Euer "Adventure-Lebenslauf"

Interview mit den Machern von "Book of Unwritten Tales" im März 2009.
flob
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Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon flob » 03.03.2009, 19:27

Seit wann spielt ihr Adventures? Welche Spiele haben euch besonders gut gefallen (alte und aktuelle) und warum? Wie beurteilt ihr die Entwicklung von Adventures in der Vergangenheit? Wie schätzt ihr die zukünftige Entwicklung des Genres ein?

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DasAndereJan
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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon DasAndereJan » 03.03.2009, 20:22

Das erste Adventure, das ich gespielt habe, war Zak McKracken. Mein Bruder spielte es und ich fand's komplett unlogisch. ("Warum soll ich das Ei in die Microwelle packen?!").

Mein Urknall war Monkey Island 1. Von da an die klassische Laufbahn ;-)

- MI1
- Indy 3 (auch wenn es vor MI kam)
- MI2
- Simon 1
- BASS
- Baphomets Fluch 1 + 2
- Indy 4
- Simon 2
- Sam & Max
usw.

Ich mochte auch die Kyrandia Serie. Aus irgendeinem Grund habe ich die Sierra Spiele eher nicht gespielt. Ich weiß aber nicht, warum (war keine bewusste Entscheidung, kam einfach so).

Ich habe eine zeitlang sehr viele Adventures gespielt, häufig auch zusammen mit meinem heutigen Partner Marc, mit dem ich damals schon befreundet war.

Nach Grim Fandango / Vollgas schlief das langsam bei mir ein. Ich habe die "zweite Welle" mit Black Mirror, Runaway usw. dann wieder mitgemacht.

Die letzten zwei Jahre spiele ich hauptsächlich aus beruflichen Gründen Adventures. Ich kann mich da leider nicht so frei machen und ein Spiel einfach genießen. Man achtet da schon sehr auf technische Dinge, die Struktur usw. Ich denke, ich habe aber jedes halbwegs gute Adventure zumindest angespielt.

Was die Zukunft des Genres angeht, habe ich in meinem Interview schon einiges gesagt. Kann ich gerne noch genauer erläutern, sofern da einzelne Punkte von besonderem Interesse sind.

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon DasJan » 03.03.2009, 20:31

DasAndereJan hat geschrieben:Aus irgendeinem Grund habe ich die Sierra Spiele eher nicht gespielt.
Komm schon, ein raubkopiertes Larry 1 hatte doch jeder. ;)

(Disclaimer: Inzwischen habe ich das Spiel bezahlt.)

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon DasAndereJan » 03.03.2009, 20:57

Hehe. Das stimmt sogar! Wobei es nicht unbedingt der erste gewesen sein muss. Und natürlich nicht raubkopiert! :-P

Ich habe auch mal irgendeinen Kings Quest Teil gespielt. Den vor diesem Teil, das exklusiv für Windows raus kam.

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon creeping deathaaa » 03.03.2009, 21:20

DasAndereJan hat geschrieben:Was die Zukunft des Genres angeht, habe ich in meinem Interview schon einiges gesagt. Kann ich gerne noch genauer erläutern, sofern da einzelne Punkte von besonderem Interesse sind.
Das möchte ich dann doch gerne noch mal aufgreifen. Ich könnte jetzt sehr weit ausholen, aber ich versuche es kurz zu machen. Wie im Interview schon erwähnt, sollten die klassischen Adventurefans aufgeschlossener sein, wo ich mich gerne anschließe. Ein Spiel, das sich Stärken und guten Ideen anderer Genres bedient (gut umgesetzt natürlich), gewinnt fast immer - in dem Zusammenhang seien vielleicht Deus Ex und die GTA 3D-Phase erwähnt, die das fast zur Perfektion vollzogen haben. Inwieweit müssen sich also die Adventures ändern, um wieder ein größeres "Mainstream"publikum zu erreichen? Explizit möchte ich dabei noch Fahrenheit erwähnen, das zwar kein klassisches Adventure war, doch von der Erzählstruktur revolutionär aufgebaut war und man sofort gedacht hat: "genial, genau so sollte ein modernes Adventure erzählt werden". Das ist in der Form natürlich kaum übertragbar auf ein echtes Adventure, da die Rätsel wahrscheinlich sehr viel Spannung/Tempo entziehen würden, aber daran kann man ja nach rumbasteln. Nun zur Abschlussfrage: Wie siehst Du (oder Ihr) vergangene Adventure wie etwa Moment Of Silence, Black Mirror, Overclocked, Still Life, experience112, In Memoriam 2 - die meiner Meinung nach schon teilweise aufblitzen haben lassen, was für unbegrenzte Möglichkeiten das Adventure eigentlich besitzt - oder natürlich Fahrenheit, im Hinblick auf nötige Erneuerungen/Aufpeppungen des Genres bzw. wie glaubst Du sollte sich das Adventure (spielerisch) verändern, um wieder eine Genremacht zu werden?

