Adventure-Treff






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The Case of Charles Dexter Ward
anadventure-Test 28.09.2008

Baphomets Fluch 2.5

Hersteller: mindFactory
Viele ambitionierte Fanadventure-Projekte erreichen nie ihre Fertigstellung. Das liegt in der Natur der Sache, denn es ist nicht selbstverständlich, dass ein ganzes Team jahrelang motiviert bei der Sache bleibt, wenn alles nur auf freiwilliger, unbezahlter Basis passiert. Doch dieses Jahr ist alles anders. 2008 scheint das Jahr der großen Fanadventures zu werden. Jetzt präsentiert das mindFactory-Team nach einer Produktionszeit von acht Jahren sein Kind - Baphomets Fluch 2.5. Was der Spieler vom Ergebnis dieses Mammutprojektes erwarten darf, zeigt unser Test.

Long way to go

Nach der Veröffentlichung der ersten beiden Baphomets-Fluch-Teile entstand im Jahr 2000 die Idee für ein Fanadventure, das die Geschichte von George Stobbart und Nicole Collard weiterführen sollte. 2001 formierte sich das Team mindFactory und begann mit der Arbeit an eben diesem Projekt. Dass es weitere sieben Jahre dauern sollte, bis das fertige Spiel der Öffentlichkeit präsentiert wird, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand.
In der Zwischenzeit sind zwei weitere offizielle Baphomets-Fluch-Teile erschienen, die jedoch von den Fans der Serie teilweise mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden. Das lag zum Teil auch an der neuen 3D-Technik, die weniger schön war als die gezeichneten Hintergründe und darunter zu leiden hatte, dass die Steuerung schon bei der Programmierung für die Verwendung auf Spielkonsolen optimiert wurde.

Ein echter Fluch Baphomets

Doch zurück zum zweieinhalbten Teil: Nach der sehr professionell gestalteten Introsequenz findet sich der Spieler ganz in 2D vor Nicos Haus in der Rue Jarre wieder, jener vertraute Ort, der schon seit dem ersten Teil zum Kanon der Serie gehört. George hat ein mysteriöses Telegramm erhalten, das Nicos Tod berichtet. Im Schockzustand reist er nach Paris, wo er Nico unversehrt in ihrem Appartment findet. Die will nichts von dem Telegramm wissen und schickt ihren Freund vor die Tür. Was geht hier vor?
Die Geschichte von Teil zweieinhalb, von der wir hier nicht zu viel verraten wollen, reiht sich nahtlos in die Serie ein. Der Spieler trifft auf altbekannte Charaktere, sowohl gute als auch böse, und darf in Paris wieder eine Menge liebgewonnener Schauplätze besuchen. Die Entwickler verlassen sich jedoch nicht nur auf Altbewährtes, sondern haben viele neue Locations eingebaut.
Der Plot weiß wieder mal zu fesseln und sorgt durch seine unerwarteten Wendungen für den ein oder anderen Aha-Effekt. Auch die Rätsel sind wie gewohnt durch Nachdenken lösbar und würden vom Design her ohne Weiteres in die ersten beiden Teile passen. Der Schwierigkeitsgrad liegt konstant auf leicht gehobenem Niveau. Auch erfahrene Spieler sollten etwa 5-6 Stunden brauchen, bis der Abspann erreicht ist.

Dieselbe Szene in BF1 und BF2.5

Vertraute Bilder

Nach dem Spielstart wird erst auf den zweiten Blick und durch den direkten Vergleich mit dem Originalschauplatz deutlich, dass die Entwickler die Hintergründe nicht etwa 1:1 übernommen, sondern neu gezeichnet haben.
Die Auflösung von nunmehr 800 x 600 Punkten erlaubt eine klarere und sauberer wirkende Grafik als im Original. Zwar spürt man hinter den alten Pixelgrafiken von Revolution Software manchmal etwas mehr Detailarbeit, den Charme der Originale vermag das neue Spiel jedoch genauso einzufangen, wie man es schon von seinen Vorbildern gewohnt ist. Gerade von den neuen Locations kann manch ein Screen sogar die Grafikpracht des Ur-Fluchs übertrumpfen. Das Gesamtbild wird wieder durch liebevoll gestaltete Details wie herumfliegende Vögel oder vorbeifahrende Autos abgerundet.
Auch die Charaktere und ihre Animationen sind ausgezeichnet gelungen. Besonders die Zwischensequenzen, wie beispielsweise eine Szene in einem U-Bahn-Tunnel, verdienen besondere Beachtung. Hier wird deutlich, mit wie viel Einsatz und Liebe zum Detail ans Werk gegangen wurde. Leider ist der Grafikstil über das Spiel hinweg nicht einheitlich, was zum einen an der langen Produktionszeit liegen dürfte und zum anderen daran, dass die Grafiker während der Entwicklung gewechselt wurden. Während anfangs noch klare Konturen zu sehen sind, findet man im weiteren Verlauf des Spiels Szenen mit gewollter Unschärfe im Vordergrund.

