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The Abbey im Tonstudio
Zu Besuch bei toneworx
Für Adventurefans hat Crimson Cow derzeit zwei heiße Eisen im Feuer: A Vampyre Story, das als Projekt des ehemaligen LucasArts-Mannes Bill Tiller in der Tradition von Monkey Island 3 stehen soll, und The Abbey, das auf der letzten Games Convention als Underdog startete und die Presse mit einem opulenten Intro, kraftvollem Soundtrack und feiner Comicgrafik überraschte. In den letzten Monaten war vom Publisher zu beiden Projekten aber vor allem eines zu hören: Stille. Natürlich musste man sich da fragen, ob da alles so glatt läuft, wie man sich das wünscht, oder ob es Probleme und weitere Verschiebungen gibt.
Jetzt können wir Entwarnung geben. Im Hamburger Studio toneworx fanden bereits die Sprachaufnahmen für The Abbey statt, bei denen wir vor Ort sein durften, um einmal hinter die Kulissen von Emilio de Paz' Krimi zu blicken.
 Das geräumige Studio von toneworx.
Geschäftiges Treiben
Die erste Überraschung gab es schon bei der Ankunft. toneworx ist umgezogen. Genauer gesagt: von der linken Seite eines Hinterhofparkplatzes auf die rechte Seite. Das mag sich unspektakulär anhören, tatsächlich steht dem Studio jetzt aber ein Vielfaches der Fläche zur Verfügung. Eine ganze Lagerhalle wurde umfunktioniert und beherbergt jetzt gleich mehrere Tonstudios und Bereiche für die Nachbearbeitung der Aufnahmen. Eingangsbereich, Aufnahmekabine, Büros ... für alles steht jetzt wesentlich mehr Raum zur Verfügung. Das Geschäft scheint zu laufen.
Als wir das Studio betreten, in dem gerade The Abbey vertont wird, sind alle in die Arbeit vertieft. Alle, das sind Georg Hach von Crimson Cow, der als Regisseur das letzte Wort über die Aufnahmen hat, Stephan Grundt von toneworx, der die Technik bedient, und im Nebenraum der Sprecher. An diesem Tag ist das Bernd Rumpf, der in The Abbey die Hauptrolle übernimmt. Als regelmäßiger Sprecher von Liam Neeson ist er im Filmbereich kein Unbekannter, Computerspiele sind ihm allerdings weniger vertraut. Sieht man einmal von Besetzungen in Star-Wars-Spielen ab, die er seiner Sprechrolle in Episode I zu verdanken hat, ist The Abbey sein erstes originäres Spiel.
Was für ihn den Unterschied zwischen den beiden Welten Film und Spiel ausmacht, hat uns der Profi so erklärt:
„Bei einer Synchronisation hat man einen vorgegebenen Schauspieler und das, was der spielt, und man versucht, dem möglichst nahe zu kommen, ohne sich davorzudrängeln, während man hier, obwohl man schon ein Bild vorliegen hat, was aber noch ein bisschen angeglichen wird, eine Figur mehr oder weniger selbst entwickelt. Insofern ist das hier ein bisschen kreativer, könnte man sagen, obwohl das natürlich hier keine richtigen Spielszenen sind, weil es ja immer nur Bruchstücke von Dialogen sind, die sich nachher zusammensetzen.“
  Georg Hach auf dem Regiestuhl und Stephan Grundt an der Technik.
Arbeitsteilung
Die Arbeit im Studio läuft trotz der umherwuselnden Presse - neben uns sind noch Kollegen von Bravo Screenfun und ComputerBild Spiele da - ziemlich reibungslos. An einem Tisch mitten im Raum sitzt Georg Hach vor zwei Laptops. Auf einem davon verfolgt er die Spieltexte, auf dem anderen läuft ein Video in Endlosschleife, das den The-Abbey-Charakter Leonardo bei einem Gespräch zeigt. „Da kann ich immer mal wieder rüberschauen, ob die Stimme noch passt,“ sagt er. Aus demselben Grund kommen im Aufnahmebereich nicht nur die gesprochenen Sätze von Bernd Rumpf aus den Lautsprechern, sondern auch ein dezentes Stück der Spielmusik. „Für die Stimmung.“
Die Spieltexte braucht Georg aus mehreren Gründen. Zum einen kann er Fehler sofort korrigieren, wenn er sie entdeckt. Zum anderen liest er dem Sprechers alle Zeilen des jeweiligen Gesprächspartners vor, sodass dieser einen besseren Eindruck von der Situation bekommt. „Damit ich weiß, in welcher Haltung ich auf irgendwas antworten muss, ob es ein Disput wird oder man sich wieder angleicht, wer wen belauert, wer lügt oder die Wahrheit sagt,“ wie es Bernd Rumpf ausdrückt.
