Der Fall John Yesterday
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Simon The Sorcerer

Simon ist unter Adventurefans mittlerweile so bekannt wie Guybrush & Co. Doch was hat diesem Zauberer mit dem total bescheuerten Hut zu so einem erfolgreichen Adventurehelden gemacht? Ist es sein Charme, seine Zauberkunst? Wohl kaum, eher sein Zynismus und Kommentare wie „Simon zu spielen ist eine blöde Rolle. Außerdem ist er immer noch Jungfr…“. Simon ist mittlerweile zu einem wahren Phänomen geworden und wir möchten euch einen Rückblick auf die alten Simon-Spiele zeigen und euch eine kleine Vorschau auf Simons neuestes Abenteuer präsenteren. Viel Spaß!

Simon The Sorcerer I

Simon begann sein Leben als „Adventure-Megastar“ schon im frühesten Kindesalter. Im ersten Teil wird Simon in den Zauberwald teleportiert und landet gleich darauf auf der Speiseliste zweier unangenehmer Waldbewohner. Jedoch kann er fliehen und findet sich im Haus des Zauberers Calypso wieder. Dort gibt es auch einen Brief, der Simons Aufgabe in diesem Spiel erklärt: Nachdem Simon durch ein strenges Auswahlverfahren unter Hunderten von Bewerbern auserkoren wurde, ist es nun seine Aufgabe, Calypso den Zauberer aus den Händen von Sordid zu befreien. Klingt an sich nicht schwierig, aber dann wäre Simon the Sorcerer wohl zu leicht gewesen und auf seinem Weg durch den Wald begegnen ihm Holzwürmer, die für ihre Rechte kämpfen und im Dorf liegen Zauberer besoffen in der Kneipe.
Simon I greift schon von Anfang des Spiels an auf verschieden Märchen, Sagen und Fantasiegeschichten zurück und zieht diese ordentlich durch den Kakao. Wenn das liebe Rehlein und der böse Wolf über ihren Vertrag streiten, welcher dem Reh ein freies Passieren der Brücke garantiert und der Wolf dies nicht mehr akzeptieren will, bleibt kein Auge trocken. In Simon the Sorcerer taucht so ziemlich jedes Klischee auf, auch das Gold eines Drachen zu stehlen ist mit dabei, jedoch will ich nicht alles aufzählen, denn jeder soll es selbst erleben! Auch Simon selbst steckt voller Witze, Andeutungen, Zweideutigkeiten und spricht den Spieler selbst an, wenn es ihm gerade recht ist. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und ist sich für nichts zu schade.
Nachdem sich Simon the Sorcerer gut verkaufte, folgte einige Zeit später auch die CD-ROM-Version mit kompletter deutscher Sprachausgabe, welche das Spiel noch mehr belebte, als es ohnehin schon der Fall war. Für die damalige Zeit war Sprachausgabe noch keine Selbstverständlichkeit und in dieser Qualität schon gar nicht. Doch ist alles Gold, was an Simon glänzt? Leider nicht, zumindest nicht im ersten Teil, denn Simon The Sorcerer I leidet an den typischen Adventure-Kinderkrankheiten der damaligen Zeit: Lange, sinnlose, komplizierte Fußmärsche, zu viele Gegenstände und Interaktionsmöglichkeiten, die zu keinem Ergebnis führen, und unlogische Rätsel, die jeglicher Logik trotzen. Trotzdem ist dieses Spiel schon ein kleines Meisterwerk und jeder Adventurespieler mit genügend DOS-Erfahrung (ja, das Ding vor Windows 95!) sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen, zumal es schon für Summen unter 10-15 DM verschleudert wird!

