Registriert: 26.11.2008, 21:24 Beiträge: 299 Wohnort: Wien
Die meisten von euch werden es vielleicht schon über diverse Medien mitbekommen haben: Seit ca. zwei Wochen kracht es in der Türkei ganz schön heftig. Eine junge Demokratiebewegung geht in den großen Städten aber auch in der Provinz gegen die islamistische AKP-Regierung von Premier Erdogan auf die Barrikaden.
In vielen Städten sind die Demonstranten brutalen Angriffen der türkischen Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern ausgesetzt. Offiziell bisher vier Tote und Tausende Verletzte und Gefangene. Bis gestern war der Taksimplatz in Istanbul quasi eine befreite Zone, wo sich keine Polizei hinein traute. Nun wurde der Taksimplatz gewaltsam gestürmt, aber die Proteste gehen unvermindert weiter. Premierminister Erdogan gibt sich kompromißlos und schürt nur die Polizeigewalt mit seinen zornigen Tiraden gegen die "Marodeure".
Was denkt ihr, wie wird sich die Situation weiter entwickeln? Antiautoritäre, Traditionslinke, Liberale, Umweltschützer, Nationalisten und Fußball-Hooligans vereint gegen die Regierung - wie lange wird das gut gehen? Ist der Funke aus dem "Arabischen Frühling" jetzt auch auf die Türkei übergesprungen oder werden die Massenproteste in der Türkei den Widerstand in Nordafrika wieder aufs Neue anfachen? Und was ist nur los mit den Kurden? Jedenfalls von mir ein Toi Toi Toi und alles Gute an die mutigen Protestierer in der Türkei! Sie werden wohl einen langen Atem brauchen.
Einmal abgesehen davon, daß wenn Links zur "aktuellen Lage und zur Vertiefung der Thematik" anbietet, nicht nur eine Seite zeigen sollte, gibt es am Ende nur 3 Ausgänge: Erdogan bleibt, instabile politsche Verhältnisse oder es gibt eine weitere islamische Diktatur. Zu etwas anderen hat es der "Arabischen Frühling" auch noch nicht gebracht.
_________________ Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt. Joseph Rudyard Kipling, britischer Schriftsteller*1865+1936 Bitte nicht für geistig normal ansehen. Entweder versuche ich gerade humorvoll zu sein oder der Hammer hat wieder einmal den Dachstuhl beschädigt. Passives Mitglied des Vereines zur kulturellen Förderung von Adventure- und storylastigen Computer- und Videospielen e.V.
Ich kann Dir sagen, was da abgeht. Erdogan torpediert mit seinem Tun bewusst den Beitrittsprozess der Türkei in die EU. Er hat nie wirklich gewollt, dass die Türkei beitreten kann. Dem schwebt mehr eine andere Option vor. Das Schlimme daran ist, dass er es damit geschafft hat. Das und andere Probleme wirft die Verhandlungen um 10 Jahre zurück. Darüber hinaus werden grundlegende Menschenrechte verletzt.
Registriert: 26.11.2008, 21:24 Beiträge: 299 Wohnort: Wien
realchris, mir ist nicht ganz klar, was diese Vermischung von Dingen, die eigentlich nichts mit einander zu tun haben, soll. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass vor allem politisch rechts stehende Menschen in der letzten Zeit verstärkt darauf hinweisen, dass es jetzt nix mehr mit dem EU-Beitritt der Türkei wird.
Ich vermute, dieser künstliche Zusammenhang wird von Personen bewusst hergestellt, die von vornherein gegen den EU-Beitritt der Türkei eingestellt sind. Dann sollen sie es aber auch so artikulieren und nicht die aktuelle Situation in der Türkei als Vorwand hernehmen.
Denn der EU-Beitritt der Türkei ist ja ein ganz anderes Thema. Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen, andere sprechen dagegen. Aber jetzt so zu tun als ob Erdogan den EU-Beitritt gerade "torpediert" finde ich einigermaßen skurril. So gesehen müsste man auch Deutschland aus der EU ausschließen, weil es die Grundsätze der EU, die Menschenrechte, erst vor kurzem wieder durch die Polizeigewalt in Frankfurt torpediert hat.
