Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

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Bakhtosh
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Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon Bakhtosh » 28.12.2018, 20:30

Mein Wichtel möchte doch bestimmt erfahren, was seine Folterwerkzeuge so anrichten.

Ich habe mir von den Gaben gleich die härteste Nummer rausgesucht:
"Leisure Suit Larry – Box Office Bust"
Mit einem sagenhaften Wertungsschnit von 30,4% in der deutschsprachigen Spielepresse (Link).


Mein Fazit:

Eigentlich ist es schon traurig. Natürlich hätte das Spiel niemals Point’n Klick Adventure Puristen glücklich gemacht. Aber es hätte durchaus etwas werden können. Aber ach - dann ging so viel schief...


Das Positive:
Die häufigste Spielmechanik ist so etwas wie Tomb Raider, nur ohne die Action. Es müssen also Wege gefunden werden bestimmte Stellen in 3D Umgebung mit Hüpf- & Klettereinlagen zu erreichen. Dazu ein paar einfache Puzzles. Darüber hinaus gibt es ein paar Minispiele nach Schießbuden Prinzip, Fotos zur richtigen Zeit auf Tastendruck schießen oder Filmregie, wo man die beste Kameraperspektive auswählen muss.

Die Grundstory ist, dass Larry unseren Protagonisten (seinen Neffen - ebenfalls mit Namen Larry) in sein Filmstudio holt, damit dieser als Hilfsarbeiter getarnt einen Saboteur aufspürt. Der Plot gliedert sich in zahllose Sammel- und Bringeaufgaben. Hat man hier den ersten Part überstanden, bekommt man Zugang zu den Filmsets, in denen sich unser Nachwuchs-Larry in spielbare Tagträume versetzt und Persiflagen berühmter Genres und Filme (Western, Grusel & Titanic) spielt. Hier sind die Minigames wirklich kreativ umgesetzt und in witzige Plots eingebettet. Das könnte wirklich Spaß machen.

Hört sich doch gar nicht so schlecht an?
Tja - es gibt vor allem zwei große Probleme.


Das Negative:
Das eine ist die Steuerung. Larry reagiert ständig so, wie man es nicht will und dazu noch ziemlich träge. Möchte man, dass er springt, will er nicht. Springt er dann, tut er das bestimmt wieder im falschen Winkel. Denn mit der Tastatur kann man maximal in 45° Grad Winkeln rennen. Während man in Außenarealen meist die Perspektive mit der Maus ändern kann, ist dies innen oder bei Klettereinlagen nicht möglich. Wer ein schräges langes Seil schonmal in Minischrittchen a la 2x rechts, 1xhoch in Endlosschleife bezwungen hat, kann sich vorstellen, welchen Spaß dies macht. Im Paparazzi Minispiel, muss man schnell die richtigen Tasten drücken. Nur zeigt das Spiel einfach nur B1 bis B6 anstatt der richtigen Tasten an und man muss sich schnell daran erinnern, welche sich nun dahinter verbirgt. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn man frei speichern könnte. Aber dies ist nicht der Fall. Dies geschieht automatisch und oft gar nicht innerhalb einer Aufgabe bzw. einen Minispiels. Teilweise ist man gezwungen sich lang Dialoge erneut anzuhören, oder muss erst eine lange Strecke bis zum eigentlichen Start laufen. Dafür gibt's dann auch teilweise Zeitlimit - nicht dass man noch auf die Idee kommt bei Sprungeinlagen in Ruhe zu zielen. Nur zwischen den Aufgaben darf man manuelle Spielstände anlegen, um später Passagen nochmal zu spielen. Aber nur in Larrys Wohnwagen - also nicht während der Tagträume.

