Zuviel zu konsumieren?

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postulatio
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon postulatio » 09.02.2018, 12:43

Ich fühle mich auch erschlagen durch das riesige Angebot - wenn man sieht, wie viele Serien es schon gibt, und das gefühlt jeden Monat eine neue anläuft - da weiß man ja gar nicht mehr, was man schauen soll.

Ich habe mir Amazon Prime und Netflix geholt, weil ich unabhängig von Sendezeiten sein wollte, und mir das Leih-Prinzip gefällt.
Im Endeffekt schau ich aber fast weniger als noch früher im TV, wo man auf den Ausstrahlungstermin einer neuen Folge hingefiebert hat.

Man wird durch die Medien auch irgendwie unter Druck gesetzt, bei jeder Serie auf dem neuesten Stand zu sein - grade bei bekannten Serien wird man sonst unweigerlich durch das Netz gespoilert :roll:

Was Filme angeht: auch hier schaue ich durch die konstante Verfügbarkeit kaum mehr als in der Zeit vor Streaming-Anbietern :?
Im Gegenteil: ich habe sogar festgestellt, das ich beim Durchzappen bei mir bekannten Filmen eher hängen bleibe, als mir einen Film bewusst zum 2. Mal anzumachen.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 13:38

Es gibt sicher ein Überangebot an Medien und es stimmt auch, dass man nicht alles konsumieren muss. Außer sterben muss man gar nichts. Die Frage ist eher, wieviel Konsum zum Erreichen der eigenen Lebenswirklichkeit man sich antun möchte.

Ich verzichte z.B. auf sämtliche Spiele von Gog und Steam, damit reduziert sich die Auswahl inzwischen auf 10-20%.

Längst muss ich mich dafür rechtfertigen, wenn ich z.B. meine Klamotten so lange trage, bis sie unansehnlich wirken (immer frisch gewaschen natürlich).

Der Konsum ist bei den Menschen das, was bei den Affen das Trommeln auf der Brust, das Zähnefletschen und das Zeigen von Dominanz ist. Durch Konsumverzicht rutscht man in der Beziehungsmarkt- und Sozialhierarchie weiter nach unten. Dass vor allem jüngere Menschen damit nicht klarkommen, ist einleuchtend, denn diese kämpfen ja gerade um eine gute Position. Konsumverzicht bedeutet also zwingend eine Abkehr von eingefahrenen Verhaltensweisen, was aber sehr energieaufwendig ist. Es ist mühsam, das durchzuhalten, weil man sich jeden Tag die Frage nach dem "was will ich?" neu beantworten muss.

Nehme ich z.B. das Forumsspiel "Screenshot-Rätsel", so muss ich zugeben, dass ich 90% der Spiele nicht kenne und deshalb auch nicht mitraten kann. Nehme ich z.B. Steam, so kenne ich mich damit gar nicht aus. Nehme ich z.B. Netflix, so muss ich bestätigen, dass für mich nichts irre Tolles dabei war und ich - wenn überhaupt - lieber eine DVD kaufe. Serien mag ich sowieso nicht. Nehme ich Online-Spiele, so habe ich faktisch noch nie eins gespielt (außer LBP und Journey im Mehrspielermodus bei einer Freundin).

Man muss also gut abwägen, was man gewinnt und was einem entgeht. Das bewusste Vermeiden von Konsum und Internet ist inzwischen genauso mühsam wie das Konsumieren selbst, weil einem keine Wahl mehr angeboten wird ( man denke nur an die erzwungene Online-Steuererklärung).
Klingt man sich jedoch aus der Welt aus, hat man sicher mehr Zeit für sich, entflieht aber auch dem "Zeitgeist", was wiederum dazu führt, dass eigene Kreationen nicht mehr "passen", weil man hinterm Mond lebt. In einer gewissen Weise wird man auch einsamer, weil Kommunikation längst online ausgelagert ist. Briefe werden kaum noch beantwortet, statt dessen gibt es Whatsapp. Driften die Interessen zu weit auseinander, ergeht es einem wie der Mann aus einer Geschichte, der sich für Gegenstände aus dem täglichen Leben andere Namen ausdachte und darum von Anderen nicht mehr verstanden wurde. Konsumverzicht führt irgendwann zu einem Herausfallen aus der Welt. Eine Gratwanderung.
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon uwero » 09.02.2018, 14:22

