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Lost Chronicles of Zerzura
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Episode 1: Homestar Ruiner



Wieso eigene Charaktere erfinden, wenn andere Leute längst interessante Figuren erschaffen haben, die auch noch eine eigene Fanbasis mitbringen? Das denkt sich offenbar das Team von Telltale Games, das nach Jeff Smiths Bone-Comics, Steve Purcells Sam & Max und den Fernsehnasen von CSI jetzt den Flashcartoon-Methusalem Homestar Runner versoftet. Wie schon bei Sam & Max erscheinen die Spiele als Episoden im Monatsrhythmus, diesmal allerdings nicht nur für PC, sondern auch, zumindest in Nordamerika, für Nintendos WiiWare-Kanal. Auf dieser Seite wollen wir jeweils unsere Einschätzung der jüngsten Episode nachtragen.

Die Hauptakteure Strong Bad und Homestar Runner.
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Der olympische Gedanke

Anders als bei den Comics unter homestarrunner.com ist in Telltales Version nicht der armlose Gutmensch Homestar Runner, sondern der grantige Strong Bad Titelheld. Kenner der Flashcartoons dürfte er besonders für das unwirsche Beantworten zahlreicher E-Mails im Gedächtnis sein. Er wohnt zusammen mit seinem Bruder Strong Sad, der stets recht betrübt daherredet, und dem Pikachu-artigen Haustierding The Cheat.
In „Episode 1: Homestar Ruiner“ erfährt Strong Bad davon, dass Homestar Runner das Tri-annual Race to the End of the Race gewinnen will, ein dreimal pro Jahr stattfindender Wettbewerb, in dem Hürden, ein Pogostab und ein Baumstamm eine Rolle spielen. Dass Homestar Runner den Wettbewerb, zu dem nur zwei Teilnehmer zugelassen sind, für sich entscheidet, möchte Strong Bad aber nicht riskieren. Also will er mit einer List das Rennen gewinnen.
Wenig überraschend gelingt ihm - genauer gesagt: dem Spieler - dieses Kunststück. Homestar Runner hat in diesem Zusammenhang, kryptisch ausgedrückt, mit recht peinlichen Enthüllungen zu kämpfen. Plötzlich mag ihn niemand mehr, nicht mal mehr seine Freundin Marzipan will etwas von ihm wissen. Eigentlich kein Problem für Strong Bad, doch dass sich der Verstoßene dann bei ihm zu Hause einquartiert, das geht zu weit. Im zweiten Teil des Spiels muss Strong Bad deswegen Homestars Ruf wiederherstellen, damit dieser sein geliebtes Heim verlässt.

Info

Peasant Quest

Wer Homestar Runner bisher nicht kennt, sich aber in Adventureforen bewegt, hat vielleicht doch schon etwas von den Brüdern Chapman gespielt. Peasant Quest wurde eine Zeit lang als beliebter Link weitergegeben. Dabei handelt es sich um ein Flash-Adventure, das sich an die alten AGI-Abenteuer von Sierra, insbesondere an King's Quest, anlehnt. Zwar ist der Titel keine ernst zu nehmende Konkurrenz für große Fanadventures à la King's Quest II VGA, für den kurzen Spaß zwischendrin ist die Anarchovariante aber einen Blick wert.
 

Humor für Nerds

Der Humor kommt etwas brachialer daher als in Sam & Max. Wo Hund und Hase ihren pfiffigen Kommentaren noch mit raffinierter Sprache Subtilität einhauchten, haben die Figuren rund um Strong Bad ihr Wörterbuch kräftig durch den Rasenmäher gezogen. Heraus kommt eine bizarre Besetzung, die dem Spieler in eine verrückte Comicwelt hineinzieht.
Die lebt besonders von Anspielungen auf die Computerspielewelt der 80er und andere Popkultur-Elemente vergangener Jahrzehnte. Wer damals beispielsweise einen Atari 2600 sein Eigen nennen durfte, wird in bestimmten Sequenzen den Eindruck haben, das primitive Gedudel und die fiese Blockgrafik von anno dazumal wiederzuerkennen.
Ob der spezielle Humor einem zusagt, sollte man vor dem Kauf unbedingt im Webcomic austesten. Handwerklich ist Homestar Ruiner jedenfalls wieder sehr gut gelungen: quicklebendige Zwischenquenzen sorgen für Tempo und die Texte sind voller Kurzweil. Federführend mitgeschrieben hat immerhin auch der ehemalige LucasArts-Mann Mike Stemmle (Monkey Island 4, Sam & Max Hit the Road).


