Adventure-Treff






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Episode 1: Launch of the Screaming Narwhal



Boom. Die Bombe ist geplatzt, die Welt um einen Mythos ärmer. Viele Jahre war die Möglichkeit eines Monkey Island 5 Thema unzähliger Gerüchte und Aprilscherze. Geringste Anzeichen dafür, LucasArts könnte wieder Interesse an seinen klassischen Lizenzen zeigen, und die neue „Jetzt aber!“-Welle brauste durchs Internet. Dran war nie etwas, und seit der legendären „current market place realities“-Pressemitteilung, mit der das einstige Kreativzentrum die Freelance Police eindampfte, deutete wenig darauf hin, bei „Star Wars Arts“ könnte sich etwas ändern.

Vom Saulus zum Paulus

Doch es änderte sich etwas. Auf der E3 2009 kam die Ankündigung: LucasArts macht wieder Adventures und Monkey Island 5 kommt! Na gut, „machen“ im Sinne von „lässt machen“ und „Monkey Island 5“ im Sinne von „eine Monkey-Island-Staffel“, aber wo ist da schon der Unterschied? Natürlich ist nicht jeder Adventure-Fan dienstverpflichtet, auch bei Monkey Island stürmisch „Hurra!“ zu skandieren, doch kann niemand abstreiten, dass Ron Gilberts Möchtegernpirat wie kaum ein anderer Charakter zur Symbolfigur des Genres geworden ist. Monkey Island ist in vielen Köpfen das Adventure, welches als Idealbild immer wieder zum Vergleich herhalten muss. Vor dem Hintergrund ist es, auch wenn man Comic-Humor und Scumm-Interface persönlich nichts abgewinnen kann, schon etwas Besonderes, wenn LucasArts von den ehemaligen LucasArts-Größen bei Telltale ein Sequel entwickeln lässt. Die Firma, die zur Blütezeit des Genres Standards definiert hat, kehrt zu ihren Wurzeln zurück.
Statt als monolithischer Block – wie früher – erscheint Tales of Monkey Island Telltale-typisch in Episodenform. Insgesamt in fünf Teile haben die Entwickler ihre Geschichte aufgeteilt, die mit „Launch of the Screaming Narwhal“ ihren Auftakt feiert. Wird das ambitionierte Projekt die Herzen der Fans entern oder fällt die Revival-Party ins Wasser? Wir haben Augenklappe und Holzbein angelegt und die Rückkehr von Guybrush Threepwood auf Herz und Nieren geprüft.

Tief in der Karibik...

Tief in der Karibik...

In der ersten Szene geht es gleich zur Sache: Der untote Zombiepirat LeChuck hat Elaine Marley, die inzwischen mit Guybrush verehelichte Ex-Gouverneurin, ein weiteres Mal entführt. Gerade als der finstere Bösewicht auf seiner Fregatte ein legendäres Voodoo-Ritual vollenden möchte, kommt Elaines Gatte seiner Holden zu Hilfe gesegelt. Nur der Verfluchte Säbel von Kaflu kann die Situation noch retten und zum Glück ist die magische Waffe auch schon beinahe fertiggestelllt. Lediglich der letzte Schritt in der Herstellungsanleitung, nämlich das Entermesser mit sprudelndem Root Beer zu bespritzen, fehlt noch. Doch ausgerechnet das lässt Guybrush fallen, sodass ein Ersatz hermuss.
Nach der ersten Rätselkette, die wie üblich in das Gameplay einführt, ist die Welt zwar noch nicht dem Untergang geweiht, wirklich rosig sieht es für unseren Helden aber nicht aus. Elaine befindet sich nach wie vor in den Fängen von LeChuck, der sich in einen menschlichen Piraten verwandelt und sein Übel an Guybrushs linke Hand weitergegeben hat. Die wiederum führt fortan ihr finsteres Eigenleben und macht ihrem Herrchen immer mal wieder einen Strich durch die Rechnung – nervöses Zucken und leichte Ohrfeigen sind da noch die harmloseren Varianten.

Mein Name ist Guybrush Threepwood und ich bin ein Pirat!