@Uncoolman
Kann dir da in vielen Punkten nur Recht geben.
Wenn du eine Frau wärst, dann würde ich dich glatt heiraten :wink:

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 14:33

uwero hat geschrieben:
09.02.2018, 14:22
@Uncoolman
Kann dir da in vielen Punkten nur Recht geben.
Wenn du eine Frau wärst, dann würde ich dich glatt heiraten :wink:
Ich nehme das mal als Kompliment und sage "Vielen Dank". Ein manchmal "weiblicher" Blickwinkel kann ja auch was Gutes haben. Außerdem: wer sagt denn, dass nicht ... :mrgreen: (schade, pfeifender Smiley geht nicht)
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon axelkothe » 09.02.2018, 16:13

postulatio hat geschrieben:
09.02.2018, 12:43
Man wird durch die Medien auch irgendwie unter Druck gesetzt, bei jeder Serie auf dem neuesten Stand zu sein - grade bei bekannten Serien wird man sonst unweigerlich durch das Netz gespoilert :roll:
Kann ich nicht bestätigen. Ich kann das in der regel hervorragend ausblenden, bzw. ich halte mich eben von entsprechenden Threads in Foren und Twitter/Facebookunterhaltungen fern (bzw. Twitter nutze ich eh kaum). Die Filmpodcasts die ich höre sind sehr bedacht darauf nichts zu spoilern und wenn, wird das in der Regel vorher deutlich gesagt. Ergo: Dass ich unvorbereitet gespoilert werde, kommt nur äußerst selten vor, und wenn, vergesse ich es meist bevor ich dazu komme die Serie/den Film anzuschauen ;)
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 16:20

Dadurch, dass ich vor Kauf oder Kinobesuch meist Vorschauen oder Videos schaue, bin ich jetzt öfter gespoilert als früher. Obwohl sich Trailer meist Mühe geben, nichts zu verraten. Aufgrund der Bildeindrücke, Besprechungen, Kommentare und Reviews entscheide ich dann, ob der Film oder das Spiel was für mich sind. Anders wäre es viel zu teuer. Ich habe dann allerdings kaum noch wirkliche Überraschungsmomente.
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon axelkothe » 09.02.2018, 23:53

Ich gehe meistens am Kinotag für 6€ pro Karte, da kann man sch auch mal überraschen lassen. Wobei ich Trailer nur dann sehe, wenn sie halt grad zufällig im Kino laufen. Ansonsten höre ich wie gesagt Podcasts, bei denen Spoiler erst am Ende besprochen werden und ich dann vorher abschalte.

Neulich hatte ich aber (zum Glück erst nach dem Kinobesuch) mal die Cinema-Besprechung von Downsizing gelesen und war entsetzt, wieviel da in einer nicht mal halben Seite Text vom Film gespoilert wurde.
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Zoë Maya Castillo » 03.09.2018, 21:12

Ich bin ja so eine richtige Konsum Drohne wenns um Spiele geht und ich komme da schon lange nicht mehr hinterher und manchmal denke ich mir auch also eigentlich kannst du das eh nicht alles spielen und dann denke ich wieder muss haben, muss spielen, will nicht verzichten.

Und gerade gestern dachte ich alleine an Netflix da könnte ich jeden Tag die ganze Zeit Netflix schauen und es wäre niemals ein Punkt da wo ich sagen kann, jo bin fertig, mich interessiert nichts mehr, was es da sonst noch gibt.

Aber da ich mich nicht einschränken mag und das sowieso früher oder später breche, konsumiere ich einfach was ich will, wann ich will und versuche nicht zu viel darüber nach zu denken.

Ich habe öfters mal versucht mich auf eine Konsole oder so zu konzentrieren um halt nicht so viel zu Spielen zu haben aber ich habe es immer wieder bereut dass ich meine andere Konsolen/Spiele verkauft hatte und das ganze ist jetzt nur noch eine einzige teure Wiederanschaffung. Ich kanns einfach nicht, ich kann mich nicht auf eine Sache fokussieren, ich will alles was ich kriegen kann. Ich will nicht verzichten. Zumindest nicht in meinen Lieblingshobby in anderen Lebensbereichen, da sieht es schon ganz anders aus, da lebe ich dafür wie eine Kirchenmaus. :)

Aber gut ich sag immer als ich die Entscheidung traf das zocken zu meinen Hobby zu machen, da in dem Moment flog sowieso die komplette Vernunft aus dem Fenster.