Jetzt ist es doch länger geworden. :mrgreen:
Na gut, dann sag ich noch was zu den klassischen Vertretern der letzten Jahre im Fahrwasser von MI und BF. So (sehr) gut diese teilweise sind, bringen sie aber imo das Genre nicht voran. Wir brauchen (wieder) eine neue Ära.

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon DasAndereJan » 03.03.2009, 21:33

Mein persönlicher Augenöffner war Mass Effekt. Das ist zwar ein Rollenspiel, aber es erzählt seine Geschichte auch so gut und glaubwürdig, dass ich das Ding kaum weglegen konnte.

Letztlich ist für mich ein Adventure ein Spiel, das eine gute Geschichte erzählt, ohne dabei Kämpfe in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn es zur Geschichte passt, kann von mir aus auch mal Zeitdruck eine Rolle spiele. Vielleicht auch mal eine Autojagd oder eine Schießerei. Insofern war Fahrenheit vielleicht näher am „Adventure der Zukunft“ als die meisten anderen Spiele.

Und ich glaube, dass man mit einer etwas realistischeren Handlung, etwas mehr Abwechslung und spielerischer Freiheit auch mehr Nicht-Adventure-Spieler fürs Genre begeistern könnte.

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon Dead » 03.03.2009, 22:13

DasAndereJan hat geschrieben:Mein persönlicher Augenöffner war Mass Effekt. Das ist zwar ein Rollenspiel, aber es erzählt seine Geschichte auch so gut und glaubwürdig, dass ich das Ding kaum weglegen konnte.

Letztlich ist für mich ein Adventure ein Spiel, das eine gute Geschichte erzählt, ohne dabei Kämpfe in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn es zur Geschichte passt, kann von mir aus auch mal Zeitdruck eine Rolle spiele. Vielleicht auch mal eine Autojagd oder eine Schießerei. Insofern war Fahrenheit vielleicht näher am „Adventure der Zukunft“ als die meisten anderen Spiele.

Und ich glaube, dass man mit einer etwas realistischeren Handlung, etwas mehr Abwechslung und spielerischer Freiheit auch mehr Nicht-Adventure-Spieler fürs Genre begeistern könnte.
Also "Mass Effect" sagte mir irgendwie nicht zu. Die Handlung konnte bei mir kaum Spannung aufbauen und deswegen hab ich's auch nur bis kurz vor Ende gespielt, jedoch nicht durchgezockt. Da fand ich Knights of the Old Republic wesentlich besser, m.M.n. eines der besten Spiele, das ich je gespielt habe.

Was Fahrenheit angeht: Solche "Adventures", wenn man's denn noch so nennen kann, würde ich mir mehr wünschen. Die Story war gut (wurde gegen Ende hin ein wenig bizarr, deswegen nicht "sehr gut") und das Gameplay war schon wirklich gut und da könnte man sicherlich noch viel rausholen.

Ansonsten würde ich mir wünschen, wenn wieder mehr aufs Storytelling bei Adventures geachtet würde. Das ist meiner Meinung nach der Hauptpunkt, zusammen mit der Atmosphäre - diese wiederum hängt mit der Grafik und dem Sound (Synchronisation+Musikuntermalung insb.) zusammen. Wobei mir persönlich eine Grafik wie bspw. von Black Mirror oder selbst Baphomets Fluch ausreichen würde bei ensprechender Story - lieber mehr in gute Storywriter investieren und dafür Abstriche bei der Grafik machen (meine persönliche Meinung).