Ach ja, und Guybrush wird an die Küste von Flotsam Island gespült, auf der der Hauptteil von Episode 1 stattfindet. Wäre Flotsam Island eine normale Insel, wäre das auch kein großes Problem, denn dann müsste er lediglich ein neues Schiff besorgen – seins wurde zerstört –, um damit auf die Jagd nach seiner besseren Hälfte zu gehen. Doch Flotsam Island ist besonders: Seit vielen Jahren bläst der Wind stets gen Insel, auch mit Schiff wäre das Lossegeln folglich unmöglich. Es ist, als läge ein Fluch auf der Insel...
Irgendwie muss Guybrush also das Geheimnis des Windes ergründen. Als Schlüssel dazu entpuppt sich der Inseljournalist Davey Nipperkin, der von seiner Informationsquelle „Deep Gut“ berichtet. Bevor er diese enthüllt, muss er sich aber davon überzeugen, dass der Neue tatsächlich ein mächtiger Pirat ist, wie er stolz behauptet. Dazu erhält Guybrush, man höre und staune, drei Aufgaben: Ein Schiff soll er meutern, eine Prügelei anzetteln und jemandem dabei helfen, einen Schatz zu finden. Erst wenn er sich so als würdig erwiesen hat will Nipperkin Details verraten. Und so nimmt ein Abenteuer seinen Lauf, das insgesamt für 4-5 Spielstunden gut ist – relativ viel im Vergleich mit anderen Episoden von Telltale.

Schon in der ersten Szene geht's zur Sache.

Hinter dir, ...

Wer mit der spaßigen Piratenwelt von Ron Gilbert & Co. bereits vertraut ist, wird sich gleich zu Hause fühlen. Visuell ist der Echtzeit-3D-Stil für die Reihe zwar Neuland, inhaltlich halten sich die Macher jedoch streng an Altbewährtes. Knackebuntes Karibiksetting, Rätselstruktur, Humor – alles erinnert an die ersten Teile aus den 90ern. Das ist auf der einen Seite hervorragend, denn was früher gut war kann jetzt nicht schlecht sein. Wer damals über die Naivität der Hauptfigur, die zahlreichen Wortspiele und grotesken Situationen lachen konnte, wird auch mit dem Screaming Narwhal wieder Spaß haben.
Auf der anderen Seite fühlt man sich gelegentlich schon zu sehr an die Vorgänger erinnert. Das große Buch der LucasArts-Anspielungen war für die Designer wohl Pflichtlektüre, denn vom dreiköpfigen Affen über Lederjacken bis hin zur 1138 fehlt kaum ein Running Gag. Auch das Wiedersehen mit der Voodoo-Lady wirkt etwas konstruiert und Konzepte à la „drei Aufgaben erfüllen“ oder „Schiff besorgen“ gewinnen keinen Innovationspreis.
Trotzdem bringen die Entwickler jede Menge originelle Ideen ein. Skurrile Charaktere wie der Glasbläserpirat mit seinen mundgeblasenen Einhörner-Figurinen oder der üppig verkleidete Arzt Marquis de Singe mit seinem französischen Dialekt erfreuen das Gemüt, während logische Rätsel den Abenteurer fordern. So schwer wie in den 90ern sind die zwar nicht – Telltale will nach wie vor niemanden frustrieren –, ein gewisses Maß an Komplexität erreichen die Aufgaben dann aber doch. Das Inventar wächst auch mal an und hin und wieder ist Grübeln angesagt. Optional gibt es wieder eine Hilfefunktion, die mit einstellbarer Häufigkeit einen Schubser in die richtige Richtung gibt.

Der Ort des Geschehens: Flotsam Island.