Nämlich immer wenn ich darüber nachdenke, dass mein Hobby es ist interaktive Geschichten zu erleben, denke ich mir das ist ja eigentlich dämlich, man sitzt die ganze Zeit vor nem Bildschirm und zieht sich das rein, lässt sich auf die Welt und Geschichte ein und versenkt da unzählige Stunden drin.

Aber dann denke ich wieder naja wenn ich ein Buch lese, Film oder Serie sehe ist das auch nicht so viel anders und dazu sagt ja auch keiner dass es Zeitverschwendung ist.

Aber ich drifte ab, ich glaube da spielt auch ziemlich hart mit rein, dass keiner mich und mein Gaming akzeptiert und jeder passiv aggressiv versucht mich zu einem normalen Mädchen zu machen, dass sich für Klamotten und Schuhe interessiert anstatt eine Leidenschaft für die Videospiele vieler Art hat.

Aber ja ich konsumiere oder plane viel mehr zu konsumieren als es eigentlich möglich ist aber im Gegensatz zum Threadersteller habe ich auch nicht vor ein eigenes Spiel/Film/Buch zu erschaffen. (auch wenn bestimmte Leute immer mal wieder meinen ich sollte ein Buch schreiben und sowas lol) Dafür habe ich auch aktuell keine Kraft.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Hexenjohanna » 12.02.2020, 21:37

Ich hoffe, niemand ist böse, dass ich das Thema noch mal nach oben hole, aber ich bin ja erst neulich wieder hier eingestiegen und lese mich jetzt nach und nach durch die älteren Themen.
Unter diesem haben so viele Leute so Wertvolles geschrieben, dass ich nicht vermöchte, das alles einzelnd zu zitieren.

Aber eigentlich müßte es fast gepint werden, weil es so relevant ist, die Antworten so wertvoll sind und der Thread wohl auch dauerhaft wichtigen Content beeinhaltet. Dem bislang Gesagten schließe ich mich inhaltlich fast zu 100% in der Aussage an.

Das grundsätzliche "Zuviel" - Problem kommt meiner Meinung nach daher, dass der Mensch/ man /ich grundsätzlich auf Neugier programmiert ist, weil sie die Basis der Individualität darstellt und damit das eigene Fortkommen und Überleben auch in der Zukunft sichert. Also sozusagen "eingebaut" ist.

Man kann sich diesem Trieb sehr schwer entziehen. Wenn aber das Angebot für die Neugier einfach zu groß ist, um in der eigenen Lebens- / Zeit- / Aufmerksamkeitsspanne noch realistisch bewältigt werden zu können, verbleibt erst mal ein tiefsitzendes Frustrationsgefühl.

Dafür gibt es, besonders in der Leistungs- und Vergleichsgesellschaft hier in D. verstärkte Gründe, aber das ist imho ganz allgemein überall so. Eigentlich kann man sich nur für Selbstbeschränkung und dadurch für resultierende Simplifizierung entscheiden. Denn egal, was einem überall suggeriert wird, was alles möglich wäre, wenn man nur... es ist ein mental tödliches Rattenrennen, das man niemals gewinnen kann.

Das sollte jetzt kein Pladoyer für Mittelmäßigkeit werden, aber andererseits auch keins dagegen. Was wäre daran eigentlich so schlimm?

Mal so Beispiele aus eigener Lebenserfahrung:

Ich habe

-mal irgendwann in einem Plattenladen gearbeitet, 400 Neuerscheinungen pro Monat. Heute wären es wahrscheinlich 4000 neue Titel oder mehr. Es war damals wie heute unmöglich, die alle zu kennen, mußte ich hinnehmen.

-wahrscheinlich so an die 2000 bis 5000 o.m. (echt schwer, das zu schätzen) Leute in meinem Leben persönlich kennengelernt.
Mit vielleicht 150 - 300 davon Kontaktadressen ausgetauscht. Unschätzbar viele persönliche Informationen erhalten. Kann ich eigentlich all diese Beziehungen pflegen? Nein.