Simon The Sorcerer II

Da Simon The Sorcerer I recht erfolgreich war, geschah, was damals bei Adventures die Regel war: Ein Nachfolger wurde angekündigt! Und dieser Nachfolger hat es wirklich in sich: Simon ist mittlerweile älter und reifer (oder so was Ähnliches!) geworden und hat seine damaligen Erlebnisse mithilfe eines Psychiaters überwunden und als Hirngespinste abgetan.
Doch natürlich waren seine Erlebnisse echt und seine Vergangenheit holt ihn (zum Glück!) wieder ein: Sordid ist wieder auferstanden und will sich an Simon rächen (blabla…) und schickt ein teuflisches Gerät in Simons Zimmer in der realen Welt: Einen Schrank! Doch nicht irgendeinen Schrank – ein interdimensionaler Transporter, als Schrank getarnt (Sordid: „Die Idee habe ich aus einem Kinderbuch!“). Natürlich betritt Simon auch den Schrank und schwups … doch Sordids Plan ist nicht ganz aufgegangen: Anstatt in der heißen Lava zu brutzeln, befindet sich Simon bei seinem alten Freund Calypso und beide haben keine Ahnung, dass Sordid wieder auferstanden ist.
Da Simon echt keine Lust hat, weiter in dieser Welt zu bleiben, muss er eine Dose BedFull finden (Simon: „Meinst du nicht Redb…“ – Calypso: „Nein, nur BedFull verleiht selbst Schränken Flügel!“). Natürlich erweist es sich als schwieriger als gedacht, und bevor Simon das BedFull in seinen Händen hält, wird er noch Hofzauberer, verkleidet sich als Sumpfling, steckt eine Erbse unter 100 Bettmatratzen und klaut kleinen Kindern ihre Lutscher. Auch altbekannte Charaktere wie der Sumpfling, die Holzwürmer oder die Dämonen erhalten ihr verdientes Comeback und sorgen für Heiterkeit auf dem Bildschirm. Was dem geübten Simon-Spieler sofort auffällt, ist der veränderte Humor. Es gibt keine Zweifel: Simon ist immer noch Simon – aber irgendwas ist anders! Der Simon-Sprecher? Nein! Was dann? Nun, wie gesagt ist Simon älter geworden und so hat sich auch sein Humor geändert. Er ist noch immer rotzfrech und beklagt sich beim Spieler über seine blöde Rolle, aber die Anspielungen und Witze richten sich nunmehr an die jugendlichen und erwachsenen Spieler. Da sieht eine Schweinsblase schon einmal wie ein Kondom aus und Simon muss dies auch noch unbedingt erwähnen …
Zusammengefasst kann man sagen, dass Simon aus alten Fehlern gelernt hat: Übersichtskarten ersparen den Fußmarsch, es gibt weniger Gegenstände und „Hitpoints“ sowie durchgehend logische Rätsel. Dank dieser Verbesserungen hat sich der zweite Teil auch sehr viel besser verkauft als der erste und er ist unter Adventurespielern bekannter und beliebter. Doch nach etlichen Stunden voller Rätsel, Humor und eindeutigen Zweideutigkeiten passiert etwas, was die gesamte Adventurewelt geschockt hat: Sordid hat gewonnen, sich Simons Körper bemächtigt und kehrt damit zur realen Welt zurück, um die ganze Welt zu erobern! Zuletzt erscheint noch „Fortsetzung folgt …“ und damit werden alle Simon-Fans für fünf harte Jahre alleine gelassen.

Simon The Sorcerer 3D

Nun, nach über fünf Jahren befindet sich der dritte Teil kurz vor der Fertigstellung und alle sind auf Simons Rückkehr mehr als gespannt. Was gleich zu beginn auffällt, ist, dass der Nachfolger nicht Simon III, sondern 3D ist. Auch Adventuresoft musste sich der Zeit der 3D-Beschleuniger unterordnen und Simon in die dritte Dimension verfrachten. Dabei war dies kein freiwilliger Schritt, denn zuerst wurde Simon III als reinrassiges 2D-Adventure entwickelt. So werkelte Adventuresoft fleißig vor sich hin, bis sie schon ca. 60% des Spiels vollendet hatten. Doch kein Publisher fand sich, um das Spiel zu veröffentlichen, also entschloss sich Adventuresoft schweren Herzens dazu, Simon als 3D-Spiel zu entwickeln. Wenn Simon als 2D-Spiel vollendet worden wäre, wäre es schon seit ein bis zwei Jahren auf dem Markt.
Viele Adventurefans bedauerten diesen Schritt sehr und massenhafte E-Mails erreichten Adventuresoft mit der Bitte, doch ein 2D-Spiel zu entwickeln. Doch für Adventuresoft hieß es entweder Simon 3D oder gar kein Simon und so half alles Bitten und Flehen nichts – Simon III in 2D ist tot! Das einzige, was von diesem Spiel übriggeblieben ist, sind diese Screenshots:

