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House of Tales - Der Bericht

LucasArts produziert nur noch 3D-Jump'n'Runs und Star Wars Merchandising, Sierra hat sich offensichtlich dem Genre ganz abgewandt und selbst Baphomets Fluch wird 3-dimensional. Doch wo Altes stirbt, wird Neues wachsen. Tief aus dem Herzen Deutschlands bäumt sich ein verhältnismäßig kleiner Entwickler gegen die Genreabkehr auf und prophezeit den zweiten Frühling der Adventures. Und dass dieser uns nicht verwehrt bleibt hilft House of Tales, so der Name des Studios ("Das Geheimnis der Druiden"), auch tatkräftig mit. Wir fassen einmal zusammen, was die Schmiede so alles in petto hat und ehren alles mit ausführlichen Previews.

inca

AGS, AGAST, Visionaire - So heißen die Adventure-Authoring-Systeme, die mittlerweile an jeder Ecke im Internet zu finden sind. Jetzt drängt ein neuer Vertreter in den Markt, diesmal aber kein Werk eines Hobbyprogrammierers und auch kein Freizeitprojekt eines professionellen Programmierers - diesmal hat das "Genre" den Weg in die Industrie gefunden. House of Tales, Entwickler von "Das Geheimnis der Druiden" und dem für Ende 2003 angesetzten Hoffnungsträger "The Moment of Silence" haben sich der Herausforderung gestellt, ein eigenes System zu entwerfen.
inca, also "Interactive Narrator's Companion for Authoring" heißt das vorher als "IATK" angekündigte Programm und Martin Ganteföhr und Tobias Schachte von House of Tales gewährten uns exklusive Einblicke in Technik und Funktionalität des Produkts, das übrigens absolut kostenlos zum Download zur Verfügung stehen wird.

inca integrator

Grundsätzlich ist das inca-Paket in zwei Teile eingeteilt. Der inca integrator ist eine grafische Benutzeroberfläche, die - wie zum Beispiel AGS - das erstellen von Räumen und Charakteren, das Importieren von Grafiken, Sounds und Musik, das Scripten von Dialogen und das Festlegen von Ereignissen erlaubt. Dabei ist es möglich, ein vollständiges Spiel zu entwickeln, ohne auch nur eine einzige Zeile Script zu schreiben. Auf diese Art und Weise, also rein visuell ohne Script, ist entsteht auch "The Black Hole", auf das weiter unten näher eingegangen wird.
Dabei ist die Umgebung so flexibel, dass sich Spiele nicht nur für Windows-PCs schreiben lassen, sondern grundsätzlich für jedes beliebige System, das einen Browser und die JRE 1.4 unterstützt. Das sind nicht nur Windows- und Linux-Systeme, sondern auch Macs bis hin zu PowerPCs und Java-fähigen Mobiltelefonen. So ist die maximal mögliche Portabilität gesichert - auf Kosten der Performance, die aber bei klassischen Adventures sowieso keine große Rolle spielt.
Für erfahrene Benutzer steht hinter dem inca integrator eine mächtige Scriptsprache bereit, die - entsprechende Programmierkenntnisse vorausgesetzt - so gut wie alles möglich macht. Angelehnt ist die Sprache an das verbreitete C, allerdings unterstützt sie auch einige objektorientierte Konzepte von C++. Es wird Klassen und Vererbung geben, automatisches Typecasting und Symbolmanagement und mehr. Dafür fehlt beispielsweise noch die Unterstützung von Feldern.
Die Featureliste wird ständig wachsen. Am Anfang wird das Programm eher an Systeme wie TADS oder INFORM erinnern, die im Wesentlichen komplexe Textadventure-Systeme sind, die beispielsweise auch Grafiken anzeigen können und Iconsteuerung unterstützen. Das ist aber längst nicht das Ende der Fahnenstange: Geplant sind schon Features wie interaktive Grafik, 360°-Scrolling und animierte Charaktere. Es ist noch nicht genau klar, welche dieser Features schon in der ersten Version des inca integrators zur Verfügung stehen werden.
Dazu kommt, dass der inca integrator komplett über Plugins arbeitet, die jeder nach Belieben selber schreiben kann. So wird das Paket eines der flexibelsten Authoring-Systeme im Netz. Die Möglichkeiten werden einzig durch die Fähigkeiten der Java Runtime Engine 1.4 begrenzt. Limits für die Anzahl an Objekten, Räumen oder anderen Dingen wird es dank objektorientierter Entwicklung nicht geben.
Zu dem inca-Paket haben uns Martin Ganteföhr und Tobias Schachte auch noch einige zusätzliche Fragen beantwortet, die in unserem Interview nachzulesen sind.

