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Re: Europawahl - Politik - Allgemein

Verfasst: 12.09.2026, 04:39
von Simon
mudge hat geschrieben: 11.09.2026, 19:04
Uncoolman hat geschrieben: 11.09.2026, 14:10
Sozial großzügig und empathisch ist man nur, wenn man selbst keine Existenzprobleme hat. Eigentlich sogar nur, wenn es einem richtig gut geht, so dass man was "übrig hat".

Ist das Deine Empfindung?
Ich habe da komplett gegenteilige Erfahrungen machen dürfen:
Die Menschen, die wenig haben, helfen sich selbstverständlicher untereinander. :-k
Was sind Existenzprobleme, wann geht es einem "richtig gut"? Wenn du nicht weißt, ob du am Monatsende noch genug Geld für's Essen hast, hast du sicher auch kein Geld übrig, um etwas abzugeben. Das heißt aber nicht automatisch, dass du dann eine Wut auf die entwickeln musst, die angeblich nur schmarotzen. Aber ich denke, dass man anfällig dafür ist. Vielleicht ist man aber auch anfällig für Neid auf die, die mehr haben und vielleicht sogar wütend auf "die Überreichen". Auf der anderen Seite gibt es auch Wohlhabende, die gar nicht emphatisch ggü. Ärmeren sind ("können ja alle mehr arbeiten") oder emphatisch sind (aber trotzdem nichts geben) oder aber eben doch einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens teilen.

Da spielen sicher äußere Faktoren eine große Rolle: Wie ist man erzogen und aufgewachsen, was sagen die Menschen um einen herum, was zeigen dir die Medien, was sagen die Politiker?

Perfide ist die Taktik der AfD und (speziell) der AfD-nahen Medien, das Schlechte immer stärker zu betonen, da ihnen das die Wähler bringt. Und da kommt dann bei einigen der Kreislauf in Gang, den Uncoolman anspricht: Die Menschen fühlen Existenzprobleme ("Man ist nicht mehr sicher", "Unser Geld wird nur an Fremde verschleudert", "Alles wird verboten") und die AfD gibt einfache Antworten ("Dir geht es nicht gut, du bist fleißig, du sollst davon Leben, Schuld sind die Grünen"). Da musst du dich dann nicht hinterfragen, nicht ändern, nicht kontrollieren, sondern einfach nur die Blauen wählen.

Gleichzeitig ist das aber auch ein Grundmechanismus. Wann waren de Grünen besonders stark? Als die Angst vor dem Klimawandel besonders stark war. Die Sorge ist sicher immer noch da, aber die AfD konnte die eigenen Sorgen stärker darstellen.

Wann war die Union besonders stark? Wenn die Wirtschaft besonders am Kränkeln war. Inzwischen scheint nur vielen klar geworden zu sein, dass die Union Wirtschaft gar nicht kann.

Nur bei der SPD fällt mir da nicht so recht was ein. Sie hatten vielleicht mal als "Kümmerer" Erfolg.
Uncoolman hat geschrieben: 12.09.2026, 03:09 Über die Ungleichheit zwischen Arm und Reich.
Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas über Umverteilung von Reichtum - Jung & Naiv: Folge 765

https://www.youtube.com/watch?v=13RiLPYd9nA
Habe mir bis jetzt nur die ersten 15 Minuten angehört. Bis hierhin bestärkt es mich in einem Punkt, den ich hier schonmal versucht habe zu machen: Die ungleiche Vermögensverteilung speziell durch unser Erbschaftssystem ist problematisch. Es ist schon verrückt, wie oft man da direkt auf Widerstand stößt, obwohl doch die allermeisten von einer Reform, die hohe Erbschaften stärker einschränkt, profitieren würden und es doch auch nach objektiven Kriterien "gerecht" sein sollte.