Benutze Tastatur mit Maus

Für heftige Diskussionen hat bereits im Vorfeld die Steuerung gesorgt. Die meistgestellte Frage war, ob es anders als bei Wallace & Gromit eine reine Maussteuerung geben wird, und die Antwort ist ein klares „Ja aber“. Tales of Monkey Island lässt sich mit zwei verschiedenen Methoden steuern. Die eine ist bereits bekannt aus Wallace & Gromit. Mit der Tastatur bewegt man Guybrush durch die Gegend, mit der Maus lassen sich Hotspots zwecks Interaktion auswählen. Das funktioniert sauber und ermöglicht mehr Freiheit in der Wahl der Kameraperspektiven, hat aber den Nachteil, dass beide Hände auf dem Schreibtisch liegen müssen, sodass Adventure-übliches Zurücklehnen schlecht möglich ist.
Das hatte zu lautstarken Protesten geführt, auf die Telltale jetzt reagiert. Tales of Monkey Island besitzt wieder eine reine Maussteuerung, die jedoch ganz anders funktioniert als klassisches Point and Click. Vielmehr wurde die Maus/Tastatur-Kombination zurückübersetzt in die Welt der Maus. Während die linke Taste gedrückt ist, bewegt man die Maus in die Richtung, in die Guybrush gehen soll. Zum Rennen muss zusätzlich die rechte Maustaste gedrückt werden. Diese Methode erfordert etwas Eingewöhnung und lässt manchmal die nötige Präzision vermissen, Zurücklehnen ist aber wieder möglich.
Etwas umständlich ist das Inventar geraten, das sich mit der mittleren Maustaste oder einem Klick auf den rechten Bildschirmrand aufklappen lässt. Ansehen kann man Gegenstände erst, wenn man vorher auf ein Lupensymbol klickt. Erstmals ermöglicht es Telltale auch, Dinge direkt im Inventar miteinander zu kombinieren. Dazu legt man die zwei Objekte in dafür vorgesehene Slots und drückt das „Kombinieren“-Symbol. Hier wäre etwas mehr Komfort wünschenswert.

Polygon in Sicht!

Optisch geht Tales of Monkey Island in Ordnung. Den eingeschränkten Möglichkeiten der 3D-Engine, die nicht zuletzt auch dem parallelen Wii-Release geschuldet sind, begegnen die Entwickler mit sehr viel Dynamik. Auch ohne eine Detail- und Effektfülle, die mit aktuellen 3D-Titeln mithalten könnte, liefert das Spiel so ein gutes Bild ab. Denn die Inselwelt lebt nicht von der Polygonzahl, sondern von ihrer Lebendigkeit. Es gibt überall animierte Objekte und zahlreiche Kamerafahrten sorgen für so viel Bewegung im Bild, dass eine beinahe filmische Atmosphäre aufkommt. Der Wind bläst den Figuren um die Ohren, Vögel fliegen durch die Lüfte, die Wellen rauschen gegen die Küste.
Während die Objektanimationen meistens eher einfach sind, glänzen besonders die 3D-Figuren, die dank hervorragend choreografierter Bewegungen sowie ausdrucksstarker Mimik speziell in den Zwischensequenzen überzeugende Schauspieler abgeben. Natürlich muss man sich an den neuen 3D-Look des als 2D-Pixelheld liebgewonnenen Protagonisten erst gewöhnen, nach den ersten Szenen hat man aber auch die Polygon-Version bereits ins Herz geschlossen.

Wiedersehen mit alten Bekannten.

Michael Land in Sicht!

Wo man bei der Grafik gute Qualität innerhalb der Möglichkeiten abliefert, kennt man beim Sound keine Kompromisse. In guter Monkey-Island-Tradition hat jede Location sein eigenes charakteristisches Musikstück. Von Karibikflair pur bis leichter Grusel-Atmo kennt der opulente Soundtrack jede Menge Nuancen. Für die Komposition hat man Telltales genialen Stamm-Musiker Jared Emerson-Johnson diesmal keinen Geringeren als Michael Land zur Seite gestellt, der bereits für die Beschallung der älteren Affeninseln zuständig war.
Doch damit nicht genug, auch die Umgebungsgeräusche sind gut ausgewählt und bilden eine stimmige Akustik-Kulisse. Last but not least: Auch die Sprecher sind perfekt gecastet. Für die bereits bekannten Figuren hat man die Originalsprecher gewinnen können, die, allen voran Dominic Armato als Guybrush Threepwood, wieder sehr gute Arbeit abliefern. Lediglich die reine Audioqualität könnte besser sein.
Hiesige Spieler müssen weiterhin hoffen: Über eine deutsche Version ist noch nichts bekannt, ob also auch Norman Matt zurückkehren wird steht in den Sternen. Deutsche Untertitel hat das bisher rein englische Tales of Monkey Island übrigens auch keine.

