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Law & Order 3 - Bei Aufschlag Mord

Test

von  Hans Frank
24.10.2005
Law & Order 3 - Bei Aufschlag Mord
Getestet auf Windows, Sprache Deutsch

Lange mussten - zumindest die deutschen - Fans der erfolgreichen Krimiserie "Law & Order" auf den dritten Teil der PC-Umsetzung warten. In den USA schon seit gut einem Jahr erhältlich, dauert es hierzulande noch bis Ende Oktober, bis "Bei Aufschlag Mord" (engl. "Justice is Served") erscheint.

Die Story

Am Anfang des Spiels beobachtet man zwei Tennisspielerinnen bei einem Gespräch. Wenig später findet eine der beiden eine weibliche Leiche in der Umkleidekabine des Tennisclubs. Es handelt sich um Elena Kusarova, einer talentierten Tennisspielerin aus der Ukraine, die derzeit Mittelpunkt des medialen Interesses ist. Aufgabe des Spielers ist es nun, den Tathergang zu rekonstruieren und - falls es sich wirklich um einen Mord handelt - den Schuldigen zu finden und später, auf Seiten der Staatsanwaltschaft, verurteilen zu lassen.

Whodunnit?

Am eigentlichen Ablauf des Spiels hat sich nicht viel geändert, er ähnelt sehr stark der Fernsehserie. Eine Leiche taucht auf und der Spieler muss als Detective den Mörder finden. In der zweiten Hälfte des Spiels vertritt er dann die Staatsanwaltschaft und versucht, ein gerechtes Urteil zu erwirken.

Wieder steht man Lennie Briscoe zur Seite, der seit der 13. Staffel nicht mehr in der Fernsehserie zu sehen ist (Jerry Orbach, der Schauspieler, der Lennie Briscoe verkörperte, ist im Dezember 2004 gestorben).

Grafik

Die Grafik besteht, wie schon in den Vorgängern, hauptsächlich aus vorgerenderten Hintergründen, in die (ebenfalls vorgerenderte) 3D Modelle gesetzt wurden. Der Spieler bedient Law & Order aus einer 360 Grad Panoramaansicht (Egoperspektive).

An der Qualität der visuellen Darbietung hat sich jedoch einiges geändert. Die Auflösung ist mit maximal 800x600 Bildpunkten zwar immer noch nicht auf der Höhe der Zeit und die Bilder sind oft etwas verschwommen (wahrscheinlich auf Grund der hohen Kompression), doch ansonsten wirken alle Grafiken sehr ansprechend.

Die Entwickler haben sich die Kritik zu Herzen genommen und offensichtlich viel Zeit in die Gestaltung der Lokalitäten gesteckt. Als Spieler bekommt man das Gefühl, dass die beschrittenen Wege auch wirklich von anderen Menschen als Lebensraum benutzt werden. Soll heißen: Viel weniger Sterilität. Das merkt man auch an den gut eingebetteten Animationen: Wasserhähne tropfen und NPCs bewegen sich auch, wenn man nicht mit ihnen interagiert.

Auch die Charaktere sehen viel realistischer aus (mit einer Ausnahme: Serena Southerlyn). Am Verfahren hat sich allerdings nichts geändert. Fotografien werden auf 3D Modelle gelegt, welche jetzt jedoch viel realistischer animiert sind und außerdem Gefühle zeigen können. Auch die Proportionen stimmen jetzt.

Sound und Musik

Musik und Hintergrundgeräusche sind recht dünn gesät. Sounds passen zwar immer gut zur jeweiligen Situation, hätten aber durchaus öfter eingesetzt werden können. Die Hintergrundmusik ist nie aufdringlich oder störend, fällt aber auf Grund der mangelnden Kreativität auch nicht positiv auf. In manchen Szenen verstummt die musikalische Untermalung auch völlig.

Lokalisation und Synchronisation

Vor allem die deutsche Synchronisation, aber auch die Übersetzung ins Deutsche waren bisher immer ein wunder Punkt bei den Law & Order Spielen. Der neueste Titel ist eindeutig der beste in dieser Kategorie. Trotzdem passen die meisten Stimmen nicht wirklich zu den Charakteren, die Betonungen sind häufig falsch gesetzt und die Sprecher machen oft den Eindruck, als wüssten sie nicht, um was es geht. Schlecht übersetzte Redewendungen und Witze sowie nicht vorhandene Lippensynchronität drücken die Atmosphäre noch ein bisschen nach unten. Deutsche Fans der Fernsehserie werden außerdem enttäuscht sein, dass nicht ausschließlich die echten Synchronsprecher verwendet wurden.

Weiterhin fällt auf, dass manche Textpassagen nicht übersetzt wurden. Ein plötzlich englisch sprechender Charakter fällt dann doch auf.

Rätsel

Die meisten Rätsel sind recht einfach ausgefallen, spiegeln die Arbeit eines amerikanischen Polizeibeamten jedoch oft authentisch wieder. Es müssen Zeugen befragt, Tatorte gesichtet, Beweisstücke gesammelt so wie kleinere Logikrätsel gelöst werden. Auffallend ist die große Zahl an Kombinations-Rätseln, wo zum Beispiel Papierfetzen wieder zu einem Brief zusammengesetzt oder verschiedene Schriftarten verglichen werden müssen.