Achievements und Ränge in einem Adventure? Telltale zeigt, wie's geht.
(Mehr Bilder in der Galerie.)

Das Jedermann-Adventure

Das Spiel richtet sich nicht nur an ein Adventurefan-Kernpublikum, sondern auch an den großen Markt der Gelegenheitsspieler. Gerade durch die Veröffentlichung über WiiWare erhofft man sich, manch einen Casual Gamer zu erwischen, der sonst nicht viel von der Adventurewelt mitbekommt. Dem Anspruch muss natürlich auch das Gameplay genügen, und so gibt es einige Besonderheiten.
Zum einen wäre da der Schwierigkeitsgrad. Die Rätsel in Homestar Runner sind zwar nicht trivial, aber doch auf einfachem Niveau. Niemand soll durch sie ernsthaft aufgehalten werden. Dafür sorgt auch die standardmäßig auf “mittel” eingestellte Spielhilfe, die dem Spieler einen Tipp gibt, wenn er eine gewisse Zeit keine Aufgabe mehr gelöst hat. Trotzdem sind die Rätsel originell, echte Knobelei darf man aber nicht erwarten.
Eine andere Besonderheit sind die vielen optionalen Goodies. Homestar Ruiner führt den Spieler nicht durch einen engen Schlauch mit einer festgelegten Menge an Interaktionen, sondern bietet überall Seitenbeschäftigungen an. Je mehr man davon löst bzw. findet, desto höher steigt der Spieler im Rang. Nach dem ersten Durchspielen werden die Wenigsten alles gefunden haben.
So darf sich Strong Bad zum Beispiel mit einem Metalldetektor auf Schatzsuche begeben. Damit findet er Kleidungsstücke, mit denen er sich ablichten lassen kann, oder Seiten aus dem Handbuch von „Snake Boxer 5“. Letzteres ist ein Minispiel, das Strong Bad auf seiner Atari-2600-artigen Spielkonsole daddeln darf. Erforderlich ist das für den Spielfortschritt nicht. Auch die Anrufstreiche, der herrliche Teen Girl Squad (ein betont schlecht gezeichneter Comic, bei dem man umso mehr Punkte bekommt, je mehr Gören sterben), oder herumliegende Kisten kann man getrost ignorieren, auch wenn einem dann einiges entgeht. Wer sich ein wenig mit solchen Nebensächlichkeiten beschäftigt, kommt locker auf eine Spielzeit von 3 Stunden.

Info

Wii vs. PC

Strong Bad's Cool Game for Attractive People erscheint zeitgleich für PC und WiiWare. Beide Versionen sind fast identisch, im Detail gibt es dann aber doch Unterschiede.

So besitzt die Wii-Variante exklusive Onlinefunktionen, die zwar aus Homestar Ruiner kein besseres Spiel machen, aber doch eine nette Dreingabe darstellen. Im Spiel darf man nämlich Strong Bad's Laptop dazu benutzen, um E-Mails und Fotos an Freunde zu schicken. Die Fotos kann man jederzeit durch das Benutzen der Kamera im Inventar schießen. Und da liegt dann auch der Vorteil der PC-Version. Hier lässt sich zwar nichts an andere Spieler schicken, die Kamera kann aber mangels Größenlimits beliebig viele Fotos festhalten. Auf der Konsole ist nach vier Schnappschüssen Schluss.

Das Minispiel „Snake Boxer 5“, das auf dem PC mit der Tastatur kontrolliert wird, steuert sich per Wiimote etwas anders. Diese ist quer zu halten, damit man sie wie ein Gamepad benutzen kann. Alle anderen Unterschiede zwischen den beiden Versionen sind marginal.
 

