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LucasArts hat sein vielversprechendes Adventure Sam & Max 2 eingestellt. Als Grund wurde die schwierige Lage auf dem Adventure-Markt genannt, was angesichts der großen Zahl an aktuellen Adventures nicht ganz schlüssig erscheint. Wir haben die gefragt, die es wissen müssen, und sowohl Publisher als auch Entwickler um Stellungnahmen zur wirtschaftlichen Situation im Adventure-Markt gebeten. Geantwortet haben uns neben Tony Warriner von Revolution Software und Benoît Sokals neuer Firma White Bird Productions auch dtp, Ubisoft und bhv.
Wie seht ihr das wirtschaftliche Potenzial im Adventure-Markt?
„Meine Theorie ist, dass das Potenzial im Adventure-Markt tatsächlich viel größer ist, als man im Allgemeinen annimmt. Dieses Potenzial zu erschließen ist allerdings eine schwierige Aufgabe: Adventures, wie sie früher waren, würden sich nicht mehr gut über die relativ kleine (wenn auch lautstarke!) Online-Adventure-Community hinaus verkaufen. Genres zu vermischen kann ähnlich fatal sein.
Ich vermute, das Problem bei Sam & Max 2 könnte sein, dass sie kein reines Adventure entwickelt haben und ungeschickte Anleihen bei anderen Genres gemacht haben. Sie haben sich das Spiel vermutlich noch mal genau angesehen und festgestellt, dass Adventure-Spieler es nicht gemocht hätten, weil es kein reines Adventure war, während der Massenmarkt es abgelehnt hätte, weil es weder das eine noch das andere war. Ich denke, dass auch Hardcore-Spieler wirklich gute Adventures mögen – niemand mag jedoch einen schlechten Genremix. Es ist aber in diesen Tagen sehr schwer zu entscheiden, was man in sein Spiel integriert und was nicht. Wir haben für unser eigenes Spiel Baphomets Fluch III einige schlechte und einige positive Reaktionen bekommen, und es hat viel Mühe gekostet, unser Spiel tatsächlich finanziert zu kriegen. Theoretisch hätte LucasArts als großer und mächtiger Publisher mit einem hochbudgetierten reinen Adventure ein Zeichen setzen können. Anscheinend waren sie nicht selbstsicher genug, das zu tun, und das ist eine Schande.“
– Tony Warriner, Revolution Software
„Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich denken oder sagen soll. Meiner Ansicht nach gibt es keine Umfrage oder Marktanalyse, die eine klare Aussage darüber macht, was ein Erfolg werden kann und was nicht. Der Abbruch der Arbeiten an Sam & Max 2 ist eine schlechte Neuigkeit. Ich muss aber der Aussage zustimmen, dass Adventures nicht so im Mainstream liegen wie Echtzeitstrategie oder Shooter auf dem PC bzw. Sportspiele und Jump & Runs auf Konsolen.
Meine persönliche Meinung und nebenbei das Gefühl, das wir alle hier bei White Birds Productions haben, ist, dass das Adventures das Genre ist, welches am besten zu der erwachsenen Zielgruppe passt. Adventures werden für Gelegenheitsspieler gemacht, Männer und Frauen, und für jede Altersgruppe. Darüber hinaus glauben wir, dass Adventures für Menschen gemacht werden, die „multikulturell“ in ihren Hobbys sind: Lesen, Filme ansehen, Computerspiele spielen. Natürlich gibt es auch Hardcore-Gamer, die Adventures lieben, wir glauben aber, dass diese eher bei Echtzeitstrategie-Spielen und Shootern zu finden sind. Deshalb sind wir der Meinung, dass es immer eine Zielgruppe für Spiele wie Lost Paradise und Syberia geben wird. Wir sind außerdem fest davon überzeugt, dass die Spiele, die wir produzieren, solche sind, die am einfachsten zu Filmen gemacht werden können. Wir arbeiten bereits an einer Adaption von Lost Paradise für die Filmindustrie.“
– Michel Bams, White Bird Productions
„Das ist genau das, was ich immer sage. Mit Strategie- und Rollenspielen oder Shootern lässt sich, eine gewisse Produktqualität vorausgesetzt, viel einfacher Geld verdienen. Ich habe Sam & Max auch gespielt und fand es toll. Ich würde mir auch eine Fortsetzung kaufen. Nur bin ich nicht der Maßstab. Für LucasArts stellt sich vielmehr die Frage, ob sich weltweit das Spiel 250.000 Leute kaufen. Und da haben sie wohl das Gefühl, dass es nicht so ist.
Außerdem gehe ich davon aus, dass sie The Westerner von Crimson Cow gesehen haben und da müssen sie sich nach meiner Einschätzung (was ich bisher von Sam & Max 2 gesehen habe) eingestehen, dass sie da technisch nicht auf Augenhöhe sind. Und das ist sicher nicht der Anspruch von LucasArts. Also werden sie weiter auf Star Wars setzen, weil die Lizenz weniger Risiken birgt.
