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Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude
Lange habe ich widerstanden, doch als mich vor ein paar Tagen "Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude" im Elektronikfachmarkt für nicht mal 8 Euro angelächelt hat, bin ich als alteingesessener Fan von Flirt-Großmeister Laffer der Neugier erlegen. Wenn mich sein Neffe Lovage nicht überzeugen können würde, hätte ich den günstigen Kaufpreis immer noch als Dankesgroschen in Vivendis Spendendöschen als Tribut für den außergewöhnlichen Messeauftritt von der letztjährigen Games Convention schönreden können. Also das USK18-Spiel zur Kasse getragen und selbstsicher bei einer Verkäuferin bezahlt, die glatt soeben erworbenem Spiel hätte entspringen können (und nebenbei gesagt gerade ihr Auto zu Klump gefahren hatte, was im Spiel sicher mit einer ausgiebigen Trostspendung gewürdigt worden wäre).
Aber genug der Konjunktive. Der Titel von Larry 8 birgt wie üblich ein gar nicht mal so schlechtes Wortspiel: "Cum Laude" spricht sich im Englischen nämlich erschreckend ähnlich wie "cumload", was sich wohl am besten mit "Spermaladung" übersetzen lässt. Während ich mich bei Titeln wie "Yacht nach Liebe" (Larry 7) oder "...Looking for Love..." (Larry 2) noch inspirierend angesprochen fühlte, richten sich mir beim Gedanken an einen cremigen Samenschwall höchstens die Nackenhaare auf. Aber gut, geben wir dem Spiel eine Chance.
Nach 2 Stunden
An die Stimme von Oliver Pocher habe ich mich zu meinem Erstaunen recht schnell gewöhnt. Große Teile des Spiels finden einfach auf einem Niveau statt, das man von dem Pro7-Mann gewohnt ist und in einigen Passagen ist man sogar versucht zu meinen, dass Pocher eine richtig gute Wahl für die Rolle war. Alle anderen Charaktere (bis auf die von Larry Laffer) sind erfreulich gut vertont, was das Spielen doch angenehmer macht. Und auch die Übersetzung fällt positiv auf: Hier hat Vivendi sich richtig ins Zeug gelegt, Witze ins Deutsche übertragen, aus unbekannten amerikanischen Country-Sängern Wolfgang Petry gemacht und hierzulande assoziationslose US-Staaten in Sachsen oder Bayern geändert.
Weniger spannend gestaltet sich das Gameplay: Zwei von drei ansprechbaren Frauen müssen durch das Absolvieren von 5-10 Minispielchen von Larrys Potenz überzeugt werden, der Spieler wird mit einer mehr oder weniger witzigen Zwischensequenz belohnt, ein oder zwei neue Locations werden freigeschaltet und die Jagd auf die nächsten drei Frauen ist eröffnet. Ich hoffe, dass dieses primitive Prinzip im weiteren Spielverlauf noch an Komplexität gewinnt.
Der Humor von Larry 8 reicht von traurig über ordinär bis zu nett. Einige wenige Dialoge sind wirklich witzig, der Rest ist entweder selbst mir zu flach oder so profan, dass man nur noch weinen möchte. Jedes Mal, wenn man im Spiel eine Frau anspricht, die nichts mit dem eigentlichen Spiel zu tun hat, bekommt man eine Anmache zu hören. Meistens ist diese von Kaliber "Bist du schon mal verhaftet worden? Es muss strafbar sein, so gut auszusehen" und nur manchmal sind Perlen wie "Wenn Schönheit Steine wären, wärst du die Alpen" dabei. Die Königs-Anmache "Wasimmer die Drogen mit dir machen, ich kann es mit meiner Zunge" fehlt völlig.
Nach 3 Stunden
"Wenn Schönheit Steine wären, wärst du die Alpen." Ich kann es nicht mehr hören.
Die größte Vielfalt im Spiel ist bei den Ladebildschirmen zu beobachten: Da nach jeder Ecke die paar Polygone der nächsten Ecke nachgeladen werden müssen sind diese schirmfüllenden Schätze alle 1-2 Minuten zu sehen. Es gibt Fotos echter Frauen (leicht bekleidet), Bilder der virtuellen Frauen aus dem Spiel (leicht bekleidet bis nackt), fiktive Werbetafeln und mehr.
Nach 4 Stunden
Oh mein Gott, man sieht Larrys Ihrwisstschonwas!
Die Minispiele entwickeln sich zum Problem. Es gibt das "Drücke Pfeiltasten im richtigen Moment"-Spiel, Pong, Tapper, das "Bewege die Maus im richtigen Takt vor und zurück"-Spiel, das "Renne durch die Gegend ohne gefangen zu werden"-Spiel und die Dialoge, die wie eine horizontale Version von Superball funktionieren.