Ein Hauptbestandteil des Spiels besteht wieder darin, gefundene Beweisstücke untersuchen zu lassen, um weiterführende Hinweise zu erhalten. Es lassen sich alle Gegenstände im Inventar zur Untersuchung einreichen, aber nur nützliche Hinweise können auch abgespeichert werden. Dies erleichtert die spätere Zusammenstellung von Beweisen, um zum Beispiel einen Durchsuchungsbefehl zu erhalten.

Leider ist die Zusammenstellung der Beweismittel nicht immer logisch und es ist ein reines Glücksspiel, die als nächsten anstehenden Handlungen zu erkennen. Oft muss man also die Trial & Error Methoden anwenden, um weiterzukommen. Das schwächt den Spielspaß etwas ab und wirkt schlecht konzeptioniert.

Bei den Gerichtsverhandlungen im späteren Verlauf des Spiels muss der Spieler außerdem in der Lage sein, hieb- und stichfest zu argumentieren so wie die Aussagen der gegnerischen Verteidigung zu entkräften.

Steuerung

Weitreichende Änderung wurden bei der Steuerung vorgenommen. Das Inventar befindet sich nun am unteren Bildschirmrand und ist somit sehr schnell ansteuerbar. Es ist in vier Bereiche (Gegenstände, Zeugen, Dokumente und Berichte) aufgegliedert. Mit der rechten Maustaste fixiert man das Bild und kann dann die verschiedenen Hotspots anklicken. Die meisten Gegenstände werden beim Anklicken erst einmal in einer Großansicht angezeigt. Man kann nur noch Gegenstände ins Inventar befördern, die auch mit dem Fall zu tun haben (könnten). Aufträge ans Labor oder die Untersuchungsstelle werden direkt vom eigenen Schreibtisch aus gestellt, abgeholt allerdings immer noch direkt bei der jeweiligen Zuständigkeit. Sehr gut ist, dass sich nur noch "wichtige" Laboranalysen und Untersuchungen abspeichern lassen. Der Spieler hat so einen viel besseren Überblick über die vielen verschiedenen Beweisstücke.

Mit einem weiteren Klick kann man noch das Notizbuch, ein Mobiltelefon, die Speicherfunktion so wie eine Karte, mit deren Hilfe man durch New York reist aufrufen.

Insgesamt funktioniert die "neue" Steuerung von Law & Order viel besser als die früheren Versionen. Unübersichtlichkeit und Frust sind kein Thema mehr.

Fazit

Law & Order 3 - Bei Aufschlag Mord ist der bisher beste Teil der Serie. Die Geschichte ist spannend, die Rätsel interessant und logisch aufgebaut und auch an der Technik hat sich einiges getan. Hier wird deutlich, dass sich Legacy Interactive die Kritik an ihren Produkten zu Herzen genommen und vieles verbessert hat. Der deutschen Version fehlt jetzt eigentlich nur noch eine gute Übersetzung und Vertonung. Außerdem fällt ein noch ein schwerwiegender Bug ins Gewicht: Beim Abspeichern verschwindet der Mauszeiger, wenn bestimmte Zeichen eingegeben werden (reproduzierbar). Das Spiel kann dann nur noch über den Taskmanager beendet werden und der Spielstand wird nicht gespeichert. Auch an anderen Stellen verschwindet willkürlich der Mauszeiger. Ansonsten läuft die Engine sehr stabil, was wahrscheinlich auch dem Wechsel von Quicktime auf Java als Basis anzurechnen ist. Für Fans der Serie auf jeden Fall empfehlenswert, können auch alle anderen Spieler hier eine gute Investition tätigen.

Kommentare des Verfassers

detail

Für mich ein überraschendes Produkt. Ich mochte schon die Vorgänger, auf Grund der verbesserten Technik schafft es dieser Titel aber endgültig, in bessere Bewertungszonen zu gelangen. Schade ist nur, dass die deutsche Übersetzung wieder schlecht ausgefallen ist. Nach zwei (in dieser Hinsicht) missglückten Spielen sollte dem Publisher doch langsam ein Licht aufgehen. Außerdem machte mir der Speicherbug gerade am Anfang des Spielverlaufs schwer zu schaffen, da ich sehr gerne oft speichere, auch wenn das nicht unbedingt nötig wäre.
Die Rätselkost ist zwar unterhaltsam, auf wirklich harte Brocken wartet man aber vergeblich. Gut für Gelegenheitsspieler, schlecht für die Spielzeit. Außerdem wirken die Gerichtsverhandlungen etwas unausgereift, was vielleicht auch ein bisschen daran liegen mag, dass man sich erst an das amerikanische System gewöhnen muss. Trotzdem machen beide Seiten (Staatsanwaltschaft und Verteidigung) Fehler, die man sich im echten Leben wohl auch in Amerika nicht erlauben dürfte.
Alles in Allem kann ich Law & Order 3 mit genannten Einschränkungen empfehlen. Wer nicht alles spielen möchte und auch kein Fan der Serie ist, dürfte in diesen Tagen mit Ankh oder Fahrenheit besser beraten sein.

Hans Frank    >
 

Redaktions-Wertung

Grafik
Musik
Steuerung
Atmosphäre
Rätsel

Gesamt

Leser- Wertung

0 ( 0 )
Pro
Contra
  • spannende Handlung
  • realistischere Grafik
  • Gerichtsverhandlungen
  • Steuerung
  • Lokalisation
  • Synchronisation
  • Bug