-unzählige Bücher, Filme, Spiele, Comics, Serien, Museen, Theaterstücke, Konzerte, tatata gesehen / konsumiert. Was ist davon letztlich verblieben, bis auf, dass da so eine Art kultureller DNA aufgebaut worden ist, bei der die einzelne Komponente nachträglich gar nicht so wichtig ist? Also wenig. Oder weniger davon hätten dieselben Schlüsse erlaubt.

usw.

Es soll nur sagen, dass - egal wieviel Du an Erfahrungen einsammelst - Du trotzdem nur eine bestimmte klare Zeit hast, Dich damit auseinanderzusetzen und Dich damit mit Dir selbst zu beschäftigen. Jedenfalls sollten es immer eine sein, die Dir persönlich etwas bringt, und die Du nicht nur deshalb zu gewinnen suchst, um in einem gewähnten "Woanders-Club" mitzuhalten.

Und das macht die Masse / Menge nicht aus, die man konsumiert.
Laß mich den Aberglauben eines Volkes schaffen, und mir ist es gleich, wer ihm seine Gesetze oder seine Lieder gibt.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon mudge » 12.02.2020, 22:20

Finde diesen thread gut.

Ich arbeite in einer Bibliothek. Wir versuchen, jedem Menschen kostenlosen Zugang zu allen Medien zu gewährleisten,
für den ein normaler Haushalt kein Geld übrig hat. Alle Bibliotheken sind generell auch ohne Anmeldung kostenlos nutzbar.

Es macht enorm glücklich, zufriedene Menschen in den Alltag wandern zu sehen, die sich oder ihren Kindern
ohne diese Einrichtung keine Einkäufe von Medien erlauben können.

Leider könnte alles viel besser sein.

Wenn ich mir meinen Medienkonsum selbst angucke, dann kaufe ich viele Adventures, wenn ich ich hier
darüber lese, und ich merke, dass ich unabhängige Entwickler damit unterstütze.

Wann ich Zeit dafür finde, sie alle zu bespielen - Das bleibt meine Sorge.

Wenn ich auf einer Hörspiel-Messe unterwegs bin, tolle Menschen kennenlerne, jeweilige Produktionen
euphorisch einkaufe - Wann ich sie höre, wieder: Muss ich gucken, mein Problem.

Doch unterstütze ich die kreativen Köpfe - Und das ist mir *wichtig*.

Ich besitze gefühlt zuviele DVDs. Ein Verkauf macht keinen Sinn, wenn man für einen Film 0,30 € angeboten bekommt.
Jemand aus dem Forum empfahl mal, die erleichtendste Variante wäre: Mülltonne auf - Weg!
Das empfinde ich mittlerweile als gar nicht falsch.

Noch größer ist meine CD-Sammlung. Ich liebe da vieles - mag nicht *alle* tippen - doch hörte ich leider
seit längerer Zeit gar keine Musik mehr zu Hause. Wegwerfen? Geht nicht.

Meine Comicsammlung ist gut, nicht herausragend. Diverse Bücher kaufe ich mir, weil ich sie immer
parat haben mag. Vielleicht auch daraus vorlesen möchte. Digital mag ich das nicht.

Ist das falsch? Wäre der Gedanke eine Bücher-/Comic-/CD-/DVD-Sammlung nur noch digital zu
besitzen besser für die Umwelt, die Natur?

Natürlich muss sich jede/r selbst an die Nase fassen, immer.

Ich (+bin) gar nicht so für das allein-digitale.
Wenn ich ein Buch lesen mag, einen Comic, dann mag ich die Haptik.

Viele Kinder können mittlerweile nicht mehr richtig lesen und schreiben,
da sie allein digital konsumieren. Es wird auch nicht besser, scheint es.

Würde dazu gerne mal ein paar Lehrkräfte hier lesen, wie die subjektive Empfindung
vor Ort ist.

Facebook, Twitter etc. nutze ich nicht. Meine Erlebnisse erfolgen live, und ich freue mich,
dass es noch so sein darf - und weiterhin so sein wird.

Edith raunt: +bin dezent eingefügt.