Harrrr!

Alles in allem beschert Telltale Guybrush Threepwood ein würdiges Comeback. Zugegeben, eines mit Ecken und Kanten: die Steuerung hätte komfortabler sein können, die Polygone kleiner und die zahlreichen Referenzen auf „früher“ etwas zahlärmer. Doch meistert Telltale die wichtigste Disziplin, nämlich den Spieler zu unterhalten, mit Bravour. Dazu braucht es eben keinen Grafikbombast, sondern witzige Dialoge, originelle Charaktere und intelligente Rätsel. All das bietet Tales of Monkey Island reichlich. Wenn man bedenkt, dass im Paketpreis nur knapp mehr als 5 Euro dafür fällig werden, kann man die Wiedergeburt von Guybrush Threepwood jedem uneingeschränkt empfehlen, der sich für annähernd humorkompatibel hält. Wir freuen uns jedenfalls auf Episode 2.
Episode 1: Launch of the Screaming Narwhal

Preis/Leistung Einzelpreis: 8/10


Preis/Leistung Paketpreis: 9/10



Episode 2: The Siege of Spinner Cay



Gerade als sich die versammelte Spielebranche auf der Kölner gamescom ihr Stelldichein gab, lief die zweite Tales-Episode „Siege of Spinner Cay“ vom Stapel. Anders als sonst, wo Sam, Max und all den anderen Telltale-Gestalten mit jeder Episode ein neuer Fall vor die Flinte kam, wird diesmal die in Episode 1 begonnene Story fortgesponnen. Und so setzt das Sequel auch direkt am Cliffhanger an, der jede Menge Spekulationen ausgelöst hatte...

Guten Morgan, liebe Sorgen

Wir erinnern uns: Guybrush war gerade mit seinem neuen Schiff in See gestochen, schon wird er von der Klinge eines Säbels in Schach gehalten. Doch wem gehört die Piratenwaffe? Ist es Carla? Ist es die Bibliothekarin von Phatt Island, die noch Bücher zurückbekommt? Nein, es ist Morgan LeFlay, der legendäre Piratenjäger, der aus dem Seemannsgarn in Episode 1 bekannt ist. Er ist eine Sie, und der Marquis De Singe hat sie damit beauftragt, Guybrushs verfluchte Hand in Gewahrsam zu nehmen. Die hackt sie ihm dann auch gleich ab und der trottelige Titelheld muss für den Rest des Spiels mit einem Haken als Hand herumlaufen – der auch zur Lösung von Rätseln eingesetzt werden kann.
Siege of Spinner Cay beginnt mit einem originellen Rätselduell gegen LeFlay auf der Screaming Narwhal und führt Guybrush, um seine Linke erleichtert, dann zum Atoll Spinner Cay, wo die Meerjungleute zu Hause sind. Richtig gelesen: Meerjungleute. Mit menschlichen Oberkörpern und Fischflossen. Das mag Monkey-Island-Veteranen zunächst verwundern, schließlich sind solcherlei Fabelwesen bisher nie Teil des Universums gewesen. Schon bald wird aber klar, dass sich das Meervolk gut in die Spielwelt einfügt und einen weiteraus geringeren Schock verursacht, als wenn, sagen wir, Indiana Jones plötzlich auf Aliens träfe.