Wer hat sich denn die Story von The Book of Unwritten Tales ausgedacht? Bzw. wie wurde diese ausgearbeitet?

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon DasAndereJan » 03.03.2009, 22:28

Die Story kommt im Wesentlichen von mir, wobei ich mir natürlich ständig Feedback und Ideen von den anderen geholt habe.

Ich gebe dir Recht, dass es bei vielen Spielen, nicht nur Adventures, an der Story hapert. Für mich der Hauptgrund, das ich viele Spiele nicht zu Ende spiele. Letztlich sind aber auch viele Filme scheiße und es ist deutlich einfacher, eine Filmstory zu schreiben als eine Story für ein Spiel.

Bei BoUT ging es ganz gut, weil BoUT natürlich viel von Klischees lebt. Normaler Weise versucht man die zu vermeiden aber hier konnte man sich richtig darin suhlen. Und ein humorvolles Spiel ist auch nicht ganz so storyabhängig wie ein Spiel, das rein über die Story fesseln muss. Black Mirror 2 war da härter. Da steckte aber auch Achim, der Producer, und eine Autorin aus Berlin mit drin.

Was mir sehr geholfen hat ist die Möglichkeit, mit unserem Prototypen System das Spiel zu spielen und die Texte direkt im Spiel zu ändern. Wenn ich also spielte (und spielen ist etwas anderes als lesen!) und sich Texte nicht gut anfühlten, dann konnte ich sie direkt ändern.

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Re: Euer "Adventure-Lebenslauf"

Beitragvon HMH Producer » 03.03.2009, 23:54

flob hat geschrieben:Seit wann spielt ihr Adventures? Welche Spiele haben euch besonders gut gefallen (alte und aktuelle) und warum? Wie beurteilt ihr die Entwicklung von Adventures in der Vergangenheit? Wie schätzt ihr die zukünftige Entwicklung des Genres ein?
Bei mir ging' s ebenfalls schon recht früh mit dem C64 und anschliessend Amigas los. Da waren natürlich viele Klassiker wie MI dabei. Am meisten beeindruckt haben mich damals Manic Mansion (weil man mherer Charektere spielen konnt) und die damaligen Indiana Jones Teile (wegen Indy Flair und sagenhaft toller Grafik - zumindest für mich damals).

Mit Einzug der eher Action orientierten 16Bit Konsolen, schwand mein Interesse am Genre ein wenig, um dann Mitte der Neunziger durch Discworld (PSone Version) wieder geweckt zu werden.

Beruflich beschäftige ich mich seit ungefähr 10 Jahren mit Spielentwicklung , davon kanpp 5 Jahre verstärkt im Adventurebereich (bevor vor 2 Jahren zu HMH gewechselt bin, habe ich einige Jahre bei DTP gearbeitet und war dort z.B. für Overclocked und So Blonde verantwortlich)

Zur Entwicklung des Genres hatte Jan ja in seinem Interview bereits eine eher düstere Prognose agegeben, die ich leider auch so sehe. Das Problem ist aber nicht nur die in den letzten Jahren stark gestiegene Zahl der eher durchschnittlichen Veröffentlichungen sondern dass der Markt für Adventures einfach nicht in gleichem Masse mitgewachsen ist, da es dem Genre nicht wirklich gelingt neue Käuferschichten anzusprechen. Hinzu kommt, dass der PC Markt insgesamt sehr stark an die Konsolen verloren hat und ehemals starke Adventure-Märkte wie z.B. Frankreich völlig eingebrochen sind. Da sich aufwändige Produktionen nur für ein Land allein (z.B. Deutschland) nicht rechnen, hat der Einbruch solcher Key-Märkte ziemlich starke Auswirkungen auf die Investitionbereitschaft der Publisher ins Genre, da es zunehmend schwieriger wird Partner für die Vermarktung zu finden.


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