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Ceville
Hersteller: Realmforge Studios
Alles neu macht der Mai...
Ein dreiviertel Jahr ist es bereits her, seit wir die frühe Demo-Version des Abenteuerspiels „Ceville“ in einem Preview näher unter die Lupe genommen haben. Deswegen hat man uns im Mai erneut nach München eingeladen, um zu präsentieren, was sich seit dieser Zeit alles verändert hat. Und verändert hat sich Einiges: Der Entwickler heißt jetzt Boxed Dreams, hat sein Erstlingswerk beim Publisher Kalypso unter Vertrag und dafür gleich ein paar neue Mitarbeiter eingestellt.
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Um was geht’s?
Für Alle, die „Ceville“ noch nicht näher verfolgt haben, hier kurz noch einmal die wichtigsten Fakten zu Story und Spiel: In Ceville übernimmt der Spieler die Rolle des Bösewichts, nämlich des Tyrannen Ceville, Herrscher über das verschuldete und von Intrigen geplagte Märchenreich Faeryanis. Mit Märchen selbst hat das Spiel aber nicht viel am Hut. Viel eher verschwimmen in dem 3D-Adventure die Grenzen zwischen Gut und Böse. Sarkasmus, Ironie und zahlreiche Gags und Seitenhiebe auf das Fantasy- und Adventuregenre gehören dabei zur Tagesordnung.
Technisch kommt die bereits von Ankh oder Jack Keane bekannte OGRE-Engine zum Einsatz. Die Steuerung ist gewöhnliches Point-&-Click. Bis zu 40 Charaktere werden die Welt von Ceville bevölkern – zusätzlich zu zahlreichen weiteren Gimmicks wie pickende Hühner oder herumlungernde Drachen, welche die Locations zusätzlich beleben sollen. Zudem bietet das Spiel zahlreiche Hintergrundgespräche, die ohne das Zutun des Spielers ablaufen und dem Ort und den Charakteren zusätzlich Tiefe verleihen.
Zu den Features gesellt sich außerdem die gleichzeitige Spielbarkeit von bis zu drei Charakteren (Ceville, Lilly und Ambrosius). Dabei kann man je nach Szene völlig frei zu einem anderen Charakter wechseln und auch ein Großteil der Rätsel ist auf diesen kooperativen Gedanken aufgebaut. Ansonsten bemüht man sich um einen non-linearen Spielfluß, bei dem sukzessive weitere Gegenden frei geschalten werden sollen. Damit das Ganze trotzdem übersichtlich bleibt, werden die einzelnen Abschnitte in Spielakte unterteilt und der Spieler somit behutsam in das Geschehen hinein geführt. Ein „Akt 0“ fungiert dabei als Tutorial.
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Des Kaisers neue Kleider
Am meisten erhitzt haben die Gemüter bei Ceville die ersten Screenshots einer frühen Demoversion, die vor einem Jahr im Netz aufgetaucht sind. Ein Fehler, wie die Entwickler heute zugeben, denn eigentlich waren diese für interessierte Investoren und nicht für den Endkonsumenten bestimmt. Nachdem der Investor auf der Games Convention 2007 gefunden wurde hat man die vorhandene Version in die Tonne gekippt, zusätzliche Grafiker eingestellt und das Design des Spiels von Grund auf neu aufgezogen.
Tatsächlich sieht Ceville jetzt völlig anders aus. Der knallige, flache Stil ist einem realistischerem Fantasysetting mit deutlich höherer Tiefe und sauberen Texturen gewichen. Auch bei den Charakteren gibt es nun groß angelegte Artwork-Studien mit zahlreichen Veränderungen. Die von uns Probe gespielte Welt wirkt damit deutlich kohärenter: Die verschiedenen Locations und Gegenstände sind nicht mehr einfach nur zusammengewürfelt wie im Alpha-Demo, sondern stimmig ausbalanciert, haben eine Hintergrundgeschichte und ergeben damit „Sinn“. Ein wirklich sehr erfreulicher Fortschritt also, auch wenn hier und da immer noch bei der Animation, Gestik oder Mimik poliert werden muss und einige Objekte ziemlich scharfkantig dargestellt werden. Mit etwas Antialiasing lässt sich da aber bestimmt noch was machen.
