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Zu Besuch bei Ubisoft


Es war eine richtige Überraschung. So etwas gab es noch nie im Genre: Ubisoft kündigte Ende 2008 den Director's Cut von Baphomets Fluch 1 an. Und jetzt ist es so weit, denn seit 19. März ist er in Deutschland erhältlich. Neben einigen erfreulichen Neuigkeiten gibt es leider auch negative Punkte, die das Spielerlebnis durchaus trüben. Wir haben Ubisoft in Düsseldorf besucht und uns die Neuauflage ausgiebig zeigen lassen.

In Erinnerungen schwelgen

Fangen wir mit den positiven Eindrücken an: Im DC ist laut Ubisoft das komplette Ur-Spiel enthalten. Es wurden demnach keinerlei Spielelemente herausgeschnitten oder die Story gekürzt. Im Gegenteil. Ein komplett neuer Handlungsfaden fügt sich in das bestehende Geschehen ein und verlängert damit die Spielzeit. Im von uns gespielten Spielabschnitt wechselte sich jeweils ein neuer spielbarer Abschnitt mit einem alten ab. Lediglich als George nach der Explosion vor dem Café de la Chandelle Verte die Zeitung aufhebt, vermischen sich zum ersten Mal alte mit neuen Elementen in einer einzigen Szene. Georges Kommentar zum Inhalt der Zeitung wurde nämlich stark erweitert, was auch durch neue Nahaufnahmen der Zeitung visualisiert wird.

Ein alteekannter Schauplatz (links) mit brandneuen Elementen (rechts).
(Mehr Bilder in der Galerie.)
Alle neuen Spielabschnitte werden mit Nico gespielt, so beginnt das Spiel in der Villa von Pierre Carchon, einem Medienmogul Frankreichs. Bei Nicos Ankunft wird dieser von einem Pantomimen erschossen, der Nico bei seiner Flucht niederschlägt. Sofort nimmt Nico eigene Ermittlungen auf, möchte sie doch gern sofort wissen, was hier vorgeht. Es ist ein feiner Zug von Revolution, dass sie an vielen Stellen die Kulissengrafiken mit einem größeren Farbspektrum aufgearbeitet haben. Überall dort, wo besseres Ausgangsmaterial verfügbar war. Für alle Fans mehrsprachiger Spiele gibt es ebenfalls erfreuliche Nachrichten: Neben Deutsch und Englisch sind auch Französisch, Italienisch und Spanisch in Wort und Schrift auswählbar. Weitere neue Features wie eine integrierte mehrstufige Spielhilfe, ein automatisch geschriebenes Tagebuch sowie die optimale Unterstützung des Nunchuks bzw. des Stylus machen beim Spielen viel Freude. Die Rätsel in den neuen Spielabschnitten sind durchweg logisch und dennoch originell. Es macht richtig Spaß, die neue Story interaktiv mitzuverfolgen.

Kritik bleibt nicht aus

Damit sind wir aber auch schon beim ersten Kritikpunkt: Bei allen Neuerungen muss dem Käufer aber auch bewusst sein, dass der Director's Cut im Wesentlichen eine Neuauflage des Originalspiels ist. Ein komplett neues Spiel sollte man also nicht erwarten. Der größte Minuspunkt geht an die Sprachausgabe und alles was dazugehört. Der Reihe nach: Die Nintendo-DS-Version hat im Vergleich zur Wii-Version keine Sprachausgabe. Alle restlichen Inhalte sind aber identisch. Obwohl die Wii-Version hier punkten kann, schießt sie sich leider ein Eigentor. Der Unterschied zwischen den neuen und alten Sprachaufnahmen ist riesig groß. Gerade in der weiter oben beschriebenen Zeitungsszene fällt der Wechsel besonders negativ auf. 1996 mussten alle Dateien aus Platzgründen stark komprimiert werden, 13 Jahre danach gibt es technisch weitaus bessere Möglichkeiten. Natürlich ist es Ubisoft bzw. Revolution hoch anzurechnen, dass sie das Ur-Spiel unverändert beließen, es hätte schließlich auch viel kaputt gemacht werden können. Aus ästhetischer Sicht hätte hier das Tonstudio aber die neuen Aufnahmen den alten anpassen müssen. Wer den Trailer mit Ingame-Szenen gesehen hat, sei gewarnt: Die wunderbar animierten Close-ups sind leider nur in diesem ersten Spielabschnitt zu sehen. Dafür sind sie aber eine Augenweide! Gleich im Anschluss – man sieht es in der letzten Szene des Trailers – wird klar, dass alle übrigen Dialoge ohne Mundbewegungen auskommen. Nur das Blinzeln und gelegentliche Ausdrucksänderungen im Gesicht verändern sich. Bemerkenswert: Die Spielfiguren auf der Bühne bewegen sehr wohl ihre Münder passend zum Text. Unverständlich bleibt, warum dies nicht auch bei den Close-ups der Fall ist, die eher wie Platzhalter eines unfertigen Spiels wirken. Ebenfalls als Platzhalter-Grafik ist Nicos knallrotes Tagebuch-Icon zu bezeichnen. Es ist ein liebloser Kasten, in den das Wort „La Liberté“, Nicos Arbeitgeber, gesetzt wurde. George hat hingegen ein nettes Notizblock-Icon spendiert bekommen. Ziemlich unverständlich, wie es zu diesem Qualitätsunterschied kommen konnte. Zu guter letzt sei angemerkt, dass die Untertitel nicht abgeschaltet werden können. Selbst in der Wii-Version ist dies nicht möglich.

Erste Einschätzung

Überblickend betrachtet ist der Director's Cut eine neue Spielerfahrung, die lohnt gemacht zu werden. Klar, es gab schon für Action-Spiele wie Tomb Raider erweiterte Neuauflagen; für das Adventure-Genre ist es aber völlig neu. Wir haben das Spiel bei Ubisoft lediglich 3 Stunden angespielt, was es schwierig macht eine Gesamtbeurteilung abzugeben. In unserem Test werden wir das Spiel aber noch einmal komplett beleuchten und eine eindeutigere Kaufhilfe geben.

Sebastian 'Tooms' Nisi


 

 
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