Für dtp steht weiter eine lokale Strategie im Vordergrund. Wir machen Spiele primär für den deutschsprachigen Raum. Und das ist bei The Longest Journey, Runaway und Tony Tough bestens aufgegangen. Und auch Black Mirror und The Moment of Silence sowie unsere Titel, die wir mit Crimson Cow machen (The Westerner, Runaway 2), werden funktionieren. Das liegt aber auch daran, dass wir die Liebe zum Adventure-Genre mit viel Einsatz bei der Lokalisation und der Vermarktung der Produkte vorleben.“
– Carsten Fichtelmann, dtp
„Adventure-Spiele scheinen derzeit ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Immer wieder lässt sich im Hinblick auf den Verlauf der Computer- und Videospielgeschichte ein interessenspezifisches Mehr und Weniger an diesem Genre beobachten. Nichtsdestotrotz ist dieses Segment für uns ein wichtiger Bestandteil unseres Produktportfolios. Dabei begnügen wir uns nicht damit, Spielkonzepte und -ideen zu übernehmen: Ubisofts Line-Up auf dem Gebiet der Adventure-Games ist dadurch bestimmt, Qualität auf hohem Niveau zu bieten. Titel wie etwa In Memoriam oder auch die Myst-Reihe – eine der erfolgreichsten Marken der Videospielgeschichte überhaupt – verfolgen das Ziel, dem Spieler innerhalb vertrauter Genres ein Höchstmaß an Innovation zu gewährleisten. Nur auf diese Weise gelingt es uns schließlich, eine Käuferschicht anzusprechen, die ein genretypisches Spielerlebnis erwartet, das nicht durch die Herausforderung sensomotorischer Leistungen geprägt ist. Die Anforderungen an den Spieler, die wir innerhalb der Adventures in den Vordergrund stellen, sind vornehmlich durch das Lösen von Rätseln sowie das Analysieren und Kombinieren von Sachverhalten bestimmt. Da somit nicht zwingend eine gewisse Praxis für das Erreichen des Spielziels vorausgesetzt ist, können auch Gelegenheitsspieler in die Ubisoft-Adventure-Welten eintauchen und ihr Erlebnis zu einer tiefen immersiven Erfahrung werden lassen. Es ist genau diese Spielerschicht, die allzu oft aus den Augen verloren wird. Dabei ist es auch weiterhin unser Ziel, eben diese Zielgruppe zu bedienen und Welten zu erschaffen, die genau diesen Spielvorlieben entsprechen.“
– Lars Kühme, Ubisoft
 Sam & Max 2 wird in absehbarer Zeit wohl nicht erscheinen.
Wenn andere Genres größeren Profit versprechen, warum engagiert ihr euch dann zurzeit im Adventure-Bereich?
„Der Knackpunkt ist das Wort „versprechen“! Viele Spiele sind Flops und der Massenmarkt ist überfüllt von zu vielen sehr ähnlichen Spielen, die alle die gleiche enge Zielgruppe ansprechen. Ein erfolgreiches Adventure wäre profitabel. Die Kunst ist, die richtigen Zutaten für das Adventure auszuwählen und dieses dann gut und zuversichtlich umzusetzen.“
– Tony Warriner, Revolution Software
„Wir entwickeln Adventures, weil wir sie mögen. Wir mögen und spielen viele Arten von Computerspielen, aber das Adventure ist unser Lieblingsgenre und wir glauben, dass Spiele aus der Feder von Benoît ziemlich unverwechselbar sind.“
– Michel Bams, White Bird Productions
„Machen wir ja nicht nur. Adventures sind unsere erste Liebe. Darüber hinaus haben wir mit Gothic ein Rollenspiel gemacht. Zusammen mit Crimson Cow wird mit Dungeon Lords ein weiteres folgen. Wir werden außer dem Radsport Manager in diesem Jahr auch noch zwei Sportspiele herausbringen und man wird von uns auch in anderen Genres Notiz nehmen. Aber das Geschichtenerzählen und die Charakterausbildung ist im Adventuregenre viel ausgeprägter. Hier liegen einfach unsere größten Stärken, darum machen wir viele Adventures.“
– Carsten Fichtelmann, dtp
„Wir haben uns seinerzeit für Der Verborgene Kontinent entschieden, weil es ein sehr gutes Adventure ist und weil in diesem Genre lange nichts auf dem Markt neu erschienen ist. Die Reaktionen von Adventure-Fans waren sehr gut und wir verkaufen das Produkt erfolgreich. Wir werden uns in Zukunft nicht auf Adventure-Games spezialisieren, aber für diesen Titel war es klar, dass wir dieses PC-Spiel in unsere vorhandenen Vertriebskanäle erfolgreich reinstellen können. Unser Produktportfolio ist sehr breit, von daher wenden wir uns unabhängig davon auch anderen Genres zu.“
– Susanne Birkner, bhv
Fazit
Die Produktion von Sam & Max 2 wurde eingestellt. Ein harter Schlag für LucasArts-Fans, aber kein Grund zu anhaltender Trauer. Denn so viele hochkarätige Adventures wie zurzeit tauchten seit langer Zeit nicht mehr auf den Release-Listen auf und auch ohne Sam & Max 2 können wir uns in Zukunft auf viele gute Genrevertreter freuen.
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