Maniac Ceville
Weiterhin gut gefallen Dialoge und Gameplay. Ceville ist ein sarkastischer Schurke, bei dem man allerlei böshafte Sachen ausprobieren darf. Der Humor ist irgendwo zwischen Simon the Sorcerer und Sam & Max angesiedelt und braucht sich inhaltlich vor Genre-Konkurrenten a la „Ankh“ nicht zu verstecken. Dabei ist der Tyrann aber eindeutig noch eine ganze Nummer fieser: Da werden abgehungerte Häftlinge schon mal kommentarlos auf Rädern gedreht oder französische Köche in Tiefkühlkammern eingesperrt. Auch bei den optionalen Passagen, die nicht zum eigentlichen Spielfluss gehören, hat Ceville immer irgendeinen sarkastischen Spruch auf Lager – sei es bei den ausführlichen (aber Gott sei Dank immer unterhaltsamen) Dialogen oder den zahlreichen Gegenständen (ach ja: Die Folterkammer von Ceville beinhaltet auch eine Kettensäge. Ohne Benzin.) An die 80.000 Wörter dürfte das Spiel am Ende beinhalten. Die neue Version ist zu Demonstrationszwecken bereits (erneut) englisch synchronisiert word. Die von uns gehörten englischen Sprecher waren passend, es ist aber gut möglich, dass bis zur finalen Version noch weitere Stimmen ausgetauscht werden. Über die deutschen Sprecher ist noch nichts näheres bekannt. Bekannte Namen und ein professionelles Tonstudio sind dafür aber bereits abgesichert.
Rätseldesign à la Mama
Bei den Rätseln arbeitet Ceville viel mit den Typen, die man aus früheren Spielen kennt, aber heutzutage kaum mehr zum Einsatz kommen - beispielsweise mit Dialogrätseln mit vertiefender Baumstruktur oder mit kombinatorischen Rätseln, bei denen mehrere richtige Aktionen in Folge ausgeführt werden müssen. Das Rätseldesign wirkt gegenüber den mittlerweile üblichen „Rede mit“ und „Benutze dann dies mit jenem“-Abfolgen durchaus erfrischend.
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Beispiel-Rätsel (Vorsicht! Spoiler!)
In einer Szene soll sich Ceville als Koch verkleiden. Um dies zu bewerkstelligen muss er zunächst seinen Teller leer essen, sich in einer Wanduhr verstecken, mit der Glocke den Koch herbei klingeln, hinter seinem Rücken in die Küche schleichen, Öl auf dem Boden verschütten und die Tür zur Tiefkühlkammer öffnen. Das befördert unseren „Chefkoch“ schnurstracks in die gewünschte Kältestarre. Aber natürlich ist es nun genuso möglich, mit der Glocke zu läuten, ohne sich zu verstecken, den Teller nicht leer zu essen oder die Türe zur Tiefkühlkammer trotz verschüttetem Öl nicht zu öffnen – mit entsprechenden Konsequenzen. Diese Kombinationsmöglichkeiten machen bei Ceville eine Menge Spaß und verleiten zum ausprobieren.
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Tyrannischer Ceville auch für Weicheier
Puristen könnten vielleicht bei den zusätzlich geplanten Minispielen und zeitrelevanten Sequenzen skeptisch werden. Ein wirklicher Grund dafür besteht jedoch nicht: Maximal ein Minispiel pro Akt soll es geben und es handelt sich dabei wirklich nur um einfache Klickspielchen wie das Synchron-Schwingen mit einem Seil. Für Grobmotoriker ist ein Instant-Win-Button geplant. Bei den zeitrelevanten Rätseln erhöht sich zusätzlich bei jedem misslungenem Versuch die gewährte Zeit, so dass sich auch dort kein Frust einstellen sollte. Zudem werden diese Sequenzen natürlich nur dann eingespielt, wenn sie im Storyverlauf Sinn machen und zu etwas mehr Spannung beitragen. Neben dem bereits verfügbaren „Snoop-Key“ überlegt man sich zusätzlich noch die Integration einer Schritt-für-Schritt Hilfe sowie die Einbindung von zwei seperaten Kameras, so dass man beim Spielen mit mehreren Charakteren im Splitscreen-Verfahren die Figuren gleichzeitig auf einen Bildschirm steuern kann, obwohl sie sich an unterschiedlichen Orten befinden – und das für die Lösung einiger Rätsel auch muss. Bereits umgesetzt ist der Wechsel vom bisherigem Icon-System auf den reinen Links-Rechts-Klick: Mit links werden dabei Gegenstände benutzt, mit rechts angesehen. Im Optionsmenü soll das aber auch beliebig umstellbar sein.
Ein Ankh in fies?
Ceville soll bis Ende des Jahres in den Händlerregalen stehen. Neben dem deutschen ist mindestens noch ein englisches Release geplant. Wenn man sieht, wie schnell die Jungs und Mädels von Boxed Dreams auf die Reaktionen der Spieler reagiert und einen neuen Stil aus den Boden gestampft haben, kann man nur gespannt sein, wie sich Ceville am Ende macht. Auf optischer Seite hat man sich stark verbessert und inhaltlich macht das Spiel ohnehin Spaß. Natürlich reicht das Aussehen noch nicht an die 3D-Adventures eines Deck13-Kalibers heran, aber da muss man dem jungen Team auch noch etwas Zeit lassen. Wem „Simon the Sorcerer 4“ bisher zu glatt war und wer auf sarkastische Gags im Fantasygewand steht, für den könnte Ceville möglicherweise eine attraktive Alternative darstellen. Wir bleiben für Euch am Ball.
Sebastian 'Basti007' Grünwald
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