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Manhunter: New York
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1988 erschien mit dem von Evryware entwickelten Manhunter: New York ein von der Spielidee originelles, von der Umsetzung aber auch trashiges Horror-Sci-Fi-Adventure von Sierra, das auf das altbewährte Parsersystem verzichtete und eine 3D-Optik sowie Arcade-Action-Sequenzen einführte.Die Orbs greifen an!
Das Jahr ist 2004: Eine außerirdische Rasse, die aus schwebenden Augen besteht und sich die Orbs nennt, versklavt die gesamte Menschheit. Jeder Bürger wird mit einem Sensor ausgestattet, damit stets sein Aufenthaltsort und seine Tätigkeiten überwachen werden können. Doch diese Aufgabe erledigen die Orbs nicht selbst, sondern überlassen die Arbeit sogenannten Manhunters. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines dieser in Kutten gekleideten Menschen und muss nun eine Geheimorganisation ausfindig machen bzw. aufhalten, die den Aufstand gegen die Invasoren plant.Ed Wood grüßt das Storytelling
Die Story liest sich nicht nur verworren und billig, sie ist es auch. So erfährt der Spieler so gut wie nichts über die Invasoren, die Hauptfigur oder die Geheimorganisation. Ausgearbeitete Charaktere gibt es ebenso wenig wie Gespräche mit diesen. Meistens kommt es auch gar nicht erst zu einer Unterhaltung, da viele der Figuren als Leichen enden. Denn Manhunter hat einen der wohl höchsten "Body Counts" in der Geschichte der Adventures. Die Morde sind jedoch auf recht überzogene Art und Weise grafisch und spielerisch dargestellt, dass diese eher unfreiwillig komisch wirken als zu schockieren. Die Geschichte bleibt aufgrund fehlender Zwischensequenzen oder Identifikation mit dem Manhunter über weite Strecken unspannend, wenn auch die Suche nach den Verdächtigen und das Finden von Toten an jeder Ecke einen gewissen Reiz hat. Eine Affinität zu "Trash" sollte aber vorhanden sein, da die Story weder eine dramaturgische Entwicklung noch interessante Charaktere bietet.Die Idee ist gut...
Das Spielprinzip ist überraschend originell ausgefallen. So bekommt der Spieler am Beginn jeden Tages eine bestimmte Aufgabe zugewiesen, die es zu erfüllen gilt. Diese ist anfangs noch etwas vage (Beispiel: „Untersuche das Krankenhaus!“) und aufgrund der immergleichen Sequenz, in der ein Orb an das Bett des Protagonisten fliegt, auf die Dauer monoton. Mithilfe eines sogeannten MAD-Systems kann der Manhunter dann aber die vergangenen Aktionen von Verdächtigen zurückverfolgen. Dieses funktioniert in der Regel so, dass er eine Art Überwachsungskamera anschalten kann, auf der die wichtigen Kontaktpersonen der Geheimorganisation anhand von Punkten dargestellt werden, die sich über die Stadtkarte bewegen. Wird eine betreffende Figur markiert, folgt der Bildschirm ihre Aktionen. Allerdings kann nur gesehen werden, wohin der oder die Verdächtige geht, aber nicht, was er oder sie dort tut. Daher muss der Manhunter selbst zu den Örtlichkeiten reisen und herausfinden, was dort passiert ist. So ergibt sich nach und nach ein Netz aus Aktionen und Hinweisen von verschiedenen Kontaktpersonen, die miteinander in Verbindung gesetzt werden müssen....aber die Umsetzung schlecht
Ein Inventar gibt es zwar auch, das Kombinieren von Gegenständen ist aber nicht möglich, nur das Benutzen dieser mit der Umgebung oder anderen Charakteren. Das Rätseldesign und Gameplay ist von der Idee her originell, da die Beobachtungsgabe des Spielers gefordert wird, indem überall Hinweise verteilt sind, die auf ein geheimes Passwort oder eine bestimmte Aktion hindeuten. Nur so gelangt der Manhunter weiter auf die Spuren der Geheimorganisation. Leider ist die Umsetzung im Spiel alles andere als gut gelungen, was sowohl an den nervigen und überflüssigen Arcade-Sequenzen liegt als auch mit einigen Rätseleinlagen zu tun hat, die eher mit viel Glück und durch Zufall zu lösen sind. Beispielsweise erfährt der Manhunter anhand des MAD-Systems, dass ein Geheimbund-Mitglied in eine Disco geht. Der Haupteingang wird durch einen Türsteher versperrt. Also benutzt er den Hintereingang. Dumm nur, dass erst vier Action-Sequenzen bewätltigt werden müssen, die von Steuerung und Spielmechanik eine Katastrophe sind. Denn die Figur muss vom rechten Bildschirmrand zum linken gelangen und dabei Messern und Pistolenkugeln ausweichen, die ein Punk abfeuert. Bewegt wird der Manhunter nur durch das Drücken der Oben-Richtungstaste, die ihn springen lässt, während er sich mit der Unten-Richtungstaste duckt. Je näher er dem Bösewicht kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, mit zu langsamen Reflexen den Kugeln nicht rechtzeitig auszuweichen. Nachdem die träge Steuerung und das langsame Vorwärtskommen dem Spieler wenig Freude bereitet haben, setzt dann das Suchen des Geheimbund-Mitglieds noch einen drauf: Denn ohne Hinweise muss der Spieler aus einer Menschenmenge die Person von hinten anklicken, von der er denkt, dass sie zur Organisation gehört, ohne vorher spezielle Hinweise auf ihr Aussehen zu erhalten.Es wird nicht besser...oder doch?
