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Akella auf der Games Convention
Adventures aus Russland
Gleich vier Adventures hatte der russische Publisher Akella im Line-Up der diesjährigen GC. Drei davon konnte man uns in einer kurzen Präsentation zeigen. Der vierte Titel, das bereits 2005 angekündigte Inhabited Island: the Earthling, hatte sich leider nicht rechtzeitig mit einer lauffähigen Version zur GC eingefunden.
Dead Mountaineer's Hotel
Stephen, du Dieb! Gib's zu! Dein Erfolgs-Roman "The Shining" ist doch geklaut! Jawohl, geklaut ist er, und zwar von dem bereits sieben Jahre zuvor erschienenen Roman "Hotel Zum verunglückten Bergsteiger" der beiden Autoren Arkadi und Boris Strugatzki, die in ihrer russischen Heimat Kultstatus genießen.
Dabei geht es nämlich um einen Polizeiinspektor, der sich auf einem entlegenen Berggasthof für ein paar Urlaubstage einmietet. Natürlich bleibt die Idylle dabei nicht lange ungetrübt, denn schon bald kommt er einem Mysterium auf die Spur, das scheinbar mit einem vor langer Zeit verunglückten Bergsteiger zu tun haben soll: Merkwürdige Erscheinungen verfolgen ihn und das Hotelpersonal auf Schritt und Tritt und schon bald zweifelt der Herr Inspektor an seinem eigenen Verstand. Dem nicht genug wird das Anwesen auch noch von starken Schneefällen heimgesucht, sodass seine Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten sind. Na, kommt da was bekannt vor?
Neben Deutschland ist auch Russland ein starker Adventurelieferant. Von den dort erschienenen Titeln haben es bisher allerdings nur recht wenige in den Westen geschafft. Und auch wenn diese häufig sowohl technisch als auch optisch sehr gut waren, krankten viele Ost-Adventures an einer mittelmäßigen Story und Dramaturgie. Das will Publisher Akella nun ändern. Gleich ein ganzes Lizenzpaket hat man von den Gebrüdern Strugatzki gekauft, besagten Bergsteiger-Krimi gleich mit. Dabei sei man sich auch sofort einig gewesen, dass "Dead Mountaineer's Hotel" auf alle Fälle die perfekte Geschichte für ein Adventure sei.
 Die Hintergründe sind sehr detailreich modelliert.
Alle Puristen können beruhigt werden: Rein vom Interface her ist das Spiel ein ganz klassisches Point'n'Click-Adventure. Die Dialoge finden in Multiple-Choice-Manier statt, kleine Bildeinblendungen aber auch gelegentliche Großaufnahmen der Gesprächspartner sollen dabei die notwendigen Emotionen transportieren. Überhaupt nehmen Gespräche einen wichtigen Stellenwert ein: Schon bald gibt es im Hotel die erste Leiche und unser Freund der Inspektor beginnt mit der Ermittlung des Täters. Akella verspricht dabei ein ziemlich non-lineares Gameplay: Verhält man sich dabei z.B. unhöflich, kann es sein, dass der Gesprächspartner bestimmte Informationen verweigert, die man ansonsten erhalten hätte und umgekehrt. Dabei werden übrigens alle Gespräche in einer kleinen „History“ abgespeichert, sodass die notwendigen Fakten jederzeit zugreifbar bleiben.
Wirklich schön ist auch die eigentliche Optik des Spiels: Die gerenderten Hintergründe sind atmosphärisch ausgeleuchtet und mit gelegentlichen Animationen versehen: Vor dem Hotel weht so z.B. ein eisiger Schneesturm während innen ein Ventilator langsam über der Zimmerdecke kreist. Die 3D-Modelle des Spiels waren noch nicht ganz perfekt in die Hintergründe eingepasst, aber dies kann sich bis zum fertige Release natürlich noch ändern. Gehen die Entwickler schließlich auch noch soundtechnisch den bei der Grafik eingeschlagenen Weg weiter, erwartet uns rein von der Präsentationsseite her vielleicht ja ein russisches Black Mirror.
