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The White Chamber
Hersteller: Studio Trophis
2005 erschien das Sci-Fi-Horror-Adventure The White Chamber, das hier in der knapp 360 MB großen Definitive Version 1.7 vorliegt. Es versetzt den Spieler in die Rolle einer jungen Frau, die in einer verlassenen Raumstation ohne Erinnerungen aufwacht. Die Räume scheinen eine ganze Weile verlassen zu sein. Blutspuren weisen darauf hin, dass etwas Schreckliches passiert ist.
Lost in Silent Space Hell
Da man allein auf der Station zu sein scheint, haben die Entwickler auf Dialoge mit anderen Charakteren verzichtet. Dafür findet man Videodiscs und liest E-Mails, die nur andeuten, was passiert sein kann. Der größte Pluspunkt des Spiels liegt in der Unwissenheit, wo man sich befindet, was passiert ist, wer man ist und wie man aus der Raumstation entkommen kann. Die relativ kurze Spieldauer von knapp einer Stunde ist nicht wirklich störend für die Story, da viele Andeutungen und ein Wechsel zwischen zwei Dimensionen sehr gut das Gefühl des Realitätsverlusts vermitteln.
Wiederspielbarkeit wird von den Entwicklern durch 8 Enden beworben. Allerdings sind vier davon Todesszenen, die zu einem sofortigen Game Over führen. Trotz fehlender zeitkritischer Situationen verliert das Spiel nie an Spannung, da man nie genau weiß, was einen im nächsten Raum erwartet.
Wer sich noch weiter mit der Story auseinandersetzen möchte, kann kostenlos ein knapp 20-minütiges Audiodrama auf Englisch herunterladen, das nicht nur aufgrund der sehr guten Sprecher und Soundeffekte zu empfehlen ist, sondern der (Vor-)Geschichte etwas mehr Tiefe verleiht, was diese selbst im Spiel nur bedingt erreicht.
Im Weltall hört dich niemand schreien
Sowohl Musik, Soundeffekte als auch Sprachausgabe sind hervorragend gelungen. Erstere orientiert sich ganz klar, wie die Entwickler selbst in den Credits sagen, an Akira Yamaokas Silent-Hill-Stücken, die von bedrohlich, unheimlich bis treibend den Weltraum-Horror begleiten. Es gibt eine minimale Geräuschkulisse, die das Isolationsgefühl auf der Raumstation noch verstärkt. Die Toneffekte, wie verzerrte Stimmen und unheimliche Kratzgeräusche, fließen nahtlos in die Musik und lassen den Spieler im Ungewissen, was nun Realität oder Einbildung ist.
Die englischen Sprecher überzeugen sowohl von der Stimmlage als auch der Betonung. Die deutsche Version ist etwas schwächer, da es sich häufig anhört, als ob jemand nur von einem Blatt abliest. Die Sprecher klingen zwar motiviert und passen zu den Charakteren, nur fehlt es ihnen an Übung bei der Vertonung. Im Spiel ist es jedoch möglich, eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln zu wählen. Die Übersetzung ist bis auf einige kleine Fehler gut gelungen.
Twinkle, twinkle, little star...
Es werden zwar Anime-Charaktere verwendet, die nicht sehr viele Animationsstufen oder Gesichtsausdrücke haben. Farbenfrohe Kulissen findet man aber bis auf eine Ausnahme nicht. Insgesamt ist die Farbgebung sehr düster gehalten. Wie man schon auf den Screenshots erkennen kann, ist der Titel alles andere als ein Kinderspiel. Abgehackte Gliedmaßen, Blut und dergleichen gibt es im Überfluss. Das wäre auch der größte Kritikpunkt: Oft wirkt es, als ob man möglichst viele Abartigkeiten darstellen wollte, was sich auch vereinzelt in den Rätseln widerspiegelt.
Rätsel mit Kopf, Händen und anderen Körperteilen
Man sollte keine zimperliche Natur sein, wenn es darum geht, mit abgetrennten Körperteilen zu agieren. Für die Story sind solche Rätsel nicht wirklich erforderlich und wirken daher etwas aufgesetzt, um den Ekelfaktor zu steigern. Richtig gefordert wird der Spieler allerdings nie. Es bleibt bei einer überschaubaren Anzahl von Orten, die man besuchen kann und Gegenstände, die im Inventar verstaut werden. Ein einfaches Farbcode-Rätsel und das Steuern von Maschinen sind die einzigen Ausnahmen. Sonst gibt es nur logische Kombinationsrätsel. Schade ist, dass sich manchmal die Hotspots von der Hintergrundgrafik kaum abheben und man deshalb einen Gegenstand leicht übersehen kann, der an einem Ort vorher noch nicht war, dann aber auf unerklärliche Weise dort erscheint. Wenn man das weiß, sucht man eben besonders gründlich den Bildschirm ab.
Die Spielzeit wird etwas künstlich in die Länge gezogen, weil die Protagonistin nicht schneller laufen kann und Ausgänge nicht mit einem Doppelklick direkt erreichbar sind. Wäre dazu noch eine Karte vorhanden, würde sich die Spielzeit sicherlich noch weiter reduzieren.
Fazit
The White Chamber kann bei Musik, Sound und Grafik punkten. Die Rätsel sind nicht gerade originell, passen aber bis auf einige Ausnahmen ins Spielgeschehen. Es ist ein wirklich empfehlenswertes Horror-Adventure, das wie eine actionfreie Hommage an Survival-Horror-Spiele wirkt. Das spiegelt sich in der angedeuteten Story, den etwas kranken Rätseln, Schock- und Ekeleffekten und dem bedrohlichen Soundtrack eines Silent-Hill-Spiels wider. Eine kohärente Story oder tiefgründige Charaktere sollte man aber nicht erwarten. Es ist daher eher für Spieler geeignet, die keine Herausforderung im Lösen von Rätseln oder Dialogen mit interessanten Charakteren suchen, sondern viel Wert auf Atmosphäre legen. Wer sich vorab einen akustischen Eindruck verschaffen will, kann unter anderem den kompletten Soundtrack umsonst auf der Entwickler-Seite herunterladen.
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Mehr Bilder (22)
Pro und Kontra
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Erstklassige Musik und Soundeffekte |
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Gute (englische) Sprecher |
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Schön gezeichnete Hintergründe und Charaktere |
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Einige qualitativ hochwertige Filmsequenzen |
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Gruselige Atmosphäre |
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Verschiedene Enden |
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Keine zeitkritischen Sequenzen |
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Laufwege zu lang |
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Flache Charaktere und Story |
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Hotspotsuche erschwert durch Umgebungsgrafik und unerklärliches Auftauchen von Gegenständen |
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Rätsel nicht wirklich originell |
Eigenschaften
Spiellänge:
1 Stunde
Sprachen:
Englisch, Deutsch
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