Das 40-MB-Adventure

Wer einen Blick auf die Screenshots geworfen hat, wird es schon gemerkt haben: Visuell ist Strong Bad's Cool Game for Attractive People durchaus gewöhnungsbedürftig. Einerseits gelingt es dank Comicshader ziemlich gut, Look & Feel der 2D-Vorlage einzufangen, andererseits ist man von moderner 3D-Grafik, auch in Adventures, einiges mehr gewöhnt als simple Formen, texturlose Figuren und eintönige Ausleuchtung.
Natürlich kam Telltale der simple Stil auch aus technicher Sicht gelegen. Für die Veröffentlichung via WiiWare muss ein Spiel auf magere 40 MB passen, was noch bei Sam & Max undenkbar war. In der PC-Welt wirken das spartanische Hauptmenü und andere Vereinfachungen unschön. Dafür sind die Ladezeiten auch fast nicht vorhanden.
Hinterlegt sind die Szenen mit eher einfach gestrickten, aber passenden Melodien, die teilweise mit PC-Speaker-Fiepsen aus der Computerspiele-Urzeit angereichert sind. Die leicht debile Sprachausgabe passt hervorragend zu den Charakteren. Erstaunlich dabei: Wie im Webcomic wird fast jede Stimme von Matt Chapman beigesteuert, einem der beiden Brüder, die die Serie entwickelt haben. Hin und wieder merkt man zwar, dass hier derselbe Sprecher am Werk ist, Chapman demonstriert aber eine beeindruckende Vielfalt.

Die Dialoge sind kinderleicht zu bedienen.

Hencetoforthwith...

Homestar Ruiner gießt die Webcomicwelt der Chapman-Brüder perfekt in Casual-Adventure-Form. Das war aufgrund der intensiven Beteiligung der Erfinder auch zu erwarten. Will man die Episode jedoch als (PC-)Adventure bewerten, muss man auch Schwachstellen feststellen. Bedenkt man, dass eine Sam-&-Max-Episode dasselbe gekostet hat, bietet eine solche doch etwas mehr für's Geld: mehr Dialoge, mehr Hotspots, mehr Interaktionen. Gut möglich ist auch, dass Strong Bad's Humor etwas spezieller ist, man sollte ihn vor dem Kauf also definitiv Probekonsumieren.
Trotzdem: Dafür, dass das Spiel auf gerade einmal 40 MB passt, beinhaltet es erstaunlich viel Spielspaß. Alles, was keinen Platz braucht, also die Texte, die Inszenierung oder das Spieldesign, sind in gewohnter Qualität. Auch passen alle Elemente gut zusammen, sodass sie sich zu einem kohärenten Gesamtbild fügen. Insofern kann man von einem gelungenen Debüt sprechen.
Episode 1: Homestar Ruiner

Preis/Leistung Einzelpreis: 7/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8.5/10



Episode 2: Strong Badia the Free



Ärger im Hause Bad. Der King of Town erlässt überraschend eine Steuer auf alle eingehenden und ausgehenden E-Mails, die zu allem Überfluss rückwirkend gilt. Strong Bad ist den anfallenden Zahlungen, die jetzt für sein liebstes Hobby fällig sind, natürlich nicht nachgekommen, weswegen ihn die erbarmungslose Exekutive zum Hausarrest verdonnert.
Erst einmal aus seinen eigenen vier Wänden entkommen, hat Strong Bad die Nase voll. Er entschließt sich, seine eigene Nation zu gründen, mit der er dem King of Town, den er nur noch The Of Town nennt, den Krieg zu erklären. Die anderen Bewohner des Landes schließen sich dem Vorhaben jedoch nicht an. Anstatt unter der Flagge von Strong Badia das Schloss des Tyrannen zu erobern, gründet jeder sein eigenes Land. Pompom befehligt Pompomerania, die Backsteinmauer ist jetzt die Union of Soviet Socialist Repubricks und das Auto teilt sich in Front Seatzerland und Hatchbackistan.