Nicht wirklich viel sagen können wir zum Echtzeit-Feature des Adventures. Angeblich soll das Spiel, ähnlich wie z.B. Genrevertreter „The Last Express“, in Echtzeit ablaufen. Das heißt: Die Personen des Hotels gehen ihrem täglichen Arbeitsablauf nach und sind womöglich nicht immer am gleichen Fleck anzutreffen. Auch auf die Rätsel soll die Echtzeit einen Einfluss haben – was konkret konnte man uns aber in der sehr kurzen Präsentationszeit nicht zeigen. Neben klassischer Rätselkost betten die Entwickler auch kleine Geschicklichkeitsübungen in die Umgebung ein. Ein Beispiel: Um eine Person auf uns aufmerksam zu machen, die uns nicht hören kann, begibt sich der Polizist auf den Balkon der entsprechenden Etage. Mit Hilfe eines Spiegels muss er nun über mehrere Ecken und weitere Spiegel den besagten Schwerhörigen blenden und damit auf sich aufmerksam machen. Wer hier kein ruhiges Händchen hat, könnte Probleme bekommen.
Kurz und knapp: Mit "Dead Mountaineer's Hotel" hat Akella mit Sicherheit ein heißes Eisen im Feuer, das optisch und atmosphärisch überzeugen kann. Freunde von Shining sollten das Adventure, das als Mischung zwischen Mystery, Krimi und Science-Fiction bezeichnet wird, auf alle Fälle im Auge behalten. Wie gut dabei die Storyumsetzung letztlich ist, wird ein Test klären müssen. Die Russen sind jedenfalls überzeugt von ihrem Projekt: Der Gruselspaß soll auf alle Fälle in Deutschland erscheinen, voraussichtlich im ersten Quartal 2008.
  Auf Screenshots und Artworks kann man schon die kühle Stimmung der Außenareale erahnen - nur das Schneegestöber fehlt noch.
A Stroke of Fate
Desweiteren konnten wir während der Präsentation auch einen kurzen Blick auf das sicherlich kontroverse Adventure "A Stroke of Fate" werfen, das auf einer in Russland sehr populären Filmreihe basiert.
Warum kontrovers? In dem zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielenden Adventure schlüpft man in die Rolle eines in Berlin lebenden sowjetischen Spions, dessen Hauptaufgabe die Ermordung Hitlers ist. Im fertigen Spiel wird es dafür rund 100 verschiedene Umgebungen sowie um die 50 Charaktere geben.
Die Entwickler Spline Games haben sich auf alle Fälle bemüht, das Spiel durch die Einbeziehung von authentischen Dokumenten und tatsächlichen historischen Persönlichkeiten möglichst realistisch zu gestalten. So kann man zum Beispiel auf seinem Radio sowohl echte deutsche Marschmusik als auch russische Folklore hören. So ganz hat es mit Realismus dann aber doch nicht geklappt. Im Telefonat mit seinem direkten Vorgesetzten spricht die Hauptfigur seinen Chef mit "mein Führer" an - eine Anrede, die eigentlich Hitler vorbehalten war.
Die Geschichte wird zwischendurch immer wieder mit in schwarz-weiß gehaltenen Comicpanels weitererzählt, vorgerenderte Cutscenes wird es aller Vorraussicht nach keine geben. Zum derzeitigen Zeitpunkt wirkten die Hintergründe zwar schon sehr detailliert, Animationen zur Belebung der Szenerie gab es allerdings noch so gut wie gar keine. Da das Spiel aber noch sechs volle Monate Produktion vor sich hat, kann sich daran noch einiges ändern.
 A Stroke of Fate spielt im Zweiten Weltkrieg.