Doch alle treuen Simon-Fans können noch mal aufatmen: Die Angst, Simon könnte sich zu einer männlichen Lara-Croft-Variante verwandeln, ist unbegründet! Simon wird weiterhin der charismatische (und von Sport gar nicht begeisterte!) Teenager bleiben wie ihn alle zu lieben gelernt haben. Es sind zwar auch Screenshots aufgetaucht, die Actionsequenzen zeigen, doch es handelt sich bei ihnen um vorgegebene Ereignisse, bei denen der Spieler nicht eingreifen kann. Laut Simon Woodroffe, dem Schöpfer von Simon, wird es höchstens eine Sequenz geben, in der der Spieler wegrennen muss. Und selbst dies soll auch der ungeübteste Spieler meistern können. Wer diese Actionsequenzen nicht meistert, der segnet das Zeitliche und Simon ist tot! Er steht dann bei sogenannten „Live-Pads“ wieder auf und man kann weiterspielen. Wieso Adventuresoft diesen Schritt geht, ist unbekannt, vielen Spielern wird das sicher nicht gefallen.
Obwohl viele Adventurefans weltweit immer noch einen 2D-Nachfolger vorziehen würden, sollen sie Folgendes bedenken: Durch den Schritt in die dritte Dimension ist auch der Schritt in die dritte Dimension für die Rätsel gemacht. Es gibt nun auch Rätsel, die in 2D nicht möglich wären und ein räumliches Verständnis verlangen. Es besteht auch die Möglichkeit, mit Simons Augen durch die 3D-Welt zu wandern und die liebevoll gestalteten Orte zu bestaunen. Es gibt also nicht nur einen einzigen Blickwinkel wie bei 2D-Adventures. Gabriel Knight 3 hat schon eindrucksvoll gezeigt, dass Adventures und 3D keine Feinde sind, sondern sich gegenseitig viel zu bieten haben. Auch die Grafikauflösung kann auf stärkeren Rechnern höher gesetzt werden als es in 2D je möglich und sinnvoll wäre. Außerdem werden durch die dritte Dimension vielleicht noch zusätzliche Adventurefans gewonnen, die 2D bis jetzt abgeschreckt hat und damit könnte das Adventuregenre neu belebt werden.
Zur Geschichte von Simon 3D selbst ist noch nicht viel bekannt, Adventuresoft versteht es, Informationen gut zurückzuhalten und so wenig wie möglich vom Spiel selbst preiszugeben. Was auf den ersten Blick enttäuschend für alle Fans ist, wird später aber ein umso größerer Vorteil sein: Man weiß nichts von der Geschichte und kann völlig in sie eingehen, ohne bereits zu wissen, was passieren wird.
Sicher ist nur, dass Simon am Anfang tot ist und wiederbelebt wird. Mithilfe seiner Begleiterin, einer guten Fee, macht sich Simons Geist auf die Suche nach seinem wahren Körper. Als kleine Gegenleistung muss Simon seinen Erzrivalen Sordid, der gerade das gesamte Universum erobert, in seine Schranken weisen. Was danach passiert, weiß alleine Adventuresoft.
Zum Technischen: Simon wird mit aktuellen Grafikbeschleunigern funktionieren und ein einigermaßen aktueller PC sollte schon mit von der Partie sein. Es muss kein Athlon 950 sein, aber mit einem Pentium 133 oder gar einem betagten 486er wird der dritte Teil nicht starten oder über 3-4 Bilder pro Sekunde kommen und mehr Frust als Lust verbreiten. Für optimalen Spielspaß sorgt alles ab einem Pentium II ab 266 Megahertz mit einer passablen 3D-Karte der Voodoo-2/3- oder TNT-Güte.

Kommentar

„Simon 3D hat das Zeug, sich zu einem wirklichen Knaller zu entwickeln und den Schulterschluss zwischen Adventures und 3D endgültig zu besiegeln. Schon Gabriel Knight 3 hat gezeigt, dass 3D-Adventures immer noch den alten Charme haben, und wenn Simon noch diese Welt betritt, kann nicht mehr viel schiefgehen! Dass Simon aber sterben kann, halte ich persönlich für einen schlechten Witz, trotzdem halten wir die Daumen für Simons Comeback gedrückt und hoffen das Beste!“ (zeebee)

Links

Offizielle Simon 3D Homepage (englisch):
Generelle Informationen zum Spiel. Leider wurde das Diskussionsboard, auf dem sich oft die Entwickler blicken ließen, geschlossen.
Simonology:
Eine Fanpage rund um Simon the Sorcerer mit aktuellen Informationen und Downloads

Sebastian 'zeebee' Walczyk


 

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