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Patrimonium
Hersteller: Chuck Productions
Sechs Jahre sind eine lange Zeit, um ein Spiel zu entwickeln – selbst für ein Fanadventure, oder besser gesagt, in diesem Fall ganz besonders. Viele Hobbyentwickler scheitern bei der Durchsetzung eines solchen Mammutprojekts an den verschiedensten Aspekten. Nicht so das Team von Patrimonium, das uns pünktlich zum vergangenen Weihnachtsfest mit einem Grafikadventure erster Güte beglückte – und das auch noch als Freeware.Abenteuergeschichte
Protagonist Julian Hobler hat gerade sein Physikstudium absolviert. Obwohl er sich jetzt besser um seine Karriere kümmern sollte, plant er lieber erst einmal einen ausgedehnten Urlaub, um sich von den Strapazen der Universitätszeit zu erhohlen. Nur ein kleines Detail hindert ihm am sofortigen Buchen einer Reise in ein malerisches Urlaubsdomizil: Chronischer Geldmangel. Dieser wird auch zum Problem, als zwei böse dreinblickende Schuldeneintreiber vor Julians Tür stehen und mit ihm kurzen Prozess machen wollen. Julian flüchtet kurzerhand zum Flughafen. Kurz zuvor hat er nämlich einen Brief seines ehemaligen Professors Peter Wonciek erhalten, der ihn zu einem Besuch in Ägypten einlädt und die passenden Flugtickets gleich beigelegt hat.
Die Geschichte setzt sich spannend fort und schneidet schließlich sogar die ägyptische Mythologie an. Dabei bleibt aber ganz klar, dass Patrimonium sehr viel Wert auf viel Humor und Spielwitz setzt. Dies schafft es in einer heute im Genre selten gewordenen, dezenten aber erfrischenden Art und Weise und unterhält so über alle Akte hinweg sehr gut.Klassische Kost
Sowohl bei der Rätselgestaltung als auch beim Interface haben sich die Macher ganz klar an den großen Klassikern aus dem Hause LucasArts orientiert. Die gestellten Aufgaben sind durch und durch klassisch. Die vorhandenen Kombinations- und Dialogrätsel sind sehr vielfältig und variieren im Schwierigkeitsgrad von sehr einfach bis sehr schwierig. Es kommt durchaus vor, dass man an einigen Kopfnüssen erst einmal einige Zeit sitzt, bis man auf die richtige Idee kommt. Trotzdem bleiben die Rätsel fair und nachvollziehbar und sind außerdem sehr gut in die Handlung integriert. Man hat nur selten das Gefühl, dass Rätsel nur platziert wurden, um die Spielzeit zu erhöhen obwohl sie gar nicht zur Situation passen. Erschwert werden die Aufgaben noch durch die Platzierung unwichtiger Inventargegenstände, die den Spieler auf falsche Fährten führen sollen. Für den erfahrenen Adventurespieler natürlich kein Problem, für Genreneulinge aber eventuell abschreckend.
Die Steuerung läuft komplett über die Maus. Am unteren Bildschirm ist eine Verbenauswahl platziert, die unter anderem über Möglichkeiten wie „Rede, „Schau, oder „Ziehe“ verfügt. Praktischerweise können Standardaktionen wie das Betrachten eines Gegenstandes einfach mit der rechten Maustaste ausgelöst werden. Daneben befindet sich das Inventar, in das unbegrenzt viele Gegenstände aufgenommen werden können. Auch die genauere Untersuchung eines Objektes oder die Kombination mit einem anderen ist hier möglich. Die Dialoge laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab. Bei allen Gesprächen sollte man gut aufpassen, da hier viele rätselrelevante Hinweise versteckt wurden.Präsentation
Die grafische Gestaltung von Patrimonium ist auf erstaunlich hohem Niveau. Die Hintergründe und Charaktere des Spiels sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und wirken sehr lebendig. Trotzdem merkt man dem Fanprojekt hier seine lange Produktionszeit an, da der Grafikstil im gesamten Spielverlauf nicht ganz konsistent ist und insbesondere die Charaktermodelle nicht immer zur sonstigen Grafik passen. Diese Umstände verzeiht man dem Spiel jedoch auf Grund der ansonsten für ein Fanadventure hohen Qualität sehr schnell.
Auch beim Thema Sound gibt es nicht wirklich etwas zu meckern. Die Hintergrundmusik ist abwechslungsreich und zugleich passend, bleibt aber dezent im Hintergrund und stört nicht. Die Soundeffekte sind gut gewählt und stellen einen Gewinn für Präsentation und Atmosphäre dar. Lediglich die nicht vorhandene Sprachausgabe fehlt im Vergleich zu professionellen Produktionen ein wenig, wobei natürlich völlig klar ist, dass eine solche mit beschränkten finanziellen Mitteln nicht zu machen ist.Alles richtig gemacht
Patrimonium als Fanprojekt hat vieles richtig gemacht, woran viele andere ähnliche Vorhaben gescheitert sind. Die Entwicklung fand über einen relativ langen Zeitraum statt und trotzdem hat es das Team geschafft, ein in sich geschlossenes und sehr unterhaltsames Werk abzuliefern. Auch die Qualitätssicherung hat offenbar gut funktioniert, denn Bugs oder ähnliche Probleme konnten wir beim Testen kaum beobachten. Der richtige Schliff, der vielen Games vermutlich vor allem auf Grund von Zeitdruck fehlt, ist geglückt. Dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch die Praxis, das Spiel in Akte aufzuteilen und diese schon einmal vorab zu veröffentlichen. Dies hat den wesentlichen Vorteil, zum einen Feedback von den Spielern direkt in den folgenden Episoden umzusetzen und gleichzeitig die Wartezeit auf das Spiel zu überbrücken, zum anderen aber auch die Motivation des Teams zu stärken und den Titel im Gespräch zu halten. Patrimonium ist eines dieser Fanadventures, dessen Download und Spielzeit man nicht bereut und für das man im Nachhinein ruhig den ein oder anderen Euro bezahlt hätte. Aktuell plant das Team rund um Patrimonium keine weiteren Adventures. Das Potential wäre offensichtlich aber auf jeden Fall vorhanden.
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Pro und Kontra
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Ausgereifte, spannende Story |
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Hochwertige Grafik |
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Gute Steuerung |
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Keine Sprachausgabe |
Eigenschaften
Spiellänge:
6 Stunden
Sprachen:
Deutsch
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