Adventure-Treff






Adventure-Treff
lassiker 14.06.2012
Jack Orlando
Hersteller: TopWare
Vertrieb: TopWare
Jack Orlando ist eines dieser Spiele, an das viele eingesessene Spieler die gleichen Erinnerungen zu haben scheinen. Unterhält man sich über das Adventure aus dem Jahre 1997, hört man immer wieder ähnliche Fakten. Das Spiel habe schöne Grafik und einen tollen Soundtrack, sei aber bockschwer und mit Sackgassen gespickt. Durchgespielt haben das Detektiv-Adventure, zumindest subjektiv gesehen, nur wenige.

2012 wurde Jack Orlando vom ursprünglichen Publisher TopWare neu aufgelegt. Das Spiel läuft jetzt auf aktuellen Systemen, ansonsten hat sich aber seit dem Release des Director's Cuts im Jahre 2001 nicht viel geändert. Sogar die Installationsoption, bei der man sich für eine minimale oder eine vollständige Installation entscheiden kann, ist noch vorhanden, obwohl diese bei den heutigen Festplattenvolumina wohl niemand mehr braucht.

Eine durchzechte Nacht


Amerika in den dreißiger Jahren. Das Volstead Act (Prohibition in Amerika) ist gerade erst außer Kraft gesetzt worden, doch nicht alle profitieren so von dieser Entwicklung wie die zahlreichen Etablissements, die jetzt am Schauplatz Chicago wie Pilze aus dem Boden schießen. Protagonist Jack Orlando, Privatdetektiv, gehört zu den Verlierern dieses neuen Zeitabschnitts. Ehemals gut im Geschäft, fehlen jetzt die Aufträge im Zusammenhang mit dem vormals nötigen Schmuggel von Alkohol. Deprimiert bekämpft er seinen Kummer in den Kneipen der Hafenstadt, bis er eines Nachts Zeuge eines Mordes an einem hochrangigen Militär wird. Doch auch Jack wird vom Täter niedergeschlagen und erwacht erst, als schon die Polizei vor Ort ist. Diese will natürlich schnell Ergebnisse präsentieren und macht den noch verkaterten Privatdetektiv zum Hauptverdächtigen. Trotzdem gelingt es, einen Deal auszuhandeln: Vor der Verhaftung bleiben Jack 48 Stunden, um den wahren Täter zu finden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Doch dabei bleibt es nicht, denn bei den Ermittlungen stößt er auf ein Verbrechen noch viel größeren Ausmaßes. Eigentlich könnte diese Geschichte die Grundlage für ein packendes Adventure sein, doch die Umsetzung macht es dem Spieler nicht immer leicht. Da wäre zum einen die Steuerung, der man ihr Alter deutlich anmerkt. In den neunziger Jahren konnte man eine umständliche Steuerung noch verkraften, heute nervt es einfach nur noch, dass man zuerst durch einen Rechtsklick ein Menü öffnen und dann eine von fünf Interaktionsmöglichkeiten wählen muss um dann eine Veränderung des Cursors zu bemerken, wenn man mit der Maus über einen Hotspot fährt.

Es dürfte außerdem kaum ein Spiel geben, bei dem der Protagonist mehr Gegenstände unter seinem Mantel verstauen kann, als Jack Orlando. Eigentlich ist ein gut gefülltes Inventar ja schön und ermöglicht komplexere Rätsel. Hier kann man aber so gut wie alles, was nicht niet- und nagelfest ist, einstecken, ob man es noch einmal braucht oder nicht. Das wird schnell unübersichtlich und frustriert auch irgendwann. Zusätzlich erschwert wird dieser Umstand, indem Gegenstände durch Scripted-Events willkürlich auftauchen. Man kann also nicht einfach einen bestimmten Ort ausschließen, weil man diesen schon komplett untersucht hat, sondern muss immer wieder alle Areale von Neuem inspizieren. Zumindest besteht aber ab und zu die Möglichkeit, Rätsel auf unterschiedliche Arten zu lösen. Den größten Schnitzer haben sich die Entwickler aber beim Einbau von Sackgassen geleistet. Es gibt mindestens eine Situation im Spiel, in der man in eine solche geraten kann, ohne dass man es merkt. Ein Weiterkommen ist dann nicht mehr möglich.

Ansonsten erwartet den Spieler klassische Ermittlungsarbeit. Man sammelt Indizien, spricht per Multiple-Choice mit Zeugen und Verdächtigen und versucht so, sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Manchmal ist das auch wortwörtlich nötig, denn nicht nur Jack kann Gebrauch von Waffen machen, er wird auch ab und zu zum Ziel. Damit das virtuelle Ableben nicht ganz so weh tut empfiehlt es sich also, oft zu speichern.

Die Technik

Technisch ist das Spiel solide umgesetzt. Die handgezeichneten 2D-Hintergründe erinnern ein wenig an Klassiker aus derselben Epoche wie Baphomet's Fluch. Die Charaktere sind etwas hölzern animiert und fügen sich nicht immer nahtlos in die zahlreichen Areale ein. Die Vertonung ist für ein Spiel aus den neunziger Jahren in Ordnung, heute ist man aber sicher, sowohl was die Qualität der Sprecher als auch die der Soundausgabe betrifft, Besseres gewohnt. Zu erwähnen ist auf jeden Fall auch der tolle Soundtrack von Harold Faltermeyer, der einen sehr großen Teil zur gut eingefangenen, leicht depressiven Atmosphäre des Spiels beiträgt.

Fazit

Wer auf klassische Adventures steht und das Spiel nicht bereits bei seinem initialen Release (fertig) gespielt hat, kann ruhig einen Blick wagen. Die Geschichte ist spannend und die atmosphärische Umsetzung der amerikanischen Großstadt der dreißiger Jahre gelungen. Die umständliche Steuerung, mögliche Sackgassen, ein übervolles Inventar und willkürlich erscheinende neue Gegenstände trüben den Spielspaß. Jack Orlando ist eines der Adventures, die man ruhigen Gewissens mit Komplettlösung spielen kann. Mir persönlich hat die Zeitreise in die Vergangenheit Spaß gemacht – ein Spieler, der nur den Komfort heutiger Spiele kennt, hätte wahrscheinlich schneller entnervt aufgegeben.
Klassiker-Wertung: 4/10
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