Leider gibt es weitere solche Szenen, die aufgrund des schlechten Gamedesigns frustrieren. So werden zum Weiterkommen eine bestimmte Anzahl von Code-Karten für die verschlossenen Türen in einem mehrstöckigen Hochhaus benötigt. Die Türen in diesem labyrinthartigen Gebäude können noch dazu nur in einer bestimmten Reihenfolge geöffnet werden. Die Code-Karten selbst befinden sich in einem anderen Labyrinth. Deren Anzahl und wofür sie überhaupt benötigt werden erfährt der Spieler zwar durch eine MAD-System-Sequenz, Spaß macht das Suchspiel allerdings wenig. Positiv an den Sequenzen, in denen die Spielfigur wieder Sierra-typisch auf „lustige“ Art und Weise sterben kann, ist die Möglichkeit, kurz vor dem Ableben zurückzuspringen, sodass kein alter Spielstand geladen werden muss. Trotzdem ist es ratsam, genügend Savegames anzulegen, da bestimmte Hinweise später nicht mehr angesehen bzw. Gegenstände nicht aufgehoben werden können.Trashige Steuerung
Die Steuerung betritt wie das Spielprinzip Neuland. Denn anstelle des von Sierra damals genutztem Parsersystems, also dem Eingeben von Wörtern, und der Third-Person-Perspektive, gibt es eine Ego-Perspektive, in der sich der Spieler von einem Standbild zum nächsten bewegt. Die Vogelperspektive kommt bei der Stadtkartenansicht oder im MAD-System zum Einsatz. Eine Seitenansicht findet sich nur bei den Arcade-Einlagen. Sowohl in der Ego als auch der Vogelperspektive wird eine Art Mauszeiger über den Bildschirm bewegt, allerdings nur durch direkte Tastatureingabe. Mit der Maus ist es zwar auch möglich, auf Teile des Bildschirms zu klicken, allerdings kann damit nur die Richtung angegeben werden, in die der Cursor fährt, ohne dass dieser schnell dort hinspringt. Besonders bei Standbildern, in denen die Umgebung untersucht werden muss, aber auch in der einen oder anderen Labyrinth-Szene, ist diese Steuerungsart zu ungenau und langsam.Trashige Präsentation
Die Grafik bietet einige nette Punk-Graffiti-Zeichnungen, die in den Standbildern gut zur Geltung kommen, während die Animationen der Figur witzig anzusehen sind. Die Kuttenträger erinnern teils wie eine Parodie der Hauptfigur von LucasArts' Loom, wenn sie in einer Szene zum Beispiel plötzlich anfangen zu tanzen oder der Protagonist durch eine Luke fällt und beim Fall seine Unterhose zu sehen sind - eine nicht gerade tiefsinnige Form von Humor. Allerdings sorgen die Standbilder mit den ermordeten Verdächtigen auch für unfreiwillige Komik, wenn bei fast jeder Figur eine Zunge in unterschiedlichen Farbtönen heraushängt und ein Charakter dann auch noch auf einem Stein das Wort „cool“ mit seinem Blut vor seinen Tod geschrieben hat. Der Sound ist bis auf einige wenige musikalische Themen im Intro und Outro so gut wie nicht vorhanden. Atmosphäre kommt mit den paar Soundeffekt-Tönen aus der Box nicht auf, was aber auch nicht so negativ ins Gewicht fällt, da eine spannende oder gar kohärente Story oder besonders dramatische Szenen komplett fehlen.Es ist ein Trash-Spiel!
Manhunter: New York ist eine seltsame Mischung aus einer originellen Grundidee und einer stellenweise katastrophalen spielerischen Umsetzung. Storytelling bleibt dem Titel genauso fern wie faire Rätsel und trotzdem hat das Spiel einen gewissen Reiz und Charme. Denn wer dachte, dass Sierra mit Phantasmagoria 2 feinsten Trash produziert hat, sollte sich diese vergessene „Perle“ einmal anschauen. Sofern er oder sie das richtige Nervenkostüm und Durchhaltevermögen hat.
Klassiker-Wertung: 5/10
        
Sascha 'nufafitc' Pongratz
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