Rollentausch bei Guybrush und LeChuck

LeChuck in Not

Die Vacaylians, so der Name des neuen Volkes, sind der Schlüssel zum Esponge Grande, der benötigt wird, um den in Episode 1 losgetretenen Fluch, der sich wolkenhaft über der Karibik ausbreitet, zu bezwingen. Doch Guybrush ist nicht der Einzige, der den mythischen Riesenschwamm sucht: Einige vom Voodoofluch infizierte Freibeuter wollen ebenfalls wissen, wie sie das Objekt der Begierde aufspüren können. Die Vacaylians hüllen sich natürlich in Schweigen, und so muss Guybrush ein wenig nachhelfen.
Dabei trifft er auch auf LeChuck, von dem der Voodoozauber bereits im Staffelauftakt abgefallen war. Der neue, gute LeChuck ist ein genialer Einfall und Quell vieler witziger Momente. So steht der einstige Zombiepirat vor der Aufgabe, ein einfaches Rätsel zu lösen. Als ihm Guybrush seine Hilfe anbietet, lehnt dieser ab: LeChuck will das Puzzle unbedingt alleine lösen, schließlich kann er nicht sein Leben lang andere die Arbeit für sich machen lassen. Also muss Guybrush in einer Kombination aus Inventar- und Dialogrätsel seinen einstigen Erzfeind auf die richtige Idee bringen.

Ebbe und Flut

In Sachen Witz und Originalität kann Siege of Spinner Cay gegenüber seinem Vorgänger sogar noch etwas zulegen. Sehr erfreulich auch, dass abgesehen von der Screaming Narwhal kein Schauplatzrecycling für Wiederholungen sorgt. Trotzdem gibt es auch Kritikpunkte: Das neues Dschungellabyrinth ist zwar übersichtlich und kann in wenigen Minuten komplett kartografiert werden, warum man so ein Element überhaupt wieder einsetzt, ist allerdings unklar. Auch schafft es Telltale wieder nicht, sich im Hauptteil der Episode von der Rätselstruktur „besorge Gegenstände A, B und C“ zu lösen. Sieht man davon ab und von der etwas einfallslosen Idee, Gutscheine in der Spielwelt zu verteilen, die man auf Spinner Cay zufällig gegen genau die Objekte tauschen kann, die für das Weiterkommen benötigt werden, finden sich aber auch wieder jede Menge spritzige Ideen in Episode 2.
Die Sprachausgabe war Telltale-üblich wieder recht stark komprimiert, sodass leichtes Rauschen zu vernehmen war. In der aktuellen Version des Spiels, die rund 30 MB größer ist als vorher, verteilt Telltale aber schwächer komprimierte Audiodateien mit klarerer Sprachausgabe. Daumen hoch!

Auf dem richtigen Weg

Telltale macht sehr vieles richtig und nur wenig falsch. Hardcore-Fans dürfen den Fehler nicht machen, zu erwarten, dass Tales of Monkey Island dieselbe Regung auslöst, die einst der legendäre Pixel-Guybrush auslöste, und das die Reinkarnation des einstigen Helden denselben Kult versprüht wie ein Titel, der 20 Jahre lang seine Wirkung entfalten konnte. Dann nämlich wird deutlich, dass Telltale auf dem Weg ist, eine tolle, fünfaktige Fortsetzung zu produzieren, die zwar Kompromisse eingehen muss und beim Schierigkeitsgrad nicht den Kopfnüssen von damals nacheifert, aber in Sachen Wortwitz und Rätselspaß zu den unterhaltsamsten Comicadventures zählt, die zur Zeit produziert werden. Dazu müssen die Kalifornier nur ihr Niveau halten – oder, man darf ja mal träumen, sogar noch eins drauflegen.
Episode 2: The Siege of Spinner Cay

Preis/Leistung Einzelpreis: 8.5/10


Preis/Leistung Paketpreis: 9.5/10



Episode 3: Lair of the Leviathan



Wir erinnern uns: Am Ende von Episode 2 – Vorsicht, Spoiler!!! - ist Guybrush Threepwood zusammen mit Piratenjägerin Morgan LeFlay und seinem Schiff von einer riesigen Seekuh verschlungen worden. Was bedeutet das für die beiden Protagonisten? Und wie hilft das Guybrush bei der Suche nach La Esponja Grande, dem mystischen Schwamm, der die wild gewordene Voodoo-Seuche aufhalten kann, welche die Karibik bedroht? Kapitel 3, Lair of the Leviathan, gibt die Antwort.

Manateeeeeee!!!