Silvi
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Silvi » 13.02.2020, 20:35

@Hexenjohanna. Gut, dass Du diesen Thread wieder nach oben gezogen hast. Da ist Dir bestimmt niemand böse, warum auch. :) Schön, dass Du wieder hierher gefunden hast. Du bringst frischen Wind in das Forum und das ist gut so. Also, ein freundliches Hallo. :D


Da Hexenjohanna und mudge deren Beruf erwähnt haben, möchte auch ich kurz anmerken womit ich das Geld für mein Brot, meine Spiele, meine Bücher und die Wohnung verdiene. Ich befasse mich mit der Beratung und dem Verkauf von Reisen. Im Klartext, ich arbeite in einem Reisebüro.


Zum eigentlichen Thema.


In anderen Foren bin ich nicht zu finden. Das Adventure-Treff ist mein einziger Virtueller Wohnsitz. Ich liebe dieses Forum und schätze deren Mitglieder. Ein Mitglied ist mir besonders an das Herz gewachsen. Das Niveau der User ist sehr hoch. Der Umgangston ist höflich, man ist hilfsbereit, und drückt auch manchmal ein Auge zu, sollte man einmal etwas (wie ich das öfters mache) aus der Norm fallen. Man hat mich vor kurzem als mühsam bezeichnet. Da muss ich leider manchmal zustimmen. Aber so bin ich nun einmal.

Ich lese wahnsinnig gerne im Wikipedia. Ich bilde mich da weiter und hole mir dort mein Wissen. Ohne Wiki, wäre das Internet für mich unbrauchbar. Wusstet ihr, dass man es sogar eine Wiki-Seite gibt wo man Latein lernen kann?? Also ich nicht. Jedenfalls habe ich mir diese Seite als Lesezeichen gesetzt und möchte, sofern ich endlich Zeit finde, etwas pauken. Also wieder ist der Zeitfaktor das Problem.

Meine Adventure-Spiele-Sammlung habe ich hier vor Jahren in diesem Forum verkauft. Einige wissen über die damalige Problematik vielleicht Bescheid. Langer Rede kurzer Sinn, ich habe mir seinerzeit geschworen alle veräusserten Spiele wieder nach zu kaufen. Das habe ich im Laufe der Zeit auch geschafft. Ich habe jetzt alles schön fein säuberlich auf einem polnischen und auf einem US Server liegen. Zum Großteil sogar hier bei mir lokal auf externen Festplatten gesichert. Adventure-Spiele, Rollenspiele, Strategiespiele, Wirtschaftssimulationen. Um wieviel Spiele es sich handelt behalte ich lieber für mich. :wink: Zeit um diese zu spielen, habe ich nicht. Werde ich wahrscheinlich auch nie haben alle durch zu spielen. Das finde ich insofern schade, da ich mit Euch nicht mitquatschen kann, bzw. auch im Forenspiel der Screenshot-Rätsel nicht mitmachen kann. Ihr werdet fragen, warum hat sie das dann alles gekauft, wenn sie sich damit nicht beschäftigt. Meine Antwort. Meine Sammelleidenschaft, und um "das eine oder andere" Adventure zu spielen. :)

Ich frage auch manchmal hier im Forum nach guten Büchern. Vor kurzem habe ich nach dystopischen Büchern und Spielen gefragt. All das, was ihr genannt habt, und ich noch nicht hatte, habe ich mir zugelegt. Zeit zum Lesen oder zum Spielen - leider negativ. Ich muss 200 Jahre alt werden um mich mit all dem, was ich gesammelt und gekauft habe, zu beschäftigen.

Besonders schade finde ich, dass ich kaum Zeit zum Lesen finde. Abends bin ich zu müde um noch ein gutes Buch zu lesen. Mein Job ist ziemlich stressig, und ich komme sehr spät Abends nac hhause. Und der Haushalt muss ja auch noch gemacht werden. :-"

Jetzt habe ich mir einen Netflix Account zugelegt, um mir die Serie Black Mirror anzuschauen. Zwei Folgen konnte ich bis dato sehen. Zu mehr bin ich noch nicht gekommen. Wieder das Zeitproblem. Netflix wird sich vielleicht wieder erübrigen müssen.