„No way, Pinochet!“

Spielerisch geht es jetzt darum, auf der Landkarte, die Strong Bad einem Risiko-artigem Spielbrett entnimmt, strategisch wichtige Nationen wie Pompomerania und Country zu erobern, um sich den Weg zum Of Town zu bahnen. Die jeweiligen Herrscher müssen folglich durch das Lösen von Rätseln überzeugt werden, gemeinsame Sache mit Strong Badia zu machen. Die meisten Aufgaben sind dabei wieder sehr einfach - in Episode 1 ging es schließlich auch weniger um die Rätsel selbst als um das entdecken der Spielwelt, der schrägen Charaktere und der vielen optionalen Extras.
Letztere gibt es auch in Episode 2 wieder zuhauf. Wieder darf man mit dem Metalldetektor nach vergrabenen Schätzen suchen oder Kleidungsstücke sammeln. An einer Höhlenwand wartet eine Steinzeitversion des Teenage Girl Squads und mit einem Feuerzeug darf man insgesamt 13 Objekte anzünden. Besonders schräg ist das neue Videospiel auf Strong Bads Spielkonsole: In „Math Kickers“ kämpfen die AlgeBros gegen fiese Formeln - als Endgegner wartet dann auch mal ein kniffliges Polynom. Leider ist die Tastenbelegung („Z“ und „X“) auf amerikanische Tastaturen optimiert.

Mit vereinten Kräften gegen The Of Town.

Kämpfen bis zum Schluss

Die Schreibe der Autoren ist mindestens so originell wie im Serienauftakt, die vielen interessanten Ländernamen bergen jedenfalls noch ein paar Möglichkeit mehr, die englische Sprache durch den Fleischwolf zu drehen. Witzig finden werden den Teil wieder dieselben, die auch über die Webcomics oder den Vorgänger gelacht haben. Die Qualität bleibt praktisch in jeder Hinsicht auf demselben Level, einen Grund, nur Strong Badia the Free zu kaufen, gibt es also nicht. Bis zum Abspann ist man gut drei Stunden beschäftigt - den höchsten Rang haben bis dahin aber vermutlich die Wenigsten erreicht.
Episode 2: Strong Badia the Free

Preis/Leistung Einzelpreis: 7/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8.5/10



Episode 3: Baddest of the Bands



Schlimmes ist geschehen im Hause Strong: Die Fun Machine ist defekt! Da dieser Zustand schnellstmöglich beendet werden muss, begibt sich Strong Bad zu Bubs, der Einzige weit und breit, der die geliebte Spielkonsole reparieren kann. Bubs will aber unverschämterweise Geld dafür haben, einen ganzen Sack voll. Wo soll der nur herkommen?

Rocken für die Fun Machine

Ganz einfach: Ein Battle Royale of the Bands. Das Ziel ist es, einen Band-Wettbewerb zu organisieren und mit dem Preisgeld die Reparatur zu finanzieren. Dazu braucht Strong Bad lediglich Security, eine Jury aus Promis und Konkurrenz. So muss er also die AC/DC-Hommage Limozeen als Gutachter gewinnen und Freund und Feind dazu bewegen, gegen ihn ins Rennen zu gehen und das Startgeld zu bezahlen. Wie bekommt er nur Marzipan dazu, sich der Aufgabe zu stellen, obwohl am gleichen Abend ein Benefizkonzert für die vom Aussterben bedrohte litauische vegane Albinofledermaus stattfindet? Und wie bringt er Coach Z und Bubs wieder zusammen? Und viel wichtiger: Wie schafft er es, am Ende den Wettbewerb zu rocken?
Leider hat die Episode nicht so richtig viel Neues zu bieten. Es sind wieder viele altbekannte Locations mit von der Partie – wenn auch mit einigen Varianten und Erweiterungen wie Marzipans Wohnzimmer – und auch das Arsenal der Charaktere wurde nicht wesentlich erweitert. Möglichkeiten dazu würde das Homestar-Runner-Universum jedenfalls genug bieten. Wieder darf man mit dem Metalldetektor auf Bonussuche gehen. Die neue Möglichkeit, per Mikrofon versteckte Kisten zu finden, wirkt etwas aufgesetzt.