Im Rachen des monströsen Meeressäugers kampiert bereits der Abenteurer Coronado De Cava, wo er einheimische Maden zu einer neuen Hörschnecke für das Wirtstier verarbeitet. Der Seekuh fehlt nämlich eine solche, sodass sie statt den Weg zum Esponja Grande orientierungslos immer nur im Kreis schwimmt. Klingt abgefahren? Ist auch abgefahren.
Das Basteln der Hörschnecke würde Jahre dauern, die unser Held nicht hat, und so muss ihm der Spieler dabei helfen, die alte Hörschnecke wiederzubeschaffen. Dazu muss er sich eine Etage tiefer begeben, in den Magenraum. Hier hat nämlich die ehemalige Crew von De Cava eine demokratisch organisierte Bruderschaft gegründet, deren wichtigste Aufgabe es ist, den Aufenthaltsort der begehrten Cochlea geheimzuhalten. Um hier aufgenommen zu werden, muss Guybrush die verschiedenen Begehrlichkeiten der Crewmitglieder stillen, um genug Fürsprecher zu finden.

Guybrush duelliert sich im Grimassenschneiden.

Rückkehr des Bösen

Die Rätsel im dritten Kapitel sind ein Fest und sprudeln vor originellen Ideen. Die Reminiszenzen an die früheren Spiele sind deutlich spürbar, aber immer mit so viel eigener Kreativität gewürzt, dass von abkupfern hier keine Rede sein kann. Vielmehr schafft man es, Fans der alten Monkey Islands mit neuen Rätseln im alten Stil zu beliefern. Sogar das legendäre Beleidigungsfechten bekommt einen würdigen Nachfolger, der zwar von geringer Komplexität, dafür aber von hohem Unterhaltungswert ist: das „Pirate Face-Off“, bei dem sich die Freibeuter möglichst furchteinflößende Grimassen zuwerfen müssen.
Leider traut sich Telltale auch in der Mitte der Staffel noch keine ernstlich kniffligen Rätsel zu. Inventargegenstände müssen kaum miteinander kombiniert werden und die meisten Lösungen sind aufgrund des begrenzten Inventars und kleiner Locations relativ schnell gefunden. Witzig sind sie, genau wie die zahlreichen Dialoge, aber allemal. Letztere leben in dieser Episode von den besonders überzeugenden Charakteren, die weit mehr sind als fades Pirateneinerlei. Coronado entpuppt sich als außergewöhnlich ineffizienter, wenn auch erfindungsreicher Abenteurer, die Mitglieder seiner ehemaligen Mannschaft sind individuell markant und last but not least feiert der diabolische Schädel Murray hier sein gelungenes Comeback.

Bergfest

Was schrägen Humor, pointenreiche Dialoge und originelle Rätsel angeht, ist Lair of the Leviathan die bisher beste Episode. Leider ist es auch die mit der bisher kleinsten Spielwelt: Außer dem recht begrenzten Seekuh-Innerem, der Screaming Narwhal und einer kleinen Szene fürs Finale gibt es praktisch keine bespielbaren Areale, eine neue Insel kommt nicht ins Spiel. Immerhin leidet die Spielzeit darunter kaum: Auch für Kapitel 3 darf man durchaus drei vergnüglichen Stunden einplanen.
Nichts getan hat sich an der mittelmäßigen, wenn auch höchst dynamisch inszenierten Optik und der verschwurbelten Maussteuerung. Wem es bei Monkey Island aber mehr um irrwitzige Charaktere, abgedrehten Humor und findige Puzzles geht – mitsamt Dialogrätseln und Duell-Szenen – der wird sich darüber freuen, dass Tales of Monkey Island in diesen Punkten eher zulegt als abbaut. Und dann ist die Staffel auch ohne die zwei noch ausstehenden Episoden schon längst ihr Geld wert.
Episode 3: Lair of the Leviathan

Preis/Leistung Einzelpreis: 8.5/10


Preis/Leistung Paketpreis: 9.5/10



Episode 4: The Trial and Execution of Guybrush Threepwood



Seine Rückkehr nach Flotsam Island hatte sich Guybrush Threepwood anders vorgestellt. Statt heldenhaft die Piraten von LeChucks Voodoofluch zu befreien, wird er von Morgan LeFlay an den wahnsinnigen Marquis de Singe ausgeliefert. Doch auch der muss bald auf Guybrush verzichten, denn höhere Mächte wollen ihn vor dem Piratengericht sehen. Vier Vergehen hat sich der Titelheld angeblich schuldig gemacht, und auf jedes davon steht die Todesstrafe.