Das zweite Problem sind die Dialoge. Die Tagträume sind als Persiflage eigentlich witzig angelegt. Aber irgendwer war der Meinung, in jeden zweiten Satz muss ein anzügliches Wortspiel. Und die sind unglaublich platt und dümmlich. Das kann man sich einfach nicht anhören. Muss man aber, wenn man erfahren will, was das Ziel der nächsten Aufgabe ist. Da ist es schon fast ein Vorteil, dass es nur deutsche Untertitel gibt, die Sprachausgabe aber auf Englisch ist. Auch wenn die Wortspiele der Untertitel selten was mit dem Original zu tun haben.

Dazu kommen noch reichlich kleinere Probleme, die man viel eher geschluckt hätte, wenn der Rest gut gewesen wäre.

Z.B., dass das Basis Areal riesig ist und man ständig über weite Strecken geschickt wird. Das machen auch die Golfwagen, die man kapern kann, kaum besser. Entweder ist grad keins da oder es überfährt einen. Oder man bleibt damit hängen und muss es per extra Zurücksetz-Taste (!) wieder auf den Weg setzen lassen.

Oder dass die Zielmarkierung keinen Hinweis darauf gibt, in welchem Stockwerk das Ziel wohl ist. Gut, darüber wundert man sich nur beim ersten Mal. Dann weiß man, dass man einfach alle Stockwerke absuchen muss.

Dann laufen überall Klone herum. Fällt bei diversen kleineren Darstellungsfehlern aber fast schon nicht mehr ins Gewicht.

Irgendjemand scheint auch der Meinung zu sein Dolly Buster ist das Schönheitsideal der meisten Männer und Gipfel der Erotik. Für Liebhaber von Frauen mit weniger Holz vor der Hütten hat man wenigstens ein paar Mädels mit „nur“ Trippel-D eingebaut. Da bin ich wirklich dankbar, dass es keine nackten Tatsachen zu sehen gibt.

So dümmlich in den Dialogen und unerotisch von der Grafik war noch kein Larry Spiel. Da merkt man erst, was für einen guten Job die Entwickler des neuen Larry Spiels (Wet dreams don’t dry) gemacht haben.

mudge – ich danke Dir für diese Perle von Wichtelspiel!
Es war eine würdige Qual es durchzuspielen.


Ich bin total neugierig, welche Erfahrungen Ihr mit Euren Wichtelgaben macht oder gemacht hat.
Wer hat sich woran getraut. Und vor allem - wie war es so?
Welcher Wichtel hat am besten gequält?
:mrgreen:


Gallerie:
Aufpassen, dass sich das Straßenarbeiter- und Cutscene-Script nicht ins Gehege kommen? Ach... Wozu...
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Irgendwie habe ich das mit den Schatten anders in Erinnerung...
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Preisfrage: Was stößt Dich mehr ab? Der "Witz" oder der Atombusen?
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Wenigstens bleibt nicht nur Larry mal irgendwo hängen...
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Furzwitze und Ballons...
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Dracula ist auch dabei...
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Guck mal - das sieht aus wie... Hihihi... :roll:
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Es sind auch wirklich nette Szenen dabei...
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Albtraumbettszene kurz vor dem Happy End...
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Das "wohlverdiente" Happy End. Wo früher Larry eigentlich seine wahre Liebe suchte, muss es jetzt eine Nacht mit 3 Frauen sein.
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So habe ich mich durchgequält...
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mudge
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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon mudge » 29.12.2018, 22:52

Eine wunderbare Idee, lieber Bakhtosh! :mrgreen: =D>

Muss mal gucken, ob ich da mitwichtlreporten/screenshot machen kann.

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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon elfant » 01.01.2019, 13:32

So als erstes Spiel meines garstigen Übelwichtels Bakhtosh versuche ich mich an "Gris".

Mein Fazitund damit auch die einig wahre Wahrheit
Schön. Kein Wort wäre passender.