Der andere Punkt, der bisher aber nur angeschnitten wurde, ist die Unterscheidung zwischen Vermögen und Einkommen. Bzw. was jetzt als Einkommen gewertet wird. Denn Vermögen wird kaum besteuert und das Einkommen aus Vermögen wird ebenfalls deutlich geringer besteuert, als das Arbeitseinkommen. Es gäbe also Stellschrauben, mit denen man die Vermögensungleichheit reduzieren könnte.

Re: Europawahl - Politik - Allgemein

Verfasst: 12.09.2026, 16:07
von Uncoolman
Auf diesen Unterschied wird noch genauer eingegangen. Am Anfang stellte sie sich auch bloß vor. Aber das ganze Ding dauert ja auch 3 Stunden, da muss man schon mal Pause machen...

Re: Europawahl - Politik - Allgemein

Verfasst: 13.09.2026, 15:57
von Sternchen
neon hat geschrieben: 07.09.2026, 20:06 Ich sehe es so: Meiner Meinung nach kann die AfD ihre politischen Ziele, die sie sich laut Wahlprogramm setzt, in der Praxis nicht umsetzen. Auch die haben nicht das Geheimrezept, dieses Land mit den vorhandenen Mitteln kurzfristig zu sanieren. Es ist natürlich leicht, das aus der Opposition heraus zu behaupten und Regierende als unfähig zu bezeichnen. Um zu sehen, was sie wirklich verändern können, müssen sie erst einmal in der Regierungsverantwortung gewesen sein.

Ich bin sehr gespannt, ob sie eine Regierung in Sachsen-Anhalt bilden können und wie sie sich dann schlagen. Denn wenn sie nicht liefern, sind sie die Protestwähler auch sehr schnell wieder los. Wenn sie liefern, lernen andere Parteien vielleicht etwas dazu. Möglicherweise musste es dann einfach einmal so weit kommen, damit sie aufwachen.
Ja, sehe ich auch so, aber ich sehe darin eine gewaltige Gefahr. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland haben immer rechte Parteien bei Parteianfragen immer alles abgeblockt, was Verbesserungen für Menschen bedeutet hätte. Aber die rechten Wähler wollen das nicht wahrhaben. Sie wollen ja noch nicht mal wahrhaben, dass es mathematisch nicht genug Jobs für alle Arbeitslosen gibt. Also suchen sie sich in ihrer Wut Arbeitslose, Ausländer, Frauen als Sündenböcke, weil sie frustriert über ihr eigenes Leben sind.
Das ist die erste Gefahr, die ich sehe, dass man, wenn Abstimmungen durch Rechte anderer Parteien blockiert werden, es anderen Parteien in die Schuhe schieben wird.
Dass dann aus Frust daraus die AfD irgendwann die absolute Stimmenmehrheit sich holt und was dann passiert, zeigen die USA auf erschreckende Art und Weise. Ein Sozialsystem, wie bei uns, staatliches Krankensystem, gibt es dort nicht.
Viele arbeiten dort 3 Jobs und stehen dennoch mit einem Fuß fast auf der Straße.
Ice-Einheit zwingt Obdachlose in Heime und nimmt ihnen vorher sämtlichen Besitz weg.
Die Obdachlosenzahl, die Arbeitslosenzahl wächst dort stetig weiter an.
Die USA sind ein Polizeistaat und die Polizei ein Werkzeug zum Machterhalt der Regierungen.
Selbst bei Stimmenmehrheit für andere Parteien entscheiden Parteien im Inneren, wer an der Macht bleibt und wer nicht.
So korrupt ist das System dort.
Mich wundert nicht, dass Rechte in Europa dem nacheifern, sie wären damit kaum noch aufzuhalten.
Es gibt in vielen Bundesstaaten der USA nur einen Wahlkasten, weil es nicht gewollt ist, dass es jeder zur Wahl schafft.
Es gibt noch mehr Punkte, die ich listen könnte, aber Fazit: So ein System will ich weder für Deutschland noch für Österreich. Das ist ein System von Reiche für Reiche, und nicht eines für die Armen, oder ein System, was sich für Menschen an sich einsetzt.