In dubio contra reo

Im ersten Teil dieser Episode ist man folglich damit beschäftigt, in vier Fällen die Unschuld seines Alter Egos zu beweisen. Doch wie beweist man, dass man weder Nachosauce während einer Prügelei in der Bar verschüttet noch das „perfectly fine X“ von Killick Hardtack ruiniert hat, wenn alle Zeugen sich einig sind, dass der Angeklagte hängen muss?
Wie sich herausstellt ist das gar nicht so kompliziert, denn trotz origineller Ideen und kreativer Aufgaben ist die erste Spielhälfte sehr einfach gehalten, Frustration dürfte hier nicht aufkommen. Erst in der zweiten Hälftte, über die hier noch nicht viel verraten werden soll, kommen wieder deutlich kniffligere Hürden an die Reihe.

Die Piratenseuche greift immer mehr um sich.

Previously Used Assets

Apropos Rückkehr zu Flotsam Island: Anders als in den Folgen 1-3 ist es hier tatsächlich so, dass zum ersten Mal in größerem Maße bereits besuchtes Terrain wiederverwendet wird. In diesem Fall lässt sich das Location-Recycling aber problemlos verschmerzen: Flotsam Island ist jetzt stimmungsvoll in nächtliche Dunkelheit gehüllt, der Vollmond steht am Himmel und Örtlichkeiten wie Gerichtssaal oder Bar sind zum ersten Mal begehbar. Anderen Stellen wie das Labor von de Singe, das im Staffelauftakt ein besonders gelungenes Rätsel beherbergte, lassen sich aus einer neuen Perspektive erkunden.
Etwas ärgerlicher ist, dass man kaum auf neue Gesichter trifft. Zwar laufen viele Gestalten herum, die meisten davon kennt man aber bereits aus den Vorgänger-Episoden. Entschädigt wird man durch ein Comeback der besonderen Art: Stan ist wieder da! Auf den ersten Anblick mag die 3D-Inkarnation des Verkaufsprofis etwas ungewöhnlich aussehen, schnell hat man sich jedoch an den neuen Stan gewöhnt. Nicht nur die wild gestikulierenden Arme stimmen zu 100%, sogar die Jacke mit ihrem unveränderlichen Muster hat Telltale in die 3D-Welt geholt.

Die zweitlängste Episode, die ich je gesehen habe

Insgesamt ist die Episode die bisher längste, je nach Spielweise kann man weitaus länger als 4 Stunden damit verbringen. Da ist es auch nicht so schlimm, dass sie am Anfang humor-technisch etwas braucht, um in Fahrt zu kommen und insgesamt spielerisch weniger dicht ist als Lair of the Leviathan. Es warten gewohnt vielseitige Rätsel, klassische Gameplay-Kost und trotz Recycling viele witzige Situationen, besonders dank Guybrush und Stan, in alten und neuen Schauplätzen. Aus der mittelmäßigen Grafikengine kitzelt Telltale im atmosphärisch beleuchteten Nachtsetting und, wie bisher, dank gelungener Charakteranimationen, relativ viel heraus. Das Finale kann kommen!
Episode 4: The Trial and Execution of Guybrush Threepwood

Preis/Leistung Einzelpreis: 8/10


Preis/Leistung Paketpreis: 9/10



Episode 5: Rise of the Pirate God



Dramatische Szenen spielten sich ab am Ende von Episode 4, es kam zum Duell Guybrush gegen LeChuck und letztendlich musste der legendäre Möchtegernpirat mit seinem Leben bezahlen. So kommt es, dass er zu Beginn des Staffelfinales im Jenseits aufwacht, wo er in Geistergestalt aus einem Grab bricht. Neben einem Grogautomaten (mit Grog XD!) findet er sogleich den Fährmann, der für zwei Goldstücke eine Überfahrt anbietet - ganz so, wie man es von der Unterwelt erwartet. Doch die Hoffnung bleibt, dass Guybrush ins Reich der Lebenden zurückkehren kann, denn in seiner Tasche findet sich noch ein Fetzen Leben, den er beim Hopsgehen offenbar nicht loslassen mochte.

