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Test

von  Hans Frank
11.09.2014
The Walking Dead - Season 2
Getestet auf Windows, Sprache Englisch

Für die Besprechung weiterer Episoden bitte nach unten scrollen.

Episode 1: All That Remains

Kurz vor Weihnachten hat Telltale Games die zweite Staffel von The Walking Dead eröffnet - obwohl auch Spieler der zuletzt gestarteten Serie The Wolf Among Us seit Oktober auf die Veröffentlichung der zweiten Episode warten. Das verwundert kaum, war die erste Staffel des Zombie-Survival-Adventures für den einst von ehemaligen LucasArts-Veteranen gegründeten Spieleentwickler mit Millionen verkauften Episoden doch ein durchschlagender Erfolg.

Alleine

Einsamkeit - Dieses Gefühl dürfte für die Protagonistin dieser Staffel, Clementine, wohl eines der dominierenden sein. Immer auf sich selbst gestellt, selbst wenn man zu einer Gruppe anderer Menschen gehört. In dieser postapokalyptischen Welt versucht Clementine, eineinhalb Jahre später nicht mehr das Mädchen aus Staffel eins aber auch noch nicht wirklich jugendlich, zurechtzukommen und ist dabei erstaunlich hart im Nehmen. Der Handlungsverlauf der ersten Episode All That Remains lässt tief blicken in menschliche Abgründe und das Grauen einer von Hoffnungslosigkeit und Angst geprägten Welt.

Die Episode beginnt erzählerisch stark, flacht zur Mitte hin ein wenig ab und endet erstaunlich schnell nach knapp zwei Stunden mit einem eher kleinen Möchtegern-Cliffhanger. Wieder liegt die Stärke des Spiels in den authentischen Handlungen der anderen Charaktere und in der schonungslosen Darstellung der Realität, in der Clementine ihren Platz sucht.

Hoffnungslosigkeit ist Alltag.

Aufschneiderei

Seit jeher begrüßt den Spieler bei The Walking Dead die Meldung “The story is tailored by how you play.”. Spätestens nach den Ereignissen der ersten Viertelstunde der ersten Episode wird klar, dass die Entscheidungen aus der vorherigen Staffel vermutlich ziemlich irrelevant für den aktuellen Handlungsverlauf sein werden. Trotzdem lebt auch All That Remains wieder von den Entscheidungen des Spielers. Diesmal eher weniger bei konkreten Handlungen als bei den beeinflussbaren Gesprächsverläufen, bei der man klar die Persönlichkeit Clementines formen kann, was ganz gut passt, da sie ja auf Grund ihres Alters tatsächlich noch dabei ist, sich selbst zu finden. Und wie auch schon bei den vergangenen Episoden gelingt es Telltale wieder perfekt zumindest den für den Spielspaß maßgeblichen Eindruck zu erwecken, man könnte die Story tatsächlich beeinflussen.

Trotzdem wird immer wieder sehr klar, wie linear das Spiel eigentlich ist. Wenn Clementine in einen Verschlag gesperrt wird und bis zum Morgen dort bleiben soll, hat der Spieler eben nicht die Wahl, genau das zu tun. Um die Handlung fortzusetzen, muss sie ausbrechen und genau die Schritte absolvieren, die die Autoren für sie vorgesehen haben. Die Wahl zu haben, wie Telltale eigentlich verspricht, sieht anders aus.

Clementine muss sich mit Händen und Füßen wehren.

Kleinere Verbesserungen

Technisch hat Telltale nur kleinere Veränderungen durchgeführt. Das Interface ist grafisch etwas moderner gestaltet und auch die Grafik sieht etwas besser aus als in Staffel eins, hat aber immer noch den gleichen Charme. Gefühlt gibt es ein paar wenige sehr einfache Kombinationsrätsel mehr, so muss man zum Beispiel mit einem Zimmermannshammer ein paar Nägel entfernen oder eine Wunde verarzten. Außerdem gibt es eine neue Interaktionsart, bei der die Mausbewegung die jeweilige Bewegung der Protagonistin vorgeben muss. Gerade am PC/Mac wirkt das etwas aufgesetzt, bei der Steuerung via Controller könnte es besser funktionieren.

Es gibt kleine Erweiterungen im Gameplay.

