Anzeige
Psychose (Live-Game)

Features

Psychose (Live-Game)
Vom: 21.09.2017

Raum: Psychose

(Ottobrunn bei München)

 

Video-Fazit und Interview mit den Machern:

 

Ein harmloser Anfang

Eine Audiokassette, eine enge, kleine Psychiaterpraxis und ein Kassettenrekorder. So beginnt die Geschichte in "Psychose". Sobald wir die Kassette einlegen tauchen wir in die Gedanken und Träume einer Patientin ein, die - wie der Name schon sagt - unter einer Psychose leidet. Wir werden sie selbst, ihre Erinnerungen, ihr Leben und einige ihrer Mitmenschen entdecken und herausfinden, um welche Psychose es sich handelt. Ob wir sie heilen können oder nicht sei an dieser Stelle aber noch nicht verraten.

Am Anfang ist alles eigentlich nur ein wenig Recherche...

Was als sehr kleiner, unscheinbarer, aber sehr schön eingerichteter Raum in dem zweiten Spiel von One Hour Left beginnt, führt bald tief in die hintersten Ecken des unscheinbaren Wohnblocks, in dem sich der Escape-Game-Anbieter versteckt hält und wir werden uns schon bald nicht mehr daran erinnern, dass wir eigentlich nur durch einige Kulissen huschen. Selten hat uns eine Geschichte so schnell in ihren Bann gezogen und alles andere vergessen lassen. Während wir also ganz wild neue Gegenstände kombinieren und durch die teilweise fast stockdunklen, dann aber auch wieder herrlich hell-surrealen Szenen tappen, erschrecken uns ein paar (wenige) Schockeffekte gehörig zu Tode - denn eins ist klar: Für schwache Nerven ist Psychose nichts. Nicht jede Gruppe hatte den Mumm, das Spiel bis zum Ende durchzuhalten und daher gibt es mit "Hypnose" auch eine Variante "ab 14". Und wer kein deutsch spricht kann das Spiel auch auf englisch "umschalten" lassen.

Gewöhnlich und doch so ungewöhnlich

Als wir zurückkommen, haben wir jedenfalls einiges erlebt - und sind, auch nach vielen gespielten Escape-Räumen, sehr positiv überrascht von dem, was hier im Süden von München geschaffen wurde. Dabei ist die Raumgestaltung selbst, trotz einiger wirklich schöner Einfälle, verrückten Raumideen und ordentlichem und robustem Design gar nicht mal der zentrale Punkt. Nein, es ist nicht das Design, das Psychose von anderen Räume abhebt. Es gibt keine ausufernden Kulissen, keine speziellen Geheimgänge oder besonders raffinierte Maschinenkonstruktionen.

Auch die Rätsel heben sich nicht sonderlich von anderen Escape Räumen ab. Den Fehler, zu sehr auf Schlösser zu setzen, hat man eh nicht begangen und alles ist absolut logisch in das Setting und die Story verknüpft. Zudem sind erfreulicherweise auch einige Kombinationsrätsel à la "Kombiniere Gegenstand 1 mit Gegenstand 2" dabei. Aber es sind eben auch keine ausgefuchsten Puzzles mit "Aaah!"- oder "Wow!"-Effekt. Sie sind halt primär dem Spielfortschritt dienlich.

Der feine Unterschied

Nein, es sind vor allen Dingen die Geschichte, die Atmosphäre und die extrem gute Spielerführung, die Psychose so besonders machen. Ein Punkt, der für Adventurespieler selbstverständlich ist, aber an dem nahezu noch alle anderen Escape-Räume kranken. Gespielt wird bei den Mitbewerbern fast immer nur um des Rätsels Willen, häufig auch nur als Kampf gegen die Zeit. Hintergrundgeschichten sind zwar auch dort manchmal vorhanden, aber in den seltensten Fällen sinnvoll verknüpft. Und nicht zuletzt wirken viele Escape-Räume häufig unsauber entwickelt, mit vielen kleinen Krankheiten, die immer wieder das Spielerlebnis trüben: Requisiten, die nicht sauber funktionieren, falsche Erklärungen, unfaires Design, schlechtes Tempo oder unklares Feedback über den eigenen Spielfortschritt sind hier an der Tagesordnung. Häufig werden die Probleme komplett auf den Spielleiter abgewälzt, der dann Tipps geben muss, damit das Spiel überhaupt funktioniert.

... doch schon bald wird das Erlebnis zunehmend surrealer!

All diese Probleme hat Psychose genau nicht. Das Spieltempo ist perfekt abgestimmt. Jede richtige Aktion wird mit einem akustischen Signal bestätigt und damit der Spielfortschritt klar gemacht, ohne die Spielergruppe aus dem Spielfluss zu nehmen. Visuelle Signale werden sehr gekonnt in Szene gesetzt und führen uns zusätzlich zu den Bereichen des Spiels, die gerade besonders relevant sind. Auch die Musik passt gut und ist nie zu aufdringlich, aber an den richtigen Stellen nervenaufreibend genug, um den Puls rasen zu lassen. Das Ganze wirkt einfach äußerst poliert. Wüsste man es dank unseres Video-Interviews nicht besser, würde man erwarten, dass hier waschechte Gamedesigner am Werk waren, die genau wissen, was sie tun. Dass die Macher sich ihr Spielprinzip quasi von der Pike auf selbst erarbeitet haben, verdient damit umso größeres Lob, wenn man bedenkt, in welchen Kinderschuhen viele andere Anbieter hier immer noch stecken. 

Die Geschichte kommt zuerst - und das ist auch gut so

Und dann ist da noch die Story. Sicher, auch diese ist nicht übermäßig spektakulär und könnte aus jedem normalen Horrorthriller stammen. Der entscheidende Faktor ist aber, dass sich alle Entscheidungen im Spielverlauf diesem Setting unterordnen. Puzzles werden in Psychose nicht wie sonst ausschließlich durch das logisches Denken, sondern auch durch empathisches Verstehen und Mitfühlen der Story erschlossen. Das Erlebnis ist dadurch intensiver, immersiver und mitreißender und hebt sich ganz klar von anderen Spielen seiner Art ab. Der Einsatz von Videomaterial und Sprachausgabe unterstützen das Spiel zusätzlich, auch wenn es sich dabei sicherlich auch hier um keine Hollywoodproduktion handelt.

Für Adventures ist all das völlig normal - doch viele Live-Games haben diesen sehr wichtigen Schritt hin zu einem narrativem Erlebnis, das wirklich eine "Welt" und kein reines "Setting" erschafft, immer noch nicht getan. Dass Psychose dann auch noch zwei alternativen Enden anbietet zeigt nur, dass One Hour Left sich den Gütekriterien narrativer Games absolut verpflichtet fühlt und damit ein ganz heißer Tipp für Adventurespieler ist, denen Escape-Games bisher noch zu rätsellastig oder zu zeitdruckintensiv waren. Selten war ein Live-Game so nah dran an dem, was wir Adventurespieler so lieben: Eine spannende Geschichte mit stimmigen Kombinationsrätseln. Ein ganz heißer Tipp für alle, die mal wissen wollen, wie sich ein "Horroradventure in echt" anfühlt. Für Escape-Game-Junkies sowieso. Prädikat: Reingehen! 

 

Buchungsmöglichkeiten unter OneHourLeft.de.