Was ich mit dem Geschriebenen eigentlich sagen möchte ist, dass es meines Erachtens kein Überangebot gibt, sondern ein Angebot, aus dem man frei wählen kann, aber nicht die nötige Zeit dazu haben wird, alles zu nutzen. Das Leben ist einfach zu kurz. Leider.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 13.02.2020, 23:39

Da fragt man sich, wo neben dem ganzen Filmeschauen, Spielen, Lesen, Musikhören und Chatten eigentlich noch Zeit bleibt für anderes Zeitraubendes... Reisen, Freunde, Ausgehen, Sport (Kommentar wurde von der Redaktion gestrichen), Haustiere, Essen, Gammeln... Ich glaube, die virtuellen Medien hauen ganz schön heftig rein. Nicht mal zum Einkaufen kommt man noch.

Hat jemand Milch und Brot..?
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Temüjin » 14.02.2020, 02:19

Silvi hat geschrieben:
13.02.2020, 20:35
Ich frage auch manchmal hier im Forum nach guten Büchern. Vor kurzem habe ich nach dystopischen Büchern und Spielen gefragt. All das, was ihr genannt habt, und ich noch nicht hatte, habe ich mir zugelegt. Zeit zum Lesen oder zum Spielen - leider negativ. Ich muss 200 Jahre alt werden um mich mit all dem, was ich gesammelt und gekauft habe, zu beschäftigen.
Die Aussage kann ich nur bestätigen, ich bin auch voll der Messie-Sammler :)
und werde in diesem Leben nicht mehr dazu kommen , alle zusammengetragenen Bücher, Comics und Computerspiele zu konsumieren.

Meine ZACK-Hefte würde ich gerne alle noch lesen, die sind schon bei Nr. 248.
Oder SPAWN, stehen schon 122 Bände rum und wollen gelesen werden oder 62 Bände DYLAN DOG.
Henry Rider Haggards Gesamtausgabe (23 Bände) guckt mich immer vorwurfsvoll an, man kauft und häuft an, mit dem Vorsatz: Irgendwann, irgendwann werde ich das noch lesen.

Aber es ist ja bekannt, daß kaufen, konsumieren und horten an und für sich Freude macht, unabhängig von Sinn und Zweck der gekauften Sachen.
Ich finde es mittlerweile legitim, sich Dinge zu kaufen, die man nicht benutzt und sich nur am Gedanken des Besitzes zu erfreuen.

Doof wird es erst, wenn man sich wegen seiner Sammel- und Konsumleidenschaft
sich in anderen wichtigeren Bereichen einschränken muss.
Z.B. wenn man seine Kleidung ausserhalb des Kleiderschranks aufbewahrt, weil der Kleiderschrank voller Comics ist.
Da fängt das Messie-Verhalten an.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon mandarino » 14.02.2020, 10:55

Ja, wie ist das bei mir so mit dem Konsumieren?
Ich erweitere das Thema auch mal ein wenig über die Medien hinaus.

Ich stamme noch aus einer Generation, die nicht ständig mit einem Überangebot an Konsumgütern und Medien konfrontiert und überfordert war. Ich kenne also noch die Zeiten ohne Computer, ohne Telefon und Handy und mit Schwarz-weiß-Fernseher (mit 3-4 Sendern). Damals wurde sich in der Schule für den Nachmittag verabredet zum Fußballspielen, zu Monopoly-Nachmittagen, zum ins Kino und in die Schwimmhalle gehen und zu vielen anderen Unternehmungen, die v.a. draußen stattfanden. Das Spielzeug und später die Bücher, das Fahrrad, Musikkassetten und Schallplatten wurden in Ehren gehalten. Man kannte jeden einzelnen seiner Buchtitel, las die Bücher auch mehrfach und hörte seine Musikschätze immer und immer wieder. Und ich hatte tatsächlich nicht das Gefühl, dass mir irgendwas Wesentliches fehlte zum Zufriedensein. Klar hatte man immer irgendwelche Wünsche und Sehnsüchte, auch zum Teil nicht erfüllbare, aber das war nicht schlimm, sondern ganz normal. Im Vergleich zu heute war alles sicherlich gefühlt weniger aber auch irgendwie wertvoller.

Das Angebot hat sich seitdem extremst geändert. Die Herausforderung ist inzwischen, den ganzen angepriesenen und in Umlauf gebrachten Mist von den wirklich nützlichen und kostbaren Dingen zu unterscheiden.

