Der Fall John Yesterday
Adventure-Treff






Adventure-Treff
Der Fall John Yesterday
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Mager war sie, die Messe. Zumindest für Adventurefreunde. Wirkliche Überraschungen wie die Captain-Morgane-Ankündigung vom französischen Entwickler Wizarbox, die auch nur im stillen Kämmerchen erfolgte, waren die Ausnahme. Zu groß scheint noch die Verunsicherung der Publisher durch die Wirtschaftskrise, zu unsicher die Rechtelage zahlreicher Deals, als dass man sie in diesem Sommer bereits ankündigen wollte. So hat man bei den Altverdächtigen wenig bis nichts erfahren, was man nicht bereits vorher wusste oder gesehen hatte. Wir haben die restliche Zeit deswegen genutzt, die „Underdogs“ der Szene nach weiteren Neuigkeiten abzuklappern. Hier lest ihr, was wir herausgefunden haben:

Akella

Wie jedes Jahr zählt unser Besuch beim russischen Publisher Akella zu einem der persönlichen Höhepunkte. Nicht etwa, weil man uns dort über Jahre hinweg die gleichen Spiele präsentiert, sondern weil uns die Jungs (und Mädels) scheinbar ganz besonders ins Herz geschlossen haben, was unsere Fotostrecke belegt. Erfreulicherweise haben wir dieses Jahr tatsächlich einen neuen Adventuretitel zu Gesicht bekommen: A Stroke of Fate: Operation Bunker setzt nahtlos an dem in Russland sehr erfolgreichen Vorgänger A Stroke of Fate: Operation Valkyrie an. Diesmal dreht sich alles um die letzten Tage des Führers in seinem Bunker. Da Hitler sich einfach nicht geschlagen geben will, plant er einen letzten großen Racheakt an der Menschheit, den es nun zu verhindern gilt.
Optisch und technisch unterscheidet sich der zweite Teil der A-Stroke-of-Fate-Reihe kaum von seinen Vorgängern (siehe dazu auch unsere Vorschau zu Teil 1): Grafik, Charaktere und Steuerung sind auf dem gleichen, guten Niveau wie der erste Teil. Einige bereits vorhandenen Hintergründe werden dabei direkt für den Nachfolger recycelt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, handelt es sich bei den zwei A-Stroke-of-Fate-Teilen doch um ursprünglich ein Spiel, welches am Ende wegen des hohen Umfangs geteilt wurde. Etwas störend sind die weiterhin sehr langen Ladezeiten, die aber in der finalen Version nicht mehr enthalten sein sollen, wie man uns versicherte. Inhaltlich gibt es wieder viele Multiple-Choice-Dialoge und einige Minispiele sowie ganz klassisches Point-and-Click. So muss man in einem Minispiel beispielsweise die Unterschrift von Goebbels fälschen und sich dabei sehr genau mit der Typographie der entsprechenden Handschrift auseinandersetzen. Die Sprachausgabe war in der uns gezeigten Version noch Russisch, die Texte bereits in etwas holprigem Englisch verfügbar. Von Teil 1 existiert laut Publisher mittlerweile sogar eine vollständig lokalisierte Fassung inklusive englischer Sprachausgabe. Ein Releasedatum der in Westeuropa nicht ganz unproblematischen Reihe hat man uns dieses Mal allerdings nicht genannt, genauso wenig konnte man uns die für den Westen lokalisierte Version von Operation Valkyrie präsentieren. Akella hat aber angekündigt, den Inhalt dafür ohnehin vollständig zu überarbeiten, verfassungsfeindliche Symbole entfernen und einige Namen ersetzen zu wollen. Operation Bunker dürfte eine solide Fortsetzung der Reihe werden, die aber, wenn überhaupt, nur in stark veränderter Form den deutschen Markt erblicken wird.

Piep, piep, piep. Akella hat uns lieb!

