bin und mir spielerisch mehr Herausforderungen gewünscht hätte, war ich motiviert genug, um sämtliche Kunstgegenstände zu sammeln. Hier zog der Schwierigkeitsgrad dann doch etwas an, weil ich mit einigen Hinweisen nur wenig anfangen konnte und manche Objekte mehr durch Ausprobieren, statt durch gezieltes Agieren bekommen habe. Nach der Eingewöhnungszeit hat mir vor allen Dingen die Optik des Spiels gut gefallen sowie die Musik. Auch die Hintergrundinformationen waren interessant. Hier wäre wünschenswert gewesen, diese besser in die Geschichte zu integrieren, statt sie nur im Menü als lesbare Texte freizuschalten.

Adventure-Treff-Wertung: 69%

Janina Brünner

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