Es gibt was auf die Ohren

Akustisch setzt Baphomets Fluch 2.5 die Messlatte bei Fanadventures sehr hoch. Nicht nur der Soundtrack ist in puncto Komposition und Aufnahmequalität ein Erlebnis, auch die vielen kleinen Hintergrundgeräusche fallen immer wieder positiv auf.
Besonders ungewöhnlich für ein rein nichtkommerzielles Projekt: Die Sprachaufnahmen fanden zum Teil im toneworx-Studio statt, echte Experten in Sachen Spielevertonungen, und es konnten viele der Originalsprecher gewonnen werden. Allen voran spricht Alexander Schottky die Rolle des George Stobbart wieder exzellent. Nico Collards markante Stimme kommt zwar diesmal nicht von Franziska „Scully“ Pigulla, die neue Sprecherin Agnes Regan ist aber ein absolut würdiger Ersatz. Ihre Stimme ist der ihrer Vorgängerin so ähnlich, dass der Unterschied kaum auffällt.

Viele Hintergründe sind wunderschön
Die beeindruckende Sprecherliste umfasst in über 50 Rollen etwa 40 verschiedene Sprecher, darunter illustre Namen wie Joachim Kerzel, die Stimme von Jack Nicholson, oder Norman “Guybrush” Matt. Leider merkt man, dass einige Sprecher ihren Text jeweils in einzelnen Sitzungen aufgenommen haben und auch später nicht mehr nachgearbeitet werden konnte. Gerade George spricht innerhalb der gleichen Szene bisweilen in unterschiedlichen Lautstärken und Tonlagen. Auch sind ab und zu Nebenfiguren suboptimal besetzt. Dennoch wurde hier ein respektables Stück Arbeit geleistet, bei dem man schnell vergisst, dass man für das Endergebnis keinen Cent bezahlt hat.

Bedienungsanweisung überflüssig

Die Steuerung dürfte aufgrund ihrer intuitiven Gestaltung den meisten Spielern nach den ersten Spielminuten vertraut sein. Mit der linken Maustaste wird gelaufen und agiert und mit der rechten untersucht. Die Hotspots und Ausgänge sind wieder angenehm leicht zu finden, dürfen aber zusätzlich per Leertaste hervorgehoben werden. Das Inventar blendet sich am unteren Bildschirmrand ein, sobald man den Mauscursor dort hinbewegt. Gleiches gilt für das Optionsmenü am oberen Bildrand.
Die Cursor wurden aus den früheren Spielen übernommen und auch die Gesprächsicons sind wieder da. Hinzugekommen ist eine Doppelklickfunktion, die die Spielfigur direkt zum nächsten Ausgang teleportiert. So entfallen unnötige Wartezeiten.
Die selbstentwickelte Engine leistet ihre Aufgabe übrigens mit Bravour. Sie läuft stabil und ohne nennenswerte Wartezeiten - etwas, an dem manch ein kommerzielles Adventure heutzutage scheitert.

Fluchtastisch!

Das mindFactory-Team hat ganze Arbeit geleistet. Grafisch, akustisch und atmosphärisch liefern sie ein echtes Fan-Meisterwerk ab, und das auch noch kostenlos. Wenn auch ein paar kleine Details nicht ganz perfekt gelungen sind und man dem Titel seine lange, inhomogene Entwicklungszeit durchaus anmerkt, spielt Baphomets Fluch 2.5 dennoch problemlos in der obersten Liga der Fanadventures mit. Nicht nur Fans der Serie können bedenkenlos zugreifen, dieser Leckerbissen ist für jeden etwas.



Mehr Bilder (12)
Pro und Kontra
+ Gut durchdachte Geschichte
+ Ausgezeichneter Soundtrack
+ Viele Details
+ Professionelle Sprachausgabe
+ Sehr gute Grafik
- Inhomogenitäten

Eigenschaften
Spiellänge:
5 - 6 Stunden

Sprachen:
Deutsch


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Infos

Die Wertung
OOOOO
5/5 - Hervorragend
Technik:
OOO
3/3
Inhalt:
OOO
3/3
Features:
OO-
3/3


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