Ich versuche bei meinem Konsum, auch wenn es nicht immer leicht ist, auf dem Teppich zu bleiben. In jungen Jahren waren Zeiten dabei, in denen ging es gar nicht anders, da musste man schon aus finanziellen Gründen Verzicht und Vernunft üben. Und es ging! Dann, als man es konnte, hat man sich eine Weile ausgetobt. Inzwischen verdiene ich ziemlich gut, könnte mir tatsächlich viel mehr Dinge leisten, als ich es tue. Mache das aber ziemlich bewusst nicht. Außerdem braucht man wirklich nicht alles, was einem gefällt oder besonders schön ist. Man braucht eigentlich sogar erschreckend wenig. Nach zig Ausmistaktionen im Laufe der Jahre und besonders nach Umzügen hat sich mein Besitztum inzwischen gut sortiert. Es ist weniger geworden und doch fehlt es an gar nix. Es ist immer noch (mehr als) genug. Aber ich versuche kritisch abzuwägen. Wenn ich etwas neu anschaffe, dann in guter Qualität. Und ich überlege gut, ob es mir wirklich nützlich ist und Platz da ist. Regelmäßig werden Dinge dann trotzdem noch entsorgt.

Auch ich habe meine ausgeprägten Sammlerleidenschaften. Aus Freude und Spaß. Ich schaue mir meine Sammlungen im Regal auch gerne einfach nur mal an. Das gibt mir ein gutes und schönes Gefühl. Diese Sammlungen beschränken sich allerdings auf ganz bestimmte Bereiche bzw. auf ganz bestimmte Interessen. Schon aus Vernunft. Natürlich die Adventures, die für 3 Leben reichen, und Sport- und Olympiabücher, Mosaikhefte, Bücher von James Krüss und verschiedene Biografien. (Ich mag alte, feste Bücher, bevorzugt Originalausgaben, die aus einer anderen Zeit stammen aber in 1A-Qualität sind.) Was mit diesem ganzen Kram später mal wird? Bis jetzt keine Ahnung. DVDs und CDs besitze ich nicht allzu viele, aber die ich habe, die sind absolut ausreichend.

Mit meinem Arbeits- und Familienleben bin ich ziemlich gut ausgelastet. Auch die Verantwortung für die eigenen Eltern wächst. Für die Hobbies bleiben bei mir unregelmäßig ein paar Stündchen nach Feierabend und am Wochenende. Ganz wichtig der Garten. Der tut gut. In jeder Hinsicht. Fernsehen am Abend ja, Netflix nein, WhatsApp nur selten, soziale Medien keine, Ausnahme: AT-Forum. Ich reise viel, bin im Urlaub meistens unterwegs, auch zunehmend zur Erholung. Ich habe viel gesehen und stets versucht, nichts auf später und irgendwann zu verschieben. Meine Frau ist um Einiges älter als ich, zum Glück biologisch und gesundheitlich ein kleines Naturwunder, uns geht es gut, aber es gab für uns nie etwas, das wir weit nach hinten verschieben wollten. Die Endlichkeit des Seins war mir schon recht früh bewusst. Und so lebe ich auch. Nicht krampfhaft und erzwungen, aber doch ziemlich bewusst.

Ich hatte eigentlich immer Ziele, kleine und große. Ich hab mir schon früh mein zukünftiges Leben in einzelnen Etappen vorgestellt und diese Zeiträume mit bestimmten Zielen und Umständen verbunden. Im Großen und Ganzen hat sich viel davon erfüllt. Es lief nicht immer alles glatt, aber ich bin insgesamt gut durchgekommen.
Immer nach meinem Grundsatz: Ich muss nicht alles machen im Leben, aber wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig. Mühe geben lohnt sich.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 14.02.2020, 13:41

Nicht zu vergessen: Rollschuhe (nein, nicht die von heute...) und Gummitwist, Himmel und Hölle,...
Als Jugendlicher spielte man Minigolf. ;)
Mathilda: "Ich bin schon längst erwachsen. Ich werde nur noch älter."
Léon: "Bei mir ist es umgekehrt. Ich bin alt genug, doch ich muss noch erwachsen werden."

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