Anuman Interactive

Vor einiger Zeit machte der französische Casual-Games-Publisher Anuman in der Adventureszene von sich reden. Per Pressemitteilung verkündete man die Übernahme der Microids-Marken wie Syberia oder Still Life. Langfristig wolle der Publisher in Adventurespiele investieren, hieß es weiter. Wir haben die Chance genutzt und uns mit Marketing-Manager Eric Nguyen von Anuman zu einem Plausch getroffen. Die kurzfristige Richtung von Anuman ist klar: Als Erstes wolle man die eingekauften Marken auf anderen Plattformen zweitverwerten. So werden Spiele wie Dracula 3, Egypt 3 oder Rückkehr zur geheimnisvollen Insel im Herbst für das iPhone und iPad veröffentlicht. Hierfür arbeitet Anuman mit den ursprünglichen Entwicklern zusammen, um eine möglichst originalgetreue Portierung zu erreichen. Sofern eine deutsche Lokalisierung ebenfalls vorhanden ist, wolle man diese grundsätzlich mit in Apples „AppStore“ anbieten. Die meisten Titel würden dort dann als Dreiteiler angeboten.
Mittelfristig ist man sich auch der Werthaftigkeit der neuen Lizenzen in der Adventureszene bewusst. So möchte man auf alle Fälle auch Syberia wiederbeleben. Plattformen sollten dann Download-Portale wie PSN und XBOX Live, mobile Plattformen und PC sein. Man sei dafür auch im Gespräch mit Schöpfer Benoît Sokal, der sein Plazet zu einem denkbaren Syberia 3 geben müsse. Genau das wiederum hat uns aber Michel Bams, Chef der Firma White Birds, bei der Sokal Mitgesellschafter ist, verneint. Sokal sehe die Syberia-Geschichte definitiv als beendet an, heißt es dort. Ob und wenn ja, wann sich Anuman und Sokal einigen, steht damit in den Sternen. Bis Ende des Jahres jedenfalls veröffentlichen die Franzosen zumindest Syberia 1 als iPad- und iPhone-Spiel. Da man mit den Verkaufszahlen der bisherigen Titel auf der Apple-Plattform zufrieden sei, wolle man bei Anuman auch langfristig in das Genre investieren, versicherte Nguyen uns weiter. Bis zum nächsten Jahr stünden aber erstmal die reinen Portierungen ganz oben auf der Tagesordnung.

Im Gespräch mit Anuman-PR-Sprecher Eric Nguyen.


Oben: Die iPhone-Portierung von Dracula 3 (Galerie).
Unten: Die iPhone-Portierung von Egypt: The Prophecy (Galerie)

Professor Layton 3 für Nintendo DS

Am Nintendo-Stand konnten wir auch den für Europa neuesten Teil der Adventure-Reihe um den quirligen Professor und seinen jungen Assistenten probespielen. In Professor Layton und die verlorene Zukunft geht es, wie der Titel vermuten lässt, etwas in die Gefilde der Science-Fiction. Denn nach einem missglückten Zeitreise-Experiment, dem der Professor und sein Assistant Luke beiwohnen dürfen, verschwinden Wissenschaftler, die mit dem Projekt zu tun hatten. Noch fantastischer wird es, als die beiden einen Brief von Luke aus der Zukunft bekommen und sich später im zukünftigen London wiederfinden.
Das Spiel scheint auf den ersten Blick nicht viel anders als die Vorgänger zu sein, dies allerdings im positiven Sinne. Denn schön gezeichnete Hintergründe im europäischen Anime-Stil, eine gelungene Musikuntermalung und professionelle Sprecher runden die sehr gute Präsentation ab. Am allgemeinen Spielprinzip hat sich auch nichts geändert: Weiterhin müssen Layton und Luke eine bestimmte Anzahl von Logikpuzzles lösen, um in der Handlung voranzukommen. Die Lösungen sind dabei, ähnlich wie in Rätselheften, mit ein wenig Um-die-Ecke-denken zu lösen und abwechslungsreich. Inwieweit das Zeitreise-Prinzip das Gameplay beeinflusst, konnten wir anhand der kurzen Anspielzeit jedoch noch nicht feststellen.

