Der Fall John Yesterday
Adventure-Treff






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Der Fall John Yesterday
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Wir meinen: David Cage ist mit Heavy Rain (zum Test) ein Meisterwerk der interaktiven Unterhaltung gelungen. Während Fahrenheit vor ein paar Jahren an seiner zum Ende hin unausgegorenen Story und frustrierenden Schleichpassagen auf hohem Niveau scheiterte, schafft Cage mit der Suche nach dem Origami-Killer und dem entführten Shaun Mars ein nahezu formvollendetes Gesamtkunstwerk, das es in dieser Form bislang kein zweites Mal gibt. Das Schicksal von Ethan Mars und seinem Sohn hat uns tief bewegt und bis zum Ende hin auf einen gleichsam spannenden, anrührenden und actionreichen Trip geführt, den wir so schnell nicht vergessen werden.

Wir meinen: Im vergangenen Jahr hatten wir es zwar nicht mit ganz so vielen Top-Titeln zu tun wie noch 2009, dennoch fiel auch 2010 die Wahl nicht ganz so leicht. Am meisten überzeugen konnte uns letztlich Tales of Monkey Island (zum Feature-Artikel), in dem Möchtegern-Pirat Guybrush Threepwood samt Ehefrau Elaine, der Voodoo-Lady und jeder Menge anderer bekannter Gesichter ein überaus unterhaltsames Comeback feiert, das auch spielerisch bestens unterhält. Mit Norman Matt ist zudem Guybrushs Stammsprecher wieder mit an Bord - und ähnlich wie sein Alter Ego scheint er kaum in die Jahre gekommen zu sein. Wir verneigen uns vor dem fünfgeteilten Abenteuer von Telltale Games und hoffen, dass es nicht das letzte Wiedersehen mit unserem Lieblingsfreibeuter war.
Ebenfalls eindrucksvoll zurückgemeldet hat sich Jane Jensen mit ihrem Mystery-Abenteuer Gray Matter (zum Test). Ihr neuester Streich überzeugt vor allem mit Blick auf Story- und Charakterdesign, leistet sich aber auch die eine oder andere Macke beim Gameplay.

Wir meinen: 'Wie weit würdest Du gehen, um jemanden zu retten, den Du liebst?' ist vielleicht die zentrale Frage, die sich dem Spieler in Heavy Rain stellt. Der Origami-Killer gibt Ethan Mars immer wieder Prüfungen auf, die ihn vor eine Wahl stellen. Von seiner Entscheidung hängt nicht weniger ab, als das Leben seines Sohnes Shaun. David Cage kreiert im PlayStation-3-exklusiven Abenteuer ein Erlebnis der besonderen Art, das uns im vergangenen Jahr begeistert hat wie kein anderes.

Wir meinen: In diesem Jahr gab es kein Spiel, das uns stärker in seine Spielwelt gezogen und dabei näher an die Charaktere und die Handlung herangeführt hat als Heavy Rain (zum Test). Ethan Mars' Unglück, seine innere Zerrissenheit nach dem Tod seines Sohnes Jason und die Hoffnung, seinen anderen Sohn Shaun lebend wiederzufinden, hat uns von Beginn an gepackt und über den Abspann hinaus emotional mitgenommen. Selten hat uns das Schicksal der Protagonisten mehr berührt als in Quantic Dreams Thriller. Wer noch nicht davon überzeugt ist, dass Spiele eine Kunstform sind, den könnte Heavy Rain eines Besseren belehren.
Aber auch Telltale Games hat mit seiner Episoden-Fortsetzung Tales of Monkey Island (zum Feature-Artikel) gezeigt, welches Potenzial im 'Monkey-Island-Universum' steckt – und schickt Guybrush auf eine kurzweilige Odyssee auf Flotsam Island und unterhält mit erstklassigem Wortwitz, der auch in der deutschen Version gut zur Geltung kommt.