[...] und nicht die aktuelle Situation in der Türkei als Vorwand hernehmen.
Politik und Öffentlichkeit besteht ganz wesentlich daraus, die aktuelle Situation als Vorwand für die eigenen Interessen zu herzunehmen. Wie soll ein politischer Akteur auch sonst die Tagespolitik kommentieren, wenn nicht vor dem Hintergrund der eigenen Agenda? Zumindest ist das ganz sicher kein exklusiv konservatives Phänomen.
_________________ Well, it all started on Scabb Island. Some of my admiring fans had pressured me into telling my LeChuck evaporating story once again...
realchris, mir ist nicht ganz klar, was diese Vermischung von Dingen, die eigentlich nichts mit einander zu tun haben, soll. .
Du unterstellst mir hier gerade eine politische Gesinnung aus Deiner Küchenpsychologie heraus. Natürlich hat das, was da gerade passiert etwas mit dem Fortschrittsbericht zu tun. Den ich übrigens immer mitverfolge bzw. regelmäßig lese. Der Fortschrittsbericht ist die Grundlage für den Beitritt der Türkei. Mit dem, was Erdogan da gerade macht, hat er für einen neuen sehr negativen Eintrag gesorgt, der die Chancen auf einen Beitritt wieder verringert. Das hat nichts mit politischer Gesinnung zu tun.
Das Du die Zusammenhänge nicht erkennst, zeigt mir auch, dass Dir der ganze Beitrittsprozess offensichtlich nicht klar ist. Aber einfach mal die Rechtenkeule schwingen. Ohne Sinn und Verstand.
Natürlich schlachten das CSU und Konsorten nun aus. Es ändert aber nichts daran, dass auf der objektiven Betrachtung die Faktenlage dadurch geändert wird.
In jedem Fall sind es hausgemachter Probleme der Türkei. Ansonsten hätte Erdogan nicht unspezifische "ausländische Agenten" für alles verantwortlich gemacht. "Ausländische Agenten" sind immer das Synonym für "wir waren es aber haben gerade keine Lust, es zuzugeben".
Außerdem geben die üblichen Verdächtigen (die Kurden) gerade keine guten Sündenbock ab, weil Friedensgespräche mit ihnen laufen.
_________________ Wie wär's mit etwas Rock 'n' Roll?
Registriert: 26.11.2008, 21:24 Beiträge: 299 Wohnort: Wien
Die übliche, von Parteien und Medien breit getretene, Einteilung von Demonstranten in "friedlich" und "gewaltbereit" ist doch eine alte Strategie - nicht nur - von autoritären Regimen. Die einen sind die "Guten", mit denen reden die Regierenden vielleicht sogar, wenn sie gut drauf sind, oder zumindest suggerieren sie Verhandlungsbereitschaft - die anderen sind die "Bösen", die Chaoten, Vandalen und Capulierer (Erdogan hat sogar ein eigenes Wort dafür geprägt), bei denen muss der Staat "hart durchgreifen".
Dass diese künstliche Einteilung aus der Sicht der Demonstranten überhaupt keinen Sinn macht, zeigt sich spätestens dann, wenn die Menschen sich pazifistisch verhalten und trotzdem von der Polizei angegriffen werden wie eben jetzt gerade in der Türkei. Blöd ist, dass viele Demonstranten daraus nichts lernen und diese sinnlose Spaltung nach der Devise "teile und herrsche" übernehmen und weiterhin ihr Selbstbild als "gute" Pazifisten pflegen, die sich von den "bösen" Randalierern abgrenzen müssen. Damit hat die Polizei natürlich gewonnen und hat leichtes Spiel beim Verprügeln der Demonstranten. Manche können sich dann zwar moralisch wie Gandhi fühlen, aber was bringt dir das, wenn du dir eine blutige Nase holst?
@Ninas Ex Und aus deiner Sicht sind pauschall alle Polizisten böse und verprügeln die Demonstranten? Hört sich so an. Ist auch ne sehr einfache Denkweise.
_________________ Video games ruined my life. Good thing i have two extra lives..........................
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