Neben dem Mauspad liegt ein Knopf, der Georg die Kommunikation mit der Sprecherkabine ermöglicht. Solange er ihn drückt, hört der Sprecher ihn, sonst sitzt dieser in völliger Stille. So präzise, wie Georgs Vorstellung von der Sprachausgabe ist, so präzise sind auch seine Anweisungen. Trotz der sehr hohen Professionalität des Schauspielers hinter dem Mikrofon werden viele Zeilen wiederholt. Welches Wort wird betont? Wo werden Pausen gemacht? Wie werden Namen ausgesprochen? Bei so vielen Feinheiten ist klar, dass da nicht immer alles beim ersten Versuch sitzt. Dann wird auch mal gerne gescherzt, wenn sich beim Wort „Bibliothek“ zum dritten Mal ein Verhaspler einschleicht: „Ab der 30 sagen wir 'Bücherhalle'.“
Zwei Meter vor Georg sitzt Stephan Grundt vor zwei großen Monitoren und einer umfangreichen Studioausrüstung mit etlichen Knöpfen, Lämpchen und Schiebereglern. Er sorgt dafür, dass die Aufnahmen glatt über die Bühne gehen. Er markiert die jeweils beste Aufnahme, kombiniert auch schon mal aus zwei Versionen einer Zeile eine dritte Version, und achtet darauf, dass keine Störgeräusche die Tonqualität verringern.
Der Sprecher spricht
In unserem Gespräch mit Bernd Rumpf haben wir uns auch dafür interessiert, wie er auf die Rolle vorbereitet wurde und welchen Charakter er im Spiel verkörpert:
„Ich habe einen ungefähren Einblick in die Örtlichkeit bekommen, in der das spielt, ich weiß ungefähr, welche Atmosphäre es sein wird und ich weiß ungefähr, was das für ein Charakter ist, den ich da spiele. Erst mal muss man davon ausgehen, das spielt zwar unter Mönchen, aber das sind die Intellektuellen des Mittelalters gewesen, also Leute, die sich mit Philosophie und Wissenschaft beschäftigt haben und gelernt haben, klar zu denken und logisch zu sein in dem damaligen Weltbild. Dazu kommt dann, dass dieser Leonardo, den ich spiele, nicht einfach nur ein gläubiger Mensch ist, sondern jemand, der auch Karriere gemacht hat, der auch Sachen gemacht hat, die nicht unbedingt mit der Religion zu tun haben und ein früher Vorgänger von Sherlock Holmes, kann man sagen.“
Schwierig fiel ihm die Beantwortung der Frage, was einfacher ist, die Synchronisation eines Films oder das Vertonen eines Spiels. Einerseits wird die Arbeit beim Film dadurch erleichtert, dass durch das Bild schon sehr genau Stimmungen und Emotionen vorgegeben werden, ohne dass man selbst kreativ werden muss. Andererseits gibt es beim Spiel weniger technische Schwierigkeiten, weil keine Lippenbewegungen passen müssen. „Insofern würde ich fast sagen, das hier ist einfacher,“ ringt sich Rumpf eine Entscheidung ab.
 Sprecher Bernd Rumpf bei der Arbeit.
Endspurt
Nach allem, was wir im Studio sehen konnten, erwarten wir von The Abbey nicht weniger als eine hervorragende Vertonung. Zum einen liegt das an der erstklassigen Sprecherriege - vor Bernd Rumpf waren bereits Vollprofis wie Eckart Dux und Udo Schenk im Studio -, zum anderen aber auch an der sehr konzentrierten Regie von Georg Hach, der die Texte offenbar gut kennt und genau weiß, wie diese im Kontext betont werden müssen. Auch die Rahmenbedingungen bei toneworx, die auch die letzten Adventures vertont haben, mit denen Crimson Cow zu tun hatte, sind bekanntlich sehr gut.
Angesichts des Trends, dass immer mehr Adventures auch auf Konsolen erscheinen, haben wir gefragt, ob The Abbey ein PC-exklusiver Titel bleibt. „Bisher haben wir nur die PC-Version angekündigt,“ hieß es dazu mehrdeutig, wir wagen aber einmal die Prognose, dass Crimson Cow schon fleißig Portierungen plant.
Insgesamt acht Tage Studioarbeit waren angesetzt, um die knapp 50.000 Wörter einzusprechen, die es insgesamt auf etwa sechseinhalb Stunden Material bringen dürften. Von den 40 Mönchen im Kloster haben dabei 25 Sprechrollen, und jede dieser Figuren wurde mit einem eigenen Sprecher besetzt. Doppelbesetzungen gibt es bei The Abbey nicht.
Dass die Sprachaufnahmen jetzt abgeschlossen sind, kann nur bedeuten, dass die Fertigstellung des Spiels nicht mehr lange dauert. „Geplant ist nach wie vor Ende März, kann aber auch April werden. Es eilt nicht, wichtig ist, dass es gut wird.“ So loben wir uns das.
Jan 'DasJan' Schneider
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