Wir meinen: Früher war sicherlich nicht alles besser, aber das Rätseldesign von Ron Gilberts Monkey Island 2: LeChuck's Revenge ist einfach zeitlos gut. Das hat sich in der überarbeiteten Special-Edition-Version (zum Test) natürlich nicht geändert. In kaum einem Adventure findet man eine solch grandiose Verbindung von clever designten Rätselketten, die noch dazu gekonnt in die humorvolle Handlung verstrickt sind.
Wenn dem ehemaligen LucasArts-Mitarbeiter jemand in puncto Rätseldesign das Wasser reichen kann, dann sind es nicht zuletzt ein paar andere ehemalige LucasArts-Angestellte, die mittlerweile für die kalifornische Spieleschmiede Telltale Games arbeiten. In Tales of Monkey Island zeigen die Amerikaner, wie man auch heute noch äußerst originelle Rätsel entwirft, diese geschickt mit der Story verwebt und schließlich mit einem ordentlichen Schuss Humor selbst dem größten Kostverächter schmackhaft machen kann.

Wir meinen: Wer ganz genau hinsieht, der findet auch in der überwiegend düsteren HD-Grafik von Heavy Rain (zum Test) die eine oder andere Detailschwäche. Mit der großartigen Animationstechnik und der grandiosen Inszenierung von Handlungsabschnitten und Actionsequenzen überzeugte uns David Cage dieses Jahr dennoch am meisten. Mit cleveren Schnitten, Perspektivwechseln, Splitscreens oder Bildern im Handkamera-Stil bringt Quantic Dream die Dramatik eindrucksvoll auf den Bildschirm und unterstreicht sie mit seinem orchestralen Soundtrack und guter Sprachausgabe auch akustisch gekonnt.
Relativ deutlich dahinter platzieren sich A New Beginning (zum Test), mit dem Daedalic beweist, dass man auch 2010 noch dem Charme eines reinen 2D-Adventures erliegen kann, Amnesia - The Dark Descent (zum Test), das uns nicht nur akustisch einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ, und die DS-Umsetzung von Runaway - A Twist of Fate (zum Test), die im Taschenformat ihrem großen PC-Bruder in kaum etwas nachsteht.

Wir meinen: So richtig innovativ war dieses Jahr eigentlich kein Adventure, denn auch das Konzept von Heavy Rain ist nicht gänzlich neu. Doch David Cage perfektioniert mit dem Erwachsenen-Thriller seine Art, Spiele zu machen, und ist damit unsere Innovation 2010.

Wir meinen: Während wir weiterhin auf das vielversprechende Geisteradventure Haunted warteten, erschien 2010 ein anderes Adventure des Frankfurter Entwicklerstudios Deck13, das eigentlich niemand so richtig auf der Rechnung hatte. Kürzere Spielzeit? Kürzere Entwicklungszeit? Das kann doch eigentlich nicht gut gehen. Doch, es kann. Das haben die Hessen in diesem Jahr mit Black Sails (zum Test) recht überzeugend bewiesen. Atmosphärisch stark, optisch ansprechend und spielerisch solide taucht die 'Mary Celeste' wie aus dem Nichts auf und unterhält besser als so manches große Adventure. Vielleicht erfahren wir ja 2011, ob 'das andere Geisteradventure' genauso gut geglückt ist.
Positiv überrascht hat uns auch der Independent-Entwickler Frictional Games mit Amnesia – The Dark Descent (zum Test). Wir wussten zwar schon seit Penumbra, was die Schweden drauf haben, aber mit Amnesia liefern sie ihr bislang bestes Spiel ab.

Wir meinen: Mit deutlichem Abstand hat sich Amnesia – The Dark Descent (zum Test) unter den Independent-Titeln an die Spitze gesetzt. Das Spiel der Penumbra-Macher überzeugt nicht zuletzt mit seinem grandiosen Soundesign, das einen erheblichen Teil zur starken Atmosphäre des Abenteuers beiträgt, die dem Spieler regelmäßig Angst und Bange macht.
Überzeugt haben uns aber auch das FMV-Adventure Darkstar und Lassie Games' A Stitch in Time (zum Test).