Durch die Tore der Hölle

Der düstere Hades ist über weite Strecken der Schauplatz von Episode 5, doch auch Teile der bereits bekannten Welt tauchen wieder auf, wenn Guybrush durch Risse im Kontinuum schlüpft. Dort kann er zwar mit Charakteren reden, doch eine physische Interaktion mit der Umgebung ist ihm als Geistergestalt unmöglich. Das ändert sich im späteren Verlauf, wenn Guybrush auch in anderer Gestalt die Welt der Lebenden erreichen kann. Hier ergeben sich originelle Rätsel, die mit den unterschiedlichen Interaktionsmöglichkeiten der diversen Inkarnationen spielen.
Überhaupt darf man sich wieder über viele wirklich originelle Ideen freuen. Da gibt es den Dieb, der sich so gerne Sachen klauen lässt, dass er freiwillig das Regal hinter sich untersucht und eine neue Variante des Beleidigungsschwertkampfes, bei der zwei Gegner gleichzeitig besiegt werden müssen. Nur ab und zu ist im Spieldesign etwas der Wurm drin, zum Beispiel dann, wenn ein Voodoo-Rezept ganz ohne Dreh einfach aus dem Zusammensuchen der Zutaten besteht. Zum Finale gibt es ein klassisches Duell gegen den fiesen LeChuck, das noch mal an vergangene Zeiten erinnert.
Der Schauplatz ist optisch weitgehend gelungen. Die düstere Beleuchtung kaschiert die bekannten Schwächen von Texturen und Geometrie ganz gut, schummrige Nebeleffekte sorgen für eine atmosphärische Umgebung. Leider wirkt die Unterwelt etwas konstruiert: Die meisten Locations sind winzige Inseln, die nur das Nötigste enthalten und mit einem Boot angesteuert werden. In späteren Rätseln muss man so oft die Inseln wechseln, dass zum ersten Mal in der Reihe auch die Laufwege zum Ärgernis werden können.

Guybrush ist tot, lang lebe Guybrush!

Guybrush ist tot, lang lebe Guybrush!

Alles in allem ist der Abschluss von Tales of Monkey Island keine Enttäuschung, denn spaßige Rätsel, witzige Dialoge und ein frustfreier Schwierigkeitsgrad sorgen wieder für jede Menge Spielvergnügen zum ausgesprochen fairen Preis. An die Vorgängerepisode kommt Rise of the Pirate God allerdings nicht mehr heran, kleinere Schwächen im Spieldesign und die abermals geringe Zahl neuer Charaktere stehen dem im Weg.
Das soll aber nicht davon ablenken, dass Telltale mit Tales of Monkey Island einen hochgradig originellen Fünfakter abgeliefert hat, der zwar verklärten Erinnerungen an den Pixel-Guybrush unter Umständen nicht gerecht werden kann, als Titel der heutigen Zeit betrachtet aber ganz vorne im Feld der Comicadventures mitspielt. Das Rätseldesign ist klasse, die Dialoge spritzig und die Charaktere gewohnt skurril. Die größten Schwächen sind die eingeschränkten Fähigkeiten von Telltales Grafikengine und die zwei suboptimal gelösten Steuerungsmethoden, doch wird erstere durch die hervorragenden Charakteranimationen ausgeglichen und die zweite ist eine Sache der Gewöhnung. Außerdem geht es am Ende um den Spielspaß, und der ist nicht nur groß, sondern hält auch länger an als bei den meisten anderen Vollpreis-Adventures. Kauftipp!
Episode 5: Rise of the Pirate God

Preis/Leistung Einzelpreis: 7.5/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8.5/10

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