inca online

Der andere Teil des inca-Pakets spielt sich im Internet ab. Jeder, der sein Adventure fertig entwickelt hat, darf es auf einen extra zu diesem Zweck bereitgestellten Server von House of Tales hochladen. Von hier aus steht des dann im gesamten Internet - plattformunabhängig - zum Spielen zur Verfügung. Sowohl das Hochladen als auch das Spielen sind grundsätzlich kostenlos.
Es wird vorerst nicht möglich sein, die Spiele runterzuladen und offline zu spielen. So wird garantiert, dass jeder immer die gleiche Version des Spiels spielt und Veränderungen sofort bei jedem Benutzer Wirkung erzielen. Auch ohne DSL wird das aber nicht zu Problemen führen - sogar mit einem analogen Modem ist angenehmes Spielen möglich.
Zu inca online gehört außerdem ein System, in dem Spieler die Adventures anderer bewerten können und ein Forum, in dem man sich ausführlich über die Entwicklung der Adventures austauschen kann.

The Black Hole

Das erste Spiel, was die Fähigkeiten von inca demonstrieren wird, ist "The Black Hole", das House of Tales in Zusammenarbeit mit Elkware noch für das erste Quartal 2003 angekündigt hat, also sehr bald erscheinen dürfte. "The Black Hole" wird das erste in einer Reihe von Mini-Adventures sein, die die Firma für Java-fähige Handys entwickelt.
Das Spiel ist in der fernen Zukunft angesiedelt, in der auf anderen Planeten und Monden Minen zur Förderung eines wichtigen Rohstoffes angelegt wurden. Als plötzlich eine der wichtigsten Minen, der Jupitermond Ganymed, urplötzlich von einem schwarzen Loch verschluckt wird und auch andere Planeten, darunter die Erde, von der Vernichtung bedroht sind, ist nichts mehr wie vorher. Der Kleinkriminelle und Hauptdarsteller Phil McPherson wird gezwungen, an einer Mission teilzunehmen, die beunruhigende Fakten über das schwarze Loch und den Minenkonzern seines Vaters aufdecken soll...
Natürlich sind Adventures für Handys in einer ganz anderen Größenordnung anzusiedeln als PC-Adventures. "The Black Hole" wird ein klassisches Adventure mit Pixelgrafik und Iconsteuerung, soll für etwa 2 Stunden Spielspaß sorgen und wird für wenige Euros auf das Handy des Käufers übertragen. Dabei wird man sich in 25 Räumen bewegen, die auf 5 Locations verteilt sind, mit mehreren Charakteren reden und das tun, was Adventurespieler am liebsten tun: Rätsel lösen.

The Moment of Silence

Eine der größten Adventurehoffnungen überhaupt ist zur Zeit wohl "The Moment of Silence", das Hauptprojekt von House of Tales. Auch dieser PC-Titel wird komplett mit der Scriptsprache des inca integrator geschrieben, auch wenn die Engine natürlich eine andere ist. Welche genau und was wir von dem Spiel zu erwarten haben lässt sich in unserem ausführlichen Preview nachlesen, das wir jetzt auf den neuesten Stand gebracht haben.
House of Tales will übrigens noch mehr in der Hinterhand haben als Handyspiele, unter Umständen ist also schon der PC-(Adventure-)Titel nach "The Moment of Silence" geplant. Wir freuen uns!

Jan 'DasJan' Schneider


 

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