Wir meinen: Mit der dritten Staffel von Sam & Max zeigt Telltale Games erneut, dass das Spielestudio etwas von humorvollen Comic-Adventures versteht. In Sam & Max Season 3: The Devil's Playhouse (zum Feature-Artikel) schicken sie das tierische Detektivduo von Erfinder Steve Purcell erneut auf eine verrückte Reise, an deren Ende nicht weniger steht als die Rettung der Welt. Mit verbesserter Technik, cleveren Rätseln, gewohnt spitzzüngigem Humor und wiederholt mit exzellenter Sprachausgabe schiebt sich die Freelance Police auf Platz 1 unter den fremdsprachigen Titeln.
Etwas dahinter platziert sich das überraschend starke 2D-Adventure A Stitch in Time (zum Test), das bereits einen deutschen Publisher gefunden haben soll.

Wir meinen: Bei der großen Auswahl an Spielen wurde es dieses Jahr knapp. Den Titel konnte sich 2010 die deutsche Übersetzung von Ben Chandlers Shifter's Box - Outside In (Homepage) sichern, das zwar nicht zu den längsten, wohl aber zu den grafisch schönsten Titeln gehörte.
Knapp dahinter landete das Maniac-Mansion-Mania-Halloween-Special Das Monster aus der Racoon Lagoon von Tobias 'FireOrange' Schmitt, womit zum ersten Mal ein MMM-Titel den Sprung nach oben schaffte.

Wir meinen: In der bunten Welt der Apps entwickeln sich besonders iPhone, iPod Touch und iPad zu ernstzunehmenden Adventure-Plattformen. Obwohl ein Großteil dieses Marktes noch aus Neuauflagen verschiedener Klassiker besteht, schaffte es in unserer internen Wahl mit Hector: Badge of Carnage ein originärer Titel an die Spitze, der nativ für iOS entwickelt wurde. Der ruppige Humor des toll gezeichneten Comic-Adventures ist zwar nichts für Zartbesaitete, Erwachsene mit einem Hang für grobschlächtigen Frontalhumor werden an der kreativen Energie der Autoren aber ihre helle Freude haben.
Aus dem Bereich der Remakes schaffte es Baphomets Fluch – Die Spiegel der Finsternis: Remastered auf Platz 1. Die gelungene Deluxe-Edition des zeitlosen Revolution-Klassikers erweitert das Spiel sinnvoll und kann über die Entwickler-Website sogar zu fünf verschiedenen Sprachversionen transformiert werden.

Wir meinen: Future Games ist es schon seit einigen Jahren nicht mehr gelungen an die Qualität ihres Gruselabenteuers The Black Mirror anzuknüpfen. Das hat sich auch im letzten Jahr mit Alter Ego (zum Test) nicht geändert. Mit seinen unsympathischen Hauptfiguren, seiner lückenhaften Story sowie der einen oder anderen spielerischen Macke konnte uns das Abenteuer zu keinem Zeitpunkt begeistern. Erwarten wir vielleicht zu viel von den Tschechen? Es bleibt die Hoffnung, dass irgendwann vielleicht doch noch mal ein großer Titel vom einst so ruhmreichen Entwicklerstudio kommen könnte.
Enttäuscht war manch einer auch vom neuen Abenteuer der Gabriel-Knight-Schöpferin Jane Jensen. Spielerisch leistet sich die Design-Ikone in Gray Matter ein paar Macken, die man in einem so wichtigen Titel nicht erwartet hätte. Inhaltlich befindet sich das Spiel hingegen auf hohem Niveau, wird den Meilenstein-Erwartungen aber auch diesbezüglich nicht ganz gerecht.

 

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