Das übrige Gameplay besteht wie schon in der ersten Staffel aus dem Absuchen von Arealen nach Hotspots, dem Interagieren mit Personen und Quick-Time-Events, bei denen zum Beispiel bei einem Zombieangriff möglichst schnell bestimmte Tasten gedrückt werden müssen. Gerade beim Fortbewegen von Clementine gibt es ein paar Längen, überraschenderweise sind einige Szenen, in denen Quick-Time-Events eingesetzt werden aber durchaus spannend. Stirbt man, hat man automatisch einen neuen Versuch unmittelbar vor der entsprechenden Sequenz. Die englische Vertonung ist erstklassig und auch die restliche Sounduntermalung gelungen. Es gibt keine deutschen Untertitel.

Fazit

Staffel zwei von The Walking Dead setzt nahtlos dort an, wo die erste Staffel aufgehört hat. Telltale hat nur kleinere Veränderungen und Verbesserungen in Gameplay und Technik eingebaut und setzt ansonsten auf das alte Rezept: Spannende Handlung und das Vortäuschen von Handlungsfreiheiten. Erstaunlich ist, wie gut das funktioniert, obwohl man sich der wirklichen Ausmaße der Freiheiten eigentlich zu jedem Zeitpunkt bewusst ist.

Episoden-Kommentare

""All That Remains hat mir, wie schon die erste Staffel, sehr viel Spaß gemacht, auch wenn sich gerade in Bezug auf die begrenzten Handlungsmöglichkeiten langsam Abnutzungserscheinungen einstellen. Das liegt zum einen am extrem linearen Verlauf des Spiels als auch am Gameplay, das diesmal deutliche Längen aufweist. Super fand ich dagegen das gewählte Setting: Die Abschnitte, in denen die Überlebenden neues Terrain erkunden, zählen auch in der Fernsehserie zu meinen Favoriten. Ein wenig enttäuscht bin ich vom relativ klaren Schnitt zur ersten Staffel, der auch die dort getroffenen Entscheidungen zum großen Teil irrelevant werden lässt. Gefühlt erreicht die explizite Darstellung grauenhafter Situationen einen neuen Höhepunkt, was natürlich auch mit schlichter Realitätsnähe begründet werden kann. Die Entscheidungen, die man trifft, fühlen sich noch nicht so stark an wie in der Vorgängerstaffel, was vor allem daran liegt, dass man noch keine wirkliche Bindung mit den neu eingeführten Charakteren aufgebaut hat. Alles in allem freue ich mich auf die nächste Episode, die hoffentlich nicht so lange auf sich warten lässt."

Hans Frank

Episoden-Wertung: 80%

Episode 2: A House Divided

Mit der zweiten Episode, A House Divided, zur zweiten Staffel von The Walking Dead, hat sich Telltale glücklicherweise nicht ganz so viel Zeit gelassen wie bei The Wolf Among Us. Und nach dem Spielen der aktuellen Folge ist auch klar, dass die Entwickler hier in kürzerer Zeit wesentlich mehr Arbeit investiert haben.

Viel neues Areal ist zu erkunden.

Immer auf der Flucht

Wieder einmal ist es soweit: Die aktuelle Unterkunft Clementines und der Gruppe, die sie bei sich aufgenommen hat, ist nicht mehr sicher und so beschließt man, weiter zu ziehen. Dabei begegnet das junge Mädchen, das seit der letzten Staffel sowohl körperlich als auch mental deutlich gealtert ist, wieder vielen Gefahren, aber auch neuen Charakteren, die es einzuschätzen gilt. Doch auch in der bestehenden Gruppe gibt es Spannungen und Misstrauen. Genau von diesen zwischenmenschlichen Beziehungen lebt die aktuelle Episode, macht sie äußerst spannend und versetzt den Spieler in eine emotionale Berg- und Talfahrt.

Clementine muss einige Entscheidungen treffen, für die es kein offensichtliches Richtig oder Falsch gibt. Und auch wenn inzwischen klar ist, dass getroffene Entscheidungen keinen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben werden, so ist es doch immer wieder packend, diese Wahl zu treffen. Ein wenig mehr Glaubwürdigkeit könnten die Angriffe von Zombies haben. Ist es meist kein Problem, einen gegnerischen Untoten in wenigen Sekunden zu erledigen, werden in einzelnen Situationen wenige Walker zum existenzbedrohenden Problem hochstilisiert, was manchmal wenig glaubhaft wirkt. Auch das unlogische Verhalten Clementines und der anderen Charaktere, zum Beispiel wahlloses Schießen auf eine ganze Herde Zombies, passt manchmal nicht zum restlichen, durchaus überlegten Vorgehen der Gruppe. Das ist jedoch ein Phänomen, das im gesamten Genre zu finden ist. Außerdem muss Telltale aufpassen, dass sich Storyelemente nicht zu oft wiederholen und das Ausscheiden eines Charakters aus dem Spiel nicht zur emotionslosen Banalität verkommt.

