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Just A Game auf der gamescom 2010




Der erst vor wenigen Wochen gegründete Publisher Just A Game, in dem sich unter anderem verschiedenen ehemalige Mitglieder des insolventen Anbieters The Games Company neu formiert haben, überraschte uns auf der diesjährigen gamescom gleich doppelt. Einerseits hat die frisch gegründete Firma das ursprünglich bei TGC vorgesehene Alpha Polaris des finnischen Entwicklers Turmoil Games auf der Releaseliste, zum anderen hat man sich dort die Rechte an der deutschen Version von Artematicas Julia - Innocent Eyes gesichert. Im Business-Center konnte wir Eindrücke aus beiden Spielen mitnehmen.

Alpha Polaris

Eine Forschungsstation am Polarkreis, ein Ionensturm, unerklärliche Vorkommnisse; die Rahmenbedingungen für Alpha Polaris versprechen Gruselkost vom Feinsten. An dem Spiel wird schon seit dem letzten Jahr von dem finnischen Entwickler-Team Turmoil Games gearbeitet. Anfang dieses Jahres übernahm The Games Company kurz vor der eigenen Insolvenz die weltweiten Vertriebsrechte, welche nun bei Just A Game liegen.
Bereits im Vorfeld haben wir einige Screenshots gesehen und konnten uns somit einen Eindruck von der grafischen Qualität verschaffen. Auf der gamescom wurde uns nun zum ersten Mal bewegtes Material gezeigt. In einer Szene direkt zu Beginn des Spiels klopft es an der Tür zur Kabine von Forscher Rune Knudsen, ein Kollege will ihn wecken. Als Rune sich im Bett aufrichtet, wird keine Animation gezeigt, sondern anstelle dessen ein Comicgrafik eingeblendet, in der Knudsen über die Bettdecke schielt. Anschließend stehen wir im Flur der Station. Die Laufanimationen der Figuren sehen allerdings schon recht ansehnlich aus. Zwar merkt man dem bisherigen Material stark an, dass es von einem unabhängigen Team ohne großes Budget erstellt wurde, dennoch passen die 3D-Darsteller, ihre gezeichneten Dialog-Closeups und die vorgerenderten Hintergründe sehr gut zusammen und ergeben eine stimmige grafische Atmosphäre. Leider haben wir vom Ton aufgrund der allgemeinen Geräuschkulisse auf der Messe nicht viel mitbekommen. Der wichtigste Aspekt bei Alpha Polaris dürfte jedoch die Interaktion der Charaktere untereinander und die Story sein. Beides können wir aufgrund der Kürze des uns gezeigten Materials weiterhin nicht beurteilen. Auch über die versprochenen Tag-Nacht-Wechsel und die "dutzenden Zwischensequenzen" könnnen wir noch nicht viel sagen. Das Spiel soll im ersten Quartal 2011 erscheinen.
Ein Top-Titel wird Alpha Polaris wohl eher nicht werden, aber durchaus ein interessanter Indie, bei dem das Augenmerk auf die Dinge gelegt wurden, die auch mit kleinem Geldbeutel umgesetzt werden können: die Geschichte und ihre Charaktere.

Julia - Innocent Eyes

Das Krimi-Abenteuer des italienischen Entwicklers Artematica (Belief & Betrayal) basiert, wie bereits Martin Mystère, auf den Comic-Bänden des nach ihrem Gründer, Sergio Bonelli, benannten Comic-Verlags.
Im recht hübsch gerenderten Introvideo werden wir Zeuge des grausigen Mordes an einer jungen Frau, die in einer ländlichen Gegend von einem hünenhaften Unhold mit einer schweren Axt attackiert wird. Es ist Nacht und draußen tobt ein heftiges Gewitter. Nach der Tat wuchtet der Mann den leblosen, blutverschmierten Körper auf seine Schultern, um ihn auf dem Feld vor dem Haus zu verscharren. Ein kleines Mädchen beobachtet die unwirklichen Vorgänge aus einem Versteck heraus.
Verschiedene Zeitungsartikel berichten von weiteren schrecklichen Morden in der Gegend und weiterhin fehlt jede Spur vom Täter. Irgendwann reißt die Mordserie ab, um einige Jahre später, in der Gegenwart, in New Jersey erneut auszubrechen. Die Polizei ist ratlos und benötigt Hilfe bei den Ermittlungern. Nur ein fähiger Profiler kann den Mörder aufspüren, um somit weitere Morde zu verhindern. Natürlich ist Hauptfigur Julia Kandall, die äußerlich stark an Schauspielerin Audrey Hepburn erinnert, eben jene Profilerin, die den Täter dingfest machen soll. Sie hält gerade ihre Vorlesung an der Hollyhock Universität als sie von der Polizei ersucht wird, ihr Wissen in die Morduntersuchungen einzubringen. Doch es reizt sie mehr an jenem Täter als ihr beruflicher Ehrgeiz - sie selbst war das kleine Mädchen, das einst den Mord beobachtete.
Rein optisch macht Artematicas Abenteuer, das in Italien bereits seit mehr als zwei Jahren auf dem Markt ist, keinen allzu frischen Eindruck mehr. Das Intro selbst ist jedoch stimmungsvoll inszeniert und lässt aufgrund des hohen Maßes an Brutalität große Zweifel daran aufkommen, dass der Wunsch des Publishers in Erfüllung geht, eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erwirken zu können.
Während wir mit Julia das weitläufige Universitätsgebäude erkunden, fühlen wir uns entfernt an die langen Korridore aus Schloss Brunwald in Indiana Jones and the Last Crusade erinnert. Die ausgedehnten, etwas leblos wirkenden Gänge werden allerdings nicht einfach in einer Draufsicht dargestellt, sondern filmisch angehaucht aus wechselnden Kameraperspektiven gezeigt und mit einer dynamischen Kameraführung präsentiert. Die Charakteranimation wirken technisch angestaubt, die Texturqualität fällt eher gering aus. Auch an anderen Stellen macht Julia keinen richtig runden Eindruck: Man darf die langen Laufwege offenbar nicht durch einen Laufschritt abkürzen, Dialoge lassen sich nicht abbrechen und die eintönige Musik in der angespielten Location war schon nach kurzer Zeit anstrengend. Ob Artematica für die deutsche Version an solchen Mängeln noch nacharbeitet, wissen wir wohl erst, wenn das fertige Spiel vorliegt.
Nach der kurzen Präsentation fällt eine Einschätzung recht schwer, zur spielerischen Qualität können wir noch kaum etwas sagen. Wir hoffen, demnächst selbst ausführlicher Hand an das Adventure legen zu können, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Michael 'neon' Stein
Benjamin 'Grappa11' Braun


 

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