In Episode 3 tanzt der Bär.
(Mehr Bilder in der Galerie.)

Sex, Drugs and Rock'n'Roll

Das soll aber nicht heißen, dass die Episode deutlich schlechter ist. Das Rätseldesign bietet wieder viele originelle Ideen, die unterhalten, ohne zu frustrieren und die Suche nach optionalen Goodies motiviert auch über den Abspann hinaus zum Weitermachen. Der kantige Strong-Bad-Humor ist intakt und dürfte Fans wieder oft zum Schmunzeln bringen.
Wie sich das für eine Folge mit Musik-Thema gehört, gibt es auch spaßige musikalische Einlagen. Das Thema erinnert aber auch daran, welch akustische Wunder Jared Emerson-Johnson in der Sam-&-Max-Reihe vollbracht hat – da kann Strong Bad leider nicht mithalten.
Insgesamt also eine Episode, die in Ordnung geht und Freunde der Vorgänger wieder unterhalten wird. Wer sich viel Neues erwartet, erwartet aber zu viel.
Episode 3: Baddest of the Bands

Preis/Leistung Einzelpreis: 6.5/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8/10



Episode 4: Dangeresque 3



Fans der Flash-Cartoons kennen sie schon lange (zum Beispiel von hier oder von hier): Die Dangeresque-Filme sind schlecht produzierte Amateurfilme, in denen Strong Bad neben der Regie den Part des übercoolen Superagenten Dangeresque übernimmt, der aus jeder noch so ausweglos scheinenden Situation mit Leichtigkeit herauskommt. Die vierte Episode von Telltales Adaption versetzt den Spieler nun mitten in den lange versprochenen dritten Teil „The Criminal Projective“.

Lach mir in die Augen, Kleines!

Dieses Konzept bringt natürlich einige Besonderheiten mit sich. Jetzt befindet man sich nicht mehr einfach in einer Comicwelt, in der alle Figuren reichlich überzogen reden, jetzt mimen diese in ihrer Überzogenheit auch noch andere Figuren. Da spielt man also ein 3D-Spiel, das so tut, als wäre es ein Flash Cartoon, und steuert Charaktere, die so tun, als wären Charaktere aus stumpfen Action-Filmen, das aber so schlecht, dass man denkt, man befinde sich in einem geschwedeten Film von Jack Black – nur eben in Flash. In 3D. Obwohl man Strong Bad also im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte Anweisungen gibt, frönt dieser seiner miserablen Schauspielerei.
Das Konzept ist sehr speziell, doch ist Episode 4 durch diesen Dreh vielleicht die witzigste aller SBCG4AP-Episoden. In etlichen automatisch ablaufenden Zwischensequenzen wird die krude Story von „The Criminal Projective“ in immer absurdere Sphären gehievt und nicht nur wie üblich die Sprache verunstaltende, sondern auch dermaßen gestelzte Gespräche abgespielt, dass sich einem das Zwerchfell kräuselt. In einem Vollpreisspiel wäre diese Masche auf Dauer wohl nervig, während der knapp dreistündigen Spielzeit hält sie aber bis zum Ende, ohne ranzig zu werden.

Dangeresque mit seinem Partner.

Zwerchfell an, Hirn aus

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Spielerisch hat Dangeresque 3 so wenig zu bieten wie keine andere Episode bisher. Auf ihrem Weg vom klassischen Adventure in die Casual-Ecke hat Telltale wohl das Bremsen vergessen, denn die Komplexität der Rätsel ist praktisch bei null angekommen. Diese Folge darf man nicht mehr als Spiel wahrnehmen, sondern nur noch als interaktiven Film, bei dem man sich zwar prächtig amüsieren kann, wenn einem der rabiate Humor liegt, der aber keine nennenswerte Herausforderung mehr bietet.
Die Zahl der Locations ist exorbitant (fast die gesamte Karte wird zugepflastert), doch sind alle Orte Varianten bereits bekannter Umgebungen. Ein Stück Wiese mit einem Fluss reicht beispielsweise, um „Venedig“, „Kairo“, „Paris“ und andere Großstädte darzustellen. Klar, so werden Amateurfilme eben gemacht, aber für das Staffelfinale haben wir dann doch die Hoffnung, wieder mal eine wirklich neue Umgebung erkunden zu dürfen.
Episode 4: Dangeresque 3