QTEs sind weiterhin wichtiges Gameplay-Element.

Aus rätseltechnischer Sicht gibt es in der aktuellen Episode ein paar kleinere Kombinationsrätsel zu lösen. Die entsprechend zu kombinierenden Gegenständen befinden sich aber ausnahmslos in direkter örtlicher Nähe zueinander, so dass hier nicht wirklich anspruchsvolle Aufgaben entstehen. A House Divided spielt komplett in neuen Arealen, die sehr ansprechend und authentisch gestaltet sind. Auf der technischen Seiten hat sich nicht viel geändert, wieder fallen die toll gestalteten Charaktere auf, die es mit ihrer realistischen Gestik und Mimik tatsächlich schaffen, Gefühle auch ohne Worte zu transportieren. Einige Räumen könnten ein paar Details mehr vertragen, insgesamt überzeugt die Gestaltung aber. Die Sprecher sind wie schon in vorhergehenden Episoden erstklassig.

Wem kann Clementine vertrauen?

Fazit

Telltale hat spätestens mit der zweiten Episode der zweiten Staffel wieder zur alten Stärke zurück gefunden und präsentiert eine Geschichte, die spannender und nervenaufreibender kaum sein könnte. Die Entscheidungen wirken absolut authentisch und man hat tatsächlich weiterhin das Gefühl, Einfluss auf den Verlauf der Geschichte und natürlich insbesondere auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren nehmen zu können.

Episoden-Kommentare

"Na also, geht doch. Wo die erste Episode der zweiten Staffel noch viel zu langsam in Schwung kam und auch spielerisch kaum punkten konnte, macht 'A House Divided' vieles wesentlich besser. Spielerisch als auch in der Entwicklung der Story hat diese Episode trotz ihrer kurzen Spielzeit einiges zu bieten. Vor allem dass einige schön gemachte und komplett neue Orte hinzugekommen sind und dass das Erzähltempo geschickt angezogen wird, überrascht mich positiv. So darf es gerne weitergehen."

Michael Stein

"Telltale macht bei The Walking Dead weiterhin vieles richtig. Spätestens wenn es ein Spiel schafft, dass ich über zu treffende oder getroffene Entscheidungen tatsächlich emotional nachdenke und mir auch im Nachgang noch Gedanken darum mache, ob eine Entscheidung richtig war, ist es mir ziemlich egal, wie viel Interaktion ansonsten geboten wird. Diesmal gibt es zumindest wieder ein paar kleinere Kombinationsrätsel und auch ein paar Quick-Time-Events sind wieder mit von der Partie. Die Episode ist gewohnt kurzweilig, lässt sich an einem Abend durchspielen, motiviert aber auch dank der getroffenen Entscheidungen zu einem zweiten Durchgang."

Hans Frank

Episoden-Wertung: 83%

Episoden 3 bis 5: In Harm's Way, Amid The Ruins und No Going Back

Auch in den Episoden 3 bis 5 setzt Telltale den Weg weg vom klassischen Videospiel hin zur interaktiven TV-Serie fort. Zwar gab es in Episode 4, Amid The Ruins, einen kleinen Lichtblick in Form von ausgedehnteren explorativen Möglichkeiten in einem musealen Areal und einer Wiederbelebung des Inventars, in der finalen Folge No Going Back scheint das aber wieder vergessen. Wieder sitzt der Spieler vor dem Bildschirm, um alle paar Minuten eine Entscheidung zu treffen, einen Dialog zu führen oder vielleicht einmal ein paar Meter geradeaus zu laufen.

Ab und zu darf der Spieler Clementine ein paar Meter steuern

Außer Frage steht, dass Telltale es erneut schafft, eine passable Geschichte spannend zu inszenieren. Das geht durchaus wieder soweit, echte Gefühle für Handlung und Charaktere beim Spieler zu erzeugen. Klar ist aber auch, dass sich das Gameplay seit Staffel 1 deutlich abgenutzt hat. Außerdem darf man natürlich nie den Fehler machen, eine Episode ein zweites Mal zu spielen, weil sich sonst sofort bestätigt, was man ohnehin schon wusste: Es gibt keine echten Entscheidungen, die letztendlichen Resultate sind bis auf kleine Facetten immer gleich. Eine kleine Ausnahme bildet vielleicht das durchaus mitreißende Finale. Gleich fünf unterschiedliche Enden gibt es, je nachdem welche Entscheidungen Clementine in den letzten paar Spielminuten fällt. Diese fallen durchaus unterschiedlich aus, trotzdem fällt es schwer zu glauben, dass Telltale in einer nächsten Staffel derart unterschiedliche Handlungsstränge aufrecht erhalten können wird.

