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Timanfaya - Verschollen in den Feuerbergen

Fan-Adventure auf der GC 2007

Feuerberge aus Mettmann

Bereits seit gut 4 Jahren ist das Fan-Adventure „Timanfaya - Verschollen in den Feuerbergen“ in der Entwicklung. Hinter dem Projekt steckt Martin Lassahn aus Mettmann, der das Spiel in seiner Freizeit entwickelt. Auf der Games Convention 2007 konnte er uns eine nahezu fertige Beta-Version seines Babys vorstellen, dass in nicht allzu ferner Zukunft zum kostenlosen Download angeboten werden soll.

Welche Steuerung hätten’s denn gern?

Schon bei der Installation fällt auf, dass Timanfaya kein gewöhnliches Fan-Adventure ist. Nachdem die notwendigen Dateien auf die Festplatte installiert wurden, muss man über einen einfach zu bedienenden Einrichtungsassistenten noch ein paar Fragen beantworten. Funktionen wie Vollbild- oder Fensterdarstellung und unterschiedliche Farbtiefen sind auch aus anderen Spielen bekannt. Aber auch speziellere Einstellungen sind problemlos möglich: Den Sound in einer 7.1 Surround Abmischung? Kein Problem! Oder wollen wir die Dialoge lieber nur von vorne? Oder vielleicht doch erst mal klassisches Stereo? Und was ist, wenn ich Linkshänder bin? Alles kein Thema für den Einrichtungsassistenten, der trotzdem absolut übersichtlich und leicht verständlich bleibt. Die Optionsmöglichkeiten gehen sogar so weit, dass man problemlos zwischen verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten wechseln kann: Die klassische Steuerung mit Linksklick zum Betrachten und Rechtsklick für Interaktionen sind genauso möglich wie ein Coin-Interface oder ein Wechselzeiger. Eine in dieser Art ziemlich einzigartige Option also, die endlich Schluss mit der Diskussion über das beste Steuerkonzept macht und die man gerne auch mal bei kommerziellen Produkten sehen würde.

Alles handmade!

Aber auch der Rest hebt sich deutlich von anderen Projekten dieser Art ab: Kein Adventure Game Studio, keine gerippten Grafiken aus anderen Spielen, keine Fan-Fortsetzung sondern eine eigenständige Story. Timanfaya ist ein durch und durch persönliches Projekt mit viel Herzblut. Von der Engine bis zum Dialogeditor, von den Hintergrundgrafiken über die Animation bis zu eigens aufgenommenen Soundsamples stammt nahezu alles aus der Feder nur einer Person.

Steuerfahnder auf Frauenjagd

Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle von Frank Gruber, der von seinem Job als Steuerfahnder die Schnauze endgültig voll hat. Kurzerhand packt er seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg nach Lanzarote, die nordöstlichste der sieben großen kanarischen Inseln. Doch aus dem Ausspannen wird erst mal nichts, denn kaum döst Frank auf dem Strand vor sich hin, wird er von einem mysteriösen Einheimischen angesprochen: Er soll ein ausgebüchstes Mädchen wiederfinden. Die Bezahlung: 5.000 Euro sofort und 45.000 bei Erfolg. Frank überlegt und kann schließlich einfach nicht Nein sagen. Er macht sich auf den Weg, zuerst den Ferienkomplex und später die gesamte Insel nach dem verschollenen Mädchen abzusuchen und dabei möglicherweise auch die Motive in Erfahrung zu bringen.

Verschwundenes Mädchen ohne Runaway-Syndrom

Bereits zu Beginn wird klar: Man hat sich viele Gedanken über ein möglichst komfortables Gameplay gemacht. So symbolisiert ein grün eingefärbter Mauszeiger den Ausgang zu einer bereits besuchten Location, mit einem Rechtsklick lassen sich diese Wege dann auch problemlos verkürzen. Hat man eine neue Information erfahren, die dem Spieler in einer anderen Location nützlich sein könnte, kennzeichnet dies ein so genanntes „Hinweisteufelchen“ in der linken oberen Ecke. Auch beim Rätseldesign selber hat man sich viel Mühe geben. So soll die fertige Version sehr nonlinear sein, die Reihenfolge der Aktionen ist häufig egal und auch ein „Runaway-Syndrom“ soll es nicht geben. Zusätzlich verspricht man unterschiedliche Lösungswege, optionale Dialoge oder auch Kombinationsrätsel mit alternativen Gegenständen. Kritisch könnten einige Puristen die Integration eines Labyrinth-Rätsels sehen. Allerdings muss man dies nur einmal lösen und sich nicht bei jedem Besuch der Location erneut durch die Dünen Lanzarotes plagen.

