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Preisverleihungen sind im Trend. Während wir vom deutschen Spieleentwicklerpreis, der alljährlich in der Essener Lichtburg verliehen wird, schon mehrfach berichtet haben, waren wir bei „LARA – Der Deutsche Games Award“ noch nie vor Ort. Warum das so ist, das sollte uns während der vierten Verleihung der Auszeichnung im Kölner Coloneum bewusst werden, bei der wir erstmals zugegen waren. Im Pressebereich waren Spielemagazine nämlich rar gesät, kein Peschke und keine Schmitz wurden gesichtet. Tatsächlich waren außer uns nur Traditionsmedien aus dem Print- und Radiobereich sowie einige General-Interest-Websites in Köln, um über den glamourösen Rahmen der Veranstaltung zu berichten.
Den Auftakt bildete, anders als bei Events, von denen wir üblicherweise berichten, mit dem Einlauf einer größeren Promi-Menge über den roten Teppich. Das Spektrum erstreckte sich dabei von „nicht mal dem taff-Reporter neben uns ein Begriff“ über „wäre gerne bekannter“ zu „sogar uns bekannt“, und während wir uns besonders über das Eintreffen von Atari-Gründer Nolan Bushnell, den Sohn des Computer-Erfinders Konrad Zuse, Daedalics Krawatten-Ikone Claas Paletta und Internetpionierin Michaela Schaffrath freuten, bezeugte das Gros der Fotografen und Fragesteller ihr primäres Interesse an High-Society-Diven wie Jana Ina Zarrella („ein Traum aus Bunt“), Pocher-Ex Monica Ivancan oder Miss Juli 2006 Annica Hansen.
Doch wir waren ja eigentlich wegen LARA gekommen. Der Preis wird von der G+J Entertainment Media und dem verlagseigenen Branchenmagazin GamesMarkt verliehen und soll die besten Spiele des vergangenen Jahres küren. Damit unterscheidet sich die Auszeichnung vom Deutschen Spieleentwicklerpreis, der sich auf deutschsprachige Firmen spezialisiert und mehr die Entwickler in den Vordergrund stellt, aber auch vom arg verunglückten Deutschen Computerspielpreis, der vom politischen Einfluss genötigt besonders „wertvolle“ Titel ehren muss. So kam es, dass die Konkurrenz besonders stark war und die nominierten Adventures sich gegen übermächtige Konkurrenz behaupten mussten. Die Hauptkategorien unterteilten das breite Bewerberfeld nicht in Genres („Bestes Adventure“...) und auch nicht nach den Systemen („Bestes DS-Spiel“...), sondern je nach USK-Einstufung. Für den „Lara Kids“ waren alle Videospiele zugelassen, die ohne Altersbeschränkung freigegeben sind, der „Lara Family“ zeichnet Vertreter mit gelbem USK-6-Siegel aus und so ging es weiter in den Kategorien „Lara Teen“, „Lara Youth“ und „Lara Action“. Ob die Namensgebung besonders gelungen ist, kann bezweifelt werden, das Bekenntnis zu den Alterskennzeichen der USK ist aber durchaus ein gelungenes Signal an die Wahrnehmung des Mediums in der Öffentlichkeit und sorgt zudem dafür, dass die Zuordnung von Spielen zu den Kategorien nicht zur Streitfrage wird.
Zusätzlich gibt es einen Publikumspreis, für den im Vorfeld auf den Seiten der ComputerBild Spiele abgestimmt werden konnte, einen „Education Award“ und einen „Online Award“ für Browserspiele. Auch Händler, Publisher und Start-Ups wurden mit Preisen geehrt, Höhepunkt bildete jedoch der „Lara of Honor“, der Persönlichkeiten verliehen werden soll, die eine besondere Stellung in der Geschichte der Videospiele einnehmen. In diesem Jahr war das Nolan Bushnell, Gründer von Atari und quasi einer der Initiatoren der Spieleindustrie – für alle Spielefans sicher der Stargast des Abends.
 Marie Luise Lewicki überreich den Preis für Winterfest an Barbara Cramm vom Deutschen Volkshochschul-Verband. Dahinter: Claas Paletta wünscht sich, er wäre Carsten Fichtelmann.
 Prof. Horst Zuse und Atari-Gründer Nolan Bushnell halten den Lara of Honor.
Die eigentliche Preisverleihung war wenig überraschend von Oscars & Co. inspiriert. Auf der Bühne des mit runden Banketttischen gefüllten Saals wechselten sich prominente Preispaten mit eher trockenen Jurybegründungen und Vertreter der siegreichen Publisher mit kurzen Dankesreden ab. Glanzlicht in dieser Abfolge war Preispate Franklin, der das im Fahrwasser von Farmville gediehene Browsergame Farmerama in den Himmel loben musste, beim Ablesen des Lobliedes aber so belustigt war, dass er es kaum bis zu Ende schaffte. Klasse! Gut auch, dass das rund zweistündige Programm straff genug war, um nicht langweilig zu werden.
Trotz der starken Konkurrenz hatte auch ein klassisches Adventure Erfolg: In der Education-Sparte war Daedalic als Entwicklungspartner vom Deutschen Volkshochschul-Verband, dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung, dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung und dem Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern mit dem kostenlosen Lernadventure Winterfest (Homepage) erfolgreich, das Erwachsene mit Lese-, Schreib- und Rechenschwäche Mut machen soll, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Auch Heavy Rain konnte sich durchsetzen und Sony einen Lara-Youth-Award bescheren. Machinarium, Professor Layton und The Whispered World hatten gegen die Gewinner New Super Mario Bros. Wii und Scribblenauts keine Chance. Eine Liste aller Gewinner findet sich auf der Homepage der Veranstalter.
Insgesamt war es ein faszinierender Abend, der auf der einen Seite die Spiele, um die es vermeintlich gehen sollte, weit hinter die im Fokus stehende Glamour-Welt der eingeladenen Sternchen zurückstellte, auf der anderen Seite aber wohl gerade deswegen das größere Potenzial als Konkurrenzveranstaltungen hat, das Medium Computerspiele auch in solchen Medien auf den Plan zu rufen, die sonst nur darüber berichten, wenn wieder belegt werden soll, wie es die Jugend degeneriert.
Jan 'DasJan' Schneider
Sebastian 'basti007' Grünwald
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