|
Humor-Warnung: Bitte nehmen Sie den folgenden Brief nicht zu ernst.
Auch wenn er einen wahren Kern enthält, so sind die darin getroffenen Behauptungen übersteigert und nicht in Gänze ernst
gemeint. Sämtliche Ansprüche uns gegenüber entfallen dementsprechend nach Paragraph 118, BGB.
 |
|
 |
|
Vivendi Universal
6080 Center Drive, 10th Floor
Los Angeles, CA 90045
4. November 2003
Betr.: Ankündigung Magna Cum Laude
Sehr geehrter Herr Sierra,
Liebe Verantwortlichen,
Wenn ich an Leisure Suit Larry denke, dann denke ich an einen Strom immerfort währender Freude, an unzählige Stunden des Glücks, an einen kleinen, sympathischen und immer gut gekleideten (zumindest besser als ich) Möchtegern-Casanova, der mich in den Jahren meiner Pubertät und auch die Jahre davor stets begleitet und unterhalten hat. Ich denke an eine Computerspiel-Serie, die mehr ist, als bloßes Entertainment, mehr als eine Reihe Einsen und Nullen auf digitalen Speichermedien. Larry ist eine Institution, eine Kultur, eine Stätte der Besinnlichkeit, eine feste Größe in der Welt moderner Unterhaltungsmedien. Von Lefty's Bar bis zum Oberdeck der P.M.S. Bouncy habe ich ihn geführt, hat er mich geleitet, waren wir ein untrennbares Team, eine Symbiose der Freude. Was der Papst fürs Christentum ist, die Werbung fürs Privatfernsehen oder der Fahnenschwinger für den Karnevalszug, das war Larry für mich.
Das war vor zwei Wochen.
Wenn ich jetzt an Leisure Suit Larry denke, dann denke ich an blanken Hass. Unstillbare Blutlust. Den Zorn Gottes. Nicht desinfiziertes Folterwerkzeug. Quentin-Tarantino-Filme. Ich spüre einen unterdrückten Zwang nach Rache, Dinge passieren mit meinem Körper, von denen ich gedacht hätte, dass sie nur in Zeichentrickfilmen passieren können. Was macht ihr da? Was tut ihr unserem guten alten Larry an? Da werden Screenshots gezeigt, die man in Jahre alten Shareware-Schinken der Marke „mein erstes OpenGL-Experiment“ schon hübscher gesehen hat und ein Trailer, der mit einer Hardrock-Version des einst jazzigen Larry-Themas die Ohren unzähliger Fans zum Abfaulen bringt.
Es ist ja ehrenwert, dass ihr euch an die legendären frühen Jahre von Sierra erinnert und eine der größten Serien wieder aufleben lassen wollt, aber dann beweist auch den Anstand, das mit Würde zu tun. Wenn es euch nur darum geht, einigen pubertierenden Konsolenspielern zu zeigen, was Frauen über dem Bauchnabel haben, dann könnt ihr auch gleich ein Schmuddelheftchen auflegen. Dafür bräuchte man dann keine Xbox, die glücklichen Käufer könnten es mit aufs Klo nehmen und eine Marke wie Larry Laffer würde nicht so gedankenlos niedergemetzelt werden und könnte in Frieden ruhen.
Aber es reicht euch ja offenbar nicht, eure eigene Schöpfung in Fetzen zu reißen, nein – ganz explizit uns Adventure-Fans tretet ihr zu allem Überfluss noch gehörig in den Körperteil, der bei euch wie's scheint gerade Tag der offenen Tür hat. Es reicht euch nicht, mehrfach zu betonen, dass ihr nicht mehr das geringste Interesse daran habt, Adventures zu produzieren – daran hatten wir in den letzten Jahren ja Zeit, uns zu gewöhnen. Es kommt noch besser: „The fact is, there aren't enough of these old-school, hardcore adventure gamers for us to revisit the genre. We're not going to set ourselves up to fail“ sprach's und verschwand in einer Wolke von Selbstzufriedenheit. Zu deutsch: Ihr paar altmodischen Hardcore-Adventure-Fans reicht wirklich nicht aus, um diese Leiche von Genre wieder auszubuddeln. Wir verdammen uns nicht dazu, mit so einem verstaubten Dreck zu scheitern! Niemand will dem guten Herrn PR-Manager seine persönliche Meinung nehmen, aber die aktuelle Adventure-Explosion auf dem Markt entlarvt seine entschiedene Aussage als einen großen Haufen dampfenden Kuhdung. Lieber Herr PR-Manager, aufwachen! Das Adventure ist nicht mehr tot, schon gemerkt?
Dazu kommt noch der symbolische Akt im Trailer, als Larry Lovage einen Pappaufsteller von Larry Laffer umstößt und damit allen Fans sagt, wie unglaublich egal Sierra die Spiele sind, die sie in den 80ern und Anfang der 90er groß gemacht haben. Ohne Larry wäre Sierra nicht das gewesen, was es vor einigen Jahren war…
Es ist ja auch nett, dass offenbar jemandem bei euch aufgefallen ist, dass die kleine, altmodische Minderheit „Adventure-Fan“ doch nicht so klein und unbedeutend ist, und einen Schlachtplan entworfen hat, wie man auch deren Geldscheine noch in die Konzernkassen retten kann. So wurde Adam „not set ourselves up to fail“ Kahn für einige Tage mundtot gemacht, Al Lowe wurde kontaktiert und darf vielleicht zwei Witze zum Spiel beisteuern, um die aufgebrachten Fans mit seinem Auftreten in den Credits zu besänftigen und eine Armada von sympathischen Entwicklern und Produktmanagern wurde mobilisiert, im offiziellen Sierra-Forum Punkte zu sammeln (da der PR-Manager, dessen eigentliche Aufgabe das wäre, hierbei kläglichst versagt hat). Schön, dass ihr uns das Gefühl geben wollt, wahrgenommen zu werden, auch wenn wir euch im Grunde völlig egal sind – trotzdem hättet ihr Larry lieber in der Mottenkiste verstauben lassen sollen, als ihn öffentlich hinzurichten.
Verachtungsvoll,
Das Jan
|
|
 |
|
 |
|
|