Das Interface wirkt relativ geradlinig und unterscheidet sich kaum von anderen Point'n'Click-Titeln wie z.B. Belief & Betrayal oder Undercover, allerdings erscheint das Inventar diesmal an der oberen Bildschirmleiste. Bei den Dialogen erwartet uns klassisches Multiple-Choice. Eine bestimmte Funktion wird viele Adventure-Puristen sicher freuen: wenn man im Zuge seiner Mission versagt, transportiert einen das Spiel nach dem Gameover automatisch wieder an den letzten Punkt, von dem aus es noch gewonnen werden kann. Obwohl man also bei "A Stroke of Fate" sterben kann, ist es somit nicht notwendig, alle fünf Minuten zu speichern. Außerdem haben sich die Entwickler noch einige andere interessante Ideen einfallen lassen. So begegnen NPCs uns ganz anders, wenn wir unsere offizielle Uniform anhaben als wenn wir in der Zivilkleidung unterwegs sind.
Da das Spiel auch in Deutschland veröffentlicht werden soll - der Release ist für das erste Quartal 2008 geplant - wurden in unserer Demo die Hakenkreuze durch einen Schattenriss von Hitler ersetzt. Eventuell wird Akella hier aber auch noch mehr Details verändern, falls es Probleme mit der Veröffentlichung geben sollte.
The Bad, the Ugly and the Sober
Ebenfalls von Akella erscheint das humoristische Wildwest-Adventure "The Bad, the Ugly and the Sober". Die Hauptfigur des Spiels ist Jack, ein ehemaliger Revolverheld, der sich als Farmer zur Ruhe gesetzt hat. Weil er einst einen Indianer vor einer Gangsterbande beschützt hat, stecken ein paar Schurken seine Farm in Brand. Um an Geld für den Wiederaufbau zu gelangen, entschließt er sich zur Teilnahme an einem Banditen-Turnier in der Stadt Westtown. Die Hauptpreise des Turniers sind ein Sack voll Geld und ein Porträt des legendären Banditen James Starr. Jack muss viele Prüfungen bestehen, um an das Geld zu kommen. Erschwert wird das Ganze durch die Tatsache, dass in dem Porträt eine Schatzkarte versteckt ist, auf die es sämtliche seiner Konkurrenten abgesehen haben.
Grafisch kommt das Spiel als 2D-Adventure mit vorgerenderten Hintergründen und 3D-Figuren daher. Die Schauplätze sind liebevoll gestaltet und durch Hintergrundanimationen wie rollende verdörrte Büsche und Geier belebt.
  The Bad, the Ugly and the Sober schreckt vor Minispielen nicht zurück.
Gesteuert wird Jack mittels klassischem Point'n'Click, wobei es die Befehle "Anschauen" und "Nehmen/Benutzen" gibt. Viel Wert wird auf die Dialoge gelegt. Durch die Auswahlmöglichkeit von Stimmungen zwischen friedlich und aggressiv kann der Verlauf eines Gesprächs beeinflusst werden. Die Rätsel beinhalten neben klassischen Kombinations- und Inventarrätseln auch einige mausgesteuerte Minispiele. Eine Karte im Inventar zeigt den aktuellen Aufenthaltshaltsort des Helden an, dient aber leider nicht als Abkürzung zu den Handlungsorten.
Die bisher gezeigten Rätsel erschienen teils etwas seltsam. So findet Jack z.B. mitten in der Wüste einen Stiefel. Mit einer Rasierklinge, die zuvor an einem Stein geschärft wurde, muss er diesen aufschlitzen, um in der Sohle Fahrkarten für die Postkutsche zu finden. Auch die Gewaltbereitschaft des Protagonisten hat uns überrascht: Um an einem körperlich überlegenen Gegner vorbeizukommen, muss man diesen erst ablenken, um ihn dann hinterrücks zusammenzuschlagen.
Ein deutscher Publisher steht noch nicht fest, die englische Version des Spiels erscheint bereits Ende 2007.
Sebastian 'basti0007' Grünwald
Myriam 'Padmé' Fries
Marco 'Masterofclay' Rosenberg
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