Ein nostalgisches Lächeln schleicht sich mir ins Gesicht, wenn eine der zahreichen Anspielungen auf die alten Larry-Spiele auftaucht. So hängt zum Beispiel im Frauenwohnheim ein Bild der Kopierschutzdamen aus Larry 2 und im "Lefty's Too" kann man die Bar aus Larry 1 in Voll-3D bewundern. Angesichts der Kommentare von Al Lowe im Vorfeld der Veröffentlichung des Spiels, der nicht in die Entwicklung einbezogen wurde, wirken diese Anspielungen aber leider eher wie eine Beschwichtigung der Fans.
Neben all den Vulgaritäten gibt es auch Lichtblicke: Die Szene, in der ein ständig masturbierender Versuchsaffe Larry gesteht, auf die Wissenschaftlerin scharf zu sein, die ihn eingesperrt hat, und seine "heiße Dampframme zwischen ihre Schenkel rammen möchte, bis ihr ein Schwall schaumigen Samens entweicht" sowie seinen "steifen Pfeil in ihren überhitzten cremigen Köcher stopfen" möchte ist schon vor der Aktivierung der Gehirnaustausch-Maschine so skurril, dass sie mir ein paar Lacher wert war.
Nach 5 Stunden
Fickhase? Hat es solche Wörter in den alten Teilen gegeben?
Nach 6 Stunden
Ein neues Minispiel! Der Wet-T-Shirt-Contest. Larry muss dabei vorbeilaufende Frauen mit Wasser beschießen, bis ihre Brüste sichtbar werden. Man kann sich das vorstellen wie das Ur-Moorhuhn, nur dass sich die Moorhühner nach dem Abschießen in zwei große, runde Titten verwandeln. Und wer will kann sich im Anschluss daran in der Bar ein Bier kaufen und den entstehenden Urindrang dazu nutzen den stellvertretenden Dekan der Universität in hohem Bogen anzupissen. Ein Fest der Frivolitäten. Ich muss mich zwingen, Magna Cum Laude als eigenständiges Spiel und nicht als Nachfolger zu betrachten, um keine Gedanken an Leichenschändung aufkommen zu lassen.
Während ich beim Spielen der sechs immergleichen strunzdummen Minispiele langsam (sprich: rapide) die Lust verliere und diese nur noch maschinengleich bewältige, fange ich an, auszurechnen, wie viel Zeit ich mit den einzelnen Disziplinen bereits verschwendet habe. Ein Bisschen versucht das Spiel den Sammeltrieb eines GTA zu erzeugen: In Statistiken kann man sehen, wie viel Prozent der Spielwelt man schon gesehen hat, wie oft Larry dabei gepfurzt hat und mit geheimen Marken kann man sich Boni kaufen wie Nacktmodelle der eroberten Damen oder Konzeptzeichnungen derselben.
Erstaunlich: Es gibt immer noch Ladebildschirme, die mir neu sind.
Extrem nervig: Immer öfter muss man Geld ausgeben, um Minispiele spielen zu "dürfen" und damit im Spiel weiterzukommen. Um Geld zu verdienen hat man 2-3 Möglichkeiten, nämlich andere Minispiele. Das Pong-Derivat an der Samenbank habe ich zu diesem Zweck über 30 mal spielen müssen. Dabei habe ich genau 0 mal verloren, was aber keine Leistung ist, weil das Spiel extrem einfach ist. Das macht keinen Spaß, ehrlich.
Nach 7 Stunden
Argh! Pong! Samenbank! PongPongPong! Aaaaaaahhhh! (Ich rechne: Knapp 30 Minuten habe ich mich bisher durch diese dämliche Links-Rechts-Orgie gequält, um genug Geld für den nächsten Beinahe-Akt zu scheffeln. Manchmal glaube ich, auf dem kleinen, weißen Ball ein Gesicht zu erkennen, das mich hämisch anlacht und mir Sachen zuruft wie "schäm dich, dass du so viel Zeit mit diesem Schund verschwendet hast!")
Nach 7,5 Stunden
Ich möchte sterben!
Nach 8 Stunden
Es ist vollbracht. Eine der drei möglichen Endsequenzen durfte ich jetzt bewundern. Diese war weder erotischer noch witziger als eine beliebige andere Eroberungs-Sequenz und genau genommen ziemlich dämlich und vorhersehbar. Jetzt kann ich auch nach Spielende (GTA lässt grüßen) den Campus weiter erforschen und versuchen, den Fortschrittsbalken auf 100% zu prügeln. Die Aussicht, dazu noch ein einziges Mal Samenbank-Pong spielen zu müssen lässt den Charme des "Verlassen"-Buttons zu groß werden. Auf Wiedersehen Larry.
Und so verschwindet ein Spiel von meiner Platte, das Frauen gar nicht und Männer nur dann anspricht, wenn sie bereit sind, ein paar hübsch animierte Polygon-Brüste mit etlichen Stunden ultramonotoner Tastendrückerei zu bezahlen. Früher war alles besser. Isso.
Jan 'DasJan' Schneider
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