Was dieser Staffel fehlt ist ein alle Episoden überspannender Handlungsbogen. Die Ziele ändern sich ständig und es fällt auch schwer, zu den Menschen, mit denen man zu tun hat, eine nähere Bindung aufzubauen. Wer weiß, vielleicht ist das ja Telltales Realitätsanspruch geschuldet, dem spielerischen Erlebnis kommt es - gerade im Vergleich zur ersten Staffel - nicht zu Gute. Und auch, dass die emotionalste Bindung Clementines ausgerechnet mit einem Charakter, den man schon aus der ersten Staffel kennt, stattfindet, spricht nicht für die neu eingeführten Personen.

In Episode 4 gibt es tatsächlich wieder mehr zu erkunden

Insgesamt geht es in Staffel 2 um das Erwachsenwerden Clementines. Die Protagonistin, die vor der Zombieapokalypse eine typisch amerikanische, behütete Kindheit erlebte, muss jetzt, nachdem es in Staffel 1 zumindest noch eine Vaterfigur gab, alleine in der kalten Welt der Erwachsenen zurechtkommen. Ihr Überlebenskampf wandelt sie von Episode zu Episode mehr vom Kind zur abgebrühten Gruppenanführerin, und doch muss sie oft tatenlos zusehen, wie große Gefahr nicht nur von den Untoten, sondern gleichzeitig ebenso von den Konflikten der sie umgebenden Menschen ausgeht.

Technisch hat sich nicht viel getan. Der typische Comiclook funktioniert weiterhin gut und die Gesichtsanimationen schaffen es erstaunlich präzise, Gefühle zu transportieren. Die englischsprachige Vertonung ist immer noch erstklassig.

Ein atmosphärisches Lagerfeuer stärkt den Zusammenhalt der Gruppe

Fazit

Telltales The Walking Dead ist auch in der zweiten Staffel ein unterhaltsames Abenteuer, das es wie kein zweites schafft, Gefühle beim Zuschauer zu wecken. Durch den fehlenden übergeordneten Handlungsbogen und damit fehlenden Zielen, blass bleibenden und teilweise dämlich agierenden Charakteren und nicht zuletzt durch die immer eingeschränkteren Interaktionsmöglichkeiten fällt es aber klar hinter Staffel 1 zurück. Trotzdem bleibt es im Gesamterlebnis ein beachtenswertes Spiel, das in Erinnerung bleibt.

Kommentar des Verfassers

Kommentare

detail

Die zweite Staffel kann in meinen Augen dem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen. Zwar gab es zahlreiche neue Orte und Charaktere zu sehen und die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen weiterhin ein große Rolle, die erste Staffel überzeugte aber vor allem durch die Beziehung zwischen Clementine und Lee, was sie erzählerisch stark aufgewertet hat. Außerdem hatte die zweite Staffel gerade im Mittelsektor einige Längen und das Gameplay wurde stellenweise stark zurückgefahren. Dennoch hat auch Staffel 2 starke Momente. Ich bin jedenfalls froh, dass Telltale bereits angekündigt hat, die Serie fortzusetzen.Michael Stein
Nach der seicht dahinplätschernden dritten Episode dieser Staffel, in der ich teilweise sogar Langeweile verspürte, hatte ich so meine Probleme, mich zum Weiterspielen zu motivieren. Letztendlich bin ich froh, dass ich die beiden folgenden Episoden gespielt habe. Ich mochte die Schauplätze der gesamten Staffel und die Charakterentwicklung Clementines. Gleichzeitig finde ich es aber unheimlich schade, wie viel spielerisches Potenzial zu Gunsten einer flüssigeren Erzählweise geopfert wird. Es stellt mich als Spieler einfach nicht zufrieden, alle paar Minuten ein paar Knöpfe zu drücken und ab und zu noch Pseudo-Aufgaben zu erledigen. Allerdings ist zu befürchten, dass Telltale genau so weiter macht. Der Erfolg gibt ihnen schließlich Recht. Man kann nur hoffen, dass die Handlung und deren Inszenierung weiterhin auf hohem Niveau bleiben.

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Pro
Contra
  • authentische Handlung
  • vielfältige Dialogoptionen
  • Schwächen im Gameplay
  • Wahlmöglichkeit wirkt zunehmend unglaubwürdig
  • Fast keine Handlungsmöglichkeiten mehr