Amateur-Projekt mit Profi-Ton

Wirklich professionell ist bei Timanfaya der Sound. Das komplette Spiel ist mit bekannten Sprechern einsynchronisiert. Dem Hauptdarsteller leiht Olaf Renoldi seine Stimme, die dem ganzen Projekt praktisch von der ersten Sekunde an einen tollen atmosphärischen Charme verleiht. Dazu kommt eine sehr gelungene Soundkulisse mit Regen, Wind oder krächzenden Möwen, welche die jeweilige Stimmung zusätzlich unterstreicht. Selbst auf die kleinen Details wie Schrittgeräusche braucht der geneigte Fan nicht zu verzichten. Auch die Musikuntermalung von Michael Garbsch ist gelungen: Wo kommerzielle Projekte häufig mit dem immer gleichen Dauergedudel zu nerven beginnen, setzt Timanfaya einen sehr dezenten Soundtrack ein, der genau das tut, was Musik in einem Spiel tun sollte: Gar nicht bewusst auffallen. Sie baut dabei mit Klaviersoli, Streichereinlagen oder kurzen Gitarrenriffs eine ganz eigene, subtile Spannung auf, welche die restliche Akustik und das detektivische Gameplay perfekt ergänzt und die Lust am Spielen deutlich steigert. Obendrauf gibt es dann sogar noch einen ebenso professionell eingespielten Titelsong, den man bereits seit längerem auf der Timanfaya-Webseite herunterladen kann. Adventure-Herz, was willst Du mehr?

Fotorealismus meets Comiczeichnung

Timanfaya beinhaltet rund 50 Hintergründe, welche auf Fotos basieren, die der Autor auf Lanzarote selbst aufgenommen hat. Die verschiedenen Locations, die man im Laufe des Spiels besucht, existieren also wirklich - vom Namen gebenden „Timanfaya-Nationalpark“ bis zum „Cesar Manrique Museum“. Damit Hintergründe und Comic-Animation besser zusammenpassen, wurde viel nachillustriert und retuschiert. Der Grad zwischen Retusche, Comic und Fotorealismus ist dabei manchmal etwas uneinheitlich, verleiht dem Spiel aber einen sehr unverwechselbaren Look. Wirklich gut gefallen dabei die zahlreichen Hintergrundanimationen: Am Himmel vorbeiziehende Wolken, kreisende Vögel, drehende Windräder, Meeresbrandung, sich unterhaltende Charaktere – nahezu kein Hintergrundbild, wo sich nicht irgendetwas bewegt. Bis zu 50 Animationsebenen sollen dabei in einigen Szenen übereinanderliegen. Natürlich sind nicht alle Animationen perfekt, insbesondere die Dialoge beschränken sich auf Mundbewegungen und Kopfnicken. Aber für ein Ein-Mann-Freizeit-Projekt kann man hier auch nicht mehr erwarten, denn die Detaildichte ist hier ohnehin schon beachtlich. So sind die Gehanimationen z.B. nicht gespiegelt (Frank hat also immer am gleichen Arm die Uhr, egal in welche Richtung er geht) und auch auf Schatteneffekte muss nicht verzichtet werden.

Fotorealismus und Nachillustration in Timanfaya

Gameplay-Betreuung inklusive

Von den zahlreichen Fanadventure-Projekten ist Timanfaya ohne Zweifel eines der bemerkenswertesten. Die Arbeit an der Geschichte rund um Frank Gruber und der verschollenen Carmen wurde von Anfang bis Ende konsequent und auf einem Niveau durchgezogen, das weit über dem handelsüblicher Fanprojekte steht. Angesichts der Tatsache, dass hinter all dem vor allem die Arbeit einer Person und einiger ehrenamtlicher Mithelfer steckt, kann man nur den Hut ziehen: Das Spiel hört sich nicht nur professionell an und sieht, mit kleinen Abstrichen, professionell aus, sondern hat uns beim Probespielen auch viel Spaß gemacht – und genau darum soll es bei Adventures ja eigentlich auch gehen. Wo große Publisher häufig in der QA wegen zu hohem Zeitdruck versagen, nämlich bei einem gut betreuendem Gameplay, setzt Timanfaya mit unterschiedlichen Interfacemodellen, kleinem Hilfesystem oder alternativen Rätselwegen wichtige und richtige Schwerpunkte.

Prognose: Release-Termin fett im Kalender markieren

Die uns präsentierte Vorab-Version war jedenfalls hochgradig überzeugend. Ein bisschen Zeit will sich der Autor aber noch für den letzten Feinschliff und vielleicht sogar für die Integration weiterer Optionen nehmen. Trotzdem soll Timanfaya noch in diesem Jahr endlich fertig und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Wir sind ungeheuer gespannt auf die finale Version und erwarten auf alle Fälle ein heißes Eisen, dessen Download sich bestimmt nicht nur für Freunde von Fan-Adventures lohnen wird. Angesichts der Tatsache, dass das Spiel dabei völlig gratis angeboten wird, sollte sich die Frage, ob man da mal einen Blick reinwerfen sollte, eigentlich gar nicht mehr stellen. Unsere Vorschau-Prognose daher: 5 von 5 Timanfaya-Teufelchen!



Sebastian 'basti007' Grünwald


 

 
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