JoWooD

Nichts Neues aus Österreich: Die Wiener konnten für Adventurefreunde nur die weltweite Vermarktung des Deck13-Titels Haunted ankündigen, der von JoWooD scheinbar aus der Insolvenzmasse des Hamburger Publishers HMH herausgekauft wurde. Die Veröffentlichung ist für Winter 2010 geplant, man habe im Prinzip die Inhalte dafür genau so übernommen, wie sie am Ende an HMH abgeliefert wurden, Änderungen seien keine mehr geplant. Im Gegensatz zum ebenfalls lizenzierten „Book of Unwritten Tales“, für das sich JoWooD lediglich die nicht-deutschsprachigen Rechte gesichert hat, will man Haunted weltweit und damit auch in Deutschland veröffentlichen. Entwickler Deck13 konnte uns dazu übrigens keine Stellungnahme abgeben. Gezeigt hatte JoWooD ansonsten übrigens nur den DS-Titel „Playmobil: Top Agents“, der zwar vom Publisher als Adventure angepriesen wurde, sich aber tatsächlich viel mehr wie ein GTA-Klon mit eingemischten Genre-Elementen spielte.

Gibts da irgendwas Spannendes zu sehen?

Immer noch nicht erschienen: Haunted (Galerie).

Prime Games: Rhiannon und mehr

Prime Games ist, so bekam man auf der gamescom den Eindruck, eng verzahnt mit hier wohlbekannten Publisher-Entwickler-Kombo Daedalic Entertainment. Zum einen hat Prime Games seine Spiele praktischerweise direkt in der Daedalic-Kabine vorgestellt (die die Pressearbeit übernehmen), zum anderen entwickeln die Hamburger auch Casual Games für den Publisher. Das einziges "echtes" Adventure, das Prime Games mitgebracht hatte, war eine deutsche Version von Rhiannon: Der Fluch der vier Zweige. Eine solche gibt es zwar schon, diese war aber nur direkt beim Entwickler zu beziehen, sodass sich deren Verbreitung wohl in Grenzen halten dürfte. Jetzt gibt das Spiel sein Debüt auch im regulären, deutschsprachigen Handel und bekommt dazu ein paar Features nachgerüstet, die im Original nicht vorhanden waren. So soll es in der für unter 20 Euro angebotenen Version eine interaktive Karte geben, mit der sich Laufwege abkürzen lassen. Optionale Spielhinweise im Notizbuch, mit der für weniger erfahrene Spieler der eher hohe Schwierigkeitsgrad abgesenkt werden soll, sind ebenfalls mit von der Partie. Für genau diese Spieler wird es außerdem ein ständig aufrufbares Tutorial geben, in dem die Spielweise genauer erklärt wird. Die anderen Titel, die Prime Games vorgestellt hat, sind eher adventurenahe Casual-Titel für Gelegenheitsspieler. Darunter befindet sich das kürzlich von Daedalic angekündigte Derrick - Mord im Blumenbeet, in dem ihr in der Rolle des berühmten Fernseh-Kommissars ein Verbrechen lösen müsst, Robin Hood - Auf der Suche nach Gerechtigkeit und das während der gamescom angekündigte Drachenwächter - Die Prophezeiung, das auf der Geschichte des gleichnamigen Fantasy-Romans von Falko Löffler basiert. Alle drei Titel vereinen Elemente von Wimmelbildspielen und verschiedene Rätseltypen. Zumindest bei Derrick und Drachenwächter soll es immerhin ein Inventar geben - vielleicht ein gutes Zeichen für Freunde von klassischen Adventures. Nähere Details dazu haben wir in einem eigenen Casual-Adventure-Feature zusammengefasst.

Jetzt als Special Edition Rhiannon (Galerie).

Art of Games

Abseits der langen Warteschlangen vor anspielbaren Titeln oder Trailern gab es auf einer kleinen Ausstellfläche auch die von Aruba Events präsentierte Art of Games zu entdecken. Diese zeigte von allen möglichen Genrevertretern Konzeptzeichnungen oder gemalte Ausschnitte von Spielszenen. Darunter befanden sich auch viele bekannte Adventures, wie zum Beispiel Tales of Monkey Island, Machinarium oder The Whispered World. Wir haben einige der Exemplare fotografiert, welche wir euch in unserer Galerie präsentieren. Darunter befinden sich unter anderem auch zwei von Deck 13 entwickelte Titel, die aber allem Anschein nach keine klassischen Adventures sein dürften, nämlich Darcliffe und Strain.

Sebastian 'basti007' Grünwald
Jan 'DasJan' Schneider
Sascha 'nufafitc' Pongratz

Fotos von Sascha Reinhold


 

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