Preis/Leistung Einzelpreis: 6.5/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8/10



Episode 5: 8-Bit Is Enough



Mit der fünften Episode „8-Bit Is Enough“ hat Telltales dritte Adventure-Staffel Strong Bad's Cool Game for Attractive People ihr Finale erreicht. Damit beweisen die Kalifornier wie schon bei „Sam & Max: Reality 2.0“, das in ihren Reihen so mancher Fan der Computerspiele-Steinzeit sitzen dürfte. Umso passender mutet die Kooperation mit den Homestar-Runner-Machern an, die in ihrem Schaffen ebenfalls regelmäßig der 8-Bit-Ära huldigen.

All your base are belong to us

Und so geht es in Episode 5 um den S-förmigen Drachen Trogdor, der Kennern der Flashcartoons hinlänglich bekannt sein dürfte. In Telltales Versoftung entspringt das Ungeheuer seiner Arcademaschine und fängt damit an, das Land zu verwüsten. Schlimmer noch, durch seine Anwesenheit hat er ein Leck zwischen der Wirklichkeit und der Videospielewelt geschaffen, sodass immer mehr virtuelle Figuren die Realität terrorisieren. Während Marzipan sich in einen Donkey-Kong-Verschnitt verwandelt hat und Kisten vom Dach von Bubs Bude wirft, schwebt über dem ohnmächtig am Boden liegenden Coach Z ein „Continue?“-Schriftzug. Angegriffen wird er von Pixel-Skorpionen, die direkt der Atari-2600-Version von Pitfall entstiegen zu sein scheinen.
Um Trogdor aufzuhalten und die Weltordnung wiederherzustellen muss Strong Bad selbst in den Moloch der Videospiele herabsteigen. So verschlägt es ihn in eine 3D-Inkarnation der King's-Quest-esken Blöckchenwelt von Peasant Quest und andere fiktive Uralt-Zocks mit realem Vorbild. Die sind natürlich nicht alle von Anfang an zugänglich, eins ist beispielsweise durch eine allen Adventureveteranen wohlbekannte Codescheibe gesichert.

Strong Bad in ungewohnter Umgebung.
(Mehr Bilder in der Galerie.)

Frustfaktor 0

Spielerisch legt die Episode etwas zu. Ganz so trivial lösbar wie Dangeresque 3 ist das Staffelfinale nicht, ernsthafte Hürden legt es dem Spieler aber auch nicht in dem Weg. Zur Not gibt es auch nach wie vor die Hilfefunktion, die den Protagonisten gelegentlich Tipps geben lassen, wenn man mal ein paar Minuten nicht weiter kommt. Auf seinem Weg assimiliert Strong Bad die Fähigkeiten der Pixelärgernisse, die er beseitigt. Da gesellen sich im Inventar Gestalten wie die Algebros, die Rechenaufgaben bewältigen können, und Boxer Joe aus Snake Boxer, der unliebsamem Gesindel auch mal eins vor den Latz haut.
Im Grunde gilt für 8-Bit Is Enough dasselbe wie für die Vorgänger-Episoden. Wer mit dem gnadenlosen Anarchohumor der Gebrüder Chapman etwas anfangen kann und eine Affinität zum Thema der Episode verspürt, der wird sich vor Lachen kringeln, wer es dagegen konventioneller mag schüttelt verständnislos den Kopf. Handwerklich ist das Cool Game For Attractive People gut gelungen, auch wenn Flashoptik und WiiWare-freundlicher Minimalismus hin und wieder etwas spartanisch daherkommen. Bei ihrer anstehenden Wallace-&-Gromit-Darbietung dürfen die Telltales deswegen ruhig wieder zeigen, dass sie es auch üppiger können.
Episode 5: 8-Bit Is Enough

Preis/Leistung Einzelpreis: 7/10


Preis/Leistung Paketpreis: 8.5/10

Jan 'DasJan' Schneider


 

 
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