Das Positive
Gris ist sylitisches extrem sicher und man merkt seine Herkunft aus dem Künstlertum. Ich mag zum Beispiel normalerweise keinen Score / Hintergrundmusik, weil es meistens unerträgliches Fahrstuhlgedudel ist. Hier könnte ich immerhin mal vorstellen sie seperat zu hören, obwohl es immer noch ein reiner Score ist.
Graphisch könnte man jedes wahrscheinlich jedes der Bilder ausdrucken und an die Wand hängen für die kunstbegeisteren Besucher. Oder um es mit André Preschke aus dem Spielepodcast "Auf ein Bier" zu paraphrasieren: Meine Phantasie ist scheiße und häßlich und ich sollte auf hören zu träumen, wenn offenkundig bin ich unfähig dafür.
Das Negative
Wahrscheinlich wird dieser Teil wesentlich länger, aber bevor jemand erschreckt: Es ist sehr viel Erbsenzählerei und Vermischungen mit positiven Elementen dabei.
Spielmechanisch ist Gris recht simpel. Zwar holt man alles aus den wenigen Mechaniken heraus, aber letztlich ist man eher in einem Walkingsim. Dagegen spricht widerum das Spieldesign. Teilweiße weiß man nicht wie man ein bekanntes Ziel erreichen soll bis man durch Zufall oder herumprobieren die Lösung findet. Die optionale Zusatzziele erfordern zwar teilweise ordentlich Hirnschmalz, aber während das Erste eine Art Metroidvania suggeriert, stellt man schnell fest, daß man oft nicht eben nicht mehr zurückkehren kann und Wege nicht so verlaufen wie man dachte. Mit den Worten von Hagen Gehritz auf Gamersglobal: "Wenn man böswillig ist, bezeichnet man Gris als einen Graphikblender" und füge hinzu: Und man selbst ein Idiot.
Narrativ bin ich mir noch unsicher. Es gibt immerhin eine Begrenzung bei der Interpretation des Spiels, aber insgesamt ist jene schon etwas grob und generisch gehalten, vermittelt sie aber gleichzeitig sehr eindrücklich.
PS: Eine Gallerie füge ich später ein.
Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt. - Joseph Rudyard Kipling (1865 - 1936)

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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon Bakhtosh » 02.01.2019, 17:51

Freut mich, dass Du Dich an Gris rangetraut hast. 8)

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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon Möwe » 02.01.2019, 18:37

Ich schließe mich mudge an: schöne Aktion, Bakhtosch.
Finde es richtig schade, dass ich nicht mitgemacht habe. Jetzt kann ich nicht wirklich dazu beitragen.
Ich habe von den vergangenen Wichteleien etwas die Hälfte der Spiele tatsächlich gespielt und die andere Hälfte nicht. Dabei lasse ich mal die Spiele außen vor, die ich schon kannte.
Insgesamt sind einige Quälereien dabei geweßen, aber auch wunderbare Adventures, die ich sicher sonst nie installiert hätte.
"The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to the presence of those who think they’ve found it."
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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon elfant » 03.01.2019, 12:01

Bakhtosh hat geschrieben:
02.01.2019, 17:51
Freut mich, dass Du Dich an Gris rangetraut hast. 8)
Bei Gris war es ja auch kein Problem. Die wahre Probe ist bekanntlich "The Last Dynastie"
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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon MarTenG » 12.01.2019, 14:08

Auch wenn es nicht ganz in den Thread passt nochmal Dank an galador1 für die Glitzersternchen. Obwohl ich durch rascheln vorgewarnt war und auch zwecks Widerverwendung des Geschenkpapiers (meine Oma wäre sooo stolz auf mich :mrgreen: ) sehr vorsichtig geöffnet habe finde ich immernoch vereinzelt Sternchen in der Wohnung :)
(vielleicht sind es ja auch immer die gleichen und ich wische die nur ständig wieder vom Tisch #-o )
Kannst Du die Sterne sehen, brennt der Himmel nur für Dich.
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Re: Der Wichtelopfer Leid (Spielereports)

Beitragvon galador1 » 14.01.2019, 17:24

nichts zu danken.
gern geschehen :D


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